Heute Anruf Zeitarbeitsfirma. Muss mein Sohn Job dort annehmen ?

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Beitrag von claudia.1970 - 26.07.10 - 14:00 Uhr

Hallo

Hab mal eine Frage.
Mein Sohn hat am 24.6. seine Ausbildung als Lagerfachhelfer beendet.
Ist also jetzt ca. 4 Wochen arbeitslos.
Er bewirbt sich fleissig bei allen möglichen Stellen hier im Umkreis die er mit Bus und Bahn erreichen kann da er nicht mobil ist.

Heute kam dann ein Anruf einer Zeitarbeitsfirma.
Die haben seine Daten wohl von der Arbeitsagentur.

Er könnte morgen schon arbeiten laut den Äusserungen des Herrn am Telefon.
Lohn wäre 7,13 Euro pro Stunde.
Als mein Sohn fragte was das Netto im Monat wäre sagte der Mensch am Telefon, ca 1100 Euro NETTO im Monat.

Also nach meinen Rechnereien kann das nicht hinkommen.

Er bekommt jetzt etwas über 900 Euro ALG1, wenn ich richtig gerechnet habe dann würde er bei der Zeitarbeitsfirma weniger rausbekommen und somit könnte er nur sehr sehr schwer seine Wohnung ect. finanzieren zumal es jetzt schon recht knapp ist mit dem ALG1.

Muss er diesen Job annehmen ?
Ist der Tariflohn für Zeitarbeitsfirmen nicht inzwischen höher ?

Kenne mich damit leider nicht aus und mein Sohn ist in solchen Sachen leider auch nicht so bewandert und kann sich auch nur schwer ausdrücken und verhandeln.

Er hat gleich um 15.00 Uhr einen Termin dort und ich werde ihn begleiten damit die ihn nicht übern Tisch ziehen aber er hat noch einige Bewerbungen offen und noch 2 Bewerbungsgespräche diese Woche.
Ich bin deshalb eher der Meinung das er dort zwar hingeht aber noch nichts unterschreibt sondern erstmal abwartet was bei den ganzen Bewerbungen noch rauskommt.

Oder muss er das erstbeste auch wenn er dadurch weniger Geld hat als jetzt annehmen ???

Bin für jede Antwort dankbar.

lg
Claudia

Beitrag von windsbraut69 - 26.07.10 - 14:04 Uhr

Warum sollte er einen Job ablehnen?
Wenn er unter seinem Bedarf liegt, kann er doch ergänzendes ALGII beantragen.

Gruß,

W

Beitrag von claudia.1970 - 26.07.10 - 14:24 Uhr

Es geht sich primär darum das er noch einige offene Bewerbungen und Vorstellungsgespräche hat und das er bei den Stellen sofern er einer davon bekommt wesentlich mehr verdienen würde.

Bei einer dieser Stellen sieht es zumindest sehr gut aus das er den Job dort bekommt da ein guter Bekannter noch ein gutes Wort einlegt und die Firma gerade sucht. Aber das Gespräch ist erst in einer Woche da der dafür zuständige Mitarbeiter noch in Urlaub ist und niemand sonst eine Zusage machen kann.

Wenn er nun aber bei der Zeitarbeitsfirma anfängt dann kann er ja nicht schon direkt frei nehmen wegen eines Bewerbungsgespräches und sofort wieder kündigen wenn er den Job dann bekommt, oder ?

Er muss den Job gleich ja auch nicht direkt ablehnen sofern er sich noch eine Woche Bedenkzeit lassen kann, denn dann hat er die Gewissheit ob er bei der lukrativeren Stelle genommen wird oder nicht.

Ergänzes ALG2 würde er nicht bekommen.

Beitrag von windsbraut69 - 26.07.10 - 14:44 Uhr

Ja, wenn Du meinst, dass er in der momentanen Arbeitsmarktlage so wählerisch sein kann und eine Woche Bedenkzeit fordern, dann macht es so.

Ich würde den Job nehmen und ggf. wieder kündigen. NOCH hat er ja keine andere Zusage in der Hand.

Gruß,

W

Beitrag von fred_kotelett - 26.07.10 - 14:59 Uhr

"Wenn er unter seinem Bedarf liegt, kann er doch ergänzendes ALGII beantragen."

Jetzt mal vollkommen von dem vorliegenden fall losgelöst. Ist dieses Statement dein Ernst?

Ich für meinen Teil unterstütze mit meinen Steuergeldern lieber einen Arbeitslosen, als das ich indirekt Lohndumping unterstütze.
Gerade dieses von solchen Firmen gerne praktizierte "Kombilohnmodell" aus Hungerlohn und ALG2, ist doch eines der größten probleme auf dem deutschen Arbeitsmarkt.


Beitrag von windsbraut69 - 26.07.10 - 15:14 Uhr

Das war kein Statement, sondern eine ganz neutrale Aussage.

Wenn Du Dir aber den erlernten Beruf anschaust und die Voraussetzungen, die dieser junge Mann mitbringt, dann kann er in der heutigen Arbeitsmarktlage froh sein über einen Stundenlohn von über 7 Euro und einen Fuß in irgendeiner Tür.

Ich möchte ihn jetzt lieber dabei unterstützen, überhaupt ins Berufsleben zu kommen als die nächsten 30 Jahre darauf zu warten, dass die Löhne für die heute schlecht bezahlten Jobs steigen.

Beitrag von fred_kotelett - 26.07.10 - 15:21 Uhr

Gut da geb ich dir Recht.

Wobei es natürlich fraglich ist, ob eine Zeitarbeitsfirme für den Jungen so das wahre ist.

Naja, ich bin immer wieder von neumem schockiert das es solche niedrigen Gehälter überhaupt gibt.

Beitrag von windsbraut69 - 26.07.10 - 15:37 Uhr

"Naja, ich bin immer wieder von neumem schockiert das es solche niedrigen Gehälter überhaupt gibt. "

Das bin ich auch weiterhin und immer wieder.
Ich möchte heute auch nicht mehr ins Berufsleben einsteigen müssen.
Selbst in großen und vernünftig gewerkschaftlich organisierten dt. Konzernen sitzen ja immer mehr dieser Leiharbeiter mit jämmerlichem Einkommen zwischen den aussterbenden Stammmitarbeitern...

Beitrag von fred_kotelett - 26.07.10 - 15:44 Uhr

Ist ja glücklicherweise nicht überall so.

Beitrag von nele27 - 26.07.10 - 16:05 Uhr

Naja, je niedriger die Ausbildung, umso mehr tritt das Phänomen auf.
Klar, da gibts eben mehr Konkurrenz als bei einer Fachkraft.

Allerdings stelle ich das Lohndumping, wenn auch auf anderem Niveau, auch in meiner Berufsgruppe fest.
Weil Ende der 90er jeder Idiot "was mit Medien" machen wollte #augen Auf eine Stelle kommen mal gern 500 Bewerbungen.
Glücklicherweise hab ich immer Sahnejobs abbekommen. Langsam glaube ich, es ist doch Talent dabei ;-)

LG

Beitrag von windsbraut69 - 26.07.10 - 16:09 Uhr

Der Trend ist aber unübersehbar.

Beitrag von nele27 - 26.07.10 - 16:11 Uhr

Er tritt immer dann auf, wenn Du leicht ersetzbar bist...

Spezialisierung lautet das Geheimnis :-)

Beitrag von windsbraut69 - 26.07.10 - 16:18 Uhr

Soooo viele Spezialisten, die unersetzbar sind, werden aber nicht gebraucht.

Hier betrifft das auch durchaus qualifizierte Jobs, wo sich zwei Leute mit ähnlichem Lebenslauf und Aufgabengebiet am Schreibtisch gegenüber sitzen und einer davon etwa die Hälfte nur verdient...

Beitrag von fred_kotelett - 26.07.10 - 16:24 Uhr

Ja deswegen bin ich froh, das bei uns nur unbedingt gebrauchte Spezialisten arbeiten. (Mal Hausmeister etc. ausgenommen, wobei auch diese Jobs bei uns gut bezahlt werden)
Mein Arbeitgeber lebt ausschließlich vom Know How seiner Angestellten, daher muss er diese auch gut behandeln.
Wobei es diese Gehaltsunterschiede natürlich auch gibt, das hängt jedoch bei uns ausschließlich vom eigenen Verhandlunggsgeschick ab.

Beitrag von windsbraut69 - 26.07.10 - 16:36 Uhr

Ja, wenn ich hier im Forum Zahlen sehe, verdienen selbst die hier am schlechtesten Bezahlten noch ganz gut....aber die Entwicklung ist schon gruselig...

Beitrag von nele27 - 26.07.10 - 16:47 Uhr

Nee, und da haben wir ja das Problem.

Die vielen Unqualifizierten oder gering Qualifizierten, die wir haben, brauchen wir nicht mehr. Die Arbeit ist wegrationalisiert oder von Maschinen übernommen.

Und die Fachkräfte (damit meine ich jetzt ausdrücklich nicht nur 100x studierte Experten!), die wir brauchen, gibt es nicht in ausreichender Zahl oder sie stürzen sich auf Modeberufe und die ungeliebteren Jobs bleiben liegen.

Wenn das so weitergeht werden wir Fachkräftemangel bei gleichzeitiger Massenarbeitslosigkeit haben #schock Das ist pervers, aber wird so sein.

Dazu kommt, dass Bewerber neben einer oft unzureichenden Ausbildung auch noch utopische Vorstellungen haben. In der Klasse meines Mannes gibt es einige Meinungen, dass man ja mindestens 2000 Euro netto als Techniker-Einstiegsgehalt verdienen müsse (mit Stkl. 1 wohlgemerkt) #augen
Da frage ich mich tatsächlich wo die leben... dann aber entweder gar keine Bewerbungen schreiben oder den letzten Dreck formulieren (ich lese die häufiger mal...)

So kommt es, dass in der Klasse 75 % noch ohne Job sind, obwohl Maschinenbautechniker durchaus gesucht werden (bei meinem Mann ist gerad noch eine Stelle frei).

Ich finde das Thema schon echt erschreckend.

LG, Nele

Beitrag von kaktus0 - 26.07.10 - 16:53 Uhr

2000 netto #schock

Mein Bruder hat gerade seinen Dr. gemacht und arbeitet in einer Kinderklinik und bekommt "nur" 1800 € netto für den Einstieg.

Manche Leute haben echt Vorstellungen :-D

Beitrag von fred_kotelett - 26.07.10 - 16:55 Uhr

Naja, das Assistenzärzte beschissen bezahlt werden ist ja auch nichts neues.

Beitrag von nele27 - 26.07.10 - 16:59 Uhr

Es geht aber schnell hoch, wenn man will und sich n bisschen klug anstellt.

Meine beste Freundin arbeitet in der Klappse und hat ihr Gehalt durch 24-Std.-Dienste und Gutachtenschreiben verdoppelt...
Und sie ist erst 1,5 Jahre fertig mit dem 3. Examen!

Also die Leier der aaaaaaaaaarmen Ärzte stimmt auch nicht so ganz :-)

Beitrag von fred_kotelett - 26.07.10 - 18:29 Uhr

Also die Klinikärzte sind und bleiben meiner Meinung nach unterbezahlt.
Bei den Niedergelassenen sieht das natürlich anders aus.

Beitrag von zwiebelchen1977 - 26.07.10 - 21:05 Uhr

Und sie müssen zudem noch sehr viel arbeiten

Beitrag von kaktus0 - 26.07.10 - 17:01 Uhr

Wo Du recht hast, haste recht.

Ich habe letztens eine Reportage über Ärtze gesehen, dort wurde berichtet, das viele jetzt freiberuflich arbeiten, weil sie so die Verantwortlichen unter Druck setzen können. Einer dieser Ärzte erzählte, dass er in Kliniken eingesetzt wird und dort dann 90 € pro Std. bekommt und geregelte AZ hat.

Ich finde es okay, kann ja nicht sein, dass man so "ausgebeutet" wird

Beitrag von nele27 - 26.07.10 - 17:02 Uhr

ja, Wahnsinn ne? Klar verdient man in Hamburg uU besser als in der sächsischen Pampa (muss ja auch - die Mieten).

Aber man muss schon auf dem Teppich bleiben. Ich hatte mit Hochschulabschluss damals etwa 2000 Euro netto Einstiegsgehalt (in der niedersächsischen Pampa :-)) und darüber habe ich mich gefreut.

Mein Mann hat richtig Glück und verdient vergleichsweise viel als Techniker - aber er hat sich auch ziemlich engagiert. Hat als Schüler schon dort nebenbei gejobbt, ein Forschungsprojekt für seinen Abschluss gemacht etc. Daneben noch unser Kind betreut.
Während die anderen ihre faulen Ärsche bei Mutti ausgeruht haben.
Und jetzt ist das Gejammer groß...

LG

Beitrag von kaktus0 - 26.07.10 - 17:18 Uhr

Ich jammer nicht, mein Bruder auch nicht und er hat sich auch nicht bei Mutti ausgeruht, sondern hat sogar mehrere Semester im Ausland studiert, nebenher immer gearbeitet und sich selber finanziert. Nicht weil unsere Eltern nicht zahlungsfähig waren, sondern weil er kein Geld von usneren Eltern wollte..

Ich habe auch immer gearbeitet, trotz Kinder, verdiene nicht schlecht, aber es könnte auch mehr sein!

Beitrag von nele27 - 26.07.10 - 17:26 Uhr

Das Gejammer war auch nicht auf Dich bezogen... sondern auf die Typen aus der Klasse meines Mannes :-)

DIE jammern und haben die ganzen 2 Jahre bei Mutti gewohnt :-)