Ich glaub, ich klopfe mal bei euch an ....

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Forum: Allein erziehend

Als Alleinerziehende selbstbestimmt zu leben hat Vorteile, andererseits ist es oft sehr anstrengend, den täglichen Herausforderungen allein zu begegnen. In diesem Forum findet ihr die Hilfe und Unterstützung von Frauen, die in einer ähnlichen Situation sind.

Beitrag von nightwitch 14.01.11 - 09:39 Uhr

Ach Mädels,

ich weiß grad echt nicht, wo mir der Kopf steht.... Mein Partner und ich haben seit längerem immer wieder Probleme (wer hat die nicht), aber in der letzten Zeit häufen sich die Streitereien, Diskussionen usw immer mehr.

Gestern dann der "Knall": er hatte kurzfristig gestern und heute Urlaub bekommen und wir haben uns die ganze Zeit nur gefetzt. Wegen Banalitäten :-(

Dann gestern abend das erste richtig vernünftige Gespräch: von beiden Seiten sind noch Gefühle da, aber wir haben beide keine Lust mehr auf diese ewigen Streitereien. Und ob es überhaupt noch Liebe ist, was uns verbindet, wissen wir beide nicht so wirklich.

Die Woche (also wenn er nicht da ist) verläuft immer recht harmonisch. Ich bin ausgeglichen, die Kinder sind "normal zickig" ;-) und auch wir haben einen entspannten und ruhigen Umgang miteinander. Aber je näher der Tag rückt, an dem er nach Hause kommt (ist LKW-Fahrer und ist immer mal wieder für ein paar Tage draußen), desto mauliger wird die Situation zwischen uns und auch bei den Kindern (wahrscheinlich spüren sie meine Anspannung und verhalten sich dann dementsprechend.

Nun haben wir erstmal beschlossen, dass er in der Woche (also falls er nach "Hause" kommen sollte), erstmal bei seinem Bruder nächtigt und wir uns generell nur am Wochenende sehen.

Aber ich bin kein Fan von so halben Sachen und ich habe es ihm auch so gesagt. Also entweder ganz Trennung oder wir raufen uns zusammen. Nun, zum Zusammenraufen fehlt mir momentan die Kraft ich bin auch nicht sicher, ob ich das überhaupt will...

Soviel ist in den letzten Jahren vorgefallen, soviele Sachen wo ich einfach geschluckt habe, obwohl er mich tierisch verletzt hat. Ich will mich nicht als Engel bezeichnen, ich hab auch einiges gemacht, was rückblickend vielleicht nicht so wirklich toll war und wir hatten auch mit Sicherheit eine wirklich schöne Zeit miteinander. Aber nur wegen den Kinder auf Teufel komm raus zusammen bleiben? Nee, so ein Mensch bin ich nicht. Dann lieber einen sauberen Schlußstrich ziehen und versuchen gute getrenntlebende Eltern zu werden.

Ich muss auch gestehen, er fehlt mir noch nicht mal besonders (wahrscheinlich ist es schon die "Routine", weil er ja immer mehr weg war als zu Hause).

Wir können jetzt, nachdem die "Trennung" gestern ausgesprochen war komischerweise normal miteinander umgehen. Es ist wirklich so, als wenn man einen Schalter umgelegt hätte.
Klar, ich war gestern abend schon fertig irgendwie. Ich mein fast 6 Jahre schmeißt man nicht so einfach weg, aber man sollte doch auch realistisch bemerken, wenn ein Zug abgefahren ist, oder?

Auf der einen Seite fühlt sich unsere Entscheidung richtig an. Als Paar können wir wohl nicht mehr, aber wir müssen halt noch Eltern sein. Und es ist doch wichtiger, dass man versucht gute Eltern zu sein, als krampfhaft versucht noch ein Paar zu bleiben, oder?

Vorallem, weil unsere Große schon genug mitbekommt. Letztens hat sie ihren Papa sozusagen fast rausgeworfen. Sie hat zu ihm gesagt: Ruhe jetzt, sonst gehst du raus.

Und das will ich nicht. Ich will nicht, dass unsere Kinder unter unseren Streitereien (weiter) leiden.

Ach, ich bin irgendwie fix und fertig.... naja ich wollt nur mal meine Gedanken aufschreiben. Wahrscheinlich wirklich etwas wirr (ich verkneife mir die Korrekturlesung, man möge es mir verzeihen).

Vielleicht hat ja jemand ein liebes (oder auch nicht so liebes) Wort für mich.

Lieben Gruß
Sandra

Beitrag von claudi2712 14.01.11 - 10:20 Uhr

Liebe Sandra,

das, was Du da beschreibst, gleicht sich sehr mit meinen Gedanken vor etwas über einem Jahr. Ich habe genau wie Du gedacht "lieber jetzt, wo wir uns nicht hassen und wir noch gute Eltern zusammen sein können".

Ich kann Dir nur von mir berichten. Ich habe mich in einer Aussprache von meinem Mann im Oktober 2009 getrennt. Natürlich hat es ihn hart getroffen. Wir haben viel miteinander geredet und sind letztendlich BEIDE davon überzeugt gewesen, dass es SO keinen Sinn mehr macht. Bei ihm war der Wille, zu einer Eheberatung zu gehen. Ich stimmte erst zu, habe dann aber noch einmal nachgedacht und diesen Termin gecancelt, weil ich mir von dieser Eheberatung ehrlich gesagt nur erhoffte, dass die neutrale Person ihm verklickert, dass ich wirklich nicht mehr will. Das wäre gemein gewesen, also habe ich ihm ehrlich gesagt, dass die Eheberatung nur dann Sinn macht, wenn beide an der Beziehung arbeiten wollen.

Im Januar ist er ausgezogen und wir haben von Anfang an MITEINANDER daran gearbeitet, dass unsere gemeinsame Tochter so wenig, wie nur irgend möglich leidet. Wir haben ihr, als mein Mann die Wohnung hatte, gemeinsam von der Trennung erzählt. Erst dann, als wir einen Plan für uns selbst hatten, wie die Dinge in Zukunft laufen werden. Wir wollten (und haben - behaupte ich mal) so unserer Tochter ein Stückchen Sicherheit mitgeben können.Wenn Eltern einen Plan haben, gibt es Kindern ein sicheres Gefühl.

Seitdem funktionieren wir als Eltern sehr gut miteinander. Er kann die Kleine abholen, wann er kann und es in meinen Tagesablauf passt. Das wird gut miteinander abgestimmt. Demzufolge sieht er seine Tochter zweimal in der Woche, holt sie vom Kiga ab (manchmal auch dreimal, dann nur einmal - je nachdem, wie seine Schichten sind) und dann eben 14tägig über´s WE.

Wenn einer von uns Dinge, Veränderungen o.ä. wahrnimmt, informieren wir umgehend den anderen, so dass sich keine negativen Gefühle aufstauen können. Ich bitte ihn herein, biete ihm was zu trinken an usw. All das tut meinem Kind und letztendlich auch uns sehr gut. Es ist alles ehrlich, nichts verkrampftes und unsere Tochter muß sich nicht entscheiden. Heilig Abend haben wir zusammenverbracht, an ihrem Geburtstag kam er helfen.. All das geht, wenn sich beide gleichermaßen Mühe geben.

Ich wünsche Dir alles Gute!

Claudia

Beitrag von nightwitch 14.01.11 - 10:40 Uhr

Hallo Claudia,

danke für deine Rückmeldung. Ja, ich hoffe auch, dass wir ein normales, freundschaftliches Miteinander aufbauen können. Schon alleine wegen den Kindern. Aber ich denke der Zeitpunkt ist gut gewählt. Wie gesagt, wir sehen uns eh selten genug und am Telefon oder auch mal online wenn er dann von unterwegs ins Netz gegangen sind war die Stimmung eher neutral, freundlich.

Ich muss auch gestehen, er reizt mich sexuell nicht mehr. Klar, der Sex war immer gut und wir verstehen einander, aber soviele kleine Kleinigkeiten, die sich im Laufe der Zeit bei ihm (und mit Sicherheit bei mir) zum negativen entwickelt haben, führten eher dazu, dass ich ihn nicht mehr attraktiv finde (also nur aufs Äußerliche bezogen - ich weiß, das hört sich jetzt oberflächlich an, ist es mit Sicherheit auch).

Ich mag ihn, ich liebe ihn auch wohl noch ein Stück weit, aber nicht mehr als Liebespartner, sondern als Bruder, Vertrauter, Vater meiner Kinder.

Die Erkenntnis tut weh, aber ich hoffe, wir sind auf dem richtigen Weg.

Gruß
Sandra

Beitrag von muckilein123 16.01.11 - 19:41 Uhr

Oh ja, ich fühle so mit dir.
Ist bei mir nicht anders.
Wir streiten uns wegen nichts eigentlich, und von meiner seite her habe ich auch eher das gefühl der gewohnheit, aber keine wirkliche liebe mehr.
wir haben uns ausgesprochen, und es viel auch das wort trennung.Bis jetzt ist es aber noch nicht deutlich ausgesprochen.
Es hängt zu viel dran, aber immer mehr komm ich mir dem gefühl näher das ne trennung das einzigst richtige hier ist.
Mein mann ist zwar jeden abend da, aber bei mir ist es auch so, über tag bin ich eigentlich gut gelaut, und erst wenn er die tür rein kommt, werde ich schlecht gelaunt.