Warum gibt mir niemand eine Chance?

Archiv des urbia-Forums Partnerschaft.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von weiß es nicht 10.01.11 - 11:20 Uhr

Hallo!

Mein Problem hat nur indirekt was mit unserer Partnerschaft zu tun, auch wenn es diese mehr oder weniger belastet. Aber ich möchte gern anonym schreiben.

Vor 1,5 Jahren hatte ich sagen wir eine Lebenskrise, da war ich 35. Bis dahin war ich (und bin es noch) 8 Jahre Hausfrau und Mutter. Nun sind es schon fast 10 Jahre. Ich habe 2 Ausbildungen abgeschlossen, beide mit gut, und habe während meines Hausfrauendaseins den wenigen Schriftverkehr für 2 kleine Firmen (insg. keine 300€ im Monat) erledigt. Und ich arbeite als Vorstandsmitglied und Schriftführer in einem Verein mit.

Ich kam an den Punkt, dass ich für mich etwas tun muss und zwar in erster Linie endlich wieder arbeiten gehen. Ich wollte raus unter Leute, mein eigenes Geld verdienen, mich weiter entwickeln etc. Also packte ich das Problem an, ging zuerst zur Arbeitsagentur mich arbeitssuchend melden (ohne Leistungsbezug), durfte aber an einem Bewerbungstraining teilnehmen. Seit diesem Zeitpunkt habe ich bisher 395 Bewerbungen (auf Stellenangebote und initiativ) geschrieben, etliche Telefonate geführt, persönlich losgegangen, um in Firmen nachzufragen. Rausgekommen sind bisher ganze 2 Vorstellungsgespräche, die aber ergebnislos verliefen, weil die Firmen wohl niemanden gefunden haben, der täglich 12 Stunden arbeiten geht für nicht mal 1000€ im Monat.

Meine Bewerbungen wurden von verschiedenen Leuten, die wirklich was davon verstehen, gelesen und für gut befunden. Kleinere Änderungen waren kein Problem. Wir finanzieren nun schon Lehrgänge selbst, 1x Englisch aufbessern und 1x PC-Kenntnisse erweitern. Ich habe ein intensives Training für Vostellungsgespräche hinter mir.

Ich weiß einfach nicht weiter, es ist so frustrierend. Ich möchte so gern endlich arbeiten gehen, aber täglich hole ich stapelweise Absagen aus dem Briefkasten. Warum gibt mir niemand eine Chance? An meinem Erscheinungsbild kann es auch nicht liegen, ich bin (denke ich) gepflegt, gehe regelmäßig zum Friseur, bin 1,78m groß und wiege 67kg. Ich bewerbe mich mittlerweile auf viele Arbeitsstellen, die mit meiner Ausbildung nichts zu tun haben, immer in der Hoffnung, wenigstens erstmal irgendwo Fuß fassen. Unsere Kinder sind 14 und 5, also auch nicht mehr sooo mini. Am meisten ärgere ich mich immer über den Satz "leider konnten wir ihre Bewerbung nicht berücksichtigen". Tja, nur warum nicht?

Mein Selbstwertgefühl sackt langsam Richtung Keller, meine Ehe leidet, weil ich oft so niedergeschlagen bin. Mein Mann unterstützt mich, wo er nur kann, stundenlang sitzen wir vorm PC, suchen gemeinsam Adressen raus, wo ich mich noch bewerben könnte, hütet die Kinder, wenn ich abends zum Kurs gehe.

Was kann ich denn noch tun? Mein Mann meinte mal zu mir, ein Grund (neben der langen Hausfrauentätigkeit) wird sein, dass die Firmen für mich keine Fördergelder bekommen, da ich ja ohne Leistungsbezug bin. Aber das allein als Grund?

Habt ihr noch Tipps, ich bin mit meinem Latein am Ende und langsam gehen mir echt auch die Adressen aus, wo ich mich bewerben könnte.

Beitrag von lichtenstein 10.01.11 - 12:02 Uhr

Helfen kann ich Dir leider nicht - nur mitfühlen. Ich war in einer ähnlichen Situation. Zwei abgeschlossene Ausbildungen, weiterführender Abschluß zum Fachkaufmann, massig Berufserfahrung, zwei Kinder (jetzt 5 und 3 Jahre alt) Ich glaube, ich habe mich auf alle Stellen beworben, die auch nur der Spur nach in Frage kommen. Heraus gekommen ist dabei absolut garnichts. Da ich die Unterlagen meistens per Email verschickt habe, kamen noch nicht mal Absagen, die mußte ich dann selbst abfragen.

Fazit: Inzwischen habe ich mich selbständig gemacht. Viel wirft das Geschäft zwar noch nicht ab, aber ich sehe wieder einen Sinn in meinem Dasein und einen Grund, morgens aufzustehen.

Vielleicht wäre es sinnvoll, sich nur noch auf passende Stellen zu bewerben. Damit ersparst Du Dir die Absagen, die einfach kommen müssen, weil eben Deine Qualifikationen garnicht dem Anforderungsprofil entsprechen.

Ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass es mit dem Job bald klappt. Lass Dich nicht unterkriegen!

Beitrag von nele27 10.01.11 - 12:05 Uhr

Hallo!

Meiner Meinung nach ist der Grund, dass Du einfach viiiiiel zu lange aus dem Beruf warst. Ich weiß ja nicht, was Du gelernt hast, aber 8 Jahre heißt in vielen Branchen, dass Du im Prinzip noch mal von vorn anfangen kannst...

Ich will Dich nicht demotivieren, aber ich denke, auf dem normalen Arbeitsmarkt hast Du - gerade wenn es sich um Bürobereich handeln sollte, wo man mit aktiven kinderlosen Bewerbern die Straße pflastern kann - derzeit keine Chance.

Wie wäre es denn mit einem Praktikum? Hast Du so etwas schon mal angeboten? Dort kannst Du beweisen, dass Du nicht nur Windeln wechseln kannst :-) Natürlich soll das Ganze nicht zur Ausbeute werden, aber einige Wochen könnte man schon investieren, wenn man so lange raus ist, denke ich.

Oder Du schaust mal, eine andere Richtung einzuschlagen. In der Pflege werden zB immer Leute gesucht. Dazu müsste ich aber wissen, was Du von Beruf bist und wie es mit dem Willen und der Gelegenheit zum Umsatteln aussieht...

Viel Erfolg!

LG, Nele

Beitrag von witch71 10.01.11 - 12:12 Uhr

Praktika sind oft gute door-opener. Wenn die Firma einen kennenlernt und sieht, dass man bereits im Praktikum super Leistung gebracht hat, ohne dass die Kinder "reinfunken" (Du weisst, was ich meine) sehen sie einen oft positiver.
Praktika werden zwar nicht bezahlt, aber Du kannst Dir mal Deine drei Wunschfirmen raussuchen und Dich dort um einen Praktikumsplatz bemühen.

Einem Bekannten, dem ich das vor einiger Zeit geraten habe, hat das tatsächlich eine Stelle in seiner Traumfirma verschafft. Er hat beim Praktikum so sehr überzeugt, dass sie ihn trotz einer früheren Absage doch genommen haben. Am Tag, als das Praktikum endete hat er selbst um ein Gespräch mit dem Vorgesetzten gebeten und sein grosses Interesse nochmal bekundet. Dieser wiederum hat sich dann intern um die Arbeitsplatzschaffung bemüht.

Und selbst wenn Du nicht genommen wirst, solltest Du darauf bestehen, das Praktikum möglichst auch per Zeugnis bestätigen zu lassen. Macht sich in den Unterlagen gut!

Beitrag von bruchetta 10.01.11 - 12:14 Uhr

Ich wäre an Deiner Stelle schon lange an dem Punkt, bei der ein oder anderen Firma mal telefonisch nachzufragen, woran es denn lag!

Ist doch nicht schlimm und dann weißt Du näheres.

Ich habe seit 2003 nicht mehr gearbeitet und keinerlei Probleme gehabt, einen neuen Arbeitsplatz zu finden.
Ich konnte sogar noch zwischen 2 Arbeitsplätzen wählen.
Und das ohne Bewerbungstrainings usw.

Beitrag von weiß es nicht 10.01.11 - 14:07 Uhr

Danke für eure Antworten.

Ich bin gelernte Hotelfachfrau (1.Ausbildung) und Kauffrau für Bürokommunikation.

Leider hab ich allgemein nicht viel Betriebserfahrung (in fremden Firmen) vorzuweisen, da ich sofort nach der 1. Lehre bei meinem Mann angestellt war, ein 3-Mann Betrieb mit mir. Als er sein Geschäft dann aufgab, weil es nicht richtig lief und er ein super Jobangebot bekam, machte ich die 2.Ausbildung. Danach wurde gemeinsam beschlossen, durch Hauskauf und Planung des 2.Kindes, dass ich halt vorerst zu Hause bleibe.

Schichtarbeit gestaltet sich wirklich schwierig, mein Mann ist 12 Std. und länger außer Haus (teils in Schichten)und arbeitet 140km entfernt von daheim, die Großeltern sind selbst alle noch die nächsten 3-4 Jahre in Arbeit und wohnen auch zwischen 40 und 50km entfernt. Wir wohnen auf dem Dorf, die nächst größere Stadt ist 30km entfernt. Meinen Bewerbungsradius habe ich auf ca. 50-60km festgelegt, schließlich habe ich trotzdem noch 2 Kinder, wovon 1 ja noch Kigaalter hat.

Klar, habe ich schon nachgefragt, woran es liegt. Meist reden die Leute dann um den heißen Brei oder es kommt halt, zu lange raus aus dem Beruf, keine wirkliche Berufserfahrung etc.

Umsatteln wäre kein Problem, bin für vieles offen, nur wer finanziert sowas? Das Amt nicht und wir haben schon zu tun, die 2 Kurse zu bezahlen, die ich zur Zeit besuche. Mein Mann sein Lohn reicht zwar aus, um gut zu leben, große Extras sind aber nicht drin.

Das mit den Praktiken schreib ich ja schon in die Bewerbungen rein, dass ich dafür offen bin und sie sich gern so erstmal ein Bild von mir machen können.

Beitrag von tammi04 10.01.11 - 16:59 Uhr

Hast du's schon mal mit Zeitarbeit versucht? Das kann für den Wiedereinstieg ganz gut sein.

Ansonsten: Durchhalten, nicht aufgeben! #klee