Wird Elterngeld für alle abgeschafft??

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Beitrag von suerte74 - 14.09.10 - 08:36 Uhr

Hallo,

habe die Diskussionen der letzten Tage leider nur beiläufig mitbekommen.

Stimmt es, dass das Elterngeld für ALLE abgeschafft werden soll ?? Oder betrifft dies nur die Hartz 4 Emfpänger ??

Beitrag von gr202 - 14.09.10 - 08:42 Uhr

Das Elterngeld wird für niemanden abgeschafft, auch für ALG2-Empfänger nicht. Es wird ab 2011 halt nur komplett angerechnet, bisher wurde ja nur der Betrag über 300 Euro angerechnet.

Gruß
GR

Beitrag von litalia - 14.09.10 - 08:58 Uhr

elterngeld wird bei alg2 angerecht, folglich haben alg2 empfänger diese 300 euro nicht mehr zusätzlich.

wie das mit den hausfrauen ist die nicht gearbeitet haben aber keine staatlichen leistungen bekommen weiß ich nicht..... gibts da ne entscheidung?

Beitrag von zwiebelchen1977 - 14.09.10 - 09:08 Uhr

Hallo

Die bekommen es weiterhin. Das finde ich aber auch nicht richtig. Wer nicht gearbeitet hat, kein Elterngeld. Egal ob Hausfrau oder ALG II Empfänger.

Bianca

Beitrag von litalia - 14.09.10 - 09:14 Uhr

ah, das wusste ich nicht.

wusste nur das es "damals" hier diskussionen drüber gab.


hm, ich glaube das kann man von zwei seiten sehen.

ich sags mal so: hier im osten ist das "hausfrauen modell" recht weit verbreitet aber einfach auch aus dem grund weil es an arbeitsplätzen mangelt.
die liste arbeitswilliger mütter ist groß, das angebot mager.


immerhin ernährt sich diese familie aber selbst weil ein elternteil die familie enährt und bezieht keine staatlichen leistungen.


aber die "nur hausfrau" hat natürlich genau so wenig gearbeitet wie die alg2 mutter, das stimmt.

Beitrag von falkster - 14.09.10 - 10:01 Uhr

wie kann man denn bitte ernsthaft behaupten eine Hausfrau leiste keine Arbeit? Das scheint ja eine weit verbreitete Meinung (weil einfach in ein Weltbild passend?) auch oder gerade unter Frauen zu sein...

In vielen Fällen funktioniert die Rollenverteilung nun mal so, dass erst durch die Leistungen der Hausfrau es dem Partner überhaupt erst möglich ist sich auf die Arbeit und das Geldverdienen zu konzentrieren.
Entgegen der landläufigen meinung leisten diese starken Frauen einen nicht unerheblichen Beitrag in der Familie.

Kommen dann Kinder dazu ist eine Unterstützung seitens des Staats, der ja bemängelt, dass wir zu wenig Kinder bekämen, mehr als angebracht.

Das sich Herausreden auf "Lohnersatzleistung" greift hier meines Erachtens nicht, da durch die Unterstützung der Hausfrau, der Partner möglicherweise ein höheres Verdienstpotential erst dadurch realisieren kann...
Natürlich, wenn man Paragraphen reiten mag, wird ja kein Lohn auf direktem Wege erzielt.

Ideell betrachtet, sieht das anders aus. Aber leider verlieren immer mehr Menschen in der heutigen Zeit ihre Ideale...

Beitrag von zwiebelchen1977 - 14.09.10 - 10:05 Uhr

Es geht hier lediglich um die Gerechtigleit.
Und ich habe ncht behauptet, sie leisten keine Arbeit

Wenn vorher kein Lohn bezogen wurde, kein Elterngeld.

ALG II Empfängerinnen sind auch Hausfrauen, oder nicht?

Beitrag von litalia - 14.09.10 - 10:12 Uhr

diese haben aber keinen mann der die familie ernährt und dem sie "den rücken frei halten" und dem sie es womöglich ermöglichen auf der karriereleiter nach oben zu steigen?

wie dem auch sei, ich persönlich finde es schon in ordnung das die "hausfrauen" weiterhin elterngeld erhalten, einfach aus dem grund da sich die familie eben selbst ernährt, weil sie selbst für ihre familie sorgt und welches modell dabei jeder wählt spielt eig. keine rolle.

ob nun der mann 3000 nach hause bringt oder jeder 1500, kommt aufs gleiche raus.
wo sollte man es bei der "versoger ehe" anrechnen? am einkommen vom mann? ;-)

Beitrag von falkster - 14.09.10 - 10:12 Uhr

naja...
zum Thema Gerechtigkeit braucht man sich beim Elterngeld nicht zu äussern. Da war das vorherige konzept des Erziehungsgeldes erheblich besser (im Sinne der Gerechtigkeit).

Wie man bei einem Konzept der sozialen Unausgewogenheit (spirch Benachteiligung der sozial Schwächeren) überhaupt mit dem Stichwort "Gerechtigkeit" aufwarten kann, ist mir völlig unklar.

Ist ein Gesetz etwa der einzige Maßstab?
Als philosophisch angehauchter Ansatz: Ist die Todesstrafe in einigen Ländern gerecht, in anderen aber nicht?

Jenseits der Gesetze gibt es ja zum Beispiel auch noch die Moral...

Beitrag von zwiebelchen1977 - 14.09.10 - 10:23 Uhr

Was war denn daran gerecht? Am Erziehungsgeld? Das haben nicht alle bekommen. NIcht mal den Mindessatz.

Bianca

Beitrag von nele27 - 14.09.10 - 10:49 Uhr

Das Erziehungsgeld hat doch kaum einer bekommen... ich kenne zumindest keinen, es gab sehr geringe Grenzen.

Gerade für ganz gut verdienende Frauen in finanziell gleichberechtigter Partnerschaft war es doch ein herber finanzieller Schlag, wenn sie Kinder wollten plötzlich uU auf mehrere Tausend Euro zu verzichten um eine Betreuung zu Hause zu realisieren. Da hilft das Elterngeld...

Vorher waren ebendiese die Familien benachteiligt, in denen z.B. beide 2000 Euro netto haben. Im Vorteil waren die Hausfrauenehen, in denen er 4000 Euro verdient und sie nichts, um mal bei dem Beispiel zu bleiben. Beide Beispiele haben dasselbe Haushaltseinkommen und während Familie B keine Verluste hat, musste Familie A dreimal überlegen, ob 2000 Euro wirklich für alle reichen und ob nach der Familienphase überhaupt wieder 4000 Euro zusammen erzielt werden können...

Da greift das Elterngeld regulierend ein.

LG, Nele

Beitrag von falkster - 14.09.10 - 11:11 Uhr

genau!

Da ist die Antwort quasi selbst gegeben.

Während sich einige mit "weltlichen" Problemen herumschlagen müssten, ob sie sich ein Kind mit 2000 Euro monatlich weniger wirklich leisten können, wurde dem am Minimum Lebenden (Also dem, der z.B. nur 1/4 des oben genannten Betrags zum Leben hat) durch das Erziehungsgeld überhaupt erst das Kinderkriegen ermöglicht.

Die Qualität einer Gesellschaft lässt sich erst daran erkennen, wie sie mit ihren Schwächsten Mitgliedern umgeht. Und da rede ich nicht von Plattitüden, dass allen Hartzies alles hinten rein gesteckt wird, sondern von dem Fakt, dass durch das Erziehungsgeld seinerzeit jeder die Möglichkeit hatte Kinder zu kriegen. Die, die es wirklich nötig hatten wurden unterstützt.

So sieht für mich Gerechtigkeit aus.

Was ist vor diesem Hintergrund daran gerecht, dass nach der neuen Regelung des Elterngeldes ab 2011 nur noch Leute finanziell unterstützt werden, die es eher nicht so nötig haben (im Vergleich zum ALGII'ler)?

Beitrag von nele27 - 14.09.10 - 11:20 Uhr

Mal abgesehen davon, dass man von 2000 Euro zu dritt bei mir zu Hause kaum leben kann, stimme ich Dir in sofern zu, dass man sich mit dem Elterngeld dafür entschieden hat, mal andere Familien als die ganz Armen zu fördern.

Aber überlege mal, ob das wirklich sooooo ungerecht ist.

Bislang werden vor allem die die nichts oder fast nichts haben gefördert. Sollen sie auch.

Aber die Bezieher mittlerer Einkommen (vor allem deren Einkommen sich aus 2 Arbeitsstellen zusammensetzt wie meine Beispielfamilie A) - fielen oft aus allen Rastern. Sie sind nicht soooo wohlhabend, dass sie den Staat gar nicht nötig haben um gut klarzukommen.
Andererseits sind sie überall über den Grenzen, zahlen also Kita-Höchstsatz (bei uns bis zu 500 Euro für EIN Kind), überall volle Gebühren und Eintritte.

Bedeutet, von den gemeinsam erwirtschafteten 4000 Euro - selbst wenn diese hinterher wieder erzielt werden - geht eine mM nach unzumutbare Summe zur Finanzierung des Familienlebens weg. So hat manchmal eine solche Familie gar nicht soooo viel mehr als eine offiziell bedürftige Familie.

Und genau diese Lücke, die da klafft, muss mM nach nicht so groß sein wie sie jetzt tw. ist.
Ich hoffe, Du verstehst was ich meine.
Arme fördern - auf jeden Fall. Aber bitte dann auch bei den Mittleren unterstützend eingreifen, um sozial ausgewogen zu bleiben. Und damit die nicht NUR zahlen.

Hinzu kommt, dass die Hausfrauenfamilie B mit denselben 4000 Euro des Ehemannes weniger Steuern zahlt und auch noch einen Haufen Kinderbetreuung spart, weil sie eben keinen Ganztagsplatz brauchen...

LG, Nele

Beitrag von windsbraut69 - 14.09.10 - 11:24 Uhr

"dass durch das Erziehungsgeld seinerzeit jeder die Möglichkeit hatte Kinder zu kriegen. Die, die es wirklich nötig hatten wurden unterstützt. "

Diese Möglichkeit ist doch durch ALGII gegeben!
Es gibt doch pro weiterer Person anteilig Miete und den Regelsatz jeweils.

Gruß,

W

Beitrag von kati543 - 14.09.10 - 20:38 Uhr

Wieso war Familie B im Vorteil? Die haben gar kein Erziehungsgeld bekommen. Und um den Faden mal noch weiter zu spinnen - auch keine Krankenversicherung für die Hausfrau.

Beitrag von schnuffelschnute - 14.09.10 - 11:04 Uhr

Was war am Erziehungsgeld denn gerecht?

Es wurde das Geld zur Berechnung genommen, was man VOR der Geburt des Kindes hatte.
Wenn das zu hoch war - Pech!

Dass dann ein Gehalt wegfiel, wenn ein Elternteil daheim blieb - egal!

Wir haben keinen Cent Erziehungsgeld bekommen, weil wir zusammen im Jahr VOR der Geburt von Maya "zu viel" verdient haben.

Ich durfte also wieder arbeiten gehen - 10 Wochen nach der Geburt!

Mit dem Elterngeld hätte ich ein wenig daheim bleiben können.

Gruß

Beitrag von falkster - 14.09.10 - 11:15 Uhr

siehe meine zeitgleich auf nele27's Beitrag verfasste Antwort.

In Deutschland wird sehr gerne auf sehr hohem Niveau gestöhnt, wie schlimm doch alles sei.

Wie soll sich denn nach der neuen Regelung des Elterngeldes ein Hartz4 Empfänger fühlen??
Der wäre a) froh, wenn er ein Gehalt hätte, auf das er verzichten würde und b) glücklich, wenn er nach 10 Wochen eine Arbeit hätte, zu der er zurückkehren könnte...
So jedenfalls kann er ab 2011 einem eventuellen Kinderwunsch nicht nachkommen.

Beitrag von nusch - 14.09.10 - 11:49 Uhr

Wieso nicht?

Eine ALGII-Empfängerin erhält doch die 300 EUR Elterngeld, nur dann eben keinen Regelsatz mehr für das Baby, weil das Elterngeld darauf angerechnet wird.

Braucht man für das Baby mehr als 300 EUR im Monat?

Hat man mehr Verdienstausfall, wenn man vorher nicht gearbeitet hat?

Ich finde die neue Regelung weder ungerecht noch unmoralisch.

Wir sind Vollzeit-Doppelverdiener, wobei ich ungefähr doppelt soviel verdiene, wie mein Mann. Wir können uns unser 2. Kind "leisten", aber wir könnten es uns natürlich nicht leisten, dass ich 1-2 Jahre das Kind selbst betreuue, wenn es für mich kein Elterngeld geben würde.

Ich empfinde mich nicht als unmoralisch, einmal in diesen Genuss zu kommen.

Beitrag von falkster - 14.09.10 - 12:09 Uhr

Dein Kenntnisstand zur Elterngeldregelung für Hartz4-Bezieher bedarf einiger Nacharbeit... Hier nochmal nachinformieren bitte... ;-)

Du verhältst Dich ganz und gar nicht unmoralisch, und ich hab auch nirgends etwas behauptet, was diesen Schluss nahelegen würde.
Überleg aber mal, ob es nicht moralisch zumindest fragwürdig ist, dass in unsere Gesellschaft gezielt einigen das Kinder kriegen, oder besser das aufwachsen lassen, erschwert wird...

Beitrag von windsbraut69 - 14.09.10 - 12:12 Uhr

Wem - außer denen, die von der Deckelung des Elterngeldes betroffen sind - wird denn das Aufwachsen lassen der Kinder gezielt erschwert?

Beitrag von falkster - 14.09.10 - 14:57 Uhr

Ich verstehe die Frage nicht ganz...

Denen, die eben von der Deckelung betroffen sind, würde ich jetzt mal so spontan antworten...

Sorry, vielleicht steh ich da gerade etwas auf dem Schlauch...

Beitrag von windsbraut69 - 14.09.10 - 15:09 Uhr

Gedeckelt ist das Elterngeld momentan ja bei max. 1800 Euro....ich glaube nicht, dass Du da meiner Meinung bist...

Beitrag von fred_kotelett - 14.09.10 - 15:14 Uhr

Um es mal zu erklären, da das Elterngeld momentan 65% des letzten Nettos beträgt und bei 1800€ gedeckelt ist, hat man die höchsten prozentualen Einbußen wenn man mehr als 2770€ netto verdient.
Das ist die eigentliche Ungerechtigkeit am Elterngeld.

Beitrag von nusch - 14.09.10 - 12:23 Uhr

Wieso Nacharbeit?

Es ist doch so, dass ALGII-Empfänger auch ab dem nächsten Jahr den Sockelbetrag von 300 EUR erhalten werden, dieser aber auf den Regelsatz für den neuen Erdenbürger bzw. meinetwegen auch auf den Regelsatz der Mutter angerechnet werden, im letzteren Fall aber der volle Satz für den neuen Erdenbürger fällig wird?

Was war also soooooo falsch an meiner Darstellung?

Ich finde es nicht wirklich unmoralisch bzw. fragwürdig, wenn man Menschen dazu anleiten möchte, erst einmal selbst auf die Beine zu kommen, bevor neue Erdenbürger in die bereits bestehende Bedürftigkeit hinein entlassen werden.

Beitrag von falkster - 14.09.10 - 14:54 Uhr

Unter dem Strich ist eben nicht mehr Geld da, also 300 euro fehlen. Da ändert sich auch nix dran, ob man es nun als "wird angerechnet" oder "fällt weg" bezeichnet.

Dein letzter Absatz kann durchaus als Befürwortung einer Zweiklassengesellschaft gesehen werden, das ist Dir schon klar?
Der eine darf Kinder kriegen, der andere nicht? Und das wird festgemacht am fianziellen Level...

DAS ist meines Erachtens moralisch verwerflich...