Nicht immer alles auf die Pubertät schieben

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Forum: Jugendliche

Viele Eltern sehen der Pubertät ihrer Kinder mit Schrecken entgegen. Welche Probleme tauchen wirklich im Zusammenleben mit einem Teenager auf? Was, wenn AlkoholDrogen und Verhütung zum Thema werden? Tauscht hier eure Erfahrungen mit anderen Teenie-Eltern aus.

Beitrag von engel2405 08.01.11 - 06:58 Uhr

Guten Morgen.

Vor längerer Zeit schrieb ich hier schonmal, da ging es um meinen Neffen. Er war damals 14 und kam anscheinend in die Pubertät - ließ zuhause ordentlich den Macker raushängen. Sein Verhalten wurde immer schlimmer. Ihm war alles egal, er wurde frech und hatte vor niemandem mehr Respekt. Er blieb in der Schule sitzen, weil er irgendwann nicht mehr im Unterricht mit machte. Meine Schwester wußte keinen Rat mehr. Sie ging zum Jugendamt und bat um Hilfe - irgendetwas muß man doch machen können ... aber da passierte nichts. Um ihn irgendwie wieder auf die richtige Bahn zu lenken, zog er zu seinem Vater (ca. 300km entfernt). Dort klappte es die erste Zeit auch super. Er machte in der Schule mit, fand Kontakt zu anderen Jugendlichen und fühlte sich wohl. Leider kommt er mit der Lebensgefährtin seines Vaters nicht klar. Irgendwann fingen auch dort die Probleme an. Der Vater wandte sich ans Jugendamt, aber man könne nichts machen. Meine Schwester mußte sich viele böse Worte von der LG des Vaters anhören, ihr wurden unendlich viele Vorwürfe gemacht. Sie steht da drüber. Sie hat immer alles versucht, um den Kinder ein gutes und glückliches Leben zu ermöglichen. Sie scheiterte an ihrem Spielzeugladen, gab mit tausenden Euro Schulden auf. Aber ihr Leben geht weiter. Sie blieb nie zuhause, sondern suchte sich immer wieder neue Jobs. Nun geht es mit meiner Nichte bergab. Damals war sie 11 und ich schrieb hier noch, dass sie das ganze gegenteil ihres Bruders wäre. Inzwischen ist sie 13 und auch sie hat nichts besseres zu tun, als ihre Mutter völlig respektlos zu behandeln. Sie beklaut sie, sie lügt, sie schwänzt die Schule, sie haut von zuhause ab - also das volle Programm. Wieder wurde das Jugendamt um Hilfe gebeten, aber die können (noch) nichts machen. Meine Schwester arbeitet viel - in Teildienst in einem Restaurant. Sie reißt sich sprichwörtlich den Hintern auf und bekommt dafür nur A****tritte. 2x schaffte sie es, meine Nichte zur Psychologin zu bekommen. Die war der Meinung, das Mädchen hätte zu wenig Halt. Wieder nur Vorwürfe an meine Schwester. Als meine Schwester den Job letztes Jahr angenommen hat wurde abgesprochen, dass meine Nichte abends zu meinen Eltern fährt. Eben damit sie nicht allein ist. Meine Nichte hat das 3-4x gemacht und dann kam sie nicht mehr und sie war auch nicht mehr dazu zu bewegen, weil sie "keinen Bock hatte". Was soll man da machen? Den Job aufgeben? Sie geht darin auf, der Job ist IHR Halt.

Ich kann garnicht alles aufzählen, was da in der letzten Zeit noch so alles vorgefallen ist mit meiner Nichte ...

Anfang der Woche rief meine Schwester mich nun an und erzählte, dass mein Neffe jetzt wohl total abrutscht. Das er Drogen nehmen soll war so ein "Gerücht" von seiner Schwester, da weiß keiner ob das stimmt. Aber er trinkt. Er ist 16. Er wurde von der Polizei mitgenommen, weil er sturzbetrunken im Sommerhemd bekleidet nachts (oder morgens?) in ein Wohnhaus eingebrochen ist. (Er wollte wohl bei einem Kumpel übernachten, aber die beiden haben sich gestritten und da ist er abgehauen.) Er war völlig dicht und wußte nicht mal wie er heißt. Vom Vater hörte meine Schwester wieder nur Vorwürfe, sie hätte alles verbockt bei den Kindern und sie (er und seine LG) müßten jetzt alles "ausbaden". Meine Schwester weiß nicht, was sie machen soll und macht sich nun selbst Vorwürfe. Natürlich haben die Kinder damals alles bekommen. Wie oft sagten wir, dass sie es teilweise garnicht verdient haben (ein beispiel von vielen: neues Fahrrad unabgeschlossen abgestellt: geklaut - die andere Oma kaufte eben ein neues ODER Schule geschwänzt und am Nachmittag durfte meine Nichte shoppen gehen, weil sie Schuhe brauchte). Das ist nicht richtig. Aber kommt das Verhalten davon? Kriegen andere Kinder nicht noch mehr Zucker in den Po geblasen und werden nicht so?

Kann man da überhaupt noch von Pubertät sprechen?

Wieso begreifen Kinder (oder Jugendliche) nicht, dass z.B. die Schule wichtig ist. Ich meine, wir hatten auch nie Lust auf Schule, sind doch aber trotzdem hingegangen. Haben die Jugendlichen von heute überhaupt keine Perspektive mehr? Sie wissen mit 14 nicht mal, welchen Beruf sie mal erlernen möchten. Sie haben keine Interessen, außer rumgammeln und saufen.

Ich mache mir auch Sorgen um meine Schwester. Sie hat eine chronische Krankheit, die sie vor 10Jahren in eine sehr schlimme depressive Phase brachte wo sie sich fast das Leben nehmen wollte. Ich habe Angst, dass es ihr wieder schlechter geht. Sie hört doch von allen Seiten nur, was sie falsch gemacht hat. Ständig ist sie am weinen und am grübeln. Ich habe sie Weihnachten gesehen und sie sieht so schlecht aus, völlig mitgenommen und abgemagert. Sie ist eine starke Person, das weiß ich ... aber selbst die stärkste Person bricht irgendwann zusammen und kann dem Druck nicht mehr standhalten.

Wie kann ich ihr nur helfen? Leider wohnen wir 150km voneinander entfernt und können nur telefonieren. Ich bin immer für sie da (telefonisch), würde mich aber irgendwie auch gern um meine Nichte kümmern. Vllt. würde sie sich mir gegenüber etwas öffnen. Zu meinen Eltern hat das Mädchen ein schlechtes - nein eigentlich garkein - Verhältnis. Durch ihr Verhalten ist sie auch nicht sonderlich beliebt oder gern gesehen. Ich kann es verstehen und schüttel auch den Kopf, wenn ich mich mit meinen Eltern über sie unterhalte. Aber ich bin doch die Tante und kann nicht einfach zusehen, wie auch sie so abrutscht ...

Nachdenkliche Grüße, Ina

Beitrag von gsd77 08.01.11 - 07:36 Uhr

Hallo,
ich habe auch 2 Mädls von fast 13 und 14 jahren und ich bekomme sehr viel von ihren Freunden/Mitschülern mit! Da wird schon geraucht, getrunken, randaliert.....
Ich weiss Du wirst es nicht gerne hören, aber Jugendliche in diesem Alter brauchen enorm viel Zuwendung und das nicht finanziell!
Die Kinder die in der Schule immer auffallen sind die wo beide Eltern ganztägig berufstätig sind und die Nachmittags auf sich alleine gestellt sind!
Meine kinder bekommen NICHT alles! Da gibt es Kinder in der Klasse die um 200 Euro ein Handy haben, haben meine definitiv nicht!
Andere wissen nicht mal wie man Respekt und Zusammenhalt schreibt!
Meine müssen zu Hause mithelfen bzw verdienen sie sich so Geld zum Taschengeld dazu zb WC putzen 5 Euro usw.
Und das wichtigste ich höre ihnen IMMER zu, auch wenns mir oft schwer fällt, aber sie wissen das ich immer da bin!
Egal worum es geht, sie erzählen wenn sie in jemanden verliebt sind ( hätte ich nie getan in diesem Alter) , erzählen wenn sie einen Liebesbrief bekommen haben, wenn jemand geraucht hat von den freunden usw. Für uns labalien, für sie wahnsinnig wichtig!
Auch in der Schule sind meine beiden sehr gut, aber wir ( mein mann und ich) nehmen sich die Zeit und lernen mit ihnen.

Natürlich ist es vollkommen normal das Kids in diesem Alter die Schule unnötig finden, und das sie mit 14 noch nicht wissen was sie werden wollen finde ich auch völlig normal! Wie solle man auch mit 14 wissen was man sein restliches leben machen möchte, meist kennt man ja noch gar nicht seine Stärken!
Meine gehen weiter zur Schule nach den Pflichtjahren, die eine auf die Graphische, die andere auf die HAK. Beides dauert 5 Jahre und schliesst mit matura ab. Dann können sie immer noch entscheiden, üben sie den beruf dann aus oder studieren sie lieber!

Da ich auch mit kindern arbeite, bilde ich mich immer weiter und besuche regelmässig Schulungen. Ich war auf einer mit meiner ältesten Tochter die hervorragend war! Unter anderem ist bewiesen das 60% des gehirns in der Pupertät nicht funktionieren da dies quasi im "Umbau" ist ( was so einiges erklärt) :-) und das Jugendliche klare Anweisungen brauchen, da kommt "könntest Du bitte" oder "würdest Du" nicht an! Da hilft nur ein "ich will das Du jetzt.." , und siehe da es funktioniert!

Ich hoffe ich komme Dir nicht als Moralapostel vor, aber ich merke einfach was vielen kindern fehlt und sehe soviele fehler....
Klar bin auch ich nicht perfekt und mache bestimmt genug Fehler, aber ich bemühe mich sehr um meine Kinder und meine Kinder gingen noch nie zu fremden Erwachsenen kuscheln usw. ( kam schon öfter vor das Klassenkameradinnen sich zu mir am Schoss setzten und kuschelten oder von sich gaben wie gerne sie mich als Mutter hätten, was ich erschreckend finde)

Vielleicht sollte deine Schwester sich auch mal bei so Kursen mit Deiner Nichte vorstellen, ist auch für Kids interessant die Sicht der erwachsenen zu erfahren :-)

Ich wünsche Dir und Deiner Schwester ganz viel Kraft und hoffentlich einen Weg der für alle beteiligten schön ist! ( Wobei das der LG des Ex Mannes gar nichts angeht)

Alles Liebe!

Beitrag von engel2405 08.01.11 - 18:06 Uhr

Hallo und danke für die liebe Antwort.

Ich bin genau Deiner Meinung, dass alles Materielle nicht über Zuneigung und Liebe geht. Meine Schwester war und ist immer für ihre Kinder da, egal was sie gemacht oder verbockt haben. Sie bekamen halt auch leider (fast) alles was sie gern wollten (und wenn nicht von meiner Schwester, dann von Schwieger-Oma & Opa). Dass sie zu inkonsequent war in der Erziehung sieht sie ein. Ich kann sie da auch manchmal echt verstehen, kenne das ja selber. Da kommen die kleinen Geister her und gucken einen mit ihren großen, blauen Kulleraugen an ... da fällt es das ein oder andere Mal schon schwer "Nein" zu sagen. Aber es ist wie Du schreibst, mit Bitten und Betteln kommt man nicht sehr weit. Hier bei uns zuhause gibt es auch klare Anweisungen. Das gab es bei ihr nicht wirklich, aber das muß man ihr auch nicht sagen - das weiß sie allein. Sie kennt ihre Fehler ...

Was soll sie machen? Als Alleinerziehende ist es sowieso schon schwer einen Job zu finden. Sie hat endlich einen, in dem sie wirklich aufblüht. Soll sie ihn aufgeben und von Hartz4 leben? Dann kommt ihr Ex-Mann an und zieht wieder vor Gericht, weil er mehr Unterhalt für den Sohn einklagen will ... Sie tut ihr Bestes, sollte sich aber seiner Meinung nach einen Job suchen in dem sie mehr verdient. Damit er mehr Geld für den Jungen bekommt. Und wenn nicht er ankommen würde mit seinen Forderungen, wäre es das Arbeitsamt, was sie in irgendwelche Massnahmen stecken würde. So oder so ist alles nicht recht, was sie macht und versucht.

Verkehrte Welt ...

LG I.

Beitrag von minimoeller 08.01.11 - 08:18 Uhr

Nein.

Mann kann tatsächlich nicht alles auf die Pupertät schieben.

Das "Grundgerüst" der Erziehung, die ein Kind erlebt hat, bis die Pupertät einsätzt, ist entscheidend.

In der Pupertät findet der Jugentliche sein eigenes Leben und seine eigenen Wertvorstellungen. Und dieser Weg ist nicht ohne Schwierigkeiten - bei manchen mehr, bei manchen weniger. Aber die Grunderziehung, die dem Jugentlichen vorgelebt wurde, hat ihn bereits für sein Leben geprägt.

Ein Kind, dass in Liebe, ohne Gewalt, Hass oder Angst groß wird, wird sich immer daran erinnern.

Kinder aus sogenannten "zerrütteten" Familien haben es jedoch ungleich viel schwerer. Woher sollen sie auch wissen, wie man in Geborgenheit aufwächst?

Ich denke auch, dass die Pupertät bei weitem nicht an allem Dingem schuld ist, die schief laufen. Damit macht man es sich zu einfach.

Ein Kind ist immer das Spiegelbild seiner Erziehung.

LG

Beitrag von ppg 08.01.11 - 11:18 Uhr

Nimm mir die offenen Worte nicht übel, aber ich denke bei Eurer Familie sind sie längst überfällig:

Aber an Deiner Nichte , sowie an Deinem Neffen kann Du ersehen, was psyschische Erkrankungen der Eltern bei den Kindern anrichten!

Der von Dir beschriebene Fall ist Lehrbuchmäßig.

Die Kinder hatten in ihren prägenden Jahren nicht den Halt und die Aufmerksamkeit, die gebraucht hätten, darum entgleisen sie jetzt in der Pubertät komplett. Beide benötigen dringend eine Therapie beim Kinder - und Jugendpsychiater und für Deine Nichte sollte die Unterbringung in einer therapeutischen Wohngruppe angedacht werden. Mach Dir bewußt, das Dein Neffe, wie auch Deine Nichte schwer krank sind. Das Mädchen darf keinesfalls bei der Mutter bleiben, da diese offensichtlich immernoch Deppressiv ist.

Wenn ihr jetzt schon wieder nicht handelt ( so wie es schon vor 10 Jahren hätte geschehen sollen, als deine Schwester an Depressionen erkrankt ist ) , dann werdet ihr das Leben der beiden Kinder auf dem Gewissen haben. Villeicht nur weil die Kinder ihr Leben vermurksen, evtl. aber auch weil sie streben werden , sei es durch Suizid oder versehentlicher Überdosis.

Ich verstehe wirklich nicht, wie eine Familie dabei jahrelang seelenruhig zuschauen kann. Diese Kinder bei einer suizidalen Mutter zu belassen ist Kindesmißhandlung gewesen!

Und ehe wieder irgendwelche "Klugscheißer" - Kommentare kommen: Mein Ex - Mann ist psychische krank, mehrere Suizide, einer sogar in Anwesenheit der Kinder. Beide Kinder wurden therapiert, der Kontakt zu Vater zum Schutze der Kinder angebrochen. Ich weiß also sehr genau , wovon ich hier schreibe!

Ute

Beitrag von engel2405 08.01.11 - 17:45 Uhr

Hallo Ute.

Danke für Deine offenen Worte, aber ich glaube Du hast mich völlig mißverstanden (oder ich habe mich falsch ausgedrückt). Meine Schwester erkrankte vor mehr als 10 Jahren an dieser Darmkrankheit, welche durch Stress (Trennung, Umzug usw.) chronisch wurde. Die Ärzte konnten damals keine Diagnose stellen und dadurch bekam sie die Depressionen. Als es ihr so schlecht ging, waren meine Eltern bei ihr und brachten sie ins Krankenhaus. Erst dort konnten die Ärzte sagen, was genau meine Schwester hat und sie bekam Medikamente. Die Kinder wohnten in der Zeit bei meinen Eltern, welche sich wirklich sehr liebevoll um sie kümmerten. Meine Schwester wurde auf Medikamente eingestellt, die sie auch bis heute nimmt. Gegen die Depressionen machte sie eine Therapie. (Sie hat NIE (!!!) versucht sich umzubringen! Sie sagte "lediglich" - ohne, dass ich das herunterspielen möchte (!), dass sie am liebsten nicht mehr leben würde ... ) Sie ist inzwischen nicht mehr depressiv und schon garnicht suizidgefährdet, auch wenn sie immernoch an der Darmkrankheit leidet. Diese wird sie leider ihr Leben lang begleiten. Nichts desto trotz geht es meiner Schwester nicht gut. Aber das liegt einzig und allein an der Situation, weil sie sich nicht mehr zu helfen weiß.

Meine Schwester handelt! Sie war bereits bei der Kinder,- und Jugendpsychologin mit meiner Nichte, aber die wollte nach dem 2. Mal nicht mehr dorthin, weil sie es für überflüssig hält. Was soll man da machen? Soll man sie an den Haaren dorthin ziehen? Und das Jugendamt sagt, dass sie noch nichts machen können. Die stehen erst vor der Tür, wenn das Kind bereits "in den Brunnen gefallen ist".

... Ich verstehe wirklich nicht, wie eine Familie dabei jahrelang seelenruhig zuschauen kann. Diese Kinder bei einer suizidalen Mutter zu belassen ist Kindesmißhandlung gewesen! ...

Nimm es mir nicht übel, aber das ist völliger Blödsinn!

LG Ina

Beitrag von ppg 08.01.11 - 19:01 Uhr

Gut, da habe ich Dich mißverstanden.

Bleibt aber die Tatsache, das Deine Schwester während der prägenden Jahre gesundheitsbedingt sich nicht ordnungsgemäß um die Kinder kümmern konnte. Offensichtlich wurde den Kindern kein Halt und keine Zuversicht vermittelt. Der Vater war vermutlich abwesend und so haben die Kinder keinen Selbstwert im Leben aufbauen können.

Daher bleibe ich bei meiner Empfehlung:
Beide Kinder sofort in Therpie damit diese noch die Chance haben einen Selbstwert aufzubauen und Perspektiven zu ihrem selbstzerstörerischen Verhalten aufzubauen.

Wenn deine Nichte da hin will, gut dann kommt sie eben in eine therapeutische Wohngruppe oder stationär in eine psychosomatische Klinik. Ende jeder Diskussion - das Kind kann in dem Alter noch nicht überblicken was gut für sie ist und noch ist sie minderjährig und da entscheidet die Mutter. Aber offensichtlich hat genau damit Deine Schwester schon seit Jahren ihre Schwierigkeiten, sonst wäre es wohl bei keinem Kind so weit gekommen, wie es jetzt eben der Fall ist.

Und natürlich ist und bleibt es Kindesmißhandlung, wenn man Kinder bei suizidalen Elternteilen beläßt. Auch wenn es auf deine Schwester nur teilweise zutrifft ( denn Kindern machen so lapdar gesagte Sätze "keine Lust mehr zu Leben" absolute Panik und können Traumata auslösen).

Was ich machen würde?
Montag zum Arzt gehen und die Nichte zumindest sofort in eine Akutklinik einweisen lassen.

Denn Du hast Recht: Bevor das JA sich bewegt muß das Kind sich mit Drogen weggeschossen haben, vergewaltigt oder Opfer einer anderen Straftat oder eben Täter geworden sein.



Ute

Beitrag von engel2405 09.01.11 - 06:58 Uhr

Hallo Ute.

Kann man ein Kind denn quasi zwingen, in so eine Klinik zu gehen oder in eine Wohngruppe zu ziehen? Zerstört das nicht noch mehr das Verhältnis zwischen Eltern und Kind?

Eine Therapie zu machen war die Idee, aber wie ich bereits schrieb: die Nichte möchte nicht mehr dorthin und verweigert sich. Auch da die Frage: Wie kann man sie dazu bewegen?

Kinder selbst sehen ihr Handeln mit ganz anderen Augen und übersehen dabei, welch langwierige Folgen ihr Tun haben wird. Wie kann man ihnen die Augen öffnen?

Und vorallem: Wie kann ich meine eigenen Kinder vor sich selbst schützen? Wie kann ich ihnen beibringen, dass es wichtig ist für die Schule zu lernen, auch wenn man dazu vllt. mal keine Lust hat? Wie kann ich sie auf ihrem Weg begleiten, ohne dabei ins Aus geschossen zu werden? Wie verhält man sich am besten, wenn man sein Kind "nervt"? In Ruhe lassen - und irgendwann garnicht mehr wissen, was es macht?Weiter "Fragen stellen" - und damit Gefahr laufen, dass noch mehr abgeblockt wird? WER kann einem in so einer Situation helfen? Das Jugendamt ja wohl nicht ...

LG I.

Beitrag von ppg 09.01.11 - 11:21 Uhr

Kann man ein Kind denn quasi zwingen, in so eine Klinik zu gehen oder in eine Wohngruppe zu ziehen?

Oh, ja! Die entsprechenden Kliniken sind auf wiederborstige Patienten eingestellt.

Zerstört das nicht noch mehr das Verhältnis zwischen Eltern und Kind?

Dieses Verhältniss ist doch aktuell kaputt - darum soll das Kind ja in eine Klinik um zu erkennen was falsch läuft. Und nach erfolgreicher Therapie besteht die realistische Chance der Zusammenführung. Eine Chance, die man ohne Therapie gar nicht hat, weil das Kind sich immer weiter entfernt.

Eine Therapie zu machen war die Idee, aber wie ich bereits schrieb: die Nichte möchte nicht mehr dorthin und verweigert sich. Auch da die Frage: Wie kann man sie dazu bewegen?
Man setzt das Kind in ein Auto und bringt es in die Klinik - notfalls unter fingierten Gründen.

Kinder selbst sehen ihr Handeln mit ganz anderen Augen und übersehen dabei, welch langwierige Folgen ihr Tun haben wird. Wie kann man ihnen die Augen öffnen?

Das überlaß mal den Fachleuten dort, der behandelnde Arzt kann Euch villeicht auch einiges erzählen.

Und vorallem: Wie kann ich meine eigenen Kinder vor sich selbst schützen? Wie kann ich ihnen beibringen, dass es wichtig ist für die Schule zu lernen, auch wenn man dazu vllt. mal keine Lust hat? Wie kann ich sie auf ihrem Weg begleiten, ohne dabei ins Aus geschossen zu werden?

Bei mir hat es - troz der Familienhistorie - bislang gut funktioniert. Beide ( 15 & 13 ) gut bis sehr gut in der Schule, netter Freundeskreis, Tochter im Tanzverein, , realtiv offen . Außer dem altbekannten Aufräumthema kein Stress. Ich weiß nicht wie ich das geschafft habe - außer das ich von Anfang an sehr Konsequent war und immer feste Regeln hatte.

Es ist das schwierigste auf der Welt Kinder großzuziehen. Und da muß man eben als Eltern auch so manche unpopuläre Entscheidung treffen. Kinder sind überfordert für sich selbst zu entscheiden, meine ich, einfach weil sie die Folgen nicht überblicken können.

Alles Gute

Ute


Beitrag von coffeefreak 08.01.11 - 13:00 Uhr

Nein, man kann sicher nicht alles auf die Pubertät schieben!!
Diese Verallgemeinerungen ständig, dass die Pubertät = Verwandlung eines lieben Kindes in ein gieriges, selbstsüchtiges, egozentrisches, saufendes, kiffendes und herumgammelndes Monster ist, das kann ich echt nicht mehr hören!

Es hängt sehr sehr viel von der ERZIEHUNG des Kindes ab und das von seinem ersten Lebenstag an. Da baut sich die ganze Beziehung zu den Eltern auf, das Kind lernt, was gut und was böse ist, natürlich nur, wenn die Eltern auch eine entsprechende Erziehung leisten.

Das Kind sollte eine feste Beziehung zu den Eltern aufbauen, wissen, dass diese immer für sie da sind, dass sie ihnen alles erzählen können und sie auch Respekt vor ihnen haben.

Wenn man dem Kind immer alles schnell verzeiht (Bsp. Schule schwänzen - shoppen) dann hat das Kind das Gefühl, ja ich kann ja eh alles machen, Mama verzeiht mir shcon, die hat mir eh nichts zu sagen.
Und dann entstehen solche Exemplare.

Aber es sind längst nicht alle Jugendlichen so!!!
Ich (18) hab nie die SChule geschwänzt (klar, natürlich hatte ich auch nicht immer Lust auf SChule, aber naja und? Man muss halt und JA ich bin mir bewusst, dass die Schule Grundlage jeglicher Ausbildung ist), rauche nicht, trinke nicht und gammle auch nicht besonders gerne vor mir rum. Nach 2 Tagen wird mir das zu öde und ich will was lernen, was unternehmen, was machen.
Und NEIN, meine Eltern sind beide vollzeit berufstätig und das schon seit ich klein bin und haben dennoch immer genug Zeit für mich gehabt.
Und NEIN, ich bin auch kein "Spezial-exemplar", die Jugendlichen, die ich kenne, sind auch alle wohlerzogen und haben ihre Ausbildung gemacht.
Klar rauchen einige, klar trinken einige, aber halt normal.
Und ja, klar kann es einmal geschehen, dass jemand von der Polizei aufgegabelt wird, da er zuviel getrunken hat, aber das sind Ausnahmen und ich kenne auch nur einen Kollegen, der sich das geleistet hat.

Hm ja was du tun kannst.... SChwer zu sagen. Ich glaube da kann man eben, da diese Basis fehlt bei der Erziehung niht mehr allzu viel machen. Versucht härter durchzugreifen, mit welchen Mitteln auch immer und eben, aber das habt ihr ja auch schon, euch ans Jugendamt wenden....

Alles Gute
coffeefreak

Beitrag von fruehchenomi 09.01.11 - 11:27 Uhr

Dickes Kompliment - Du bist noch so jung und Deine Aussage ist soooo erwachsen und treffend !
Wenn ich sowas schreiben würde, hätte man es als veraltetes Oma-Gewäsch abgetan (grins, alles schon gehabt) aber ich stehe noch voll im Beruf und habe täglich mit jungen Leuten zu tun.
Die Pubertät als Phase abzutun, wo sich junge Leute fast alles erlauben dürfen und dafür noch Verständnis von allen Seiten erwarten dürfen, ist falsch.
Sicher läuft in der Zeit vieles anders, ich hab selber einen Sohn gehabt, der mir MASSIGST Probleme machte in der Zeit, aber ich hab ihn durchgekriegt, mit ganz klaren Regeln und Abmachungen, an die er sich zu halten hatte - sonst hätte er sich seine Vergünstigungen in die Haare schmieren können. Er hatte leider falsche Freunde, aber ich blieb dran, und stand auch hinter ihm, als er wegen gebautem Mist zu Arbeitsstunden
verdonnert wurde. Die hatte er abzuleisten, aber jede einzelne.
Seine Schulfaulheit war ein Drama, aber gut, heute hat er einen ordentlichen Beruf, weil ich eben auch da immer drangeblieben bin, dass er einen Abschluß macht. Es war für mich jahrelang Stress pur, mein Mann und ich haben ja auch gearbeitet und eine kranke Tochter hatte ich auch noch. Aber es hat sich rentiert !
Wenn eine ganze Familie an einem Heranwachsenden rumerzieht, dazu noch neue Lebensgefährten, die Oma alles wieder finanziell erledigen will - sorry, das kann leider nichts werden.
Und das Jugendamt - tja, die können auch nicht Jahre ausgleichen, wo es drunter und drüber ging.
Dir persönlich wünsche ich ein tolles Leben - Du bist auf dem richtigen Weg, wie ich das sehe ! :-D
LG Moni

Beitrag von engel2405 08.01.11 - 17:50 Uhr

Ich muß nochmal ganz klar sagen, dass meine Schwester NIE versucht hat sich umzubringen. In ihrer schlimmsten Zeit redete sie" lediglich" davon, dass sie lieber nicht mehr leben würde als diese Krankheit zu haben. In der Zeit waren ALLE für sie da, die gesamte Familie. Alle haben versucht ihr zu helfen (und auch den Kindern) und sie machte gegen die Depressionen eine Therapie!

Beitrag von freno 09.01.11 - 03:04 Uhr

Hallo

Ich habe jetzt mal so einiges gelesen von den Antworten.

Ich kann dir nur sagen, dass ich auch irre Probleme mit einem Sohn habe.

Und:

Ich war immer daheim und für meine Familie da. Eigentlich eine Bilderbuchfamilie. Haus, Garten, Großeltern, geliebte Kinder,

Aber mein 2. ist z.T. extrem Hochbegabt und da haben sich die ersten ernsthaften Probleme schon in der 1. Klasse eingestellt. Jetzt ist er in der 10.Klasse und raucht (habe ihn gerade im Zimmer rauchend erwischt, nachts um halb drei), er säuft. Für Schule lernen ist nicht. Bisher kam er ohne lernen auch durch die Schule. Jetzt schreibt er nur noch schlechte Noten.

Nachdem er viel Weg war, auch mit Typen, die ich gar nict gut fand. Er zum Punker mutierte und einen Irokesenschnitt hatte(hat er z.T. noch) haben wir ihm erlaubt einen Fernseher im Zimmer aufzustellen.

Wie gesagt, jetzt liegt er den ganzen Tag im Bett und schaut Fern und raucht gammelt.

Ich nerve ihn nur und soll ihn in Ruhe lassen.

Ich könnte heulen.

Also deine Schwester hat, so wie du es beschreibst alles richtig gemacht was in ihrer MAcht lag. Warum manche Kinder so abrutschen und andere nicht. Ich weiß es nicht.

Bei deiner Schwester ist man schnell dabei zu sagen, dass es an Trennung und Krankheit liegt.
Bei uns liegt nichts davon vor. Und alles bekommen haben sie auch nicht.

Ich habe mir auch viel Externe Hilfe (Privat bezahlt) geholt, aber die haben auch nur gesagt, dass ich alles richtig mache.

Vielleicht kannst du mal deine Nichte oder deinen Neffen zu dir nehmen?
Deine Schwester soll sich mal mit anderen Eltern (von den Freunden ihrer Kinder) unterhalten und fragen, wie ihre Tochter sich da verhält.

Mein Sohn ist nämlich bei anderen sehr nett und die sind immer der Meinung, dass schon noch was aus ihm wird.

Jetzt erstmal Gute Nacht

Freno

Beitrag von engel2405 09.01.11 - 06:36 Uhr

Hallo Freno.

Mein Neffe lebt ja jetzt bei seinem Vater und da sehe ich ihn allerhöchstens mal in den Ferien, wenn er die Mutter besucht und ich auch zufällig mit den Kindern da bin. Zu mir war und ist er immer sehr nett gewesen, es gab z.B. zur Begrüßung auch IMMER eine Umarmung. Das Verhältnis zwischen ihm und meiner Schwester hatte sich auch gebessert, nachdem er auszog und wir dachten alle, dass er endlich die Kurve gekriegt hat. Es sah kurze Zeit wirklich danach aus. Und dann fing eben auch meine Nichte an. Was bei ihr am schlimmsten ist, dass sie lügt wie gedruckt. Sie lügt und streitet manches so sehr ab, das man den Eindruck hat sie glaubt wirklich das, was sie da sagt. Man hat aber den Beweis, dass sie lügt ... Meine Nichte ist wohl sehr oft bei ihrer Freundin abends und da scheint sie sich gut zu benehmen. Die Kinder sind ganz tief in ihrem Inneren wirklich sehr lieb, waren sie immer. Deswegen ist die ganze Familie so "verwundert", was da auf einmal los ist.

Ich würde mich sehr gern um meine Nichte kümmern, wenn meine Schwester arbeitet. Leider wohnen wir weiter auseinander und es ist nicht möglich. Ich hatte aber vor, ihr einen Brief zu schreiben und ihr anzubieten, dass sie sich jederzeit bei mir melden kann wenn sie etwas auf dem Herzen hat.

Das Du auch so Probleme mit Deinem Sohn hast tut mir leid. Man soll ja immer versuchen, die Kinder zu verstehen ... Aber so ein Verhalten kann - ich zumindest - nicht verstehen. Was geht da in deren Köpfen vor? Muß man für jede Phase eines Kindes oder Teenie immer Verständnis aufbringen? Was ist mit den Eltern - an die denkt keiner?!

Ich wünsche Dir noch viele starken Nerven!!! #liebdrueck

LG I.

Beitrag von ppg 09.01.11 - 13:47 Uhr

Ja, solche Fälle, wie der Deines Sohnes sind mir auch bekannt. Aber:

Es geht nicht darum, wie der Jugendliche objetiv behandelt worden ist, sondern darum, wie sich seine Situation subjektiv darstellt.

Ist das Kind ein Sandwichkind?
Ist er psychisch gesund ? - Denn gerade bei Hochbegabten sind psychische Erkrankungen mehr oder minder stark ausgeprägt sehr häufig.

Begannen die Probleme mehr oder weniger mit der Ankunft des Babys?

Ist organisch alles in Ordnung?

Gibt es Suchthistorie in der Familiengenese? Süchte können genetisch vererbt werden.

Viele Fragen, keine einfachen Antworten.

Dennoch schönes Wochende

Ute

Beitrag von sassi31 09.01.11 - 03:54 Uhr

"Sie wissen mit 14 nicht mal, welchen Beruf sie mal erlernen möchten."

Das habe ich in dem Alter auch noch nicht gewußt. Und nach dem Schulabschluß hab ich mich auch erstmal für den falschen Beruf entschieden, abgebrochen, Handelsschule besucht und dann den Beruf gelernt, der mich wirklich interessiert hat. Mit 14 Jahren habe ich viel zu wenig über Berufe gewußt und die Berufsberatung vom Arbeitsamt konnte man auch vergessen.

Beitrag von engel2405 09.01.11 - 06:38 Uhr

Also ich wußte mit 14 schon was ich werden wollte. ^^ Aber okay, das ist ja von Mensch zu Mensch verschieden. Manche wissen das mit 30 noch nicht mal ...

Beitrag von suppenhuhn71 20.01.11 - 14:28 Uhr

Hallo,
ich kann deine Sorge gut verstehen. Ich hatte vor 2 Jahren auch große Schwierigkeiten mit meiner ältesten Tochter. Weil ich nicht mehr an sie heran kam und Angst hatte, dass sie mir total entgleitet, wandte ich mich ans Jugendamt. Auch mir wollte man dort zunächst nicht helfen, weil man die Situation als nicht so schlimm einschätzte. #kratz Die zuständige Sachbearbeiterin dort meinte, ich würde3 mich ja noch um mein Kind kümmern, da wäre es dann nicht so schlimm. Es wären die Kids, wo sich keiner drum kümmert, die eher die Hilfe des Jugendamtes benötigen würden!!!! #klatsch
Deine Schwester soll nicht aufgeben, sondern beim Jugendamt einen Erziehungsbeistand beantragen!! Uns hat das sehr geholfen, die Beziehung zu unserer Tochter zu verbessern.
Wenn du dazu noch mehr wissen möchtest, schreib mich gern per PN an!
Liebe Grüße S.

Beitrag von engel2405 21.01.11 - 06:16 Uhr

Hallo S.,

danke für Deine Antwort.

Soweit ich weiß, kommt jetzt ein Sozialarbeiter zu meinem Neffen. Ist das das, was Du meinst?

Liebe Grüße