Schwere Krankheit in der Partnerschaft

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Beitrag von kinslayer - 15.04.08 - 13:03 Uhr

Sehr geehrte Frau Dr. Kiesling,

zunächst einmal möchte ich mich bedanken, dass Sie uns auf dieser Plattform die Möglichkeit bieten, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Ich möchte Ihnen einmal kurz meinen Fall schildern.

Vor gut 9 Monaten lernte ich einen Mann kennen, ich den ich mich heftig verliebte. Dieser " gestand" mir auch sofort am selben Abend, dass er unter HCV leidet.

Zwei Monate später begann er seine Therapie, die mit sehr heftigen Nebenwirkungen verbunden ist ( Atemnot, Schmerzen, Aggressionen, Depressionen und dergleichen mehr). Es war eine sehr harte Zeit für uns beide, trotzdem bin ich bei ihm geblieben, weil ich auf eine bessere Zeit für uns beide gehofft habe ( die Therapie sollte urspürnglich 48 Wochen dauern).

Nach einem halben Jahr dann der Rückschlag- er scheint zunächst ein Relapser zu sein (d. h., er spricht zunächst auf die Therapie an, trotzdem steigt nach einiger Zeit seine Virenlast wieder an).

Aufgrund der Schwere der Nebenwirkungen der Medikamente entschied man sich dann in der Uniklinik, dass man die Therapie abbricht. Das war im Februar diesen Jahres.

Seither habe ich einfach jeden Tag Angst um meinen Freund. Ich mache mir furchtbare Sorgen, dass er an dieser Krankheit sterben könnte. Diese Sorgen begleiten mich teilweise bis in meine Träume; wenn ich ein entsprechendes Lied höre, beginne ich unkontrolliert zu weinen.

Vor ihm versuche ich meine ganze Sorge zu verstecken, ich möchte ihn damit nicht zusätzlich belasten, er weiß selbst am besten, was diese Krankheit für ihn bedeutet.
Sonst habe ich nicht wirklich jemanden, mit dem ich darüber sprechen kann, ich merke jedoch, wie es mir zunehmend schwerer fällt, trotz allem zu lächeln.

Gibt es von Ihrer Seite aus einen Tip, wie ich mir selbst vielleicht die Angst nehmen kann? Oder wie ich einfach besser damit umgehen kann?

Über eine Antwort würde ich mir sehr freuen.

Viele herzliche Grüße

kinslayer

Beitrag von kinslayer - 15.04.08 - 13:31 Uhr

Verzeihung,

ich sehe gerade, dass ich einen nicht unwichtigen Teil vergessen habe.

Mein Partner möchte gerne ein Kind von mir, ich bin jedoch hin- und hergerissen. Nicht wegen ihm ( er ist der perfekte Vater- er hat bereits zwei Söhne), aber wegen seiner Krankheit. Ich möchte nicht, dass das Kind einmal keinen Vater mehr hat.

Freue mich natürlich auch über alle anderen Antworten!

Herzliche Grüße

kinslayer

Beitrag von sinope - 15.04.08 - 13:58 Uhr

hallo kinslayer,

möchte nur mal eine kleinigkeit zu der aussage "Ich möchte nicht, dass das Kind einmal keinen Vater mehr hat" beitragen.

meine eltern haben einen 30jährigen altersunterschied. und mein vater hat immer angst gehabt das er mich nicht aufwachsen sieht. er hat gesagt das er froh wäre wenn er mich zur schuleinführung begleiden könnte.
auch wenn man das nicht der krankheit deines partner zu 100% vergleichen kann. aber es kann immer etwas passieren.
heute ist mein vater 78jahre und er erlebt sogar wie wir eltern werden.
für die hinterbliebenen ist es nie einfach. egal wann! und ich weiß das ihr es schaffen werdet. genießt euere zeit - sie ist so kostbar!

ciao
sinope

Beitrag von manu0277 - 15.04.08 - 14:22 Uhr

Hallo Kinslayer !
Ich kann dich sehr gut verstehen. Alles wirklich sehr sehr Schwierig. Ich drücke dir die Daumen das alles gut geht. Aber was anderes. Ich wollt gerne Kinder kann ich sehr gut verstehen, aber auch solltest du bedenken das HCV einen sehr ansteckende Infektionskrankheit ist.
(Ich arbeite im Labor und auch bei mir bestand ein Verdacht auf HCV) Gott sei Dank hat sich dies nicht bestätigt. Habe nur Antikörper Positiv und weder der Blot noch die Viruslast brachten ein Pos. ergebnis.)
Dieser Virus und ist zum Teil ansteckender als HIV. Sprich selbst im getrockneten Blut bei hoher Virustlast noch Wochenlang ansteckend. Was ich damit sagen will auch du solltest dich bei Sexuellem Kontakt schützen.
Da das Risiko einer Ansteckung doch sehr groß ist. Die Babys werden allerdings sehr sehr selten währen der SSW oder auch Geburt Infiziert.
Ich finde es übrigens Klasse das du so hinter deinem Schatz stehst aber zu Thema Kinder würde ich mich vorher wirklich sehr genau Informieren. Nicht das das Kind später nicht nur keinen Vater sonder auch keine Mutter mehr hat.
Welche Therapie hat dein Freund den begonnen ? Interferon ??
Ich wünsche euch vom #herzlich alles Gute und stehe weithin hinter Ihm.
Lg manu

Beitrag von EXPERTE - 16.04.08 - 10:41 Uhr

Liebe Kinslayer,

zunächst einmal möchte ich mich bei Ihnen bedanken, dass Sie meine Arbeit hier auf dieser Plattform gewürdigt haben.
Auch die von Ihnen geschilderte Situation ist sehr berührend. Und wie so oft in Fällen, in denen es keine - zumindest keine sofortige - Lösung gibt, ist es immer gut, wenn man sich dann auf eine andere Ebene begibt.
Wenn Sie sich aus einer anderen, vielleicht aus einer "höreren" Perspektive betrachten, dann könnten Sie sich Fragen stellen, wie: Warum geschieht das gerade mit mir? Was will das Leben mir damit sagen? Wohin will es mich führen? Worin liegt der Sinn des Ganzen? Das wird zu einer Öffnung Ihres Bewusstseins führen.
Wir stellen uns im Allgemeinen viel zu selten solche Fragen. Als wüssten wir schon, wie die Welt funktioniert.
Oft können wir später, sozusagen im Nachhinein, erkennen, dass manche Schicksalsschläge einen völlig neuen Lebensweg eröffnet haben. Dass wir ohne bestimmte Ereignisse nie der Mensch geworden wären, der wir letztendlich geworden sind. Da wir das aber nie in der betreffenden Situation erkennen können, bleibt uns nichts anderes übrig, als darauf zu vertrauen, dass alles einen "guten Grund" haben wird.
Ich weiß nun nicht, inwieweit Sie sich spirituellen Gedanken öffnen können. Für jemanden, der sich nie damit beschäftigt hat, werden diese Gedanken erst einmal fremd erscheinen.
Aber vielleicht schauen Sie einmal in einer Buchhandlung in das folgende Buch hinein: "Gespräche mit Gott: Zu Hause in Gott". Der Titel mag Sie womöglich abschrecken. Aber schauen Sie trotzdem einmal hinein. Sie werden darin allen Trost finden, den Sie aktuell brauchen. Es ist auch noch sehr amüsant geschrieben - und hat so gar nichts mit irgendwelchen Bibelschriften zu tun. Ich kenne viele Menschen, die dadurch alle Ängste verloren haben. Überhaupt können spirituelle Texte Ihnen großen Halt geben.

Ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute,

herzliche Grüße

Barbara Kiesling