An Elternvertreter: Vermittlung zwisch. Eltern und Erziehern

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von cogolin0 07.01.11 - 11:45 Uhr

Hallo,

bin das erste Mal hier. Habe mich diesen Sommer in den Elternbeirat wählen lassen. Mir brennt seit einiger Zeit eine wichtige Frage unter den Nägeln: Wie geht ihr (Elternvertreter) mit Anfragen von Eltern und der Vermittlung zu den Erziehern /Leitung um?

Habe meistens nur mit den Eltern zu tun, die meckern und verliere so langsam die Lust an dem Job, da ich viele Anfragen einfach nicht nachvollziehen kann und mich auch frage, warum die Eltern mit dem meisten Meckerpotenzial nicht selbst im Elternbeirat sind. (Bitte jetzt keine Antworten von wegen - "sags denen doch einfach") Denn ihr wisst ja alle, dass Meckereltern dann gerne hinterrrücks Stunk anfangen...

Ich möchte gerne konstruktive Arbeit leisten (ohne Frust für alle) und suche nach einem SINNVOLLEN, diplomatischen Weg, diesen Eltern mitzuteilen, dass nur für ihre Einzelbelange keine Extrawurst gebraten werden kannn...

Erschwerend kommt hinzu, dass unsere Leitung nicht gerade das Optimum ist - allerding kann ich persönlich an der Arbeit nichts schwerwiegend Falsches feststellen. Den Kindern geht es gut und das Konzept des KiGas find ich auch völlig in Ordnung (klar - besser gehts immer aber es jetzt auch nicht furchtbar). Habe aber schon Einblicke in die Arbeit anderer KiGas gehabt und kann im Vergleich nur sagen: Alles palletti.

Habe so den Eindruck, dass sich in den letzten Jahren bei den "älteren" Eltern Frust über die Leitung aufgebaut hat und weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich damit umgehen soll. (bin erst seit diesem Jahr dabei)

Macht es Sinn, einfach den Kopf in den Sand zu stecken, die "Mecker-Eltern" zu ignorieren, nächste Jahr sich abwählen zu lassen und dann ein Buch über die Erfahrungen zu schreiben;-) oder fällt euch ein anderer Lösungsweg ein. Sollte man eine Umfrage zur Zufriedenheit starten um zu sehen, ob es nur einige wenige Eltern sind, die meckern oder ob viele mit der Arbeit unzufrieden sind? (die Eltern, die zufrieden sind, sagen das ja meistens nicht - gibt ja auch keinen Grund anzurufen, wenn alles OK ist...)

Ich wäre über ähnliche Erfahrungen und mögliche Lösungsansätze sehr dankbar denn ich möchte gerne konstruktive, dem Bedarf angemessene Arbeit leisten.

Beitrag von line81 07.01.11 - 12:03 Uhr

Hallo,

ich kenne das. Ich bin nun schon im 3. Jahr dabei und grundsätzlich macht mir die Aufgabe auch viel Spaß, wir haben tolle Elternvertreter und auch ein sehr gutes Verhältnis zu den Erziehern bzw. der Leitung.
Ich werde auch immer mal wieder mir totalem Schwachsinn behelligt. Ich beruhige die Mutter erstmal. Meist ist es bei mir schon hilfreich, wenn Sie ihnen Frust bei jemanden abladen können und das bin dann halt ich. Meist gebe ich den erziehern oder der Leitung dazu ein kurzen Hinweis und dann ist gut. Es sind ja nun auch immer die gleichen... Ansonsten habenw ir nun schon zum 2. Mal in den 3 Jahren eine freiwillige anonyme Umfrage gestartet. Da hatten wir einen Fragebogen mit folgenden Oberthemen: Rahmenbedingungen, Pädagogische Arbeit, Elternarbeit, stat. Infos und den Bereich zum selber aufschreiben von Problemen, Sorgen und Nöten. Leider ist es so, dass gerade diese Eltern sich dqaran dann ja nicht beteiligen. Ehrlich gesagt, kann man denen dann auch nicht mehr helfen. Ich mache den Job trotzdem total gerne und sehe es so, dass ich ihn in erster Linie für meine Kinder tu... Wer keine Initiative zeigt kann auch nichts ändern und hat auch kein Recht zu meckern.

Kannst mich gerne auch über meine VK anschreiben, wenn Du noch was wissen magst, oder Dich austauschen möchtest.

LG Line

Beitrag von emeliza 07.01.11 - 12:19 Uhr

Hallo,

ich bin auch Elternvertreterin (sogar vom nicht nur für unsere Gruppe, sondern vom gesamten Kiga). Generell kann ich Dir sagen, dass die meisten Beschwerden tatsächlich nicht im ersten Kiga-Jahr auftauchen, sondern bei den "alten" Eltern, das ist jedenfalls auch meine Erfahrung. Das macht es für dich wahrscheinlich besonders schwer.

Zum Glück gibt es bei uns wenig Beschwerden und wenn wenden sich die Eltern oft selbst an die Erzieherinnen, was ich bei individuellen Problemen eigentlich auch gut finde.

Dennoch sollte man als Elternvertreter erst mal jede Beschwerde ernst nehmen, denn dafür ist man ja da, auch wenn es einem selber nicht so gefällt. Z.B. habe ich einige Eltern"beschwerden" bekommen, dass in unserem Kiga die Kids nach dem Mittagessen keine Zähne putzen. Ich persönlich fand das eigentlich immer gut, weil ich weiß, dass dabei oft die falsche Zahnbürste in einem kleinen Kindermund verschwindet und ich das unhygienischer finde, als gar nicht mittags zu putzen. Aber die Allgemeinheit sah das anders. Nun ist es bei uns freiwillig, einige Kinder haben ihre Zahnputzsachen im Kiga, andere nicht. - Für die Kinder ist es offenbar O.K. so und die Eltern sind auch zufrieden.

Du mußt halt immer Abwägen. In einigen Fällen, wie wenn es z.B. um generelle Dinge geht, wie Öffnungszeiten, dann würde ich den Eltern sagen, dass es für dieses Jahr so festgelegt ist und man das momentan nicht ändern kann. Sie sollten Dir aber gerne einen anderen Vorschlag (am besten schriftlich) machen, dann würdest Du das weitergeben, so dass darüber bei der nächsten entsprechenden Ratsversammlung abgegestimmt wird.

Wenn es Einzelproblem innerhalb der Gruppe sind, die sich häufen, dann würde ich versuchen einen zusätzlichen Elternabend mit den Erzieherinnen zu planen, wo diese Dinge dann gesammelt vorgetragen werden. Das hat den Vorteil, dass dann einige Eltern erkennen werden, dass ihre eigenen Probleme nicht das Maß aller Dinge sind. Nämlich dann, wenn mehrere andere Eltern die bisherige Situation verteidigen.

Es ist immer wichtig, dass Du Dir beide Seiten anhörst und versuchst zu vermitteln. Ich finde aber, dass man ruhig auch Eltern sagen kann, wenn Ihre Beschwerden blödsinnig sind. Natürlich mit netteren Worten. Vielleicht kannst Du ja Beispiele bringen, warum es aber für die meisten Eltern anders besser ist.

Ist kein leichter Job, aber es ist schön, wenn ihn jemand macht, auch wenn er nicht sehr dankbar ist. Bei uns geht es momentan um sehr wesentliche Dinge - ein Anbau, der am Elternbeirat vorbei beschlossen wurde und große Kritik durch die Eltern hervorgerufen hat. Es gibt viel bessere Vorschläge, aber angeblich ist es nun zu spät noch etwas zu ändern. In der Satzung unseres Erzbistums (ist ein kath. Kiga) steht jedoch, dass der Elternbeirat bei solchen Planungen dabei sein muß. Ich kann Dir sagen, da fliegen die Fetzten!

LG Sandra

Beitrag von wemauchimmer 07.01.11 - 15:19 Uhr

Ich bin im 3. Jahr im EB und im 2. Jahr Vorsitzender und ich habe ähnliches erlebt. Ich führe es zum Teil darauf zurück, daß der Vorgänger-EB ein extrem kritisches Verhältnis zur Leitung hatte und das Klima zwischen Eltern und Leitung ziemlich vergiftet hat. So waren es doch eben oft "alte" Eltern, die mit sehr überzogenen Kritiken ankamen. Da muß man sagen, diese Art der Problemverursacher wächst sich einfach aus, die Kinder gehen ab und damit auch die Eltern.
Ein weiterer Teil sind die übervorsichtigen Eltern.
Und dann habe ich schon mehrfach erlebt, daß Migranten recht schnell bei irgendwelcher Kritik an ihren Kindern das als Ausländerfeindlichkeit auffassen.

Wir handhaben das so, daß wir eigentlich alles ansprechen bei der Leitung, auch wenn es nicht nachvollziehbar zu sein scheint. Die sind ja oft schon zufrieden, wenn sie sehen, daß sie ernstgenommen werden, oder es gibt eine einfache und einleuchtende Erklärung. Und manchmal ist ja auch an der Sache was dran, auch wenn man es erstmal nicht so sieht. Und schließlich hat die Leitung im Extremfall auch noch andere Mittel an der Hand (ich kenne einen Fall aus einem Kiga in der Umgebung, da wurde einer Mutter, die permanent und sehr unbegründet gegen die Erzieherinnen gehetzt hat, der Betreuungsvertrag gekündigt).

Von "Kundenzufriedenheitsbefragungen" halte ich gar nichts. Wir haben vor 1,5 Jahren einen "Kummerkasten" des Elternbeirats aufgehängt, da ist noch nie was eingeworfen worden. 80% der Eltern wollen einen möglichst geräuschlosen Kindergartenbetrieb und fühlen sich durch solche Aktionen wie eine Umfrage eher genervt.
Wenn die Eltern wirklich unzufrieden sind, werden sie Dich nicht mehr wählen. Ansonsten mach einfach Deinen Job und laß Dich nicht unterkriegen. Letztlich ist dies ja genau Deine Aufgabe als EB.
LG

Beitrag von cogolin0 07.01.11 - 15:31 Uhr

Danke für eure wirklich guten und schnellen Antworten. Tut gut zu wissen, dass es woanders genauso ist ;-). Jetzt hab ich ein paar wirklich gute Tipps, mit denen ich glaube ich etwas besser arbeiten kann.

Vielen Dank an Alle!!!