Handlungsbedarf?

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Beitrag von annja70 - 04.06.10 - 10:26 Uhr

Hallo,

unser Sohn ist jetzt 5,5 Jahre. Er ist tagsüber schon lange und stabil trocken.

Nachts hingegen nicht. Ich würde schätzen, dass er in 90-95% aller Nächte einpinkelt.

Wir haben schon zwei Anläufe unternommen, die Windel loszuwerden. Er war diesbezüglich auch motiviert und wollte die Windel loswerden (mit Sternenkalender etc.). Es klappte nur leider nicht.

Nachts verliert er rießige Mengen Urin, wenn er eine Windel anhat, dann läuft die bestimmt 1x in der Woche aus. Häufig pinkelt er auch zwei bis dreimal in der Nacht.

Wir haben unsere Versuche dann jeweils wieder eingestellt - ohne Vorwürfe mit der Einstellung: dann sollte es jetzt halt nicht sein.

Denken Sie als Experte, wir können diese Haltung weiter einnehmen und einfach abwarten, bis sich genügend Hormone gebildet haben und sich das Problem von alleine erledigt?

Unser Junge ist kerngesund, ein cleveres Kerlchen - alles gut. Sie schreiben, dass es selten organische Ursachen sind, manche Jungs einfach später dran sind, wann besteht also Handlungsbedarf?

Unserem KiA ist das Thema bekannt (Anfang 5), er hat gesagt man sollte es halt mal beobachten.
Gibt es besondere Anzeichen, auf die man achten sollte? Wann besteht wirklich die Gefahr einer Fehlentwicklung? Können wir einfach weiter abwarten, wenn keine besonderen Anzeichen hinzutreten?

Herzlichen Dank für Ihre Antwort!

Beitrag von EXPERTE - 09.06.10 - 13:06 Uhr

Liebe Annja,
die Entwicklung der Kontrolle über die Ausscheidungsorgane ist ein längerer Prozess, der bei jedem Kind individuell abläuft. Wobei die nächtliche Harnkontrolle als letztes erreicht wird. 90% der Kinder sind am Ende des 6. Lebensjahrs nachts trocken, mit 8 Jahren sind es 97% der Kinder. Einige wenige benötigen noch einige Zeit, manchmal dauert es wirklich bis zur Pubertät. Der Grund liegt einerseits in der unterschiedlichen Größe der Harnblase, die oft noch nicht das nächtliche Harnvolumen speichern kann. Andererseits wird in der Hirnanhangsdrüse ein Hormon gebildet, das die nächtliche Harnproduktion vermindert. Auch diese Hormonausschüttung ist individuell sehr unterschiedlich. Ich glaube, da Ihr Sohn, wie Sie beschreiben, eine sehr große Harnmenge in der Nacht produziert, dass seine Vasopressinausschüttung noch „reifen“ muss. Ich würde, wie Ihr Kinderarzt gemeint hat, abwarten. Sollten ihn die Windeln nachts stören, könnte man auf saugfähige Unterwäsche für die Nacht zurückgreifen. Handlungsbedarf sehe ich, wenn keine anderen Symptome dazukommen, frühestens zwischen dem sechsten und siebenten Lebensjahr. Die Wahrscheinlichkeit ist aber groß, dass sich das Problem bis dahin von selbst gelöst hat.
Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Hans Salzer