Steuerklassenwechsel nach Elternzeit - wer weiß sicher bescheid?

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Beitrag von schmerle123 08.01.11 - 20:15 Uhr

Hallo zusammen,

folgende Sache: Ich bin momentan in Elternzeit und fange im Mai 2012 wieder bei meinem Arbeitgeber an.
Mein Mann und ich hatten bis dato die Steuerklassen 4/4. Haben wir jetzt zur Elternzeit auch nicht geändert.
Wenn ich nächstes Jahr wieder anfange, dann werde ich keine Vollzeitstelle machen, sondern erstmal auf 50% wieder einsteigen. Dementsprechend sind natürlich dann unsere Gehälter sehr unterschiedlich.

Frage: Können wir trotzdem auf 4/4 bleiben oder müssen wir auf 3/5 gehen und wieso, weshalb, warum müssen/sollten wir diese oder jene Variante wählen? Stehe irgendwie grad mit nem Brett vorm Kopf und verstehe das nicht so ganz.

Vielen Dank für hilfreiche Tipps und Antworten!!

Gruß Melle

Beitrag von goldie99999 08.01.11 - 20:29 Uhr

Bei der Kombi 3/5 ist der Steuerabzug geringer, die Wahrscheinlichkeit einer Nachzahlung höher.

Bei der 4/4 ist der monatliche Steuerabzug höher, die Wahrscheinlichkeit einer Erstattung am Jahresende größer.

Letztenendes zahlt ihr immer gleich viel Einkommensteuer, egal, welche Kombi ihr wählt.

Ihr könnt in 3/5 wechseln oder es lassen. Eure Entscheidung! Ihr zahlt nicht mehr oder weniger Steuern, nur der Zeitpunkt der Zahlung variiert.

Beitrag von goldie99999 08.01.11 - 20:32 Uhr

Nachtrag: habt ihr lieber jeden Monat mehr netto und nehmt eine mögliche Steuernachzahlung in Kauf, wählt die 3/5. Es ist nicht gesagt, dass ihr nachzahlen MÜSST, aber die Wahrscheinlichkeit (je nach der individuellen Situation) ist hoch.

Beitrag von schmerle123 08.01.11 - 20:39 Uhr

Erstmal danke für die Antwort!

Wir zahlen lieber mehr Steuern im Monat, und haben weniger Netto, als dass wir später nachzahlen müssen. Also kann man ohne Bedenken bei der 4/4 bleiben?! Mein Gehalt würde bei einer 50% Stelle nicht weniger sein, als mein jetziges Elterngeld (was auf 2 Jahre aufgeteilt ist). Also haben wir eh mehr raus als jetzt, egal welche Steuerklasse wir dann nehmen. Ich höre nur immer, dass viele Kollegen jammern, wenn sie eine halbe Stelle machen und auf Klasse 5 sind, weil dann soviel abgezogen wird. Hmm....

Beitrag von goldie99999 08.01.11 - 20:42 Uhr

Ja logisch könnt ihr in 4/4 bleiben und überzahlte Steuern über die Einkommensteuererklärung zurück erhalten. Eure Steuerschuld ist unabhängig von eurer Lohnsteuerklasse.

Sicher, in Steuerklasse 5 sind die Abzüge sehr hoch. ABER: der Ehegatte mit der Stkl. 3 hat dafür kaum Abzüge! So weit rechnen sollte man schon können :-)

Beitrag von zwillinge2005 08.01.11 - 21:55 Uhr

Hallo,

das Jammern ist nur dann nachzuvollziehen, wenn die Alternative "versorgtes Hausmütterchen" ist.

Stkl.III unterstützt die Alleinverdienerehe. Also möglichst Papa arbeitet und Mama bleibst zuhause und hütet die Kinder. Wenn diese dann auf Kl. V arbeitet hat sie natürlich eni geringes Netto und jammert.

Die Steuerlast sollte aber auf beide Familieneinkommen gleich verteilt werden. Der Nettohinzuverdienst ist geringer je höher das Einkommen. Auch Gehaltserhöhungen des Mannes erhöhen die Steuerlast.

IV/IV ist sinnvoll, wenn absehbar ist, dass einer der beiden vielleicht nochmal Lohnersatzleistungen bekommt (ALGI oder Elterngeld).

Dann könnte es sogar Sinn machen, dass der schlechter verdienende Partner die "bessere" Stkl. III nimmt. Gerade beim Elterngeld machen das viele.

LG, Andrea

Beitrag von schmerle123 08.01.11 - 22:21 Uhr

Genauso soll es bei uns in Zukunft nicht laufen. Wir werden keine Alleinverdienerfamilie sein und auch nicht werden. das ich nicht zu 100% Einsteige, sondern erstmal auf 50% liegt nur daran, dass wir erstmal schauen möchten, wie weit unser Zwerg ist und was vertretbar ist, wenn Mama wieder arbeiten geht.
ALG1 oder 2 wird auf keinen Fall eintreten (zumindest nicht geplant, haben beide bombensichere Arbeitsplätze) und Elterngeld nochmal auch nicht, denn mit dem einen Zwerg ist die Planung abgeschlossen (zumindest für mich :-p)
Also ich denke, nachdem ich ja jetzt hier so einiges gelesen haben, werden wir bei 4/4 bleiben!!


Danke für eure Tipps!

Lg Melle

Beitrag von wemauchimmer 08.01.11 - 22:38 Uhr

Also ich persönlich finde, wenn Ihr wirklich keinen Nachwuchs mehr anpeilt, ist 3/5 besser. Klar ist die Steuerlast die gleiche, aber bei einer Steuernachzahlung mußt Du ja normalerweise keine Zinsen auf die Steuerschuld bezahlen. Und wenn es da um ein paar Tausend Euro hin oder her geht, dann ist es letztlich ein meßbarer Zinsvorteil, den Du bei 3/5 hast. Bzw Zinsverlust bei 4/4. Also irgendein zweistelliger Betrag und warum sollte man den dem Staat schenken?
Aber klar, ich verstehe schon daß viele diesen Unterschied als nicht greifbar empfinden...
LG

Beitrag von sunnymore 08.01.11 - 22:45 Uhr

Du meinst quasi:

Das Geld ist bis zur eventuellen Rückzahlung auf unserem Konto (und bringt dort ein paar Zinsen) und nicht auf deren (und wird dann zurückgezahlt).

Hab ich das jetzt so richtig verstanden?

Lg,
Sonia

Beitrag von wemauchimmer 09.01.11 - 10:50 Uhr

Im Grunde ja,
es ist natürlich eine Frage Eurer persönlichen Umstände, ob und wieviel es Euch nützt.
Ein Beispiel, wir zahlen unser Haus ab, der Zinssatz ist 4,45%, wenn ich 1000€ Sondertilgung dieses Jahr anstatt nächstes Jahr mache, habe ich einen Zinsvorteil von 44,50€ (+Zinseszinseffekt).
Wenn Du keinen solchen Kredit hast, aber z.B. das Geld mit 2% Zinsen anlegst, sind es halt 20€.
Und auch wenn Du das nicht tust, aber die Inflationsrate z.B. bei 1% liegt, kannst Du Dir für das Geld eben dies Jahr etwas um 10€ wertvolleres als nächstes Jahr kaufen.
Hierbei ist natürlich immer die Frage, um wieviel Steuerschuld es geht, also Unterschied zwischen Steuerbescheid 4/4 und 3/5. Das hängt zum einen davon ab, wieviel Ihr überhaupt verdient, und zum anderen, wie groß der Unterschied zwischen Euren beiden Gehältern ist, wobei letzterer ja wahrscheins bei Deiner Teilzeittätigkeit dann ganz ordentlich ist.
LG

Beitrag von sunnymore 09.01.11 - 20:28 Uhr

Vielen Dank für Deine Antwort!!!

Wir zahlen auch einen (Haus)Kredit ab, der in etwa der gleiche Zinsssatz wie euer ist.

Ich bin für dieses letzte (3.Jahr) noch in der Elternzeit und mache einen 400€ Job bei meinem Arbeitgeber.
Nächstes Jahr (beginnt im November 2011) werd ich etwas mehr arbeiten (aber nicht mehr als 50%) und da müssen wir natürlich schon ganz genau überlegen, was wir tun.

Ist alles ein wenig kompliziert, aber wir werden jeden Tag schlauer;-)!!

Lg,
Sonia