Ellbogenbruch/Radiusköpfchen mit Nervenausfall bei einem Kind

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Beitrag von l1b2s3f4 02.01.11 - 15:13 Uhr

Hallo,
ich habe zwar jetzt schon viel über Radiusfrakturen gelesen,aber was genaues habe ich nicht erfahren.
Meine Tochter hatte Anfang Dezember einen Unfall. Ihr Radiusköpfchen war gebrochen.Anhand des Röntgenbildes wußte man wo er ungefähr lag und konnte ihn bei einer sofortigen OP,da die Nerven schon ausgefallen waren,Finger ließen sich nicht mehr bewegen,schnell finden und ihn mit Drähten wieder befestigen.Nächste Woche kommt der Gips ab.Mitte bis Ende März folgt dann die 2.OP.
Meine Tochter ist in einem Leichtathletikverein.Sie darf jetzt erst mal ein halbes Jahr kein Sport machen.Das hat sie schon ziemlich angek...Sie weiß aber nicht alles.Vor der Röntgenaufnahme sagte ich der Ärztin,das meine Tochter Leistungssportlerin werden will.Als die Röntgenaufnahme vorbei war,holte mich die Ärztin in ihr Zimmer,um mir unter 4 Augen zu sagen,das meine Tochter eventuell ihren Traum von der Leichtathletik aufgeben muss.Wir erfahren erst nach der 2.OP.Falls das eintreffen sollte,wird meine Tochter am Boden zerstört sein.Hat jemand ähnliche Erfahrungen .
Danke für eure Antworten
VG Ina

Beitrag von myimmortal1977 03.01.11 - 00:48 Uhr

Ich kann Dir allgemein etwas zu Nervenschädigungen erzählen. Kein Arzt kann zum Anfang einer Therapiemaßnahme sagen, wie viel Restfunktion übrig bleiben wird. Und wenn Dir das ein Arzt gleich am Anfang sagt, klapp die Ohren zu. Der hat nicht viel Ahnung.

So eine Sache muss erst vollständig austherapiert sein. Und da wird neben den OPs selbst, Krankengymnastik und/oder Ergotherapie folgen.

Erst wenn sich in der Nachtherapie über eine Gewisse Zeit keine erkennbaren Fortschritte mehr einstellen, sieht man wirklich, was bleibt an Funktion und was nicht. Die Zeit kann lang sein, alles was man braucht ist eine Menge Geduld. Das geht nicht von heute auf morgen und ggf. auch nicht innerhalb weniger Monate.

Und bis nicht vollständig geklärt ist, was geht und was nicht, würde ich Deinem Kind gar nichts sagen.

Du nimmst ihr damit die Hoffnung, die Kraft und die Stärke zu kämpfen. Sie wird im Verlauf schon selbst merken, wie es für sie weiter geht und wie nicht. Ermutige sie immer weiter zu gehen.

Selbst wenn sie Einschränkungen zurück behält, wird sie für sich andere Mechanismen finden, wie sie diese Defizite ausgleichen kann.

Euch alles Gute, Janette



Beitrag von l1b2s3f4 03.01.11 - 06:51 Uhr

Hallo Janett,
danke für deine Auskunft.
Ihre Finger konnte meine Tochter 2 Wochen nach der OP wieder vollständig bewegen.Wir müssen nun abwarten was die 2.OP bringt,da werden die Drähte wieder entfernt.
VG Ina

Beitrag von fascia 03.01.11 - 10:06 Uhr

Hallo Ina,

im Großen und Ganzen kann ich mich Janette nur anschließen.
Die Aussage der Ärztin hat einen Teufel an die Wand gemalt, viel zu groß und v.a. viel, viel zu früh. Vergiss einfach, was sie gesagt hat.

Verletzungen wie diese können ohne Defekt ausheilen, ohne Funktionseinbuße.

Wenn Deine Tochter nicht mehr als Anfängerin in ihrem Sport aktiv ist, sondern bereits seit längerer Zeit tüchtig trainiert - und es ihr sehr wichtig ist - würde ich noch Mal über die Dauer der Sportbefreiung nachdenken.
Ein halbes Jahr ist dann reichlich lang. Weder aus sportlicher noch aus medizinischer Sicht sehe ich eine Notwendigkeit zu einer so langen Pause.
Das wäre eine Beratung mit einem Sportarzt wert.

Ausdauertraining, Lauftraining, Krafttraining und Einiges aus dem Athletikprogramm geht auch ausgezeichnet mit einem verletzten Arm, der stabil versorgt ist - nach wenigen Wochen schon.
Dazu ist die Absprache mit den Trainern nötig.

Ich habe viel mit Kindern und Jugendlichen im Leistungssport zu tun. Turner und Akrobaten. Eine der häufigsten schlimmeren Verletzungen - typisch für die Bodenmatte - sind Ellbogenverletzungen. Meist Luxationen in Verbindung mit Brüchen, gelegentlich nur ellbogennahe Brüche, eher selten sind reine Luxationen. Sie alle sind fast immer komplex und brauchen lange, bis sie wiederhergestellt sind. Viele werden nicht mehr optimal, da häufig schwere Weichteilverletzungen (Kapsel- und Bandrisse) geschehen (v.a. bei den reinen Luxationen), die nicht reparabel sind. Die reponierten Knochen selbst heilen eigentlich immer ganz gut aus, deutlich besser als die Weichteile. Nervenverletzungen brauchen lange. Wenn nach zwei Wochen die Nervenfunktionen wiedergekehrt sind, kannst Du dahingehend aber eher beruhigt sein, es wird kein Schaden entstehen/entstanden sein.

Ich kenne nicht ein Kind, das ein halbes Jahr pausiert hätte.
Sie sind bandagiert und getaped so früh wie möglich wieder da gewesen.
Die Heilung hat das, meine ich, immer positiv beeinflusst.
Selbst für Turner und Akrobaten, die ihre beiden Arme mit deutlich mehr als dem eigenen Körpergewicht belasten müssen, gibt es viel zu tun, um - ohne den Arm voll zu nutzen - nicht abzubauen. Satt dessen ist ihnen die Möglichkeit gegeben, sich Reaktionsschnelligkeit und v.a. ein gutes "Muskelkorsett" zu erhalten, in das sich der Arm peu à peu sehr gut wieder einfügen lässt.

Das halbe Jahr ist eher ärztlicher Standard für "Standardkinder".
Mitmachen müsst ihr das aber nicht, wenn ihr - deine Tochter - es lieber anders wollt - will.

Viel Glück jedenfalls und gute Besserung,
fascia.




Beitrag von l1b2s3f4 03.01.11 - 11:17 Uhr

Du kannst dir gar nicht vorstellen wie aufbauend deine Antwort ist.Ich habe meiner Tochter auch selber eine Sportbefreiung mitgegeben.Allerdings nicht für ein halbes Jahr.Verlängern kann ich immer noch.Mal sehen was die Ärztin morgen sagt,wenn der Gips abkommt.
VG Ina