Verhalten meiner Tochter noch normal?

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von sterni84 10.01.11 - 19:39 Uhr

Hallo,

es geht um meine Tochter Leonie, sie ist jetzt 3,5 Jahre alt und hat im Moment eine wirklich anstrengende Phase, bei der ich mich frage, ob das Verhalten noch im Rahmen ist.

Also meine Tochter hatte immer schon sehr ausdauernde Wutausbrüche, bis zu 1 Std, teilweise mit übergeben. Seit 1 Jahr ca. hat sich das reguliert und sie kriegt diese Anfälle nur noch sehr sehr selten. Bis vor kurzem.

Heute Abend war es wieder soweit. Wir kamen nach Hause, sie ging zur Haustür - da ich einen schweren Korb in der Hand hatte, bat ich sie zur Seite zu gehen und mich durchzulassen. Sie dreht sich kommentarlos um, ging zurück zum Auto und trat mit voller Wucht in die Fahrertür. Daraufhin schickte ich sie in ihr Zimmer. Sie fing sofort an zu schreien und sich auf den Boden zu schmeißen. Ich habe versucht nicht darauf einzugehen. Da hat sie dann ihren Stuhl auf die Fliesen geschlagen. Nachdem ich auch darauf nicht reagiert habe, hat sie mich 3 Mal geschlagen.

Ich hab ihr dann gesagt, dass sie mich nicht hauen darf und hab sie in ihr Zimmer gebracht. Da hat sie dann die Türen geknallt und weiter rumgeschrien. Sie kam immer und immer wieder nach unten, trat gegen die Glastür in der Küche.

Letztendlich hab ich sie dann ohne Fernsehen und Geschichte ins Bett gebracht - nach 1 Stunde Gebrüll.

Sie droht uns auch ständig an, uns zu hauen oder bezeichnet uns als blöde Sau usw. Wenn sie wütend wird, schmeißt sie mit Dingen um sich und versucht mit aller Macht irgendetwas kaputt zu kriegen.

Sie will hier zuhause den Ton angeben und wird wütend, wenn es nicht nach ihrer Nase geht. Im Kiga ist sie total schüchtern und zurückhaltend, spielt nicht mit den anderen Kindern. Sie liebt den Kiga total, will aber lieber für sich alleine bleiben. Die Erzieherinnen allerdings akzeptiert sie voll und sucht auch Kontakt zu ihnen.

Wenn Fremde sie ansprechen, bekommt sie keinen Ton raus und verkriecht sich hinter uns. Sie traut sich kaum etwas. Bei allem sollen wir helfen.

Leonie ist sehr schlau und wissbegierig. Aber manchmal tut sie so, als könne sie gar nichts mehr. Keine Türen öffnen, nicht die Hose ausziehen, nicht aufs Klo gehen.

Muss ich mir Sorgen machen? Sollte ich vielleicht mal mit ihr zur Erziehungsberatung? Oder gehört das zur Trotzphase dazu? Wie geht ihr mit diesen Wutausbrüchen um?

Für Tipps wäre ich sehr dankbar - ich bin im Moment am Ende meiner Kräfte.

LG Lena

Beitrag von moni2304 10.01.11 - 19:46 Uhr

Hallo,

ich habe auch so eine Tochter. Sie kann so lieb sein, aber auch der Teufel in Person. Hatten jetzt zweieinhalb Wochen Ferien und bin geschaffter wie davor. Es herrscht den ganzen Tag Terror, wenn es nicht nach ihrem Kof geht und mittlerweile ist auch echt meine Beziehung in Gefahr.
Ich persönlich für mich habe beschlossen, zu einer Erziehungsberatung zu gehen, weil ich einfach nicht mehr weiter weiß und einfach langsam auch nen Hass auf meine Tochter aufbau.
Hab nächste Woche den ersten Termin und hoffe, dass wir das irgendwie wieder hinbekommen.

Lg, Moni

Beitrag von sterni84 10.01.11 - 19:52 Uhr

Hallo Moni,

ich denke auch, ich werde mal ein Beratungsgespräch bei einer Erziehungsberatung vereinbaren. Ich weiß nicht mehr, wie ich mit Leonie umgehen soll.

Findet das Gespräch im Beisein des Kindes statt?

LG Lena

Beitrag von moni2304 10.01.11 - 19:53 Uhr

Also mir wurde gesagt, das erste Gespräch auf alle Fälle ohne Kind und dann guckt man weiter.
Ist mir auch lieber, sonst könnte ich mich sicher nicht in Ruhe unterhalten.

Lg

Beitrag von sterni84 10.01.11 - 20:22 Uhr

Ja das denke ich auch. Vor allen Dingen finde ich es wichtig, dass das Kind nicht mitbekommt, wie man über die negativen Verhaltensweisen spricht.

Bin mal gespannt, wann ich einen Termin bekomme.

LG Lena

Beitrag von alpenbaby711 10.01.11 - 19:51 Uhr

Also ganz ehrlich, auch wenn ich jetzt gesteinigt werde, aber sicherlich nicht die perfekte Lösung: Aber wenn meine Tochter ( in dem Fall mein Sohn) mit Absicht gegen die Autotüre reintritt und dann noch Stühle auf Fliesen schlägt und gegen eine Glastüre tritt und mich schlägt hätte es geknallt. Das hätte ich mir von so einem rotzigen Kind nicht bieten lassen.
Ela

Beitrag von nana141080 10.01.11 - 19:52 Uhr

Hi,
also für mich hört sich das völlig normal an. Sie ist halt ein grenzgänger. Ihre grenzen müssen immer wieder neu gesteckt werden. Was vor 6 Monaten noch gut war, kann heute schon "überholt" sein.

So sehe ich das. Mien Kleiner ist auch so einer. Ich gehe dann auf ihn zu. Wenn er, in den seltensten Fällen, von uns ins Zimmer gebracht wurde dann gehen wir nach ein paar Minuten hin. Reden mit ihm und "vertragen" uns.

Auch wenn er "ausgebockt" hat, kann er einfach nicht auf uns zugehen. Da liegt es an mir ihm einen Weg zu zeigen. Das klappt sehr gut und die Wutanfälle haben sich auf vielleicht 1x die Woche reduziert. :-)

Es gibt viele gute Bücher von Jesper Juul die viele Wege aufzeigen.

VG Nana

Beitrag von yvschen 10.01.11 - 19:53 Uhr

Oh man lena das klingt ja wirklich hart

da sind meine mädels wirklich engel..

Ich kann dir nur den tipp geben, such dir hilfe.

Trotzdem hab ich auch immer den hintergedanke, ob irgendwas vom frühchensein hängen geblieben ist..Irgendein trauma?

Lg yvonne#liebdrueck

Beitrag von bine3002 10.01.11 - 19:56 Uhr

Das Verhalten deiner Tochter ist zwar heftig, aber durchaus noch altersgemäß normal.

Ich glaube, dass sie sich mit ihren Emotionen hilflos und allein gelassen fühlt. Anstatt sie aufs Zimmer zu schicken, solltest Du sie unterstützen, ihre Wutausbrüche auf eine Weise rauszulassen, die akzeptabel ist (eine Autotür einzutreten oder die Türen zu zerdeppern sind es nicht). D.h. zunächst, dass Du sie nicht alleine lässt. Der Vorteil dabei ist auch, dass sie dann nichts zerstören kann. Wenn sie arg austickt, setz sie an einen sicheren ort, dröäng dich aber nicht weiter auf, d.h. wenn sie keinen Körperkontakt möchte, dann lass sie erstmal, bleib aber in der Nähe.

Außerdem solltest Du ihr konkret gewisse Dinge erlauben. Sie könnte mit dem Fuß aufstampfen, in ein Kissen boxen, ein Kuscheltier bearbeiten oder auch einfach nur ganz laut schreien und sich dabei im Spiegel ansehen. Alles ist besser als wertvolle Gegenstände zu bearbeiten oder Personen zu hauen.

Es ist auch wichtig, dass Du mit ihr hinterher über solche Vorfälle sprichst. Was ist geschehen? Warum ist es geschehen? Was hätte anders/besser laufen können? Oftmals findet man dabei heraus, dass das Kind die Situation völlig anders wahrgenommen hat als sie war.

Ebenfalls wichtig wäre, die Emotion zu benennen: "Ja Du warst WÜTEND/TRAURIG (usw.)!" und einen Bezug zu sich selbst herzustellen: "Ich kenne das, mir ging es auch schon mal so als..."

Langfristig wird ihr das helfen.

Und zu der Schüchternheit:
Meine Tochter war auch so. Bei ihr hat Ballett geholfen. Da wollte sie unbedingt hin und es war Motivation genug, ihre Schüchternheit zu überwinden. Man merkte regelrecht wie sie innerhalb weniger Wochen "aufblühte" und das haben wir dann genutzt und sie z. B. mal zum Bäcker Brötchen holen geschickt oder sowas. Im Moment hat sie gerade mal wieder eine kleine schüchterne Phase, aber lange nicht so heftig wie es mal war.

Beitrag von sterni84 10.01.11 - 20:05 Uhr

Hallo!

Danke für deine Antwort.

Ich habe eben, nachdem sie sich beruhigt hat, versucht mit ihr darüber zu sprechen. Ich habe sie gefragt, warum sie gegen die Tür getreten hat, da bekam ich zur Antwort: weil ich das toll finde! Ja was will ich damit anfangen? Wie soll ich darauf reagieren?

Wenn ich bei ihr bleibe, während sie so rumschreit, fängt sie an mich zu hauen oder wird immer lauter, damit sie auch ja meine volle Aufmerksamkeit bekommt. Ich versuche wirklich ruhig zu bleiben, aber nach 1 Std Geschrei fehlen mir da auch die Nerven zu.

Was die Schüchternheit betrifft, hab ich sie jetzt beim Kinderturnen angemeldet, da sie im Kiga sehr gerne in der Turnhalle ist. Heute z.B. habe ich eine Verabredung mit der Mama eines Mädchens aus ihrer Gruppe getroffen. Leonie schmiss sich dann auf den Boden, weinte und brüllte: ich will nicht das Sophie kommt, ich will nicht mit anderen Kindern spielen, ich will keine Freunde haben. Wie soll ich denn darauf reagieren? Ich kann doch jetzt nicht sämtliche Sozialkontakte abbrechen.

Ich weiß mir so langsam keinen Rat mehr und werde mir wohl doch mal einen Termin bei der Erziehungsberatung holen.

LG Lena

Beitrag von bine3002 10.01.11 - 20:15 Uhr

"Ich habe sie gefragt, warum sie gegen die Tür getreten hat, da bekam ich zur Antwort: weil ich das toll finde!"

Ich denke, das musst Du nicht wörtlich nehmen sondern übersetzen. Es heißt so viel wie "Weil ich in mir ein großes unangenehmes Gefühl habe, das unbedingt raus will." Viele Kinder hätten auf so eine Frage geantwortet "Weiß ich nicht!

Ich weiß, dass das sehr belastend und nervig ist, aber gerade dann ist es total wichtig, dass Du dran bleibst. Das Verhalten, was sie im Moment zeigt, kann nämlich auch mal echt in die Hose gehen, spätestens dann wenn die Tür mal kaputt geht, kann sie sich dabei ernsthaft verletzen. D.h. Du musst auf der hut bleiben und sie vor sich selbst schützen und Du musst ihr einen Raum bieten, wo sie ihre Wut hemmungslos rauslassen kann. Es gibt ja auch unter Erwachsenen so impulsive Menschen und welche, die eher alles in sich reinfressen. Ich denke, dass letztere gefährlicher sind. Nur müssen erstere eben erst lernen, ihre Impulse so zu steuern, dass sie "gesellschaftlich akzeptabel" sind.

Also Geduld!

Beitrag von leo_twins 10.01.11 - 20:05 Uhr

Hallo,

meine Söhne wechseln sich momentan auch ab in ihren "Tobsuchtsanfällen"... da stößt man wahrlich an seine Grenzen!
Bei uns hilft allerdings meistens die Auszeit im Zimmer. Ich sage dann, sie sollen solange oben bleiben, bis sie sich wieder einigermaßen "normal" aufführen. Meistens beruhigen sie sich schnell und sie "schleichen" dann reumütig nach unten ;-) dann wird nochmal drüber geredet und gut ist.

Ich hatte übrigens heute nachmittag das 1. (!) mal den Klassiker im Supermarkt: das volle Programm - schreien wie am Spieß, auf den Boden legen, Mama hauen usw. Ich musste alle meine Überredungskünste aufwenden, damit er wieder halbwegs ruhig wurde. Puuuhh, ich war fix und fertig danach...

Vielleicht kannst du mal in einer ruhigen Minute mit deiner Tochter über diese Wutanfälle reden. Ihr könntet vielleicht abmachen, dass sie in dem Fall eine Weile "Auszeit nimmt" und sich Zeit nimmt, sich wieder zu beruhigen.

Im Zweifelsfall würd ich sonst auch eine Beratung probieren oder erstmal mit einer Freundin oder ev. auch mal mit den Kiga Erziehern sprechen (falls da ein guter Draht da ist).

Alle Gute,
LG, Moni

Beitrag von sterni84 10.01.11 - 20:29 Uhr

Ich möchte euch allen für eure Antworten danken. Auch wenn das Verhalten größtenteils normal zu sein scheint, habe ich mich dazu entschlossen, ein Beratungsgespräch bei einer Erziehungsberatung zu vereinbaren.

Ich möchte einfach besser mit solchen Situationen umgehen können, um die Wutausbrüche vielleicht auch etwas entschärfen zu können. Die Nachbarn werden es mir danken. :-p

LG Lena