2 Kündigungen in einem Jahr - wie erkläre ich das passend?

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Beitrag von chica20tr 11.01.10 - 10:34 Uhr

Hallo liebe Expertin,

leider wurde ich im Jahre 2009 zwei Mal wirtschaftsbedingt gekündigt. Die Auftragslage war schlecht, große Aufträge brachen weg - und weg war ich, trotz unbefristetem Vertrag.

Die erste Tätigkeit ging von 15.11.08 - 31.05.09 - also ca 6,5 Monate.

Die zweite Tätigkeit ging von 01.07.09 - 15.12.09 - also 5,5 Monate.

Ich habe in meinen Anschreiben nun folgenden Satz stehen:

"Leider wurde das unbefristete Arbeitsverhältnis aus wirtschaftlichen Gründen von Seiten des Arbeitgebers gekündigt, weshalb ich Ihnen bereits ab sofort zur Verfügung stehen könnte."

Ist diese Formulierung passend?!

Ich versuche mich in die Lage des Arbeitgebers zu versetzen - da stehen in meinem Lebenslauf nun 3 Stellen hintereinander, bei denen ich jeweils nur rund 6 Monate war... Die erste Stelle habe ich nach 6 Monaten aus freien Stücken verlassen, es war nur für den beruflichen Wiedereinstieg gedacht (ich war von 2003 - 2006 in Ausbildung, 2006 kam mein Sohn zur Welt, an seinem zweiten Geburtstag fing ich wieder an zu arbeiten) - ich habe also erst rund 1,5 Jahre Berufserfahrung.

Ich war ja bereits im Juni 2009 einen Monat lang arbeitslos - und da hatte ich schon echt Schwierigkeiten, mich bei den Vorstellungsgesprächen diesbezüglich zu erklären. Ich habe einen sehr guten Abschluss (Mittlere Reife 1,0 / Ausbildungszeugnis 97 v. 100 Punkten) und die Arbeitgeber teilten mir mit, sie hätten Angst, dass ich relativ schnell wieder weg bin.

Ich mache zur Zeit auch eine nebenberufliche Weiterbildung an der Abendschule zur Staatlich geprüften Betriebswirtin - vielfach kam mir zu Ohren, dass man Angst hätte, ich würde mir nach Ablauf der 4 Jahre eine andere Stelle suchen. Deshalb bekomme ich oft zu hören, ich wäre überqualifiziert und man nimmt mich nicht.

Wie umgehe ich diese Problematik? Wie erkläre ich im Anschreiben kurz und knackig, dass ich wirtschaftsbedingt gekündigt wurde und nicht aus eigenen Stücken den Betrieb verlassen habe... Andererseits könnten die AG das auch so interpretieren, dass ich nach der Probezeit nie übernommen wurde... das passt ja mit den 6 Monaten.

Ich hoffe, Sie haben einen guten Tipp für mich.

Beitrag von EXPERTE 11.01.10 - 11:30 Uhr

Hallo!

Da muss ich Ihnen erstmal weitgehend recht geben. Die jeweiligen Anstellungen sind recht ungünstig mit je nur 6 Monaten. In der Tat könnte man daraus schließen, dass es sich dabei um Probezeitkündigungen handelt.

Haben Sie Zeugnisse aus dieser Zeit? Meist wird ja im Zeugnis (meist am Ende) vermerkt weshalb das Arbeitsverhältnis endete. Was steht bei Ihnen?

Und wegen der Überqualifikation: Haben Sie sich auch auf Stellen beworben, bei denen Ihre aktuelle Weiterqualifizierung gefragt sein könnte?

Es grüßt,
CD

Beitrag von chica20tr 11.01.10 - 16:37 Uhr

Hallo,

leider habe ich nur ein Zeugnis aus dieser Zeit. Ich habe die anderen mehrmals angefordert, doch leider werde ich einfach nur vertröstet.

In diesem einen Zeugnis steht drin, dass das Arbeitsverhältnis innerhalb der Probezeit endet. Ich bemängelte das auch, doch letztendlich hieß es dann, dass ja innerhalb der Probezeit ohne Angabe von Gründen gekündigt wird. Deshalb steht dort auch nichts drin.

Ich bewerbe mich eigentlich ausschließlich auf Stellen, bei denen in Zukunft meine Weiterbildung gefragt sein wird. Das Problem ist halt zum einen das hohe Niveau der Weiterbildung - und zum anderen die geringe Berufspraxis. Das widerspricht sich leider irgendwie.

In der Regel bewerbe ich mich nur auf kaufmännische Stellenanzeigen fürs Büro - Finanzbuchhaltung, Controlling, Marketing. Dort dann auf Stellen, die vorbereitende Tätigkeiten übernehmen - eben da ich noch Berufserfahrung brauhe und sammeln möchte.

Mich gleich auf eine höhere Stelle zu bewerben, käme für mich eigentlich nicht in Frage - ich möchte dann lieber langsam in meine Aufgaben reinwachsen, als später zu hohem Druck standhalten zu müssen weil mir die Erfahrung fehlt. Ich bin auch alleinerziehend mit meinem 3,5 J. Sohn, da kann ich auch oft nicht so, wie ich das gerne hätte... also Mehrarbeit, Überstunden, um meine Lern- und Leistungsbereitschaft zu beweisen.

Meine letzte Stelle war eigentlich wie geschaffen für mich. Ich war als Assistenz der Geschäftsführung eingestellt, mit wachsendem Aufgabengebiet und relativ flexibler Planung. Ich übernahm nach und nach mehr Verantwortungsgebiete wie Controlling, Compliance, Qualitätsmanagement, Marketing und konnte so relativ sanft in meine Aufgaben wachsen.

Beitrag von EXPERTE 11.01.10 - 17:42 Uhr

"Meine letzte Stelle war eigentlich wie geschaffen für mich. Ich war als Assistenz der Geschäftsführung eingestellt, mit wachsendem Aufgabengebiet und relativ flexibler Planung. Ich übernahm nach und nach mehr Verantwortungsgebiete wie Controlling, Compliance, Qualitätsmanagement, Marketing und konnte so relativ sanft in meine Aufgaben wachsen."

Dann sollten Sie dringend von dieser Stelle ein Zeugnis anfordern. Darin sollte aber auch vermerkt sein, dass man Sie wahnsinnig gern behalten hätte, aber die wirtschaftliche Lage dazu zwang. Auch Ihr Aufgabengebiet sollte vollständig benannt sein (mit Leistungsbewertung), damit ersichtlich ist "wo" und "dass"Sie bereits "wachsen" konnten.

Fehlende Zeugnisse und Zeugnisse in denen wichtige Punkte fehlen etc. sollten Sie notfalls mit einem Brief von Ihrem Anwalt einfordern bzw. korrigieren lassen (sind Sie rechtsschutzversichert?). Der Vermerk "endete innerhalb der Probezeit" lässt mich annehmen, dass Sie gekündigt wurden. Dies wirkt gewiss nicht besonders positiv.
Kontaktieren Sie doch mal einen Anwalt für Arbeitsrecht.

Ich wünsche alles Gute für die Zukunft und drücke die Daumen, dass die entsprechenden Nachweise/Zeugnisse nachgefordert/korrigiert werden können, dann fällt das Bewerben auch leichter.

Beitrag von chica20tr 11.01.10 - 18:13 Uhr

Gibt es eine Frist für die Anforderung des Arbeitszeugnisses, die ich zu beachten habe?

Ich werde mich umgehend um die Ausstellung der Zeugnisse kümmern.

Ja, ich wurde gekündigt, aber nicht wegen meiner Person oder meiner Leistung, sondern wegen der allgemeinen Auftragslage im Unternehmen. Ich kritisierte die Wortwahl ebenfalls, da es sich so anhört, als wären sie mit mir in der Probezeit nicht zufrieden gewesen. Dass wirtschaftliche Gründe zur Kündigung führten, könnte man doch sicher aufführen. Leider wurde mir das verweigert.

Danke für ihre Wünsche - ich werde mich um die Nachweise kümmern und dann wird das schon.