Wie kann ich meine Tochter für die Schule motivieren?

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Forum: Kids & Schule

Kleine Kinder, kleine Sorgen - große Kinder, große Sorgen? Schulschwierigkeiten oder anstrengender Streit ums Aufräumen: Lest und diskutiert mit. Und da die Vorbereitung der Einschulung ansteht: Hier begleitet urbia-TV Vater und Tochter beim Schulranzenkauf.

Beitrag von rasselbande4 01.01.11 - 21:17 Uhr

Hallo,
meine Tochter ist jetzt 11 Jahre alt und besucht die Förderschule seid jetzt fast 1,5 Schuljahren.
Ihr größtes Handycap ist Mathe und deshalb wurde sie auch von der GS auf die Förderschule geschickt. Nun ist es so, das sie Leistungsmaßig bis auf Mathe nur 2en nach hause bringt, ohne vorher für die Arbeiten gelernt zu haben. Leider fehlt es aber an ihrem Arbeitsverhalten. Sie kommt häufig zu spät zum Unterricht und macht die Hausaufgaben unzureichend oder gar nicht. Inzwischen hat sie zweimal die Woche Hausaufgabenhilfe extern und aufgrund des Wetters war sie vor Weihnachten mit dem Bus gefahren, also rechtzeitig.
Aber ich weiß echt nicht mehr, was ich noch mit dem Mädchen machen soll, damit sie es in Griff bekommt!!!
Ich denke, wenn sie das Arbeitsverhalten voreinander kriegt, dann wird der Versetzung auf die Regelschule nichts mehr im Weg stehen.
Mensch, in diesem Mädchen steckt doch mehr,
dafür sprechen doch die Noten! #gruebel
Bitte, gebt mir Rat ich weiß nicht mehr weiter!!!
L.G.
rasselbande4#niko

Beitrag von similia.similibus 01.01.11 - 21:46 Uhr

Nicht böse sein, aber ich frage mich, wie es kommt, dass deine Tochter öfter zu spät in die Schule kommt? Bummelt sie so auf dem Schulweg? Hast du die Möglichkeit, sie eine zeitlang zur Schule zu begleiten?

Bei den Hausaufgaben würde ich mit den Lehrern versuchen ein Abkommen zu treffen, dass deine Tochter die Hausaufgaben in ein Heft schreiben muss, welches vom Lehrer abgezeichnet wird (so dass sie wirklich jede Hausaufgabe reinschreibt). Dann wird das von dir kontrolliert.

Ist doch wirklich schade, wenn sie wegen solcher Lapalien auf der Förderschule bleiben müsste.

Beitrag von urmel09 01.01.11 - 22:27 Uhr

Kann es sein das deine Tochter jetzt vielleicht unterfordert ist - mein Sohn ist zwar erst in der ersten Klasse.... aber sobald er Hausaufgaben hat die ihn nicht fordern, ist das Ergebnis mehr als wünschenswert - geschmiert und hat Stunden gedauert. Weiterhin hat er vor den Ferien jeden Morgen getrödelt ohne Ende ... nachdem ich schon fast verzweifelt bin, habe ich herausgefunden, dass er sich in der Schule total langweilt...weil es da derzeit nichts Neues mehr für ihn gibt.

Sprich doch mal mit ihr und ggf. anschliessend mit ihrer Lehrerin damit sie sich den Rückweg auf eine normale Schule nicht verbaut...

Beitrag von manavgat 02.01.11 - 10:38 Uhr

Andersherum:

vermutlich wird sich das Problem legen, wenn sie auf die Regelschule geht.

Es kommt leider oft vor - und es gibt auch Studien dazu - dass auf der Förderschule die Leistungen weiter absinken, weil sich nach unten angepasst wird.

Gruß

Manavgat

Beitrag von similia.similibus 02.01.11 - 11:55 Uhr

Hallo Manavgat.

Es ist ja wohl leider beschlossene Sache (oder bin ich da falsch informiert?) dass die Haupt- und Realschulen ab nächstem Jahr zusammengefasst und zur "Oberschule" werden sollen!? Jedenfalls in Niedersachsen. Und es wird behauptet, dass die Realschüler dann die Hauptschüler leistungsmäßig hoch ziehen sollen. Wenn das stimmt, was du schreibst - und genau das befürchte ich nämlich auch - dann wäre es also umgekehrt? Also dass die Hauptschüler eher die Realschüler leistungsmäßig nach unten ziehen?!

LG
simsim

Beitrag von barbarelle 02.01.11 - 12:47 Uhr

Hallo simsim,

in BW steht das nicht zur Diskussion aber ich kenne viele Schüler, die in der 4ten Klasse noch nicht so fit für die Realschule sind.

Später kommt bei denen der "Kick" und das Problem ist dann, dass sie sich den niedrigen Niveau häufig anpassen um nicht als Aussenseiter/Streber etc. dazustehen. Das haben mir 2 Hauptschüler gesagt, die dann später Abi gemacht haben.

Ich verspreche mir von der Zusammenlegung nicht viel. Seit der G8 Panik in BW sitzen in den Realschulen viele Schüler, die eigentlich auf ein Gymnasium gehören und Schüler die gerade mal so der Hauptschule "entronnen" sind.

Sehr unhomogene Klassen entstehen dadurch und die Lehrer sind durch diesen Umstand äusserst unmotiviert.

LG
Barbarelle

Beitrag von similia.similibus 03.01.11 - 17:14 Uhr

Ich finde dieses G8 auch ganz schrecklich und das war auch ein bedeutender Grund, warum wir unsere Tochter trotz Gymnasialempfehlung auf die Realschule schicken. Und mir wäre es aber nun doch lieber, sie säße in der Realschule eher mit Kindern mit Gymnasialempfehlung in einer Klasse als mit Hauptschülern. Es sei denn, es gäbe eine ausgeglichene Mischung von allen!

LG

Beitrag von manavgat 02.01.11 - 14:23 Uhr

Das ganze Thema ist weit brisanter. Um das zu erkennen muss man sich aber ein wenig in der Schulgeschichte auskennen. In der 2. Hälfte des 19. Jhds gab es die zweckfreie humanistische Bildung nur für den Adel. Das Volk hatte zuerst nur die Sonntagsschulen, die die schädlichen sozialdemokratischen Ideen fernhalten sollten, später machte es die industrielle Revolution nötig, auch dem niederen Volk Bildung zukommen zu lassen, damit sie der Wirtschaft dienen konnten: Volksschule (später Hauptschule). Das Bürgertum wollte auch einen Teil des Kuchens und so kamen die Realia dazwischen. Blos nicht zuviel Bildung, aber eben soviel, dass es der Wirtschaft nutzte. Jeder neue Schulstandard war letzten Endes auch eine Bildungsbegrenzung. Das ist natürlich sehr verkürzt dagestellt. Aber die wenigsten wissen, dass unser 3-gliedriges Schulsystem immer noch die 3 Stände wiederspiegelt.

Wenn man jetzt Haupt- und Realschule in eine Restschule zusammenlegt, statt der einzig richtigen Alternative der Einheitsschule (mit Zusatzförderung für besondere Kinder und einem Abschluss-Treppensystem), dann wirft man die Schulentwicklung auf Jahre noch weiter zurück und die herrschende Klasse profitiert, weil sie für ihre Nachkommen wieder mal die Pfründe gesichert haben.

Unübersichtlich wird es dadurch, dass Schulpolitik und -gestaltung Ländersache ist, wodurch wir uns - ganz im Interesse der Herrschenden - in Kleinscharmützeln aufreiben - was den großen Wurf verhindert.

LG

Manavgat

Beitrag von similia.similibus 03.01.11 - 17:16 Uhr

Hi Manavgat,
das hört sich ja alles wenig erfreulich an. Ich hoffe, dass die Realschule meiner Tochter vorerst verschont bleibt und (noch) nicht zur "Oberschule" wird. :-(

LG

Beitrag von manavgat 03.01.11 - 18:03 Uhr

hallo s,

ich dachte schon, ich diskutiere hier mit mir selbst....

LG

Manavgat

Beitrag von rasselbande4 03.01.11 - 22:07 Uhr

Hallo,
ich finde deinen Text richtig gut und glänzend zutreffend!!!
In unserer Schulpolitik spiegelt sich wieder, was in der Berliner Wirtschafts und Sozialpolitik grundgelegt wird.
Es ist doch so, das der klassische Mittelstand gerade systematisch kaputtgemacht wird und warum soll das nicht auch gleich bei der Schulbildung schon den Kindern mitgegeben werden???
Seid es bei uns in NS keine Orientierungsstufe gibt, wird der ganze Druck schon auf die Grundschüler gelegt und das gleich wenn sie in die Schule kommen.
Bei diesem System bleiben Spätzünder auf der Strecke und es gibt keine Auffangsysteme oder Angebote für diese Kinder, also fallen sie durch. Selbst wenn diese Kinder später durchstarten, sie haben keine Chance mehr, denn sie befinden sich in den meisten Fällen schon auf der Förderschule, wo sie meistens auch bleiben, weil sie unterfordert sind und entsprechende Verhaltensweisen entwickeln, die ihnen die Rückkehr in die Regelschule unmöglich machen.
Es ist ein unmögliches und für die Zukunft vieler Kinder ein unverantwortliches Schulsystem!!!#aerger
L.G.
rasselbande4

Beitrag von similia.similibus 04.01.11 - 12:42 Uhr

Ich finde diese Aufgliederung nach der 4. Klasse auch mehr als ätzend! Und die Kinder, die nach der 4. dann auf's Gymnasium kommen, sind heute durch das G8 einem Leistungsdruck ausgesetzt, der für sensiblere Kinder kaum zu ertragen ist. Kinder, die leistungsmäßig zwar auf das Gymnasium gehören, von ihrem Wesen her aber schüchtern, zurückhaltend, selbstzweifelnd sind, haben dort kaum eine Chance. Viel zu große Klassen, Leistungsdruck, Konkurrenzkampf, Anonymität, Zynismus und demotivierte und gleichgültige Lehrer verkraftet nicht jeder so junge Mensch.

Ich finde unser Schulsystem extrem kinderfeindlich! Meine Kleinste wird 2012 eingeschult und ich werde versuchen, sie auf die in unserer Region einzigste und sehr kleine evangelische Privatschule zu bekommen. Leider sind die Wartelisten dort sehr lang und es entscheidet das Los, wer einen Platz bekommt. Die Schule besteht erst seit 3 Jahren und ist jetzt schon extrem gefragt, weil die Kinder dort noch als indidueller Mensch gesehen und geachtet werden und nicht nur Leistung sondern auch Sozialverhalten eine Rolle spielt!

LG