Ohren auf Durchzug!

Archiv des urbia-Forums Kindergartenalter.

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von kati09 12.01.11 - 10:01 Uhr

Hallo,
unser Sohn hört nicht mehr auf mich oder meinen Mann. Wir versuchen einen freundlichen Umgangston zu bewahren und ihn ruhig und freundlich um Sachen zu bitten. Aber entweder er reagiert gar nicht oder erst nach mehrmaliger Aufforderung. Meistens nur mit Androhung einer Konsequenz. Im Kindergarten hört er einwandfrei, bei meinen Eltern bisher auch, nur da fängt es auch so langsam an. Beim Abholen musste z.B. schon mal die Erzieherin meinen Sohn darauf hinweisen, dass ich ihn bereits 3x gebeten habe seine Schuhe anzuziehen und auf einmal ging es von alleine (sehr peinlich).
Habt ihr eine Idee, was man da machen kann? Bei Kleinigkeiten rege ich mich nicht auf, aber wenn es z.B. darum geht, am Straßenrand stehen zu bleiben...
Ich bin wirklich verzweifelt, möchte aber keinen rauen Umgangston oder ständiges Meckern oder Verbote.
Grüße, Kati

Beitrag von cori0815 12.01.11 - 10:40 Uhr

hi Kati!

Wir haben diese "Durchzug-Ohren" leider auch nicht mitbestellt und trotzdem mitgeliefert bekommen bei meinem Sohn ;-) Er ist jetzt fast 5 Jahre und seit einiger Zeit gibt es immer mal wieder Momente, in denen er einfach nicht wahrnimmt/wahrnehmen will, was wir sagen.

Genau wie bei euch macht er es eigentlich nur bei uns, nicht bei den Erzieherinnen ("Er ist immer absolut höflich und macht immer, um was man ihn bittet") und auch nicht bei den Großeltern.

Ich denke, die Kinder probieren natürlich immer mal aus, wie weit man gehen kann. Und bei wem lohnt sich das mehr als bei den Eltern??? Denn schließlich muss man sich ja mit denen auch die meiste Zeit auseinandersetzen. Was nützt es, wenn man Dinge bei Oma und Opa darf, wo man aber nur höchst selten ist? Viel wertvoller ist es doch, sich dort durchzusetzen, wo man ständig ist ;-)

Diese "bitte mach dies, bitte mach das"-Sache habe ich mittlerweile aufgegeben und ich differenziere sehr genau zwischen Dingen, die ich unbedingt von ihm erwarte (ohne "Bitte") und Dinge, die ich auf Freiwilligen-Basis von ihm erwarte (mit "Bitte"). Ich sage also nicht "bleib bitte an der Straße stehen", sondern "Bleib an der Straße stehen!". Und ich sage "Kannst du bitte den Stuhl ranschieben, wenn du aufgestanden bist?" statt "Schieb den Stuhl ran!". So kann er ganz genau differenzieren, was mir wirklich wichtig ist und was ich einfach nur zum besseren Miteinander von ihm erwarte. Und er kann dann selbst abwägen, ob es notwendig findet, für uns alle diese kleinen "Gefälligkeiten" zu tun oder eben nicht. Aber er hat mittlerweile verstanden, dass Gefälligkeiten auf Gegenseitigkeit beruhen und er eben auch nur von mir welche zu erwarten hat, wenn ich welche von ihm erwarten kann. Und so läuft es ganz gut.

LG
cori

Beitrag von buzzelmaus 12.01.11 - 10:41 Uhr

Hallo Kati,

ja, das Verhalten kenne ich nur zu gut - wird immer wieder kommen. Was für eine Aussicht, oder?!

Aber keine Panik, ich mach es bei Emily dann immer so, dass ich es umgekehrt, wenn sie mal was von mir will auch so mache wie sie! Was meinst Du, wie sie dann auf einmal staunt ;-).

Ein wenig Schimpfen bleibt da eigendlich auch nicht immer aus. Ich arbeite und wir müssen morgens pünktlich los. Da kann ich nicht 100x bitte bitte sagen. Wenn sie sich nicht anzieht, geht sie so mit, wie sie ist. Und wenn sie noch den Schlafanzug an hat, Pech.

ich finde, Ihr solltet Euch nicht so sehr auf der Nase Rumtanzen lassen, wenn er nach dem dritten Mal immer noch nicht seine Schuhe anzieht, dann gibt es halt keinen Fernsehen, keinen Ausflug oder was auch immer. Mehr als 3x äußere ich meine Bitte auch selten. Wo kämen wir denn da hin - in eine Endlosschleife :-).

Also, mein rat an Euch: Bittet ihn max. 3x und kündigt beim 2x schon die Konsequenz an, wenn er es nach dem 3. mal immer noch nicht macht. Und bleibt dann auch konsequent bei Eurer Entscheidung/Verbot.

Die kleinen testen einfach immer wieder ganz extrem ihre Grenzen aus - und das auch nur bei Mama und Papa #schwitz. Vor Weihnachten hatten wir auch so eine Phase - über 2/3 Monate. Ich war total fertig. Wir hatten dann auch ein Gespräch mit einer Gruppenerzieherin und da sprach ich das mal an. Sie erklärte mir dann, dass ich mich eigendlich glückschätzen darf, das meine Tochter sich so verhält #schock (sie fügte aber hinzu, dass es das ganze auch nicht einfacher macht ;-)). Sie erklärte mir, dass sich Kinder nur so verhalten würden, wenn sie sich der Lieber Ihrer Eltern 100%ig sicher wären und sich 100%ig aufgehoben und geborgen fühlen. Sie habe mal in einem Brennpunktstadtteil gearbeitet und dort viele Kinder getroffen, deren Eltern sich nicht viel um ihre Kinder kümmern. Sie meinte, diese Kinder hätten alles sofort gemacht, um was sie die Eltern gebeten hätten, weil sie sich deren Liebe einfach nicht sicher waren und sie immer angst hatten, dass sie ihre Eltern verlieren würde, nicht geliebt würden, evtl. sogar weg von den Eltern kommen würden. Das macht doch echt #heul#gruebel, wenn man mal darüber nachdenkt.

Ich hab nach dem Gespräch auch gesgat, dass ich mich doch dann lieber immer wieder mit meinem Kind über die Grenzen unterhalte, als einer lieblose Erziehung den Weg zu ebnen.

Aber wie gesagt, einfacher macht es diesen machtkampf deshalb noch lange nicht. Und gerade die Mütter sind in diesen Phasen immer besonders betroffen, auch das sagte mir die Erzieherin!

Also, bei Euch ist alles OK - haltet durch und seit gewiss, Euer Sohn fühlt sich absolut geliebt und geborgen. Nur deshalb verhält er sich so.

Alles Gute

Susanne + Emily Fiona *05.08.05

Beitrag von witch71 12.01.11 - 10:47 Uhr

Wenn er zuhören soll, hast Du da auch seine völlige Aufmerksamkeit? Schaut er Dich an? Bist Du auf einer Ebene mit ihm (sprich, gehst Du beim Ansprechen etwas in die Knie, damit Eure Gesichter auf etwa einer Höhe sind)?

Zum Schuhe-Anziehen habe ich einen Tipp aus eigener Erfahrung: Bittet er mich im normalen Ton und mit "Zauberwort", ihm die Schuhe anzuziehen, dann tue ich das gerne. Ich weiss ja, dass er es grundsätzlich selbst kann und ein bisschen bemuttert zu werden finde ich nicht dramatisch. Meistens schlupft er dann selbständig in die Schuhe und ich mache sie ihm dann eben nur zu.
Allerdings hatten wir auch schonmal einen Riesenzirkus im Kindergarten, der damit endete, dass ich mich, in Absprache mit der Erzieherin, vor die Türe gestellt und draussen auf ihn gewartet habe. Dass in solchen Situationen die Erzieherin besser "ankommt" als die eigene Mutter ist übrigens völlig normal und kein Grund zum schämen. Das habe ich bei meinem eigenen Kind genauso beobachtet, wie bei anderen Kindern auch. Scheint auch völlig erziehungsunabhängig zu sein.