Hallo zusammen,
während meiner Schwangerschaft hatte ich ziemlich viel Diskussionen bzgl. meines Jobs. Mein Arbeitgeber hatte damals letztendlich beschlossen, meine Stelle neu auszuschreiben und neu zu besetzen.
Nachdem diese Entscheidung gefallen war, hatte ich mit meinem Partner zusammen beschlossen, dass ich das erste Lebensjahr unseres Sohnes komplett zuhause bleibe und im zweiten Jahr in Teilzeit wieder anfange zu arbeiten. Meinen Job war ich ja sowieso los.
Inzwischen ist der Kleine da und ich genieße jede Minute mit ihm, auch wenn es zeitweise sehr, sehr anstrengend ist. Und jetzt steht mein Arbeitgeber wieder auf der Matte und fragt, ob ich schon ab Januar 2011 in Teilzeit und ab Juni 2011 wieder in Vollzeit arbeiten komme. Ich bekäme meine alte Stelle wieder. Im Gegenzug dazu würde er sich an den Kinderbetreuungskosten beteiligen.
Klar freut es mich, dass sie auf mich zugekommen sind, allerdings weiß ich echt nicht, was ich jetzt tun soll.
Wenn mein Zwerg weiterhin so anstrengend sein sollte, weiß ich, dass ich meinen Job so wie ich ihn vor der Geburt gemacht hatte, nicht mehr machen kann. Termine spät abends, telefonisch erreichbar sein rund um die Uhr, Sonderaufträge, die unzählige Überstunden verursachen, etc. kann ich mir mit einem Kleinkind, dass mich ständig fordert und auch nachts auf Trab hält nicht vorstellen.
Dazu kommt folgende Überlegung: ich habe seit dem Studium beruflich ununterbrochen Gas gegeben und bin schnell die Karriereleiter hochgeklettert. Ich mache mit Anfang 30 einen Job, der in anderen Firmen von Leuten gemacht wird, die im Schnitt mindestens 10 Jahre älter sind als ich. Das war nur möglich, weil ich extrem viel und hart gearbeitet habe.
Jetzt, wo ich zuhause bin mit meinem Zwerg, merke ich, dass die berufliche Pause wirklich gut tut und ich mir eigentlich das komplette Jahr an "Pause" gönnen würde. Klar, könnte das u.U. das Ende der Karriereleiter bedeuten, aber ich komme zum ersten Mal seit Jahren zum Aufatmen - trotz Baby zuhause - einfach, weil der extreme berufliche Druck fehlt.
Mein Partner und ich wollten das Haus umbauen. Das ist viel Arbeit und ich glaube, dass die Belastung mit Haus-Umbau, Baby und Job zu viel sein könnte. Jedenfalls wäre das wieder mit viel Druck und Stress verbunden.
Nun tendiere ich dazu, das Angebot meines Arbeitgebers abzulehnen (auch wenn das das Karriereaus bedeuten könnte) und mir die Familienpause wirklich zu gönnen. Der große Stress wäre erstmal weg, wir könnten in Ruhe das Haus umbauen und die Belastung mit Baby und Job käme dann erst später wieder auf mich zu. Andererseits habe ich mich sehr über das Angebot gefreut. Als es damals während der Schwangerschaft um meinen Job ging, hätte ich niemals nein gesagt, wenn ich damals schon dieses Angebot gehabt hätte...
Heute sagt mir mein Bauchgefühl, dass es für mich / uns besser wäre, die berufliche Pause einzulegen.
Ich bin eigentlich ein absoluter Kopfmensch, deshalb meine Frage an euch:
würdet ihr auf den Kopf hören, der klar sagt "Angebot annehmen und Karriere weiter vorantreiben" oder eher auf den Bauch, der der Meinung ist "die Pause ist notwendig und gut; ich kann (und werde auch auf jeden Fall) immer noch früh genug anfangen zu arbeiten."
Die Entscheidung kann nur ich fällen, dass versteht sich von selber, aber vielleicht hat jemand noch ein paar Gedankenanstöße für mich?
Danke und liebe Grüße vom Sonnenstern
Wieder einmal Familie und Beruf...
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Beitrag von sonnenstern-115 - 05.08.10 - 13:04 Uhr
Beitrag von amelily - 05.08.10 - 14:02 Uhr
Hallo,
ich kann Deine Gedanken gut nachvollziehen.
Bei mir war es so, dass ich bei beiden Kindern direkt nach dem Mutterschutz wieder voll arbeiten gegangen bin, ABER:
Mein Mann war ein Jahr komplett in Elternzeit und die beiden anderen Jahre geht er Teilzeit arbeiten und ich habe einen Heimarbeitsplatz und bin daher viel zuhause und wir können uns die Zeit gut selbst einteilen.
Unter den Voraussetzungen die Du beschreibst, würde ich wohl eher auf den Bauch hören.
Wenn ihr es finanziell könnt und Du gerne zuhause bist, dann genieße die Zeit doch einfach. Wenn Du jetzt Anfang 30 bist, hast du noch locker 35 Jahre zu arbeiten, was ist denn da ein Jahr Pause?
Wäre Deine Karriere denn dann wirklich unwiderbringlich vorbei, oder würde sie vielleicht einfach nur stocken? Wärst Du vielleicht dann einfach mit Anfang 40 halt immer noch auf der Karrierestufe, auf der andere 40jährige sind und ihnen nicht mehr voraus, oder würdest Du wirklich komplett zurückfallen?
Gibt es in Deiner Firma vielleicht die Möglichkeit familienfreundlich weiterzumachen (Heimarbeitsplätze, Teilzeit auch in Führungspositionen etc.)?
Es wird doch dauernd vom Führungskräftemangel gesprochen, da kann sich doch kaum eine Firma leisten, gutes Personal einfach so aufs Abstellgleis zu schieben (sieht man ja auch daran, dass Du jetzt doch ab 2011 wieder kommen sollst).
Ich würde mir da nicht so einen Stress machen (ist leicht gesagt, ich weiß).
Die Kinder werden so schnell groß und wenn Dir die Pause jetzt gut tut, dann nutze sie!
Du musst Dich niemandem beweisen, sondern ihr als Familie müsst gut zurechtkommen und euch wohlfühlen.
Ob Du jetzt ein halbes Jahr Pause machst oder ein ganzes und dann Teilzeit arbeitest, da fragt doch in 10 Jahren kein Mensch mehr nach.
Skeptisch bin ich immer nur bei Frauen, die nach dem Kind bis zur Rente zuhause bleiben wollen, aber wenn man es in der Konstellation finanziert bekommt (durch Ehemann, eigenes Vermögen oder wie auch immer), ist das ja auch ok.
Wir haben übrigens die Konstellation Baby + Hausbau und Vollzeitarbeit gehabt und ich kann Dir sagen, das war eine bescheuerte Idee, die uns sehr sehr viel Kraft und auch Gesundheit gekostet hat. Kann ich also nicht empfehlen.
VG
Amelily
Beitrag von mareikehm - 05.08.10 - 14:31 Uhr
Wie sieht es mit der Möglichkeit aus, dass dein Mann zu Hause bleibt?
Nur mal so angedacht...?
Beitrag von derhimmelmusswarten - 05.08.10 - 18:58 Uhr
Wie lange hast du Elternzeit beantragt? Dein Chef muss dich danach wieder zurück nehmen und dir einen gleichwertigen Job geben. Das solltest du doch wissen, wenn du in so einer guten Position bist! Warum lässt du ihn nun bestimmen, wann du zu welchen Zeiten zurück kommst? Wenn dir Vollzeit zu viel ist, dann kehrst du halt in Teilzeit zurück. Auf den Job verzichten würde ich nicht. Kinder werden mit der Zeit auch weniger anstrengend. Bzw. dein Kind würde ja während der Zeit, in der du arbeitest in die Kita gehen oder zur Tagesmutter.
Ich gehe demnächst wieder halbtags arbeiten. Dann ist meine Tochter 14 Monate alt. Klar hat mir die Zeit daheim gefallen. Aber auf meinen Job verzichten will ich auch nicht. Sie ist nun 1 Jahr alt und mir fällt so langsam aber sicher die Decke auf den Kopf.
Gerade wenn du so einen tollen Job hattest, wird dir das gewaltig fehlen. An deiner Stelle würde ich zumindest in Teilzeit wieder loslegen nach einem Jahr oder aber mir eine vergleichbare Stelle mit besseren Arbeitszeiten suchen.
Beitrag von sonntagsmalerin - 06.08.10 - 12:38 Uhr
Dein Text liest sich so, als hättest du innerlich die Entscheidung eigentlich schon getroffen
Und finde, du machst nichts falsch damit. Man sagt ja nicht umsonst, dass 90% unserer Ängste eigentlich nur Sorgen wegen Dingen sind, die letztendlich eh nicht eintreffen
Ich glaube nicht, dass deine Karriere vor dem Aus steht, wenn du jetzt noch ein wenig daheim bleibst. Vielmehr glaube ich, dass die schon frühe Doppelbelastung mit einem verantwortungsvollen Job, Hausausbau und Kind (möglicherweise zwischendurch ja auch mal krank) Probleme mit sich bringen kann. Und DAS wiederum könnte sich viel gravierender auf deine Karriere auswirken.
Gönne dir doch die Auszeit, die du dir eigentlich auch selbst wünschst, und steige zu einem späteren Zeitpunkt wieder voller Elan in deinen Job ein - wenn es dann nicht mehr diese Stelle ist, dann eben eine andere (die womöglich erst recht deine Karriere vorantreibt!).
Ich selbst habe nach dem ersten Kind auch früh wieder Vollzeit geschafft, und das war ein Fehler. Es war stressig, ich habe mich psychisch kaputt gemacht und hatte ständig das Gefühl, ich werde weder der Familie, noch dem Job wirklich gerecht. Beim zweiten Kind bin ich langsam eingestiegen und etwas später, und das hat sich bezahlt gemacht.
Liebe Grüße
Clarissa
Beitrag von manavgat - 06.08.10 - 13:42 Uhr
Manche Frauen denken leider nur von 12 bis Mittag!
Wenn Du einmal aussteigst, kommst Du u. U. nicht mehr rein. Ich würde den Teilzeitvertrag annehmen und danach versuchen, eine 2/3 Stelle genehmigt zu bekommen. Dafür müsstest Du dem AG ein klares Konzept erstellen, wie das verbleibende Drittel abgedeckt wird (welche Aufgaben andere übernehmen können oder wie Du die Arbeit anders organisierst).
Du hast 1! Kind, welches bald in den Kiga kommt. Hast Du Deine Ausbildung, Studium, Deine ganze Anstrengung um so weit zu kommen schon vergessen??????
Sprich mal mit Frauen, die heute um die 40 sind und den Fehler gemacht haben, zu lange zu pausieren. Da wird dir ganz anders.
Gruß
Manavgat
