Woher kommen bei Stress die Kopfschmerzen?

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Beitrag von linagilmore80 12.01.11 - 17:10 Uhr

Hallo ihr Lieben,
in letzter Zeit ist es bei mir etwas stressiger - bei 3 Kindern, Rückbildungs- und Babymassagekurs, Haushalt, Garten, Arbeiten und diversen Hobbies (zu denen ich teilweise gar nicht mehr komme) kann sowas wirklich ausarten...
Jetzt ist mir aufgefallen, dass ich gehäuft nen tierischen Druck im Kopf habe, als würde jemand gleichzeitig von Innen und von Außen gegen den Schädel drücken. Ich vermute, dass das mit dem Stress zusammen hängt, denn an stressfreien Tagen, habe ich mit dem Kopf keine Probleme.

Hat einer von euch eine Erklärung dafür, woher das eigentlich kommt?

LG,
Lina

Beitrag von fascia 13.01.11 - 09:58 Uhr

Hallo Lina,

da hast du aber auch wirklich ein ganz schönes Pensum!

Und es liest sich so, als hättest du Recht mit der Annahme, dass dieser Kopfschmerz sich durch Stress einstellt.

Bei anderen Menschen entstehen andere Stresssymptome - z.B. Magenschmerzen, Verdauungsstörungen oder Schmerzen irgendwo im Bewegungsapparat. Das kann sehr unterschiedlich ausfallen - dir "schlägt" Stress eben auf den Kopf.
Kopfschmerzen dieser Art sind natürlich lästig, unangenehm. Positiv daran ist bestenfalls, dass du mit ihm eine Art Alarmglöckchen hast, das dir deutlich anzeigt: "Einen Gang herunterschalten bitte!"
Auf dieses Glöckchen solltest du reagieren. Darüber nachdenken, ob tatsächlich alles, was du tust so wichtig ist. Du bist eine Fleißige, vielleicht sehr Gewissenhafte. Dein Körper ist es aber nicht im gleichen Maße - der hätte es gern ein bisschen ruhiger. Du kannst also auf dein Gewissen hören - mit Kopfschmerzen - oder mal mehr auf deinen Körper (Kopf) hören - ohne Kopfschmerz.
So oder so: Unter irgendetwas hast du immer "zu leiden": Entweder unter Kopfschmerz, oder unter einem schlechtes Gewissen (weil du irgendeine Aufgabe "vernachlässigst").
Es ist also eine Entscheidung zu treffen: Womit kann ich besser leben - mit Kopfweh oder mit dem schlechten Gewissen?

Dazu ist aber zu sagen: Diese Art von Schmerz hat (wie viele Schmerzen) die Tendenz, sich zu verstärken und sich festzusetzen, wenn die Schmerzursache unverändert bestehen bleibt. Wir sind so "gebaut". Zudem wird es immer schwieriger im Laufe der Zeit, ihn wieder loszuwerden. Man riskiert sogar, dass sich die Vorgänge, die zum Schmerz führen, verselbständigen und so einschleifen, dass er auch dann nicht mehr vergeht, wenn die Ursache schließlich doch beseitigt wird. Dies ist eine Eigenheit unserer Regulationssysteme.
Zeit spielt also zusätzlich eine wesentliche Rolle.

Eigentlich sind wir ja darauf eingerichtet, mit sehr hohen Belastungen aller Art zurecht zu kommen. Allerdings nur für zeitlich begrenzte Belastungsphasen.
Wird diese Zeit überschritten, geht es an unsere Substanz - es entsteht ein - wie auch immer gearteter - Mangel. Diesen bemerken wir erstmal nicht. Erst, wenn eine Schwelle überschritten ist, entstehen Symptome, die wir wahrnehmen können, z.B. so ein Spannungskopfschmerz.
D.h.: In dem Moment, in dem ein Schmerz auftritt, hat man seinen Körper entweder für kurze Zeit massiv überfordert - oder nicht so massiv, aber über (zu) lange Zeit.

Stress. Ist eine erhöhte Anforderung über einen längeren Zeitraum. Für jede erhöhte Anforderung (v.a. in Verbindung mit Zeitdruck) wird der Körper in einen "Aktivitätsmodus" versetzt. Das Hirn und bestimmte Organe schütten und hemmen dafür bestimmte Botenstoffe (Hormone wie Adrenalin z.B.). Diese bewirken viele verschiedene Reaktionen. Blutdruck und Herzkraft, Atmung, Verdauung, Stoffwechsel, Muskelspannung, die Verteilung der Blutvolumen in den einzelnen Körperbereichen, die Weite der verschiedenen Gefäße, die Nervenleitung - dies alles wird verändert.
Und man kann sagen, dass alle diese Dinge sich auch an der Entstehung und dem Fortbestehen eines solchen Kopfschmerzes beteiligen.

Z.B: Die Grundspannung in der Skelettmuskulatur wird erhöht. Das verschlechtert auf Dauer ihre Durchblutungsrate. Es verschlechtert auch die Durchblutung der Gebiete, die durch Gefäße ver- und entsorgt werden, die durch diese verspannte Muskulatur verlaufen. Außerdem zerren diese Muskeln natürlich an den Teilen, an denen sie ansetzen. Im Bereich von Schulter, Hals und Nacken zerren sie an der sog. Kopfschwarte. Der Kopf wird regelrecht in die Zange genommen.
Das ist ziemlich deutlich zu spüren.

Schmerzen im Inneren des Kopfes entstehen v.a. durch die veränderte Durchblutung. Wir haben Zellen im Kopf, die darauf sehr empfindlich reagieren. Diese mögen Stoffwechselveränderungen gar nicht. Sobald sie sich schlecht versorgt fühlen, stellt das einen Reiz dar, der von den Schmerzrezeptoren ihrer Umgebung (als Schmerz) fortgeleitet wird. Diese Zellen, dieses Gewebe - das ist unsere Hirnhaut. Sie kleidet unseren Kopf von innen aus und zieht in straffen Falten zusätzlich zwischen verschiedene Hirnanteile.
Jede Art von Kopfschmerz (innen) - also auch ein Migräneschmerz, ein Kater, oder der vernichtende Schmerz bei schweren Durchblutungsstörungen - entsteht in der Hirnhaut. (Denn das Gehirn selbst ist schmerzunempfindlich).
Bei Stress kann sich die Durchblutung des Gehirns und der Hirnhäute über mehrere Einflüsse ändern. Durch die Einstellung der Gefäßweite, durch den Blutdruck und die Umverteilung des Blutes. Und auch durch die Muskelspannung, die v.a. die Abflusswege beengt.


Das ist jetzt aber viel geworden...

Fest steht: Es wird Zeit, dass du etwas änderst.
"Runterfahren" ist angesagt.


Gute Besserung,
f.