Mein Sohn ist so krankhaft ehrgeizig oder was ist das?

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Beitrag von filo 06.01.11 - 09:40 Uhr

Hallo,

ich weiß nicht mehr so recht, was ich mit meinem Sohn machen soll.
Er wird bald 10 und geht in die 4. Klasse.
Leider ist er krankhaft ehrgeizig :(
Im Moment ist es ganz besonders schlimm: Er muss für Sport einen Kopfstand können. Nun ist er aber nicht der Sportlichste und ihm fallen solche Dinge nicht so leicht. Seit 4 Wochen sind wir nun schon am Üben, und so langsam treten auch Erfolge ein, aber eben nur langsam. Und das macht ihn total fertig. Er beschimpft sich dann immer selber, dass er ein Loser sei und NICHTS, aber auch NICHTS richtig könne und er sich am liebsten umbringen würde :(
Ich sage ihm dann immer, dass ein Kopfstand nicht das Maß aller Dinge ist und man nicht alles bzw. alles super können muss. Er hat ja schließlich in Sport auch andere Noten, u. a. auch zwei Einser. Selbst wenn er für diesen Kopfstand eine 6 bekommt, wird er mit Sicherheit keine 6 auf dem Zeugnis haben. Und die Sport-Note ist auch nicht entscheidend, um aufs Gymnasium zu kommen. Aber er kann da überhaupt nicht locker lassen oder drüber stehen. Er hat auch furchtbare Angst davor, von den anderen ausgelacht zu werden, wenn er es nicht richtig kann. Dummerweise ist er vom Alphabet her auch immer als Erster dran.
Ich denke, dass er das von meinem Ex hat. Der war auch so. Hatte nen festen Job mit super Bezahlung, eine Familie, ein Haus – hielt sich aber selber immer für den letzten Loser, der nix gebacken kriegt. Was dann übrigens auch ein Trennungsgrund für mich war.
Ich bin da irgendwie ganz anders und versuche meinem Sohn auch immer zu vermitteln, dass man sich lieber auf seine Stärken konzentrieren sollte und versuchen sollte, diese zu verbessern und auszubauen, als ständig über seine Schwächen zu grübeln und zu jammern. Aber ich beiße da leider auf Granit :(

Kann mir jemand von euch evtl. noch einen Rat geben, wie ich ihm helfen kann?

LG Filo

Beitrag von leiahenny 06.01.11 - 09:53 Uhr

Kann dein Sohn bei spielen verlieren ?
Hat er Freunde ?
Macht er eine Mannschaftssportart oder zum Beispiel
eine Kampfsportart? etc.
Sicher ist es für jedes Kind schmerzhaft zu verlieren oder nicht der Beste zu sein, aber es ist nun mal so. Dein Sohn hat vielleicht massive Versagungsänste.
Das sich selber beschimpfen würde ich konsquent verbieten und statt dessen versuchen ein Mantra zu finden was ihn stützt.
Evtl. Autogenes Training für Kinder, damit dein Sohn lernt sich bewußt zu entspannen.
Würde auch das Thema Stärken nur sehr zurückhaltend besprechen, da es immer das Thema Schwäche impliziert.

Alles gute

Beitrag von masila 06.01.11 - 10:17 Uhr

Hallo,

ich weiß nur, dass das bei mir genauso war/ist.
Laut meiner Mutter sind da auch häufiger mal die Sätze (ich bring mich um, ich bin zu doof zum Leben) gefallen.
Ist einfach die Wut auf sich selbst, ich würde dennoch versuchen, solche Sätze zu unterbinden, sein Selbstbewusstsein stärkt man damit ja nicht gerade.

Meine Erfahrung ist, das gibt sich wieder.
Ich war in der Grundschule auch so, habe mich furchtbar geärgert, wenn es eine 2 und keine 1 war, war deswegen noch tagelang deprimiert.
Man wird eigentlich grundsätzlich schlechter auf der weiterführenden Schule, soweit ich weiß sind viele damals um eine ganze Note abgerutscht vom Schnitt her. Ich übrigens auch, und hab daraus sozusagen gelernt.
Es wird einfach mit der Zeit besser, wenn man selbst merkt, dass es einfach unmöglich ist, überall der beste und erste zu sein.
Der Weg dorthin ist jetzt nicht unbedingt angenehm, aber notwendig.

Mein Tipp: Sucht gemeinsam ein Hobby (Sportverein jetzt vielleicht nichtmal unbedingt), in dem es nicht darum geht, zu gewinnen, sondern mit anderen Leuten zusammen zu sein.
Zeichenkurse, Radfahren, oder meinetwegen Teamsportarten, was ihn interessiert, nur ohne den Druck zu gewinnen.
Ich hab mir damals den Sanitätsdienst ausgesucht, es hilft wirklich.
Wenn er voll darin aufgehen kann, stärkt das das Selbstbewusstsein ungemein, und das ist wohl so ziemlich das Wichtigste.

Liebe Grüße,

Beitrag von engelchen28 06.01.11 - 11:46 Uhr

hi filo!
das, was du beschreibst, würde ich nicht als "extrem ehrgeizig" bezeichnen, sondern als "schlechte frustrationstoleranz". klar, er möchte den kopfstand können - aber er verwendet die meiste energie nicht darauf, zu üben, sondern darüber zu schimpfen, dass er es eben nicht kann, nicht können wird, ein "loser" ist etc.pp.
ist ihm klar, dass es immer dinge geben wird, die er nicht können wird? nicht jeder kann alles, jeder hat etwas, das er nicht oder nicht gut kann, das ist nur menschlich.
meine tochter ist zwar erst 5, aber extrem ehrgeizig (woher sie das hat, keine ahnung). sie wollte z.b. unbedingt einen aufschwung am reck können - und hat geübt und geübt (etwas übertrieben ausgedrückt: rund um die uhr) und nach 3 tagen konnte sie ihn - an derselben stange, an der ihre 9jährige freundin ihn geübt (und nicht gekonnt) hat. dasselbe mit kopfstand, lesen lernen. sie jammert nicht, sie übt einfach ununterbrochen, bis sie etwas dann endlich kann. für sie war es teilweise im kiga ein problem, etwas nicht zu können (z.b. etwas bestimmtes malen). sie misst sich dann an älteren und meint, es auch können zu müssen. sie hat erst lernen müssen, dass jeder dinge hat, die er nicht kann und es immer leute gibt, die besser sind in vielen bereichen.
lg
julia