Was meint Ihr? Selbstständig in Elternzeit

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Beitrag von tortenliesel - 21.06.10 - 18:03 Uhr

Hallo Ihr Lieben,

brauche mal Eure Meinung:

Meine Tochter ist 10 Monate alt, ich bin in der 17. SSW. Meine Elternzeit habe ich beantragt bis August 2011, wollte aber eigentlich ab August 2010 wieder auf Teilzeit in meiner alten Arbeitsstelle anfangen. Bevor ich wusste, dass ich schwanger bin, habe ich mit meinen Chef gesprochen und er hat gesagt, es wäre kein Platz, sie wären gut besetzt und er wüsste nicht, ob er mich dann braucht. Rechtlich okay, ist nur ne kleine Kanzlei (unter 15 Arbeitnehmer). Ich habe mich zwischenzeitlich auch mal sehr über meinen Chef geärgert, weil ich für ihn von zuhause gearbeitet habe und ihn vor einer Steuernachzahlung i.H.v. etwa 100.000 € gerettet habe, er es aber nicht für nötig befunden hat, mich zu bezahlen. Naja, für mich steht fest, ich mache für ihn nichts mehr nebenbei. Betteln werde ich nicht!

Da ich nach meiner erneuten Mitteilung per Mail an ihn, dass ich wieder schwanger bin (in unserer Kanzlei ist es üblich per Mail zu kommunizieren, u. a. aus Zeitgründen) und ich daher NICHT für Teilzeit (u.a. wegen fehlender Betreuung) zur Verfügung stehe (war ihm ja eh nicht so recht), keinerlei Rückmeldung, nichtmal "herzlichen Glückwunsch" oder so bekommen habe, richte ich mich darauf ein, dort nicht mehr hinzugehen (auch nach der Elternzeit des zweiten Kindes nicht!!!). Hatte ihm aber trotz allem nochmal explizit angeboten, von Zeit zu Zeit "auszuhelfen". das kann er vergessen.

Mein Plan sieht aus wie folgt:

Möchte gerne von zuhause arbeiten. Ich würde also gern ein Schreibbüro aufmachen mit erweiterten Service (Geschenkeservice, Preisvergleiche z.B. Büromaterial, Einspringen, wenn Kräfte krank sind oder in Urlaub, Rechnungs-und Mahnwesen auch für Kleinbetriebe usw.) Zielgruppe sollen Kleinbetriebe, Vermieter, Anwaltskanzleien mit wenigen Angestellten, etc. sein. Und ich würde mich parallel zur Rechtsfachwirtin weiterbilden (entweder Fernstudium oder Rechtsanwaltslammer Köln).

Was haltet Ihr als Außenstehende von diesem Plan? In meinem Partner habe ich eine große Unterstützung!!!

LG, Sandra

Beitrag von coppeliaa - 21.06.10 - 18:51 Uhr


also gleichzeitig:

- ein kleines kind und ein baby betreuen

- selbstständigkeit neu aufbauen mit allem was dazu kommt (werbung machen, kunden gewinnen etc)

- weiterbildung zb als fernstudium

ganz ehrlich: trotz großer unterstützung halte ich deinen plan für utopisch #gruebel

auf alle fälle alles gute!

co

Beitrag von lebelauter - 21.06.10 - 19:20 Uhr

und wer betreut dann deine kinder? so flexibel wie du arbeitest?

ich bin auch selbstständig und habe 2 kinder (5 Jahre und 5 Monate), aber ich habe ein verlässliches betreuungsnetzwerk, welches auch funktioniert, wenn die kinder krank sind...

Beitrag von tortenliesel - 21.06.10 - 20:01 Uhr

Hallo,

also, mein Ziel ist ein Kindergartenplatz, aber vielleicht ist das falsch rübergekommen: Anfangs (auf Anhieb werde ich nicht soooo viele Kunden haben) möchte ich mich um den Aufbau des Geschäfts und die Aquise konzentrieren, alles andere ist Bonus. Wenn ich dann die Plätze für meine Kleínen habe, lege ich voll los. Bis dahin können meine Mutter, mein Bruder (tagsüber beide zuhause!)und mein Partner einspringen.

Die Weiterbildung muss sein, wenn ich zu laneg aus dem Job rausbin, werde ich nie wieder Fuß fassen, falls die Selbstständigkeit fehl schlägt.

Lg, Sandra

Beitrag von lebelauter - 21.06.10 - 20:35 Uhr

aufbau und aquise = fulltimejob.
es ist ein ammenmärchen, dass gründung so nebenbei laufen kann...

rat:

besuch ein gründerseminar udn arbeite an deinem businessplan.

dann siehst du klarer.

Beitrag von tragemama - 21.06.10 - 21:45 Uhr

Das muss ich wiederlegen, bei mir hats geklappt.

Beitrag von lebelauter - 22.06.10 - 09:39 Uhr

Du leitest ein Schreibbüro und kannst das Wort "widerlegen" nicht schreiben?

Vielleicht solltest Du doch mal in Deine fachlichen Ressourcen investieren.

Ich denke, wer Kinderbetreuung und die Segnungen des Angestellten-Lebens nicht mal bei einem 400 € / Teilzeitjob hinbekommt, der sollte sich reiflich (!) überlegen, ob und wie er gründen will.

Beitrag von miezibuh - 21.06.10 - 20:00 Uhr

Ich kenne keinen Anwalt, der auf sowas zurückgreift. Die meisten Kanzleien haben entsprechende Programme, Spracherkennung etc. Die Zeiten, in denen Firmen und Anwälte Schreibaufträge in Schreibbüros gaben, sind meiner Meinung nach lange vorbei.

Außerdem wird es sich äußerst schwierig gestalten, mit Kleinkind und BABY von zu Hause aus zu arbeiten

Ganz davon abgesehen kann ich mir nicht vorstellen, dass sich in Zeiten schwacher Wirtschaftslage kleine Betriebe jemanden holen, der für sie Preise für Büromaterial vergleicht. Das kann jeder Azubi im 1. Lehrjahr machen. Wen willst du denn mit einem Geschenkeservice ansprechen??!

Ich habe eine Fortbildung zur Rechtsfachwirtin gemacht. Über Soldan. Kosten: 2800 Euro plus Prüfungsgebühren, plus Bücher, plus Spritkosten. Die Veranstaltungen fanden ca. alle 2 Wochen Freitags (bis 20 Uhr) und Samstags (bis 15 Uhr) statt. Wenn du Kinderbetreuung hast, kannst du das machen. Die Fortbildung ist allerdings nicht einfach. Du musst viel lernen, gerade vor den Prüfungen. Aber ich habe das trotz drei Monate altem Baby geschafft. Es hat sich gelohnt. Ich habe 2 Bewerbungen geschrieben und beide Anwälte wollten mich einstellen. Bei einem habe ich jetzt einen Arbeitsvertrag unterschrieben, da ich nach meiner Elternzeit wechseln wollte.

Ich würde dir raten, die Fortbildung zu machen. Wenn du in diesem Sommer oder Herbst irgendwo damit anfangen kannst, bist du fertig, wenn die Elternzeit deines 2. Kindes endet und kannst dich dann bewerben.

Selbstständigkeit in dieser Branche mit zwei kleinen Kindern halte ich nicht für empfehlenswert.

Abgesehen davon: Anwälte zahlen nicht gerade Top-Gehälter. Wie willst du davon noch die ganzen Kosten einer Selbstständigkeit tragen?!

Beitrag von tragemama - 21.06.10 - 20:05 Uhr

Ich habe so ein schreibbüro und es greifen ausreichend RAs darauf zurück, um 16 Mitarbeiter und meine Familie gut über die Runden zu bringen.

Beitrag von tortenliesel - 22.06.10 - 09:37 Uhr

Hi,

also, in meiner alten Kanzlei haben wir auch Dragon Speech genutzt. Hier (etwas ländlicher, etwa 25 km östlich von Köln) gibt es viele Kanzleien mit zwei Anwälten und einer Angestellten, die noch mit Bändern arbeiten, deswegen finde ich das nicht sooo abwegig. Und wenn die Angetstellte dann mal ausfällt, stehen die Anwälte auf dem Schlauch. Und ich spreche ja auch kleine Betriebe an, eigentlich möchte ich niemanden aus meinem eventuellen Kundenkreis ausschließen.

Ich erwarte NICHT das große Geld. Wenn es irgendwann mal gut läuft - Prima, wenn nicht, hab ich nichts verloren. Das Büro steht fix und fertig bei mir zuhause, es müssen nur ein paar Kleinigkeiten ergänzt werden. Buchhaltung, Steuer, pp. mach ich alleine.

Die Fortbildung mach ich auf jeden Fall, in keinem Fall allerdings über Soldan. Von denen halte ich persönlich nichts. Entweder über Berlin (Beuth-Hochschule, Geb. 1800,00 € zzgl. Material und so) oder aber direkt hier vor Ort in Köln (Geb. 1500,00 € zzgl. Material). ich wollte eigentlich bereits im letzten Jahr anfangen, da wurde mir allerdings auch davon abgeraten, weil das ja mit einem kleinen Kind soooooo anstrengend sei. Im Nachhinein muss ich sagen: Ich hätte es locker geschafft, auch mit Kind. Die Abschlussprüfung der Ausbildung damals habe ich mit Auszeichnung geschafft, lernen fällt mir sehr leicht.

Ich denke, ich werde es einfach versuchen, mehr als schiefgehen kann es ja nicht.

LG, Sandra

Beitrag von tortenliesel - 22.06.10 - 09:56 Uhr

Nochwas: Es geht ja in erster Linie nicht um Einkommen, ich bekomme ja noch Elterngeld. Sollte die Sache bis Ende der Elternzeit nicht einigermaßen laufen, kann ich immer noch abbrechen und hab nichts verloren.

Man ist selbstständig eben flexibler als angestellt. Ich denke, ich werde es einfach mal versuchen.

Danke für Eure Meinungen und auch Kritiken.