Kündigung weil Vermieter Haus verkaufen will

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Beitrag von peanutbutter 12.01.11 - 09:56 Uhr

Guten Morgen,

ich habe heute mal eine Frage, die eine Bekannte von mir betrifft. Sie wohnt mit Mann und Ihren 3 Erwachsenen Kindern in einem alten Haus.

Sie wohnen dort seit 38 Jahren und haben noch einen alten DDR Mietvertrag. Der 38 jährige Sohn, der auch dort wohnt, gilt als schwerbeschädigt.

Die Familie ist "einfach gestrickt" und wir möchten Ihnen gerne helfen, weil wir das Gefühl haben, daß man Ihre Unbedarftheit ausnutzen will.

Ihnen wurde gestern das Mietverhältnis gekündigt, weil der Vermieter (wohnt weiter weg) das Haus/Grundstück verkaufen möchte. Die Familie selber möchte gerne dort wohnen bleiben.

In dem Haus gibt es keine Heizung, d.h. sie schippen noch Kohlen und einen Anschluß ans Abwasser gibt es auch noch nicht, sondern es gibt nur eine Grube.

Es soll nun ein Anschluß an das Abwassersystem erfolgen. Gilt das als Modernisierungsmaßnahme (dachte Modernisierung ist nur alles was hilft Energie zu sparen...also Dämmung usw)?

Sie sollen wohl jetzt auch eine Stange Geld dafür bezahlen. Die Familie lebt von Harz4/Rente und die Kinder arbeiten in Einrichtungen für Behinderte, d.h. sie haben nicht viel Geld.

Vermieter hat Ihnen nun zum 31.12.2011 gekündigt, weil er das Haus verkaufen will. Sie zahlen monatlich 250€ für dieses wirklich sehr kleine und unrenovierte Haus.

Klar will der jetzige Vermieter sie nun schon loswerden, da sich ein leeres Hause ja besser verkaufen läßt.

Es stehen nun öfters Interessenten bei Ihnen vor der Tür und wollen sich alles anschauen. Meine Bekannte läßt diese Leute dann auch immer rein...

Nun meine Fragen:

- Ist die Kündigung rechtens? Ist ja eigentlich kein Eigenbedarf. M.E. dürfte dann höchstens der Käufer des Hauses wegen Eigenbedarf kündigen.

- Ist die Behinderung des Sohnes ein Grund, daß sie nicht so schnell gekündigt werden können?

- Sind irgendwelche Fristen einzuhalten seitens unserer Bekannten um auf die Kündigung zu reagieren? Was schreibt man da? Ich habe leider keine Ahnung.

- Müssen Sie die Interessenten einfach so reinlassen? M.E. nicht. Es ist ein Makler eingeschaltet, der das Haus verkaufen soll. Ich finde, der sollte mit den Interessenten einen Termin ausmachen, den er
mit meiner Bekannten absprechen muß. Es kann doch nicht sein, daß ständig jemand vor der Tür steht...

- Ist der Abwasseranschluß Sache des Vermieters oder kann er auf den Mieter umgelegt werden. Wenn er als Modernisierung gilt dann doch aber nur mit 11% auf die Jahresmiete, oder?

Fragen über Fragen. Ich würde mich freuen, wenn uns jemand eine qualifizierte Antwort geben könnte.

#danke

Beitrag von marion2 12.01.11 - 10:02 Uhr

Hallo,

egal ob euch hier irgendwer die Fragen beantworten kann, solltet ihr zum Mieterschutzbund bzw. Anwalt gehen.

So ein Schreiben von offizieller Stelle wirkt Wunder!

Ich halte die Kündigung für nicht rechtens.

LG Marion

Beitrag von vwpassat 12.01.11 - 10:20 Uhr

Deine Bekannten können sich doch eigentlich nur verbessern.

Zur Kündigung kann ich nicht viel sagen, aber die Interessenten würde ich definitiv nicht durch's Haus latschen lassen.

Vielleicht hilft da ein Schild am Zaun "Verkauft"

Beitrag von manavgat 12.01.11 - 11:11 Uhr

Ab zum Mieterschutzbund oder zu einer Anwältin (läuft über PKH!).


Alles andere ist nicht zielführend.

Gruß

Manavgat

Beitrag von demy 12.01.11 - 12:48 Uhr

Hallo,
eine Kündigung des Hauses wäre nur bei begründeten Eigenbedarf durch den Vermieter möglich.

Den Mietern zu kündigen um beim Hausverkauf einen höheren erlös zu erzielen ist KEIN Eigenbedarf.

Die Kündigung ist unwirksam!

Zu der Modernisierung.
Alles was den Wohnwert nachaltig verbessert ist eine Modernisierung.
Natürlich kann nicht die komplette Modernisierung mal eben auf die Mieter umgelegt werden.
Sind Instandhaltungsmaßnahmen mit der Modernisierung verknüpft sind diese Instandhaltungsmaßnahmen ebenfalls aus den Modernisierungskosten herauszurechnen.
Da muss also aufgepasst werden.

Zu den Besichtigungsterminen.
Diese sind natürlich mit den Mietern abzusprechen und frühzeitig anzukündigen.
Frühzeitig würde ich da zu mindestens 3 Werktagen tendieren.

Mein Tip, da dort etwas gehörig schief läuft, grade nach deiner Schilderung.
Sie sollen sofort unverzüglich da sie die Kündigung schon bekommen haben den Mieterverein aufsuchen.
Vielleicht würde sich ein Anwalt sogar schon anraten, um den Vermieter recht schnell in seine Schranken zu weisen.

Gruß
Demy

Beitrag von peanutbutter 12.01.11 - 12:59 Uhr

Hallo,

habe mich heute bereits schon einmal beim Mieterverein erkundigt.

Nächste Woche haben die wieder Sprechstunde bei uns im Ort.

Ich habe meiner Bekannten meine bisherigen "Erkenntnisse und Suchergebnisse" geschildert und sie gebeten sich beraten zu lassen. Würde ja auch mitkommen oder sie hinfahren, da sie selber kein Auto haben.
Ich hoffe sie können sich dafür entscheiden...

Peanut