Ich bin eifersüchtig auf mein eigenes Kind!

Archiv des urbia-Forums Partnerschaft.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von moechtegernmatka 01.01.11 - 23:05 Uhr

Hallo ihr Lieben,

ich hoffe es kann mir irgendjemand einen Ratschlag geben, denn ich weiss langsam echt nicht mehr was ich machen soll.

Bin vor 3 Wochen das erste Mal Mama geworden. Vier Jahre haben wir hart und mit vielen Tränen auf dieses Wunschkind hingearbeitet. Mein Mann und ich waren 7 Jahre unzertrennlich, haben alles zusammen gemacht und jeder um uns herum sah uns immer als das perfekte Liebespaar. Unsere Beziehung war so was besonderes, wir hatten keine Geheimnisse voreinander, konnten zusammen lachen und weinen. Ich dachte immer ein Baby würde unserer Liebe die Krone aufsetzen.

Nun sitze ich hier und verstehe die Welt nicht mehr. Jetzt bin ich Mutter und nichts fühlt sich so an wie ich gedacht hatte es würde sich anfühlen. Stattdessen bin ich voller Traurigkeit, fühle mich fremd in meinem eigenen Haus, mein Mann ist mir fremd (er ist jetzt nur noch der Über-Vater) und mein eigenes Baby ist mir ebenfalls fremd. Ich tue mich so hart damit mich in die neue Rolle und Situation einzufinden. Ich habe das Gefühl unsere Partnerschaft ist jetzt zu Ende. Wir sind nur noch Mutter und Vater und es bleibt nichts Inniges mehr zwischen uns übrig. Wie kann das gehen? Eifersüchtig aufs eigene Baby sein? Ich fühle mich so schlecht und schäme mich dafür. Wird es sich je besser anfühlen? Ich liebe doch meinen Sohn - warum kann ich es nicht zeigen bzw. warum ist trotzdem noch alles so neu und so fremd?

Ging es jemandem ähnlich? Was geht nur mit mir ab?

LG,
Matka

Beitrag von uliku 01.01.11 - 23:17 Uhr

Klare Ferndiagnose: Wochenbettdepression. Gerade eure Situation birgt ein sehr hohes Risiko dazu (Kind lange erhofft und erwartet, Krönung der Partnerschaft und des Lebens = Riesen Erwartung! Das muss ja schief gehen.) Ruf deine Hebamme an, am besten gleich morgen. Je eher ihr das angeht, desto schneller ist es überstanden.
Alles Gute!
Ulrike

Beitrag von melka1972 01.01.11 - 23:29 Uhr

Ich würde auch sagen: Schnellstens zum Doc!!
Das ist eine erstklassige Wochenbettdepression!
Lass das schnell abklären und Dir helfen.
Das gibt sich dann auch schnell wieder!
LG, Melanie

Beitrag von lilayakima 02.01.11 - 00:52 Uhr

#liebdrueck erst einmal. Ich denke, bis zu einem gewissen Grad können solche Gefühle durchaus auch normal sein (auch wenn ich die Gefahr einer Wochenbettdepression nicht beiseite schieben möchte - ich weiss aus den wenigen Zeilen natürlich nicht, wie verinnerlicht deine Ängste sind). Ich weiss noch, bei meinem ersten Kind war ich total überfordert am Anfang - vor allem emotional. Jeder hat immer gesagt, es wird was ganz besonderes sein, wenn du dein Kind siehst, hat mir von der Freude erzählt Mutter zu sein ... und weisst du was? Ich habe genauso gefühlt wie du. Ich habe am Anfang gar keine Beziehung zu meinem Sohn gehabt - er war mir total fremd. Und dann diese Aufgabe vor mir - ich bin die nächsten 20 Jahre verantwortlich für dieses Wesen. Und alle freuen sich um mich herum - nur ich scheine zu versagen und und und - ich habe mich als Losermama gefühlt. Im Nachhinein habe ich festgestellt, dass erst mit einem halben Jahr ich angefangen habe Muttergefühle ich mir wahrzunehmen - vorher habe ich einfach instinktiv funktioniert, bin aber emotional an den Erwartungen gescheitert. Heute bin ich überzeugt, es kann niemand von einer Frau erwarten (vor allem wenn sie vorher noch keine größeren Erfahrungen im Umgang mit kleinen Babies hat - bin z.B. auch Einzelkind) , dass sie sofort diese großen Muttergefühle haben muss und jede Frau individuell Zeit braucht, diese "Fähigkeit" in sich zu finden und zu spüren.
Ich weiss noch ziemlich genau, welche negativen Gefühle ich auf mein Kind übertragen habe - ich hatte Schmerzen und eine traumatische Geburt (und daran hatte es irgendwie auch Schuld), mein Mann ging vie gelassener mit unserem Sohn um, was zur Folge hatte, dass er sich von ihm viel eher beruhigen liess (auch darauf war ich eifersüchtig - irgendwie kam ich mir überflüssig vor). Ich hatte einfach meine Aufgabe noch nicht erkannt. Und ganz ehrlich, nach 3 Wochen, da ist alles noch Außnahmezustand (auch emotional)

Ich möchte dir nur sagen, dass ich für mich diese Gefühle am Anfang erst annehmen musste und nachdem ich auch offen mit anderen darüber gesprochen hatte und sich für mich akzeptiert hatte bin ich dann irgendwann in meine neue Rolle hineingewachsen. Sprich wirklich mit deiner Hebamme und sie wird dich betreuen (und ich denke, sie wird dir auch erst einmal bestätigen, dass diese Gefühle auch nocrmal sind). Dennoch hast du dann jemanden, der auf dich aufpasst, falls es wirklich zu einer Depression kommen sollte.

Ich wünsche dir alles Gute fürs neue Jahr und hoffe, du kommst bald mit deinen Ängsten und Gefühlen klar!

LG K

Beitrag von thyme 02.01.11 - 02:48 Uhr

Hallo
Dass am Anfang alles neu, seltsam und ungewohnt ist: normal, das geht ausnahmslos jeder Frau so. Dito Überforderung, Ängste aller Art, Unsicherheit sowie die Feststeellung, dass man sich das ja alles ganz anders vorgestellt hat.
Wenn ein Paar so wie ihr dann so lange um ein Baby gekämpft hat, ist die Landung vielleicht noch härter: So viele Träume, Erwartungen, Hoffnungen und nun ist das Baby da und nichts ist mehr wie vorher.

Ein Baby ändert so vieles, es dauert, bis sich eine Familie wieder neu sortiert hat. Man lernt sich und den Partner nochmals völlig neu kennen. Und das können auch schon mal unangenehme Erfahrungen sein.

Der berüchtigte Babyblues kennt wohl auch jede Frau. Ich hab mich z.b. so aufs Heimkommen mit dem Baby gefreut und hatte dann für zwei Stunden einen Heulkrampf, nur weil eine schmutzige Tasse in der Spühle stand.

Aber was du beschreibst, geht schon ein bisschen über den Babyblues hinaus, denke ich. Schämen musst du dich dafür nicht, du bist nicht die einzige und du kannst auch nichts dafür. Aber sucht euch bitte umgehend fachliche Hilfe und sprich auch mit deinem Partner darüber

http://de.wikipedia.org/wiki/Postpartale_Stimmungskrisen

Alles Gute, thyme

Beitrag von lisasimpson 02.01.11 - 08:19 Uhr

"Ging es jemandem ähnlich? Was geht nur mit mir ab? "

nun ja- du hast gerade die heftigsten Hormonumstellungen die es geben kann hinter dir/ bist mitten drin.
Ja- ich dneke in gewissen grade geht es den meisten müttern (vor allem beim ersten kind) so.
Und ja- auch die neue situation fpr die familie ist eine große herausforderung.

neben all dem, was normal ist- und sich nach und anch wieder normalisiert, so besteht immer auch die gefahr der depression.
Wenn du das gefühl hast, dir würde ein bißchen Hilfe gut tun, dann sprich mit deiner hebamme.
Wenn du denkst, du willst nochmal warten, dann tu das noch eine woche/ 10 tage- wenn sich nichts verändert, dann wird es zeit dir helfen zu lassen.

Auch wenn sich das ganze verniedlichend "wochenbettdepression" anhört, so muß es nicht sein, daß diese nach 8 Wochen wieder verschwindet, sondern kann zu einer großen belastung werden, wenn du nichts dagegn tust.


Ich wünsch dir alles Liebe- starke nerven für den anfang mit baby, viel kraft für die umstllung von der zweierbeziehung auf eine dreierbeziehung und ein gutes gespür dafür, wann ihr auch hilfe von außen braucht

lisasimpson