Arbeiten? Nicht arbeiten?

Sie befinden sich im Archiv des urbia-Diskussionsforums.

Hier geht es zur vollständigen Version dieser Seite. Dort können Sie auch aktiv am Diskussionsgeschehen teilnehmen.

Beitrag von liliana83 - 10.06.10 - 13:32 Uhr

Hallo,

mache mir gerade mal wieder Gedanken, wie es finanziell und jobmäßig weitergehen soll.

Bis Oktober bekomme ich noch Elterngeld und danach sieht es echt düster aus. Mein Mann fängt jetzt eine 2-jährige Umschulung an, da er plötzlich an MS erkrankt ist und seinen alten Job nicht mehr ausüben kann. Sprich, er bekommt 2 Jahre lang kein Geld. Meine Stelle von vor der Schwangerschaft existiert nicht mehr, da während meiner SS die Firma geschlossen wurde.

Jetzt habe ich hin- und her gerechnet, aber irgendwie komme ich auf keinen grünen Zweig.

1. Problem: Bei uns gibt es nur Kindergärten AB 3 Jahre (für jüngere Kinder gar nichts) und dann auch nur halbtags. Meine Eltern sind zu alt, um die Kleine jeden Tag zu betreuen und meine Schwiegereltern arbeiten beide Vollzeit. Vielleicht gibt es in der nächst größeren Stadt (20 km) eine Möglichkeit für eine Halbtagsbetreuung (kostet dann aber mit Sicherheit auch mindestens 150 € p.M.)

2. Problem: Wenn ich Halbtags arbeiten gehen würde (25h/p.W.) dann bekäme ich maximal 850,00 € netto (eher weniger). Hiervon gingen ab: 550 € Miete, ca. 150 € Benzin, Kosten Kita, Essen, Versicherungen, Strom, etc. pp.

Da bleibt ja vorne und hinten nichts und man müsste trotzdem auf Staatskosten leben :-(

Wenn ich stattdessen zu Hause bleibe und ALG II beziehe, stände ich mich wahrscheinlich finanziell noch besser, als wenn ich arbeiten gehe. Wir würden Miete bezahlt bekommen, Benzinkosten fallen weg, da ich nicht zur Arbeit muss, Kita-Kosten würden entfallen und den Rest kann man von ALG II ja locker bezahlen. Aber das kanns doch irgendwo auch nicht sein!!! Weswegen bekommt man solche Steine in den Weg gelegt, wenn man arbeitswillig ist??

Selbst wenn ich Vollzeit arbeiten gehen würde, könnte ich uns nicht finanzieren, da die Kosten für die Vollzeit Kinderbetreuung mindestens 400 € p.M. betragen. Und wieder wäre ich vom Staat abhängig.

Ist es in Deutschland mittlerweile soweit, daß man als Alleinverdiener (mit einem guten Bürojob) keine Familie mehr ernähren kann?

Was würdet Ihr an meiner Stelle machen?

LG Lili




Beitrag von carrie23 - 10.06.10 - 13:39 Uhr

Bei uns kann man, als Geringverdiener, für Kindergarten Zuschüsse beantragen.
Macht dein Mann eine Vollzeit oder Teilzeitumschulung?
Wenn Teilzeit könntest du ja entgegengesetzt zum Mann arbeiten gehen oder nachts als Kellnerin ect. jobben.
Auch als Geringverdiener steht dir, je nach Einkommen, ergänzend ALG zu.
Ihr bekommt keine Steine in den Weg gelegt, genausowenig wie ihr was dafür könnt dass dein Mann MS hat kann der Staat genauso wenig dafür.
Ich würd mir ne Stelle für nachts suchen, denn wenn du glaubst mit ALG2 könntet ihr euch wirklich soviel leisten....ich glaubs nicht.

Beitrag von liliana83 - 10.06.10 - 13:47 Uhr

Eine Vollzeitumschulung!

Nachts im Büro arbeiten geht ja schlecht ;-) Und wenn ich Nachts "jobbe", dann bekomm ich ja weniger wie im Büro (halbtags) als gelernte Fachkraft mit langer Berufserfahrung.

Was heißt viel leisten?! Ich meinte damit, daß man sich damit wahrscheinlich noch mehr "leisten" kann, da ich ja dann die ganzen Ausgaben nicht habe.

Beitrag von zwiebelchen1977 - 10.06.10 - 13:49 Uhr

Du hast aber auch weniger Geld

Beitrag von liliana83 - 10.06.10 - 13:52 Uhr

Nein, im Gegenteil. Das ist ja das kuriose daran.

Wenn ja die Kinderbetreuungskosten nicht wären, dann wäre das ja alles kein Problem.

Beitrag von zwiebelchen1977 - 10.06.10 - 13:53 Uhr

Frag doch beim Jugendamt nach Unterstützung für die Kindergartenkosten.

Bianca

Beitrag von liliana83 - 10.06.10 - 13:59 Uhr

Gibt es sowas?

Bin ja in dieser Hinsicht ganz der Laie. Habe seit ich 16 bin immer gearbeitet und hätte mir nie erträumen lassen, daß es mal soweit kommt :-( Kenne persönlich noch nicht mal jemanden, der ALG II bezieht.

Beitrag von carrie23 - 10.06.10 - 14:01 Uhr

Ja sowas gibts und Fragen kostet ja nix;-)
Du musst dich nicht schämen oder so, konnte ja keiner wissen dass dein Mann krank wird

Beitrag von liliana83 - 10.06.10 - 14:03 Uhr

Schäme mich aber trotzdem :-(

Danke, da werde ich mal anrufen!

Nein, das konnte leider keiner wissen.

Beitrag von carrie23 - 10.06.10 - 14:14 Uhr

Das brauchst du nicht denn die Unterstützungen sind für genau solche Fälle wie ihr es seid da.
Ihr seid unverschuldet da rein geraten und versucht trotzdem da wieder raus zu kommen mit allen Mitteln-darauf könnt ihr eher Stolz sein.
Wünsche deinem Mann gute Besserung.

Beitrag von carrie23 - 10.06.10 - 13:51 Uhr

Darum schrieb ich ja kellnern, dein Mann macht ja nicht für immer eine Umschulung;-)
Bei uns verdient ne Kellnerin nicht so schlecht, ich weis ja nicht was du im Durchschnitt im Büro verdienst denn das kommt ja auch darauf an WAS du WO arbeitest.

Beitrag von oma.2009 - 10.06.10 - 19:08 Uhr

Hallo,

also, wenn dein Mann vorher gearbeitet hat, dann steht ihm doch während der Umschulung ALG I zu, oder irre ich mich da? Dann belehrt mich bitte.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es kein Geld gibt für eine Umschulung, es gibt doch auch sog. Bafög, auf Kredit, das muß im Anschluß an die erfolgte umschulung wieder zurück gezahlt werden. Warum erkundigt ihr euch nicht erstmal bei der Arge?

LG

Beitrag von nele27 - 11.06.10 - 10:30 Uhr

Das vermute ich auch ... da der Mann die Umschulung nicht aus Jux macht, sondern aus einem dringenden grsundheitenlichen Grund verwette ich einiges drauf, dass das gefördert wird.
Ich vermute auch mit ALG 1, wenn er vorher eingezahlt hat. Damit hätten die beiden ja schon mal das erste Jahr gerettet.

Und darüber hinaus würde ich anstelle der TE auf jeden Fall mindestens halbtags arbeiten gehen (damit mehr Geld da ist und auch in Hinblick auf später, da ja nicht klar ist, was der Mann später arbeiten wird...)

LG, Nele

Beitrag von curlysue1 - 10.06.10 - 13:39 Uhr

Hallo,

was würdest Du denn Vollzeit bekommen?

LG

Beitrag von liliana83 - 10.06.10 - 13:49 Uhr

Maximal 1800-1900 brutto. In meinem Beruf und hier in der Gegend wird sehr schlecht bezahlt. Die nächst größere Stadt ist 120 km weg. Da wäre ich dann allerdings auch von morgens 5.30 bis abends 20:00 Uhr unterwegs. Das klappt dann mit der Kinderbetreuung vorne und hinten nicht.

Beitrag von manavgat - 10.06.10 - 14:20 Uhr

Du kannst einen Antrag stellen auf Übernahme der Betreuungskosten beim Jugendamt.

Deine Rechnung stimmt nicht: es gibt einen Mehrbedarf aus Arbeit, insofern hättet ihr mehr Geld!

Du musst an die Rente denken.

Dein Mann hat MS. Das ist nicht angenehm und eine Einschränkung aber es gibt schlimmeres.

Kuck nach vorne.

Nicht jammern.

Machen!

Gruß

Manavgat

Beitrag von king.with.deckchair - 10.06.10 - 14:27 Uhr

Arbeiten!

"Wenn ich stattdessen zu Hause bleibe und ALG II beziehe, stände ich mich wahrscheinlich finanziell noch besser, als wenn ich arbeiten gehe. Wir würden Miete bezahlt bekommen, Benzinkosten fallen weg, da ich nicht zur Arbeit muss, Kita-Kosten würden entfallen und den Rest kann man von ALG II ja locker bezahlen."

Unfug. Man kann von ALG II auf Dauer mal rein gar nichts "locker" bezahlen! Dein Kind wird älter!

Außerdem gibt es, wie hier schon erwähnt, Freibeträge aufs Einkommen bei ergänzendem ALG II, ihr hättet dann also mehr Geld als nur mit ALG II. KiTa-Kosten können teilweise oder voll übernommen werden.

Und an deinem Beispiel sieht man sehr sehr gut, dass frau heutzutage arbeiten sollte, wann immer das auch mit Kindern möglich ist. Wenn du dich weiter ins ALG II "zurücklehnst", bist du immer weiter von deinem Job weg, die Chancen werden immer schlechter.

Also: Arbeiten. Auch um mal aus dem Hauhalt, in dem es - phasenweise - viel um Krankheit und Sorge geht, mal rauszukommen um nicht irgendwann vollends durchzudrehen.

Gruß
Ch.

Beitrag von b.lenke - 10.06.10 - 14:28 Uhr

hallo,

ich kann dich gut verstehen da ich selber an MS leide. aber wieso kann dein mann seinen beruf nicht mehr ausueben, wenn ich fragen darf?

ich bin krankenschwester auf einer intensivstation im 3 schichtsystem.
meine kleine 6 mon. geht ab sep. zur tagesmutter.

mache mir auch immer gedanken was passiert wenn ich nicht mehr arbeiten kann, mit haus usw. es ist nicht einfach in einigen regionen in D arbeit und beruf unter einen hut zu bekommen.

aber kopf hoch und nicht so viel stress machen, es kommen auch wieder bessere zeiten.

lg
bianca

Beitrag von luna1976 - 10.06.10 - 20:50 Uhr

Hi,

wieso bekommt Dein Mann kein Geld für die Umschulung?

Ich würde arbeiten gehen. Wenn Du die Möglichkeit hast, dann würde ich es machen. Wenn es nicht reicht, dann kannst Du noch immer was dazu beantragen, oder nicht?

Lieben Gruß Luna

Beitrag von motte1986 - 10.06.10 - 20:59 Uhr

hallo!

darf ich fragen, was dein mann für eine umschulung wegen der MS macht?

warum macht er keine umschulung, die geld bringt, bei der er also wenigstens etwas verdient?

mein vater hat MS und dadurch kennen wir einige, die auch MS haben: alle sind in normalen jobs (okay, keine maurer oder chirurgen, je nach krankheitsbild), aber vom beamten (mein dad) über siemens oder sonstigen fimen ist alles dabei und mein vater sitzt mittlerweile im rollstuhl.


also: dein mann kann ne ausbildung im öffentlichen dienst oder ähnliches machen und damit ein bisschen ausbildungsgehalt bekommen.

außerdem: wenn die umschulung über die rentenversicherung oder das AA läuft, bekommt er sowieso noch finanzielle unterstützung (ich glaub irgendwas mit 80% vom bisherigen einkommen oder so?#kratz jedenfalls einige prozent), dazu fahrgeld und gegebenenfalls kinderbetreuung.

wenn du dann noch arbeiten gehst, müsst ihr schon sparen, könnt aber vielleicht mit wohngeld usw. die zeit überstehen...

lg

Beitrag von ks83 - 10.06.10 - 23:10 Uhr

Natürlich arbeiten.
Und für die Kinderbetreuung würde ich mir eine Tagesmutter suchen.
Mein Sohn geht zu einer,seit er knapp 11 Monate ist - und das sehr,sehr gern. Vor allem bist du dann zeitlich sehr flexibel - auch wenn es mal etwas später wird (Überstunden etc.)
Und auch da bekommst man in der Regel je nach Verdienst Unterstützung vom Jugendamt,dh es gibt eine Staffelung,nach welcher der Prozentsatz der Zuzahlung errechnet wird.

Frag doch einfach mal beim Amt nach.

LG,
Lene

Beitrag von liki - 11.06.10 - 08:29 Uhr

Hallo Lili,

ich war vor einigen Jahren in einer ganz ähnlichen Lage... (allerdings alleinerziehend) und habe mich dann FÜR das Arbeiten entschieden - und würde es immer wieder so machen.

Auch, wenn es erst Mal so aussieht, als hättest Du weniger oder gleich viel Geld wie mit ALG 2, so hast Du doch Deinen Stolz und Du weißt, es ist selbstverdient. Du bekommst vermutlich in Deinem Job Anerkennung, hoffentlich nette Kollegen etc. und irgendwann mal die Chance, mehr zu verdienen- oder sich zumindest aus einem Job raus weiterzubewerben und nicht aus der Arbeitslosigkeit.

Ich wünsche Euch alles Gute

Liki

Beitrag von anna031977 - 14.06.10 - 18:10 Uhr

erstmal mit den Ämtern reden und an die Sozialversicherung und Rente denken!

zu Hause bleiben kann man immer noch!