letztes Jahr vor Abi und dann????

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Beitrag von gr202 30.08.10 - 15:53 Uhr

Hallo zusammen,
mein Mann hat eine Tochter(er ist nicht der leibliche Vater, hat die Mutter vor der Geburt kennengelernt) , die jetzt 18 ist, sie ist im 13. Schuljahr auf einer Gesamtschule und hat null Ahnung, was sie nach der Schule machen soll.

Sie ist auch so antriebslos, würde evtl. nach dem Abi auf Lehramt Grundschule studieren oder irgendetwas mit Kunst machen. Bei unserer Hochschule muß sie aber Mathe mit studieren und das will sie auf keinen Fall.

Ich könnte Anfälle bekommen, wenn ich sie höre. Sie müßte jetzt anfangen, sich zu bewerben, damit sie wenigstens nach der Schule eine Ausbildung anfangen kann, tja, aber sie weiß nicht, was.

Ich habe ihr schon gesagt, daß sie nach dem Abi kein Kindergeld und auch keinen Unterhalt mehr bekommen wird, wenn sie nichts macht.

Wer kann uns einen Tip geben? Sind die Kids alle so drauf? Bei einer Berufsberatung war sie schon von der Schule aus, kam aber nicht viel bei raus, lt. ihrer Info. Sie sollte was mit Kunst oder Sprachen machen, ins Büro will sie nicht.

Danke schon mal und lG

GR

Beitrag von ppg 30.08.10 - 17:01 Uhr

Ich versteh Dein Problem nicht wirklich.

Wenn das Mädel nicht weiß, was sie später machen soll finde ich das nicht wirklich schlimm, sondern in Ihrem Alter sehr verzeihlich. So geht es vielen jungen Menschen.

Zur Not macht sie eben ein freiwilliges soziales Jahr oder, was ich persönlich für besser hielte, weil es den Horizont erweitert ein Jahr im Ausland.

Ich kenne viel junge Erwachsenen, die gerade das schießlich sehr gefestigt hat und den Menschen hat reifen lassen.

Du solltest villeicht ein bischen über Deinen Erfahrungshorizont herausschauen

Ute

Beitrag von gr202 30.08.10 - 19:15 Uhr

Freiwiliges soziales Jahr habe ich ihr auch schon vorgeschlagen, da hat sie (O-Ton) keinen Bock drauf und (nochmal O-Ton) für die paar Kröten würde sie bestimmt nicht arbeiten gehen.

Eigentlich ist es ja auch alles nicht MEIN Problem, manchmal denke ich mir, wieso mische ich mich da überhaupt ein? Habe schließlich selber Kind und Job, Haus und Garten und nicht unbedingt viel freie Zeit, um mich zu kümmern. Aber ich kann nicht verstehen, daß man mit 18 (da ist man schließlich erwachsen und die Kids bestehen auch drauf, daß man dann so behandelt wird) so antriebslos ist. Als ich 18 war, wußten in meiner Klasse so ziemlich alle, was sie machen wollten. Ob es schlußendlich das richtiges war, weiß ich natürlich nicht. Bei mir war es das richtige.

Naja, harren wir der Dinge, die da kommen.

Trotzdem Danke für Deine Antwort!

Gruß
GR

Beitrag von ppg 30.08.10 - 22:11 Uhr

Die meisten Menschen die ich kenne machen heute beruflich etwas vollkommen anderes, als das wofür sie sich nach der Schule mal entschieden haben. In dem Alter hat kaum einer ausreichende Selbstkenntniss um für sich den rechten Weg zu wählen. Ich kenne nur eine einzige Person, die von Kindheit an konsequent ihr Ziel verfolgt hat: Meine Cousine wollte immer Ärztin werden und hat das auch umgesetzt. Heute hat sie eine eigne Praxis.

Ich persönlich wußte mit 18 nicht was ich werden will, hab dann Pharmazie studiert, gerade mal 2 Jahre in dem Job gearbeitet bis ich meine wirkliche Berufung fand und dann nochmal ein Marketingstudium hinterhergeschoben hab.

Hätten meine Eltern mir mehr Zeit zur Selbstfindung gegebn, wäre ich ohne größere Umwege zum Ziel gekommen - aber meine Eltern waren so drauf wie Du.

Außerdem steht ja auch noch ein Auslandaufenthalt zur Disposition, das erweitert den Horizont, läßt Jugendliche reifen und wird meist auch als sehr spannend empfunden. Und bei einem Au Pair Einsatz sind die Kosten für Eltern überschaubar.

Ute

Beitrag von leiahenny 30.08.10 - 17:41 Uhr

Äh - erstmal das Abi machen lassen und dann weitersehen -
Jobben, Praktikum - etc.
Das Abi ist für die meisten schon ein ziemlicher Streß.

Übrigens dachte ich immer :
Ein Anspruch auf Kindergeld für Kinder von 18 bis 27 Jahren besteht, wenn sie noch zur Schule gehen oder eine Berufsausbildung absolvieren. Auch für Jugendliche, die keine Lehrstelle gefunden haben oder sie wieder verloren haben, besteht ein Kindergeldanspruch. Sie müssen aber dann nachweisen, dass die Kinder einen Ausbildungsplatz in Aussicht haben oder sich um einen Ausbildungsplatz bemühen. Für erwerbslose Kinder wird bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres Kindergeld bezahlt, wenn diese der Arbeitsvermittlung der Agentur für Arbeit zur Verfügung stehen.

Beitrag von manavgat 30.08.10 - 19:13 Uhr

Lehramt Grundschule ist genau das, was diese ich-weiß-nicht-was-ich-will-Mädels studieren.

Problem: es gibt einen knackigen NC und es kriegt auch nicht jeder ein Referendariat.

Grundschule ist das einzige Lehramt, welches hoffnungslos überlaufen ist, weil die damen meinen, das kann jeder Depp (was ich bezweifeln würde). Es hat aber keinen Sinn, wenn ihr Euch aufregt, sie wird ihre Erfahrungen machen.

Manche machen nach dem Abi 1 Jahr Au-Pair oder ein freiwilliges soziales (auch Auslands-)jahr und kommen gereifter wieder.

Und ja, nicht alle, aber viele sind "so".

Ich würde den Focus jetzt erst mal darauf legen, ein möglichst gutes Abitur hinzulegen.
Gruß

Manavgat

Beitrag von moeriee 06.09.10 - 16:49 Uhr

"Lehramt Grundschule ist genau das, was diese ich-weiß-nicht-was-ich-will-Mädels studieren.

Problem: es gibt einen knackigen NC und es kriegt auch nicht jeder ein Referendariat.

Grundschule ist das einzige Lehramt, welches hoffnungslos überlaufen ist, weil die damen meinen, das kann jeder Depp (was ich bezweifeln würde). Es hat aber keinen Sinn, wenn ihr Euch aufregt, sie wird ihre Erfahrungen machen."

Na supi! #pro Ich bin auch eines von diesen Mädels, das GS-Lehramt studiert hat und ich wusste seit mind. 5 Jahren, dass ich das machen will. Man kann es sich heutzutage gar nicht mehr erlauben, das einfach mal zu studieren, weil man sonst nicht weiß, was man machen soll. Denn wie du schon sagst: Der NC ist zwar nicht so hoch, wie bspw. bei Medizin, aber nichts desto trotz ist er vorhanden und oft relativ hoch.

Zum Thema "Nicht jeder bekommt einen Referendariatsplatz" kann ich nur Folgendes sagen: Ich habe in Hessen studiert. Es gibt in unserem Bundesland genau 3 Unis, die L1 als Studienfach anbieten: Frankfurt, Gießen, Kassel. Alleine in Gießen haben mit mir zusammen 130 Leute angefangen. Gut, nicht alle haben das Studium abgeschlossen, aber ich meine, dass es so um die 110 Leute waren, die es geschafft haben. Der Rest ist unterwegs abhanden gekommen. Ein Zuckerschlecken war das Studium nämlich nicht! Wenn man nun mal davon ausgeht, dass alle 3 Unis so viele Absolventen pro Durchgang verabschiedet, sind wir bei 330 Leuten. In diesem Jahr habe ich mich das erste Mal für mein Referendariat beworben. Eingestellt wurden keine 100 Personen. Davon waren ca. 60 Neubewerber, 35 von der Warteliste und 15 Härtefälle (Krankheiten, Behinderungen, etc. zählen dazu). Ich stehe nun auf einer Warteliste. Auf dem sagenhaften Platz zweihundertpaarunddreißig. Stell' dir mal vor, es werden in jedem Halbjahr nur 30 von der Warteliste eingestellt. Wie lange ich da warten muss, bis ich einen Platz bekomme. :-( Und ich muss es mal so sagen: Die Warteliste wird ja ständig erweitert. Klar, ich hab' natürlich Wartepunkte. Aber was ich mit den Leuten, die deutlich besser abgeschnitten haben? Die bekommen mitunter dann auch wieder früher einen Platz. Und so muss ich mind. 3 Jahre auf einen Referendariatsplatz warten, wenn ich hier in Hessen bleiben will. Und das will ich, denn ich bin verheiratet, mein Mann hat einen sehr gut bezahlten Job, den er nicht aufgeben sollte, um mit mir irgendwohin zu ziehen und zudem haben wir ein eigenes Haus. Tja, so war das.

So gesehen, wusste ich schon relativ früh, was ich will. Aber wohin hat es mich geführt? Ob ich deswegen einen anderen Weg eingeschlagen hätte? Eher nicht. Vielleicht hätte ich ein anderes Lehramt gewählt. Aber das kann ich im Nachhinein nicht mehr sagen.

Jedenfalls bin ich froh, dass meine Mutter mich trotz allem immer unterstützt hat. Sie weiß selber, wie es, wenn man nicht das machen kann, was man will, weil einem die Eltern Steine in den Weg legen.

An die Themenerstellerin: Es ist gar nicht so unüblich, dass man in diesem Alter noch nicht weiß, wohin einen der Weg führt. Abi ist eine sehr anstrengende Zeit. Ihr solltet der Tochter deines Mannes die nötige Zeit und Ruhe gönnen, sich auf die Prüfungen vorzubereiten und sich einen Überblick zu verschaffen, was sie eigentlich machen möchte. Sie zu drängen, sich jetzt einen Ausbildungsplatz zu suchen, ist meiner Ansicht nach, nicht der richtige Weg. Sie wird es euch wahrscheinlich nicht danken, wenn ihr sie jetzt zu einer Entscheidung zwingt, die sie unter normalen Umständen gar nicht so getroffen hätte.

Beitrag von bastimaus06 08.09.10 - 17:09 Uhr

Sind ja tolle Aussagen von dir. Übrigens ist GS nicht das einzige Lehramt, welches überlaufen ist.

Beitrag von __sunrise__ 20.09.10 - 14:34 Uhr


Ich studiere auch Lehramt GS und ich bin ein "Ich-weiß-genau-was-ich-will-Mädel".

Liebe Grüße!

Beitrag von mahaluma 30.08.10 - 21:29 Uhr

GS Lehramt würd ich ihr auch nicht empfehlen. Aber an vielen Unis kann man Kunst mit einer Sprache zusammen studieren. Allerdings - wenn sie Kunst anpeilt, sollte sie sich wirklich mal mit den Aufnahmeprüfungen beschäftigen. Druck ihr doch einfach mal aus, was da so in eine Berwerbungsmappe rein muss. Vielleicht hat sie dann Antrieb, schon mal loszumalen oder einen vorbereitenden Kurs zu besuchen. Ich wünsch ihr alles Gute! Und Dir viel Nerven. Ich kann Dich verstehen. Mir fehlt auch das Verständnis für jugendliche Antriebslosigkeit und entsprechend schlecht kann ich damit umgehen. Wie sehr auch die Haltung in der Phase berechtigt sein mag.

Beitrag von lichtchen67 31.08.10 - 12:31 Uhr

Also harsch gesagt hast weder Du noch Dein Mann mit dem Mädel irgendwas zu tun geschweige denn irgendwelche finanziellen Verpflichtungen ;-).

Ob ALLE so drauf sind weiß ich nicht aber viele viele viele. Ich war schon vor 23 Jahren so drauf, wusste absolut nicht was ich machen sollte und hab mich wild und blöd beworben, weil meine Eltern das wollten und man das halt so macht....

Nach meiner Erfahrung (und ich habe einen 23jährigen Sohn) ist es eher die Ausnahme, ein Jahr vor dem Abi zielstrebig genau zu wissen, das will ich mein Leben lang machen. Trotzdem ist aus alles irgendwie und irgendwann was geworden ;-).

Lichtchen

Beitrag von jazzbassist 31.08.10 - 12:46 Uhr

Die Kids, die ich so in diesem Alter kenne (sind aber auch nicht viele), sind nicht so drauf. Die wussten eigentlich in der Oberstufe schon, was sie nach dem Abi machen wollten und haben diesen Weg i.d.R. dann auch eingeschlagen. Wie lange sie diesen Verfolgen werden, lässt sich natürlich nicht sagen.

Die Idee, nach dem Abitur eine Ausbildung anzufangen, finde ich ziemlich witzlos. Die dauert oftmals 3 Jahre, dass Niveau ist - (zumindest wenn man berücksichtigt, dass in der selben Zeit auch ein Bachelor-Studium möglich ist) - ebenso wie die späteren beruflichen/finanziellen Aussichten eher mager. Klingt irgendwie nach der reinste Zeitverschwendung, wenn sie vorhat, zu studieren.

Aber, es ist nun mal eine Entscheidung, die möglichkerweise einen großen Teil ihres späteren Lebens ausmachen wird. Ich finde das überhaupt nicht tragisch, wenn ein heranwachsendes Mädchen, dass zwar im juristischen Sinne bereits volljährig ist, aber noch sehr sehr weit davon entfernt ist, wirklich erwachsen zu sein, noch nicht weiß, was es nach dem Abitur machen möchte. Für viele junge Menschen ist bereits das Abitur eine Herausforderung, so, dass während des Abiturs einfach die Zeit fehlt, sich ernsthaft darüber gedanken zu machen und man in den Ferien einfach entspannen möchte, um gut durch das Abi zu kommen. Das halte ich für viel sinnvoller, als sich dabei stören zu lassen, um Bewerbungen für einen Ausbildungsberuf zu schreiben - den sie ohnehin nicht braucht, wenn sie studieren möchte.

Mit Mathematik wird sie aber in ziemlich vielen Studienfächern konfrontiert werden; es ist aber zu schaffen, da man es im Gegensatz zum Abi anwendet [und nicht nur gerechnet] wird; damit fällt es dann wesentlich leichter und - dann ergeben viele Sachen auch plötzlich einen Sinn, der einem in der Schule schnell mal abhanden kommen kann. So ging es mir zumindest damals; ich konnte Mathe zwar sehr gut rechnen, hatte aber bei den meisten Dingen nie begriffen, warum/wofür man das macht/braucht (dann entsteht dieser Graus beim lernen) und während des Studiums kam dann plötzlich dieser "Aha"-Effekt.

Aber in Regelfall können Eltern ihre Kinder ziemlich gut einschätzen. Ist mir sogar bei meinen beiden Nichten gelungen; selbst da wusste ich, welche Studienfächer in Frage kommen könnten. Vielleicht sollten Sie einfach mal ein paar Ideen sammeln. Das es kein Mathematikstudium sein wird, wissen sie ja bereits. Wie wäre es mit Pädagogik, Theologie, Psychologie, irgendwas Naturwissenschaftliches, doch eher in einer wirtschaftswissenschaftlichen Faktultät? Eine juristische Ausbildung macht ungemein viel Spass. Geschichte, Literaturwissenschaften, Philosophie? Politikwissenschaften? Verwaltungswissenschaften? Es gibt unendlich viele Studienangebote - wenn sie die mal vorsortieren, kann ich mir nur schwerlich vorstellen, dass da bei einem 18-Jährigen Mädel nicht irgendwo ein: "Klick - Hey, dass klingt ja interessant" kommt.

Sie kann ja nach 1-2 Semestern immer noch wechseln; dabei wird sie auf jeden Fall wesentlich mehr lernen, als in einer klassischen Ausbildung. Alternativ gibt es für Junge Menschen nach dem Abi genügend Möglichkeiten, einfach mal ein Jahr zu überbrücken, um etwas zu reifen und dann besser zu wissen, wo es später beruflich hingehen soll. Haben Sie sich hier schon mal informiert?

Beitrag von sassi31 01.09.10 - 01:55 Uhr

Hallo,

"alle" sind sicher nicht so drauf, aber viele.

Ich bin mit 16 Jahren aus der Schule gekommen und musste entsprechend mit 15 Jahren anfangen Bewerbungen zu schreiben. Nur wußte ich da absolut nicht, was ich überhaupt machen möchte. Aber weitere 3 Jahre zur Schule gehen und Abi machen wollte ich auch nicht. Meine Mutter hat gemeint, sie muss mich zu Bewerbungen drängen. Mit der Folge, dass ich eine Ausbildung angefangen habe, die ich eingentlich nicht machen wollte, und nicht einen einzigen Tag gern zur Arbeit gegangen bin. Nach 1 Jahr habe ich abgebrochen und bin zur Handelsschule gewechselt. Das hat mir wirklich Spaß gemacht und ich habe einen super guten Abschluß gemacht. Mit 18 Jahren habe ich dann erneut eine Lehrstelle gesucht und hatte nach 4 Bewerbungen und 3 Vorstellungsgesprächen einen Vertrag in der Tasche.

Bis heute habe ich es keinen Tag bereut, dass ich 1 Jahr Ausbildung einfach so weggeworfen habe. Das war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte.

Es bringt überhaupt nichts, wenn man Schulabgänger in einen Berufszweig drängen will, den sie sich nicht selber ausgesucht haben. Und es ist absolut nicht ungewöhnlich, wenn man mit 16 bis 19 Jahren noch nicht weiß, welchen Beruf man den Rest seines Lebens ausüben möchte.
Bedrängt das Mädel nicht, aber macht ihr trotzdem klar, dass das Leben kein Ponyhof ist und Geld kostet. Geld, dass man erstmal verdienen muss.

Gruß
Sassi

Beitrag von janinechen 13.09.10 - 21:54 Uhr

Schau mal da:

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