KINDER - der Kriegskinder, Nachkriegskinder u. Flüchtlingskinder

Archiv des urbia-Forums Familienleben.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von schneeflocke75 10.01.11 - 10:52 Uhr

Beschäftige mich zur Zeit mit dem Thema der transgenerationalen Weitergabe von Kriegstraumata.
Würde mich in diesem Forum gerne mit Kriegskinder, bzw. Kriegsenkeln, Nachkriegskinder, Kindern der Nachkriegskindern, Flüchtlingskinder und deren Kindern austauschen.

Lese zur Zeit das Buch "Wir Kinder der Kriegskinder" von Anne-Ev Ustorf.

Beitrag von starshine 10.01.11 - 11:06 Uhr

Wer bist Du und wofuer verwendest Du die Infos? Deine VK ist etwas zu duerftig...

Beitrag von schneeflocke75 10.01.11 - 15:36 Uhr

Einfach nur zum Austausch.
Ich bin eine ganz normale Privatperson.

Ich habe nur das Buch gelesen.

Bei mir haben Großeltern bis zu 2 Weltkriege erlebt.
Meine Eltern sind Nachkriegskinder.
Viele andere Verwandten sind Kriegskinder.

Und ich bin ein Flüchtlingsenkel - mein Opa ist aus Sudetendeutschland.

Beitrag von rmwib 10.01.11 - 11:22 Uhr

Ja hier, Flüchtlingsenkel #winke was möchtest Du denn "austauschen" #schein

Beitrag von schneeflocke75 10.01.11 - 15:37 Uhr

Ja - auch das bin ich - Flüchtlingsenkel mit Wurzeln in Sudetendeutschland.

Beitrag von onlyboys 10.01.11 - 12:41 Uhr

Meine Groseltern haben den Holocaust überlebt!

Mein schwiegerpapa und mein Mann haaben den krieg in israel erlebt
Kannst mich üer VK anschreiben.

Naomi

Beitrag von schneeflocke75 10.01.11 - 15:40 Uhr

Da hast Du aber eine extreme Geschichte hinter Dir.

Ich fand in dem Buch so interessant, wie sich Kriegstraumata über Generationen auswirken - so im Verhalten.

So eine Art transgenerationale Weitergabe.

Auch wenn die Leute nicht über den Krieg sprechen würden und wir auch den Krieg gar nicht erlebt haben.

Aber dadurch, dass die Vorfahren da bestimmte Dinge erlebt haben, haben sie unbewußt bestimmte Verhaltensmuster entwickelt und diese in der Erziehung weitergegeben.

Und unsere Generation macht dann Dinge, die dann auf diese Verhalten zurückzuführen sind.

Beitrag von asimbonanga 10.01.11 - 15:56 Uhr

Hallo,
diese Überlegungen habe ich auch schon angestellt.
Ich bin die Tochter eines Flüchtlings aus Süd-Mähren und hatte zeitweise vier Freundinnen, die ebenfalls Flüchtlingskinder waren ( teilweise sogar beide Eltern )Wir haben viel Gemeinsamkeiten was den Erziehungsstil, Rituale und Verhaltensweisen angeht, entdecken können.Mich selbst hat insbesondere meine Großmutter sehr beeinflusst, die alleine mit 5 Söhnen die Flucht angetreten hat.Ihr Schicksal und ihre Art mit Extremsituationen umzugehen ( u.a. eine Geburt im Freien ohne fachliche Hilfe )haben mir geholfen, wenn ich meine Lage mal schlimm fand;-)
Ganz sicher ist man durch die Erlebnisse der Kriegsgeneration beeinflusst.

L.G.

Beitrag von king.with.deckchair 10.01.11 - 22:20 Uhr

Meine beiden Großväter sind Flüchlinge (Masuren und Böhmen) und ich habe an mir ähnliche Beobachtungen gemacht. Meine beiden wichtigsten Freundinnen haben eine ähnliche Familiengeschichte (Flucht aus Ostpreußen und aus der DDR), mein Mann ebenso - die Großeltern flohen aus Polen, sein Vater dann aus der DDR. Bei mir ist es die Geschichte meiner beiden Urgroßmütter, die mich zutiefst beeindruckt. Die eine mit zwei fast erwachsenen Kindern aus der Tschechei geflohen, die andere ohne ihrem großen Sohn (mein Opa, damals 21, Soldat, keiner wusste, wo er war) aber seinen drei jüngeren Brüdern im Januar 1945 aus Ostpreußen. Sie fanden sich erst Ende 1945 wieder.

Irgendwie denke ich schon, dass sich durch meine ganze Familie ein gewisses "entwurzelt" Sein zieht, viele meiner Verwandten sind oft umgezogen, einige haben mit Depressionen zu tun (mein Opa so ab Mitte 50 auch, er starb aber schon mit 65), einige sind einfach irgendwie "unruhig".

Und fast uns alle zeichnet doch ein gewisser Biss aus, dieses Durchhalten, auch wenn man meint, es geht nun gar nicht mehr. Als ob da ein "Erbe" sei, das sagt, dass in dieser Familie schon weit Schlimmeres auszuhalten war und dass man sich schämen sollte, nun kleinbeizugeben. Im Grunde hat mein Großvater genau das an uns weitergeben, auch wörtlich: "Wer noch Kraft hat zu jammern, der hat noch Kraft, weiterzuarbeiten. Erst wenn einer nicht mehr jammert, muss man aufpassen."

Nachdenkliche Grüße
Ch.

Beitrag von schneeflocke75 10.01.11 - 22:35 Uhr

Das mit der UNRUHE ist bei uns auch so ein Thema.
Ich habe es früher nie so gemerkt - man kennt es ja nicht anders.
Alles was in der Familie ist, wird als normal angesehen.
Doch irgendwann gab es in meinem Leben einen entscheidenten Einschnitt - und da habe ich das mit der UNRUHE doch als was besonderes empfunden.
Durch die Auseinandersetzung mit dem Thema und lesen entsprechender Literatur wurde es mir klarer.
Da ist was dran!

Beitrag von schneeflocke75 10.01.11 - 22:33 Uhr

Ich kann das Buch von Frau Ustorf empfehlen.

Beitrag von fruehchenomi 10.01.11 - 18:16 Uhr

Ich bin ein Beispiel dafür, dass nicht immer Kriegstraumata in die nächsten Generationen übertragen werden müssen.
Mein Vater war Kompaniefeldwebel im Krieg und kam schwer kriegsbeschädigt und vollkommen desillusioniert und krank heim. Brauchte wohl mehrere Jahre, um sich wieder zu akklimatisieren. Meine Mutter war sudetendeutsche Heimatvertriebene und wurde mit ihrem Schicksal ihr Leben lang nicht fertig. Ehrlich gesagt, hat es mich als Kind nur genervt, dass sie fast nur von früher sprach, dass "dahoam" alles besser, schöner, toller war. Daher hatte ich auch eine rechte Abneigung gegen ihren landsmannschaftlichen Verein. Brauchte ich nicht. Meine Mutter hat sich strikt geweigert, sich einzuleben, anzupassen und in der Gegenwart anzukommen.
Dagegen hat mich alles von meinem Vater interessiert, er ist gebürtiger Görlitzer gewesen, heute war ich schon mehrfach in der Oberlausitz und habe nach der Wende auch Verwandte endlich kennengelernt. Er war viel besser integriert, obwohl er ja auch Vertriebener war.
Mich hat der II. WK sehr interessiert, war Wahlthema für mich in Geschichte bei der Realschulabschlußprüfung. Rein geschichtlich interessiert, möchte also wirklich in keine rechte Ecke geschubst werden #schwitz
Ich kenne Dein Buch nicht - aber ich muss ehrlich sagen, meine gesamten Schulkameradinnen und -kameraden hatten alle ganz sicher kein Kriegstrauma ihrer Eltern zu verarbeiten. Waren auch Vertriebenenkinder und Kriegsbeschädigtenkinder genug dabei. Den Erzählungen wurde mehr oder weniger interessiert zugehört und - dann gingen wir unseren eigenen Interessen nach, die Ende der 60er/Anfang der 70er SEHR spannend waren #hicks Vielleicht sind wir aber auch ein robuster Jahrgang ? :-) Meine Kinder haben ebenfalls davon nichts abbekommen, meine 6 Nichten und Neffen auch nicht. Für die ist das ja noch weiter weg alles. Mein Sohn hat sehr interessiert den Wehrpaß seines Opas studiert - und das wars.

Sieht ganz sicher in den Familien anders aus, die vom Holocaust direkt betroffen waren, das geb ich zu.
Aber meine komplette Familie meiner Generation und deren Kinder sind ganz klar ohne diesbezügliche Beeinträchtigungen.
Mein Mann ist 1936 geboren und ein Kind der Nachkriegszeit, sicher erzählt er schon öfter mal, was er als Kind damals alles nicht hatte oder auch div. Erlebnisse, aber er ist doch sehr froh, dass es ihm heute besser geht. Den Fortschritt der Technik fand er lebenslang überaus spannend und toll. Er hat auch keinen Knacks, seine Töchter ebenfalls nicht.
Ist wohl jeder anders damit umgegangen, sich in der Realität einzufinden, die ja unabänderlich war. Ich schaff das sehr gut, bin wohl "Papas Kind" :-p
LG Moni

Beitrag von asimbonanga 10.01.11 - 18:39 Uhr

Hallo Moni,
von Traumata kann ich auch nicht sprechen----noch nicht mal von Beeinträchtigungen.Aber sicher verhält
sich z.B. jemand der schon mal gehungert hat, auch später noch anders im Umgang mit Lebensmitteln.Starke haben diese Erlebnisse teilweise noch stärker gemacht, Schwache litten noch nach Kriegsende.Ein Großvater von mir weigerte sich strikt über den Krieg zu sprechen und ging nie mehr zur Wahl-er hatte an zwei Kriegen teilgenommen und war lange in Gefangenschaft.Trotzdem ein lebenslustiger Mensch bis zum Schluss.
In Holocaust -Familien haben diese Erlebnisse sicherlich eine ganz andere, unfassbare Dimension.

L.G.

Beitrag von fruehchenomi 10.01.11 - 19:50 Uhr

Hat nicht immer nur mit Krieg zu tun, ich finde, jeder, der schon massivst sparen und Kartoffeln klauen gehen musste, geht auch später anders mit Lebensmitteln um, ich z.B.....#schwitz
Mein Vater allerdings, der sicher mehr als gehungert hat im Krieg, hatte aber überhaupt kein Problem, z.B. Wurst, die nicht mehr ganz so frisch war, wegzuschmeißen. Vielleicht auch nach der Devise "Mist gefressen hab ich schon genug im Leben, nun nicht mehr..." Ich kann ihn nicht mehr fragen, er lebt leider schon lange nicht mehr.
Erzählt hat er mir alles vom Krieg, ohne ihn hätte ich die Geschichtsprüfung nicht mit einer 2 hingelegt. Und, wenn ich heute so überlege, er hat wahnsinnig objektiv erzählen können, für einen Kriegsteilnehmer, der seinen rechten Arm in Italien verlor, sicher eine tolle Charakterleistung. Merkt man's ? Ich hab meinen Paps geliebt.....#herzlich er fehlt mir nach 33 Jahren immer noch....
LG Moni

Beitrag von asimbonanga 11.01.11 - 00:24 Uhr

Er wird immer fehlen.
Ich hatte meinen bis vor 9 Monaten-langsam wird es besser.:-)

L.G.

Asbo

Beitrag von anyca 10.01.11 - 18:42 Uhr

Naja, wer hier nicht zuuu jung ist oder sehr junge Eltern hat, ist ja automatisch Kriegsenkel, Flüchtlingsenkel etc. Und in anderen Länderg genauso, war schließlich ein Weltkrieg. Worauf willst Du denn da hinaus?

Das einzige "Überbleibsel" an Verhalten, das ich in meiner Familie auf die Nachkriegszeit zurückführen kann, ist die Tatsache, daß meine Mutter kein Essen wegwerfen mag.

Beitrag von geyerwalli 10.01.11 - 20:28 Uhr

Hallo!
Bin "Kind" eines Kriegskindes - meine Mutter ist tatsächlich heute noch völlig traumatisiert und hat entsprechend vieles an micht weitergegeben. Bin selber seit knapp 2 Jahren auf dem Weg, viel zu verstehen und zu verarbeiten, der Weg ist nicht lustig.
Was ist denn die "Botschaft" des Buches?
Viele Grüße
Geyerwalli

Beitrag von schneeflocke75 10.01.11 - 22:40 Uhr

Mir geht es ähnlich.
Der Titel des Buches:
Wir Kinder der Kriegskinder: Die Generation im Schatten des Zweiten Weltkriegs

Anne-Ev Ustorf

Kurzbeschreibung
Ihre Eltern waren Kinder im Zweiten Weltkrieg. Bombenhagel, Zerstörung und Flucht haben viele erlebt. Das wirkt nach - auch auf die eigenen Kinder, die heute zwischen 30 und 50-jährigen: Da ist das Gefühl, sich nicht verwurzeln zu können, die eingeimpfte Sparsamkeit oder das übergroße Sicherheitsbedürfnis der Eltern - Familiengeschichte wirkt lange weiter. Der Bericht über das Lebensgefühl einer ganzen Generation, die im langen Schatten des Krieges aufwuchs.

Kann ich nur empfehlen - zumal das Taschenbuch nicht mal 9 Euro kostet.


Über den Autor
Anne-Ev Ustorf, geboren 1974, studierte Geschichte und arbeitet als freie Journalistin für Medien wie Psychologie Heute, Brigitte, Brigitte Woman, Emotion, Süddeutsche Zeitung und den Spiegel.

Beitrag von mutschekiebchen 10.01.11 - 23:15 Uhr

Hi,

bin dann wohl auch ein"Flüchtlingskind"

Grobe Umschreibung: Als ich 12 Jahre alt war hatte meine Mutter die Idee die DDR Grenze mit uns zu durchbrechen.

Wir wurden leider geschappt, war unschön.

LG.mutschekiebchen

Beitrag von .lzs. 11.01.11 - 19:27 Uhr

Hier, meine Oma hat den Krieg und das KZ überlebt#winke

Beitrag von leonie1984 11.01.11 - 20:45 Uhr

Hallo,

meine Großeltern mussten mit ihren kleinen Kindern nach dem Krieg aus Ungarn flüchten, weil sie von den Sowjets vertrieben wurden.

LG Leonie

Beitrag von shoppinggirl 12.01.11 - 00:07 Uhr

Eine interessate Anfrage.

Zum zweiten Weltkrieg kann ich eine Geschichte meines Opas beitragen. Dieser wurde von den Nazis schwer verprügelt, als er die Hand zum Gruße nicht heben wollte. Auch wenn es nur ein kleines Aufbegehren war, so hat es mich doch beeindruckt. Ich denke oftmals an ihn zurück und ermutige mich selber mich nicht zu verbiegen und für meine Ideale einzustehen, auch wenn ich dadurch Nachteile erfahre.



Beitrag von cajun 12.01.11 - 10:24 Uhr

Hallo,

bißchen spät meine Antwort. Das Thema ist wirklich sehr interessant.

Meine Großeltern waren alle Flüchtlinge und gingen/ gehen damit extrem unterschiedlich um.

Oma und Opa väterlicherseits (er mittlerweile tot, sie dement im Heim) kamen aus dem Sudetenland, verbrachten die meiste Zeit auf Heimatvertriebenentreffen, hatten sehr viele Freunde mit ähnlichem Background. Ich hatte mit ihnen nicht sonderlich viel zu tun, erinnere mich aber deutlich an eben diese Treffen, an das Schimpfen auf die Tschechen, an Aussprüche wie "Unter Hitler war nicht alles schlecht!" (nicht, daß ich jetzt allen Sudetendeutschen dieses Denken unterstelle, bei den beiden war es sicher ziemlich extrem)

Oma und Opa mütterlicherseits sind da völlig anders. Sie kommt aus Frankreich, der Vater hat wohl irgendwann kollaboriert (ich nehme an, hauptsächlich wegen seiner 12 Kinder), war nach dem Krieg lange im Zuchthaus. Er kommt aus Litauen und wurde nach der "Eroberung" 14jährig nach Deutschland verschleppt, ein Jahr HJ, danach Wehrmacht.
Die beiden haben sich im Flüchtlingslager kennengelernt, die Familien fanden sich dort auch wieder. Bei diesen Großeltern habe ich mich immer über die Abwesenheit von Freunden gewundert. Mittlerweile nehme ich aber an, daß sie völlig entwurzelt zueinander gefunden haben und diese Haltung bewahrt haben. Sie haben wirklich nur relativ flüchtige Bekannte und scheinen sich nach wie vor auf nichts Festeres einlassen zu können.
Manchmal scheinen sie wie eine Einheit im Kampf gegen die Welt (sind aber im Grunde ganz entzückende Menschen, die für ihre Lieben alles tun würden!)


So, das war mein Beitrag :-)

Viele Grüße

Beitrag von schwarzwaldjoe 08.03.13 - 18:25 Uhr

Hallo Schneeflocke75,
Ihr Beitrag ist 2 Jahre alt... noch aktuell?
Ich habe Anne-Ev Ustorfs Buch gelesen und sie gehört: ich glaub ihm Herbst 2011 in Bad Herrenalb auf der Tagung "Deutschland u. seine Weltkriege. Schicksale in drei Generationen und ihre Bewältigung". Hat mir sehr gefallen - und geholfen, meine ich.
Derzeit lese ich das sehr lesenswerte Buch von Stephan Marks "Die Würde des Menschen..." - er schreibt sehr kompetent über die Bedeutung von Scham, gerade auch im Kontext der weltkriege, aber auch der langen Geschichte von Scham u. Beschämung der Epoche seit dem Mittelalter u. geht über auf die heutige Gesellschaft in der BRD, u. besonders die Situation von Schülern/Lehrern u. Migranten/innen...
Zu genannter Tagung gibt es alle Vorträge auf CD, bei www.foerder-kreis.de

Viele Grüsse u. eine gute Zeit
Schwarzwaldjoe...