10 Monate altes Baby bei Tagesmutter

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Beitrag von cassidy 09.01.11 - 21:07 Uhr

Hallo,

ich soll in Zukunft ein kleines Kind von 10 Monaten betreuen. Ich bin Erzieherin und habe zwei Kinder(4 und 6 Jahre alt). Das Kind, welches ich in Zukunft betreuen soll ist nicht das erste. Habe also Erfahrung als Tagesmutter.

Nun zu meinem Problem. Ich habe die Anfrage am 23.Dez bekommen und eigentlich sollte es schon ab o1.Jan los gehen. Da ich aber noch im Urlaub war habe ich mich bis jetzt zwei mal mit den Eltern und dem Kind getroffen. Das Problem ist, das das Kind nur Kontakt zu den Eltern hat. Sie weint bei jeder Ansprache meinerseits und jeder Bewegung der Eltern. Im Gegenzug bestätigen die Eltern jedes Weinen mit den Worten "Wir sind ja da!". Kind und Eltern bedingen sich also gegenseitig. Ich habe den Eindruck, das Kind "meckert" nur, damit es immer wieder die Bestätigung der Eltern bekommt.

Kurzum, ich komme an das Kind nicht ran. Wenn sie sich doch mal einen Moment auf mein Spiel einlässt, fängt sie im nächsten Moment an zu weinen. Mit der Folge das die Eltern sofort wieder darauf eingehen.

Die Mutter ist sehr angespannt und will unbedingt wieder arbeiten. Was für Mutter und Kind auch gut wäre, denn so haben beide mal "Freiraum" und sind nicht so "unter Strom".

Der Vater unterstützt seine Frau und nimmt ihr das Kind oft ab, dennoch habe ich den Eindruck, das er mitunter selbst nicht ganz "Herr der Lage ist". Er ist ziemlich unsicher. Sagte beim zweiten Treffen zu mir, ich solle ihm sagen, wenn er etwas tun oder lassen oder gehen soll.

Das Problem an sich habe ich schon erkannt, aber ich kenne die Eltern nicht genug, um ihnen ganz klar zu sagen, was sie ändern müssten, damit das Kind entspannter sich mit seiner Umwelt auseinander setzen kann.

Nächste Woche können wir noch recht flexibel in der Betreuung sein, da sich der Vater so Urlaub genommen hat, damit er "abrufbereit" ist, aber dann "muss es klappen". Das Kind ist Mo einen halben Tag, Di zwei Stunden und Do den ganzen Tag bei uns.

Morgen versuchen wir es mal für eine Stunde ohne Eltern, in der Hoffnung, dass ich besser an das Kind "ran komme". Doch ich bin da nicht wirklich überzeugt von.

Von meiner Freundin, die die Eltern aus dem Geburtstvorbereitungskurs und späteren Treffen mit Babies kennt, hat mir erzählt, das das Kind immer weint und es für Mutter und Kind wirklich gut wäre, wenn sie mal "getrennte Wege" gehen würden, damit beide sich nicht gegenseitig nervös machen.

Ich ganz persönlich, als Mutter, finde diese "Holter die Polter - ich will jetzt wieder Arbeiten gehen - Aktion" auch zu überstürzt. Von Bewerben bis Vertrag unterschreiben sind zwei Wochen vergangen, Kinderbetreuung war noch nicht organisiert und das das Kind nicht ganz "einfach" ist bekannt.

Habt ihr vielleicht selbst Kinder, die so ähnlich "ticken" oder ne Idee, damit es für das Kind so angenehm wie möglich wird. Bin ehrlich gesagt, überfragt, da ich sowohl das Positive für Mutter und Kind sehe, aber andersherum sehe ich, dass es ohne Tränen nicht gehen wird. Dem Kind geht es ja nicht schlecht im Sinne von Schmerzen oder so, aber Stress bedeutet es in beiden Fällen für das Kind.

Liebe Grüße und vielen Dank für Eure Antworten

cassidy

Beitrag von febe 09.01.11 - 21:28 Uhr

Hier ich habe so ein Kind und gebe gerade den Job auf! Ich glaube nicht, dass es eine Situation gibt, in der es fruchtbar für Mutter und 10 Monate (!) altes Baby ist, sich zu trennen. Die Frage ist, ob es denn so dringend sein muss, dass es einfach nicht anders geht und der Schaden am Kind aufgewogen werden kann durch Finanzen oder Karrierechancen.

Was hat es besser für ihn gemacht? Ich habe mein Baby monatelang nur getragen, was sehr gut war und habe mich bei der TaMu vorsichtig herangetastet, was das betrifft. Zum Glück stellte sich heraus, dass sie es mit ihren Babys auch so gemacht hat und so trug sie ihn die Zeit (meist 1-2h) die ich weg war herum. Das führte dazu, dass er nicht die ganze Zeit weinte sondern sich beruhigen konnte.

Der Kleine lies sich ebenfalls nicht von der TaMu ansprechen (allerdings ist er immer am Lächeln und freut sich, wenn ich dabei bin, also ist es nicht ganz so schlimm wie bei dem Baby, das Du beschreibst). Wie dem auch sei, er konnte aber mit dem 2 jährigen Kind kommunizieren, die brachte ihm dann etwas zu essen und zu trinken und manchmal lächelte er das Kind auch in meiner Abwesenheit an...

Ich glaube, die Frau sollte wenn es geht zu Hause bleiben, bis das Baby 3 Jahre alt ist, denn die Ängstlichkeit wird durch eine zusätzliche Trennungsangst nicht besser.

febe

Beitrag von cassidy 09.01.11 - 21:47 Uhr

Hi,

ich danke dir für deine Antwort. Ich sehe das genauso wie du.

Allerdings sehe ich auch, das die Mutter sich in der Mutterrolle aufreibt und der Vater versucht alles so gut wie möglich aufzufangen. Weitere Familie haben die drei nicht, da alle im Ausland leben.

Beim letzten Treffen war meine Tochter dabei und ich hatte das Gefühl das das Kind das eigentlich ganz spannend fand. Deswegen bleibt meine Tochter morgen auch zu Hause und geht nicht in den Kiga.

Mal sehen wie es wird, aber ich denke ich muss den Eltern ziemlich bald klar machen, das es so nicht geht.

Liebe Grüße,

cassidy

Beitrag von sako2000 09.01.11 - 21:56 Uhr

hallo cassidy,

eine sehr schwere situation.
ich selbst habe auch so ein kind. meine tochter, jetzt 14 monate, hat mit ca. 9 monaten "damit" angefangen, sich total auf mich zu fixieren.
ich konnte keinen schritt ohne sie machen.
ich habe schnell begriffen, dass sie unter sehr starken trennungsaengsten leidet und das man dem kind mehr schadet, wenn man diese abtut bzw. es mehr oder weniger zwingt, sich von der mutter zu loesen.
ich halte davon gar nichts.
ich finde es auch ziemlich kurzfristig, dass du schon 1 woche nachdem die anfrage kam (theoretisch) mit der betreuung beginnen solltest.
ich denke die mutter handelt verantwortungslos, obwoh ich die umstaende nicht kenne. aber sie muesste ihr kind am besten kenne und weiss sicher, dass es starke angst hat.

wenn es moeglich ist, dann wuerde ich an deiner stelle dieses kind nicht betreuen. das scheint aber nicht mehr zu gehen.
meine tochter laesst sich z.b. ganz gut ablenken, in dem man immer neue reize schafft, buecher anschaut usw.
es ist sehr schwer wie gesagt und einen wirklich hilfreichen tip kann ich dir leider nicht geben.
ich hoffe und wuensch euch, dass ihr euch schnell aneinander gewoehnt und du einen zugang zu deinem baby findest.

alles liebe,
claudia

Beitrag von melanie34 09.01.11 - 22:12 Uhr

Ich würde den Eltern eher raten, eine Krippe für das Kind zu suchen. Da, wo viele Kinder sind. Nicht nur große Kinder.
Mein Sohn war auch 10 Monate, als wir anfingen. Aber ich hätte ihn nie zu einer fremden Frau gegeben, wo nur 2 eigene Kinder, wesentlich älter, da waren.
In der Krippe sind es bei uns zu der Zeit 5 weitere Kinder gewesen (die Krippe war neu, jetzt sind es 14 Kinder nach einem Jahr) und Tom war einer von diesen, kein 5. Rad am Wagen bei einer fremden Familie.
Bitte nicht persönlich nehmen, aber ich finde das echt schlimm für den kleinen Spatz.
Mein Sohn hat übrigens nie geweint, wir hatten die 3wöchige Eingewöhnung mit langsamen Schritten und es war super!

Beitrag von cassidy 09.01.11 - 22:39 Uhr

Hi,

also, das Kind ist ja nicht das einzige Kind bei mir und ein 5 Rad am Wagen sind Kinder bei mir grundsätzlich nicht.

Es ist auch nicht so, das wir uns so gar nicht kennen. Wir wohnen in einem kleinen Ort und da kennt irgendwie jeder jeden.

Eine Krippe haben wir hier nicht.

Eine Krippe finde ich in diesem Fall eher gar nicht gut, da da viel zu viel los wäre und die Eindrücke wären viel zu viel. Wie gesagt, das Kind ist sonst nur! mit Mama und Papa zusammen. Von daher ist ein familiärer Rahmen eher was für das Kind.

Grundsätzlich sehe ich das aber auch so, wie alle andere die bis jetzt hier geschrieben haben. Die Mutter sollte eher zu Hause bleiben. Es ist wohl auch nicht so, dass sie arbeiten gehen muss, sondern will, da sie Abstand zum Kind braucht. (Was ich grundsätzlich schon befremdend finde, da man sich doch vor dem Kinderkriegen Gedanken darüber macht, wie und ob man das schafft)

Vielleicht war sie sich aber darüber auch nicht im Klaren. Ich weiß nur, das sie auch in der Schwangerschaft schon sehr nervös und ängstlich war. Die Geburt war auch alles andere als Bilderbuch. Ich hab sie damals kennengelernt und hatte damal schon den Eindruck, das sie reichlich "unter Strom" stand.

Ich persönlich würde mein Kind auch noch nicht mit 10 Monaten abgeben. (Paul war 13 Monate, als wir ihn das erste Mal bei Oma gelassen haben um ins Kino zu gehen. Und ich hab mir furchtbare Sorgen gemacht.) Für mich war immer klar, das ich Mutter sein will und das zu 100%.

Ich werde jetzt mal den morgigen Tag abwarten und dann wohl die Eltern noch mal einladen, damit wir besprechen wie wir weiter machen.

Liebe Grüße,

cassidy

Beitrag von coolkittycat 09.01.11 - 22:31 Uhr

vielleicht wäre ja eine längere eingewöhnungsphase doch möglich.
dass derf vater dir die führung übergibt finde ich übrigens super. er erkennt dich als fachfrau an.
habt ihr denn keine tmcafes, wo man solche problemen im fachkreis besprechen kann?
oder dein träger? unsere tm bespricht sowas in der caritas. ich finde nicht, dass hier der ort für so etwas ernstes ist.
ohne das kind, dich oder die familie zu kennen, würde ich sagen:
1. ganz langsam angehen-also mal eine woche jeden tag mit elternteil einfach zu besuch dalassen. nur in einem raum bleiben. kind die erste zeit nicht in den mittelpunkt rücken. gemeinsam mit elternteil und kind was spielen.
2. nach ein paar tagen wendet sich das kind vielleicht an dich.
3. erst dann die eltern mal für 10 minuten vor die tür. oder in ein anderes zimmer-gleich eine stunde, finde ich sehr heftig. in der zweiten woche dann die zeit steigern. vielleicht wird es auch noch eine dritte woche dauern. aber so könnte es wohl am ehesten funktionieren.
lg

Beitrag von cassidy 09.01.11 - 22:45 Uhr

Hi,

ja, so würde ich das grundsätzlich auch machen, aber der Vater hat schon seinen Urlaub so eingeteilt das er nächste Woche frei hat und danach muss er wieder arbeiten.

Wie ich schon geschrieben habe, ist das alles ziemlich holterdiepolter geplant worden in der Familie.

Ich werde mit den Eltern noch mal reden und vor allem der Mutter klar machen, dass das alles nicht so einfach geht wie sie sich das vorstellt.

Ich rede hier immer von Mutter/Vater/Kind was immer sehr unpersönlich klingt, aber ich will hier keine Namen nennen. Soviel aber, wir kannten uns schon vor der Anfrage der Betreuung.

Liebe Grüße

cassidy

Beitrag von uih 10.01.11 - 09:43 Uhr

Da würde ich auch weinen, wenn man mich so adhoc in eine Fremdbetreuung schickt. Ganz egal wie toll die betreuuende Person ist.

Erkläre der Mutter, dass das Kind eine sanfte Eingewöhnung braucht, so dass das Kind bei dir "ankommen" kann und dann auch gerne zu dir geht.

Das Kind "tickt" ganz normal und hört sich für mich nicht "schwierig" an.

Da die Mutter mit ihrem Kind überfordert ist, soll die Mutter sich lieber was suchen wo sie ihre Akkus aufladen kann.

LG
uih




Beitrag von cassidy 10.01.11 - 12:16 Uhr

Hallo,

vielen Dank für eure Antworten. Ich sehe das eigentlich genauso wie ihr alle.

Heute Vormittag war es dann soweit. Glaubt mir, ich hatte eine schlechte Nacht, da ich echt dachte, dass geht gar nicht.

Tja, und ich bin eines besseren belehrt worden. Das Kind hat zwar am Anfang geweint, aber ist dann aufgetaut und war ganz interessiert, an mir und meiner Tochter. Es klappte für das erste Mal richtig gut.

Ich und die Mutter sind beide erleichtert und sehen der Zukunft positiv entgegen.

Liebe Grüße,

cassidy