Hallo Frau Dr. Kiesling,
vielleicht schildere ich Ihnen kurz meine familiäre Situation:
Ich bin geschieden, aus dieser Ehe ging mein Sohn (5) hervor und mit meinem Freund habe ich unser beider Wunschkind bekommen. Unser Sohn ist nun 9 Monate alt. Mein Freund liebt beide Kinder und auch mich sehr, wir führen grundsätzlich eine sehr schöne Partnerschaft, ABER...ich habe ein Problem, was mich regelmäßig auf die Palme bringt...
Mein Freund ist Steuerberater und ist von 8 - ca. 20/22 Uhr nicht zu Hause. Er macht aus ideologischen Gründen noch ein anderes Staatsexamen 
Ich gönne ihm das auch von ganzem Herzen, aber dennoch bin ich oft stinkig, daß ich alles alleine machen muß. Ich lasse es mir aber eigentlich nicht so anmerken. Er hat echt genug um die Ohren und kümmert sich, wenn er Zeit hat, ganz toll um unsere Kurzen und mich. Samstags hat er oft private Dinge zu tun (Autos waschen, einkaufen, ...), bald lernt er auch noch samstags fürs Examen und sonntags ist er spätestens nachmittags total platt und "muffig", weil er müde ist. 
Ich bin auch vom stillen, Schlafmangel etc. kaputt. Aber das können Kinder doch noch nicht verstehen. Mir tut es dann leid, wenn mein Großer mit ihm spielen will und er so mürrisch ist (hat aber nichts damit zu tun,daß er nicht der leibliche Vater ist).
Mein Freund möchte am liebsten noch sonntags 1-2 Stunden für sich, zum sinnieren ("nur dadurch hat er das alles geschafft, beruflich" sagt er).
Nun mein Anliegen: Ich möchte auch so vieles...aber man kann mit Kindern nicht alle Bedürfnisse befriedigen, die man hat. Bald sind sie groß, und wissen übertrieben gesagt nicht mehr, wer er ist. Und mein Freund hat als Vater total viel verpaßt. Aus ideologischen Gründen, wohlgemerkt! Ich habe oft deswegen eine richitge Wut im Bauch.
Bin ich zu ungerecht????? Zu egoistisch????
Bin ich zu ungerecht??? Muß man mir mal den Kopf waschen???
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Beitrag von hallowunder - 15.04.08 - 20:47 Uhr
Beitrag von ummhilal - 16.04.08 - 07:40 Uhr
hallo,
hört sich so an, als erfülle er sich so nach und nach alle wünsche die er hat!
du hast mit ihm bestimmt schon oft geredet, oder?
also liegt es jetzt an dir, dich alleine glücklich zu machen, bau dir einen freundeskreis auf und lass ihn mal links liegen. anscheinend hat er auch nicht viel interresse an den kindern, durch streit kann man nichts erzwingen!
werde unabhängig!
lg
Beitrag von hallowunder - 16.04.08 - 10:04 Uhr
Hallo ummhilal,
offensichtlich ist da was falsch rübergekommen.
Mein Freund liebt die Kinder abgöttisch. Wenn sie richtig krank sind, bleibt er teilweise zu Hause, weil er auch für sie dasein möchte und verzichtet dann auf Umsätze und Lernen. Als unser Kleiner im Krankenhaus war, durfte nur ich dableiben. Hätte ich ihn nicht gebeten zu gehen, wäre er einfach im Schlafsack auf unserem Zimmer geblieben,um bei seinem Sohn sein zu können.Ich wollte aber keinen Ärger haben mit den Schwestern...
Er hat sein Examen schon verschoben, weil er lieber die ersten Monate nach der Geburt geniessen wollte und vorher hat er frei gemacht, um sich in der Schwangerschaftszeit um "unseren" Großen zu kümmern, wenn es mir nicht gut ging.
Er macht total viel für uns alle. Dies ist der einzige Punkt, der mich stört. Aber der bestimmt nicht mein Leben. Es macht mich aber trotzdem von Zeit zu Zeit wütend.
Er hat auf vieles verzichtet, nur mir und den Kindern zu Liebe. Ich finde es grundsätzlich völlig ok,daß er sich diesen Traum erfüllen möchte. Das war sein Lebensziel bevor er uns kannte, warum soll er das auch noch sausen lassen. Es macht ihn ja auch aus. Außerdem ist es im November eh vorbei.
Ich habe ihm gesagt, daß ich ihn unterstütze, wo es nur geht und das tue ich auch. Sonst hätte er dieses Examen für uns aufgegeben. Aber das möchte ich nicht. Trotzdem finde ich, darf ich auch mal sauer über gewisse Dinge sein.
Und ich habe auch nicht gesagt, daß es ihm gut dabei geht. Im Gegenteil, er leidet sehr darunter, uns so wenig zu sehen. Aber gerade deswegen muß ich ihn in seinem Ziel unterstützen. Es ist ja bald geschafft.
Ich habe übrigens einen eigenen Freundeskreis und verkümmere hier nicht! Ich weiß gar nicht, warum sich das so anhörte. Ich bin grundsätzlich total glücklich mit meinem Leben und sehr dankbar, daß ich einen so tollen Freund habe.
Er tut so viele Dinge für die Kinder und mich, davon können viele Frauen echt träumen! Habe ich nicht erst einmal aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis gehört...
So, das mußte nun alles mal raus. Ich wollte das hier nicht so stehenlassen, nur weil er noch ein großes berufliches Lebensziel hat.
Er ist ein ganz toller Mensch, und es hat mich echt schockiert, daß das mein Thread so falsch rübergekommen ist. Es hat mir einen richtigen Stich versetzt, wie mein Freund auf Grund meiner Darstellung gesehen wird.
LG und alles Gute für Dich, Manuela
Beitrag von manupumuckl - 16.04.08 - 11:02 Uhr
Wenn er plötzlich doch so toll ist und nichts an ihm auszusetzen wo liegt dann Dein Problem ??
Deinen 1. Text konnte ich Dir völlig nachvollziehen - klingt wirklich so als würder ER sich egoistisch verhalten, nicht Du. Aber in Deinem 2. Text dementierst Du wieder alles ...
Beitrag von hallowunder - 16.04.08 - 11:30 Uhr
Hallo manupumuckl,
also ich verstehe das nicht.
Ist es nicht nachzuvollziehen, daß man seinen Partner und die Beziehung toll findet und trotzdem EIN Problem hat???
Ich bin glücklich mit ihm, nicht nur zufrieden. Und glaub´ mir, ich kenne den Unterschied nach 13 Jahren vorangegangener Partnerschaft.
Ich denke, die meisten Paare haben gleich mehrere Probleme in der Partnerschaft. Ich lediglich eines. Aber das ist halt manchmal schon ein sehr bedeutsames für mich.
LG 
Beitrag von manupumuckl - 16.04.08 - 12:12 Uhr
Also bist Du nun schlussendlich zu dem Ergebnis gekommen, dass Du eigentlich gar nichts an Deinem Mann auszusetzen hast und alles prima ist so wie es ist ?! Verstehe ich das richtig ??
Grüße
Manu
Beitrag von EXPERTE - 16.04.08 - 14:48 Uhr
Liebe H.,
ohne eine lange Einleitung möchte ich Ihnen gleich mitteilen, dass es mir scheint, als läge Ihr Problem in Ihrer Wut, für die Sie verstandesmäßig keinen Grund sehen. Deshalb versuchen Sie, diese Wut zu unterdrücken. Sie passt (Ihnen) nicht.
Den Auslöser dieser Wut vermute ich in dem aus "ideologischen Gründen" anvisierten weiteren Staatsexamen.
Von der Vernunft her sagen Sie sich: Er wollte das schon bevor er mich kennen gelernt hat. Ich will nicht kleinlich sein .. usw. Außerdem haben Sie ihm versprochen, ihn dabei zu unterstützen.
Und nun kommt trotzdem Wut hoch? Das darf nicht sein, so denken Sie, und versuchen, diese zu unterdrücken.
Dabei kann ich mir gut vorstellen, dass Sie sich alles ganz anders vorgestellt haben.
Stattdessen ist Ihr Mann kaum zu Hause und lernt für etwas, wofür Sie in Wirklichkeit nicht allzu viel Verständnis aufbringen können. (Es muss ja einen Grund geben, weshalb Sie die Studienrichtung nicht genannt haben.)
Wichtig ist, dass Sie sich - bei allem Widerstreben - Ihre Wut eingestehen. Gefühle sind oft irrational. Und wenn Sie genau hinschauen, erkennen Sie, dass die Wut ja sogar berechtigt ist: Ihr Mann bekommt zuwenig von den Kindern mit.
Sprechen Sie offen mit Ihrem Mann. Sagen Sie ihm, dass Sie nach wie vor hinter seinem Studium und hinter seinen Wünschen stehen. Und dass da trotzdem auch Gefühle hochkommen, die dazu nicht passen.
Das wird Ihre Situation deutlich entlasten.
Ich wünsche Ihnen alles Gute,
viele Grüße
Barbara Kiesling
