Wie kann ich ruhiger & gelassener werden??

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von sunnywolke 06.01.11 - 22:07 Uhr

Hallo ihr,

ich bin zwar schon einige Jahre in diesem Forum angemeldet, aber bisher war ich eigentlich immer nur am lesen und wenig am schreiben... Aber die letzten Wochen / Monate mache ich mir immer mehr Gedanken um die Erzieherung meiner Kinder, vermehrt um meine Tochter...

Ich selbst habe eine, für mich, nicht so tolle und liebe volle Kindheit gehabt. Meine Eltern haben sich getrennt als ich 3 war. Mein Vater war Alkoholiker und hat meine Mutter terrorisiert. Als alleinerziehende von 2 kindern musste sie schnell in Vollzeit arbeiten und ich war bei einer Tagesmutter oder später zur Schulzeit hinterher im Hort... Meine Mutter hat oft und viel gemeckert und auch mal auf die Finger gehauen und so...

Ich wollte eigentlich immer alles besser machen wenn ich meine eigene Familie habe, aber jeden Tag aufs neue sehe ich meine Mutter in mir... Egal ob meiner Tochter gegenüber oder meinem Mann... Oft bin ich genervt, evtl. auch mal mit einer Situation überfordert, und werde laut... zu laut... Ich kommandiere meine Tochter oft rum ( das hab ich wohl auch von meiner Mutter) und denke mir oft, dass meine Tochter anders wäre wenn ich nicht so wäre wie ich bin.. Es ist ein verzwickter Kreis, aber ich weiß nicht wie ich da raus komme...

Wir haben eine ganz tolle 3,5jährige Tochter. Sie ist für ihr Alter schon sehr weit und selbstständig. Sie ist verdammt Lebhaft, oft zu wild und für viele Leute auch zu anstrengend, laut, wild etc... Ich bin eher ein Mensch, der auch mal ne Pause für sich braucht, ich mache es mir gerne auf der Couch gemütlich... Klar, mit Kindern selten möglich, aber den ganzen Tag unter strom und in Bewegung, wie meine Tochter, kann ich einfach nicht... Zudem hab ich noch einen 7 Monate alten Sohn...

Ich frage mich einfach wie ich die Erziehung besser machen kann... Wie ich in vielen Situationen ruhiger reagieren kann... Wenn meine Tochter z.B. ständig wild an ihrem Bruder rumzieht... Wenn sie (wie so oft) kein AUFHÖREN oder NEIN akzeptiert... Ich reagiere oft mit Geschrei, was meiner Tochter dann zu laut wird etc...

Wie kann ich für mich Energie tanken, dass ich auf Lust und Spaß an der Tagesgestaltung habe? Meine Tochter ist vormittags im KiGa, d.h. ich hab 3 Stunden für meinen Sohn, für den Haushalt, für evtl. Einkäufe etc... Wenn ich sie dann abhole ist hier essenzeit und ne Stunde Mittagsruhe... Die nutze ich dann auf für mich, aber der Mittagsschlaf wird ja auch sicher nicht mehr ewig andauern bei ihr...

Mein nächstes Problem ist der feste Ablauf am Tag... Ich schaffe es einfach nicht einen festen Ablauf zu bekommen, bzw. meinen Tag richtig zu organisieren. Oft sage ich meiner Tochter, dass wir gleich spielen aber dann kommt doch wieder was dazwischen und mir fällt ein dass wir noch einkaufen müssen oder sonstwas... Ich selbst hab das Problem, dass ich auch oft nicht die Geduld habe mich dann ne Zeitlang mit einer Sache (z.b. mit ihr malne oder so) beschäftigen kann...

Ich glaub der Beitrag ist ein bisschen wirr, aber ich hoffe dass man mich hier trotzdem versteht.... und mir vielleicht ein wenig helfen kann!?

Danke...

Beitrag von marion2 06.01.11 - 22:20 Uhr

Hallo,

mit 3,5 Jahren sind Kinder oft sehr verständig, solange keiner "nein" oder "aufhören" sagt.

Wenn sie an ihrem Bruder rumzottelt, nimm sie weg und sag ihr, dass das nicht gut ist. Ansonsten solltest du wissen, dass der Bruder vom Gezottel keinen Schaden nimmt. Die Kleinen vertragen viel Geschwister#verliebtliebe.

Mach dir morgens ne Liste mit zu erledigenden Dingen.

und: Versuch du selbst zu sein. Wir sind wer wir sind.

LG Marion

Beitrag von bluemotion 06.01.11 - 22:36 Uhr

Zum Tagesablauf
Vielleicht hilft es mal, einen Ablauf auf Papier zu bringen, abends, wenn die Kleinen im Bett schlummern. Ich meine nicht einen strikten Plan (10Uhr machen wir das und 12Uhr machen wir das) Das geht sowieso nicht!

Aber grob: was wird Vormittags/Mittag/Nachmittags/Abends gemacht.

So das du eine etwaige Richtung bekommst und vor Augen hast.

Ist das Einkaufen ganz dringend wichtig, kann es evtl. verschoben werden auf einen anderen Tag oder kann dein Mann sogar diese Dinge kaufen fahrn? Den Haushalt machst du übern Tag grob (Spülmaschine, Waschmaschine....nur füllen. abends dann ausräumen/aufhängen)....

.....so DAS Zeit bleibt zum Spielen mit deiner Kleinen. Es sind doch nur die paar Jahre die man hat mit ihnen! Mit 10 wollen sie schon ihre eigenen Freunde treffen und verlangen weniger nach dir. Sieh es nicht als Last sondern als Geschenk mit ihnen spielen und sie groß werden zu sehen an!

Versuch nicht perfekt zu sein, wie du merkst, geht das meist auf Kosten der Kinder/Familie. Du bist verärgert, weil nichts so klappt, wie du dir das vorstellst und das geht auf die Kinder über, indem du gestreßt auf Situationen reagierst, die vlt. gar nicht sooo strßig waren.

LG

Beitrag von nuckelspucker 06.01.11 - 22:45 Uhr

hey du,

zum thema tagesablauf. ich hab auch probleme, meinen tag zu organisieren und mir hat geholfen, einen plan aufzuschreiben, so doof das klingen mag.

ich hab tausend aufgaben zu erledigen und schaffte meist nur einen bruchteil. dann war ich abends traurig, weil ich eben nicht alles geschafft habe. durch den plan hab ich genaue aufgaben für den tag und abends auch mal das gefühl, was geschafft zu haben.

zum thema gelassener werden:

schau dir deine kinder an und freu dich an ihnen. wenn sie anstrengend sind, dann hol einfach mal tief luft, bevor du rummeckerst. sie wollen dich nicht ärgern.

sie können nichts dafür, wenn du sorgen hast oder gestresst bist oder was auch immer. sie suchen deine aufmerksamkeit und deine nähe.

ich mache vieles spielerischl. anziehen oder aufräumen zum beispiel sind regelmäßige wettbewerbe. so ist mein großer angespornt, sich zu beeilen.

kochen oder putzen machen wir gemeinsam. mein großer liebt beides und hilft mir gern.

er liebt es, aufgaben zu haben und fühlt sich dann ganz groß.

werde ruhiger und gelassener, die kinder sind einmalig und die zeit mit ihnen vergeht so schnell, bis sie aus dem haus sind...

ich habe in den letzten fast 6 jahren gelernt, dass vieles nicht so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird.

liebe grüße

claudia + niclas + lucas

Beitrag von kleiner.fisch 07.01.11 - 09:35 Uhr

Hallo,
so wie du über eure Kinder und über dich selber schreibst und reflektierst, kann ich mir nicht vorstellen, dass bei euch so viel schief läuft. Alleine schon, dass du dir selbst und uns die Frage stellst, wie du es besser machen kannst, zeigt, dass du viel über die Erziehung deiner Kinder und den Umgang mit ihnen nachdenkst. Vielleicht manchmal etwas zu viel?

Glaub mir, es gibt wahrscheinlich kaum eine Mutter, der mit 2 kleinen Kindern nicht sehr häufig der Geduldsfaden reißt. Ich weiß wovon ich spreche, ich habe mindestens 1 x täglich eine Situation, von der ich im Nachhinein denke, ich hätte doch wesentlich ruhiger reagieren können und nicht direkt so schimpfen müssen. Und ich mache mir auch oft Gedanken, was ich besser oder anders machen könnte.
Aber irgendwie kann man ja nicht wirklich aus sich heraus, wir sind auch nur Menschen, und das Leben mit kleinen Kindern ist oft anstrengend. Mal gut, dass wir uns diese Gedanken machen, sonst würden wir wahrscheinlich noch viel öfter rumschreien, schimpfen, die Geduld verlieren... Aber ein ständiges schlechtes Gewissen ist auch nicht gut, das zieht einen nur runter, und dann wird man auch keine bessere Mutter.

Was die Organisation betrifft, gebe ich den anderen Recht: die wichtigen Sachen morgens oder abends vorher aufschreiben, die erledigt werden müssen. Aber nicht zu viel, damit es auch machbar ist. Und ich würde Einkaufszettel machen und nicht ständig für jede Kleinigkeit einkaufen gehen, sondern direkt für ein paar Tage im voraus.

Lieben Gruß,
Andrea

Beitrag von viva-la-florida 07.01.11 - 12:47 Uhr

Hallo,

tröste Dich :-)
Ich würde ohne meine tägliche To Do Liste wohl auch wenig geregelt kriegen.

Hört sich blöd an, aber so eine Liste ist eine feine Sache. Würde ich wirklich mal probieren.

Und es ist nicht zu ändern, wir Menschen kriegen von unseren Eltern die eine oder andere Eigenschaft mit. Auch ich habe von meiner Mom gerade das vererbt bekommen, auf das ich weiss Gott nicht scharf war ;-). Bischen ungeduldig, schneller mal laut werden.

Da ich das weiss, versuche ich es so gut wie es geht in den Griff zu kriegen. Meistens klappt es - aber leider nicht immer. Ich lebe damit. Was soll ich auch sonst tun?

Thema spielen. Gibt es etwas, was Du lieber machst als anderes?
Ich bin zum Beispiel nicht so der Freund von ewig lange Eisenbahn aufbauen, Duplo spielen und solchen Sachen.

Dafür puzzle ich gerne mit ihm, schaue Bücher, spiele mit dem Kaufmannsladen. Für anderes ist halt der Papa, die Großeltern oder ein Kiga Kumpel zuständig ;-)

Was Du im Haushalt vormittags nicht geregelt kriegst, kannst Du evtl. später zwischendurch erledigen. In kleinen Etappen. Sorge dafür, dass die "großen" Erledigungen vormittags vom Tisch sind, dann ist alles andere halb so wild. Und wie schon geschrieben, vielleicht kannst Du Besorgungen wirklich an deinen Mann delegieren.

Aber ganz wichtig, um ruhiger und gelassener zu werden, ist persönliche Zeit nur für Dich. Dass Du Zeit hast, wirklich mal in Ruhe die Dinge zu machen, die Dir wichtig sind. Kannst Du das mal mit Deinem Mann absprechen. Oder mit den Großeltern? Muss ja auch nicht immer gleich ein ganzes Wochenende sein. Aber so ein paar Stunden regelmäßig sind schon wichtig.

Ich merke bei mir immer, dass es Zeit wird mit "Oma zu verhandeln" ;-), wenn ich kurz vorm platzen bin. Und seit ich mir meine regelmäßigen Auszeiten gönne (und zwar endlich ohne schlechtes Gewissen), bin ich wesentlich ruhiger und lockerer geworden.

LG
Katie

Beitrag von girland 08.01.11 - 22:01 Uhr

Guter Beitrag!

Bezüglich Spielen hast Du mir aus der Seele gesprochen: ich spiele auch nicht gerne mit Lego, Männchen, Eisenbahn etc, das ist so laaaaangweilig, da gebe ich nach 5 Minuten auf. Ich bin auch der Typ, der Bücher mit den kids ansieht, Puzzle baut, bastelt und malt, Karten spielt etc.

Für alles andere ist der Papa zuständig, Fussball spielen, Lego bauen und ähnlich.

LG!