Wie die Geburt und die schlimmen Tage danach verarbeiten

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Forum: Geburt & Wochenbett

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Beitrag von mone-melone 14.01.11 - 22:27 Uhr

Hallo!

Weiß nicht ob ich hier richtig bin, aber ich habe kein so wirklich passendes Forum für mein Problem gefunden!

Versuche mich kurz zu fassen...

Da bei mir in der Schwangerschaft Krebsvorstufen am Muttermund gefunden wurden, musste meine Kleine 3 Wocheen vor Termin per KS geholt werden. Sie wollten eigentlich einleiten, aber ich habe mich in Absprache mit meinem Frauenarzt dagegen entschieden, weil es so viel vor Termin nicht viel bringt.

Meine Maus hats mit der Atmung nicht so hinbekommen und brauchte Sauerstoff. Deshalb habe ich sie erst Abends das erste mal gesehen. Außer über die Wange streicheln war nix mit Körperkontakt. Der TOTALE HORROR für mich. Leider stellt sich so schnell keine Besserung und wir durchlebten ganz schlimme Tage. Keiner konnte uns sagen was sie hat. Einmal sagte eine blöde Schwester es müsste nach dem Herz gesehen werden, es wäre nicht normal das sie so lange Sauerwstoff braucht. HÖLLE!!! Ein Tag musste sie noch in dieser shit Kasten und ich konnte sie noch nichtz mal streicheln. Mir ging es so elend.

Nach über einer Woche durften wir sie endlich Nachhause holen.
Ihr geht es jetzt prima. Sie ist ein richtiger Wonneprobben, aber ich muß noch sehr oft an die schlimmen Tage nach der Geburt denken.
Heute sind Freunde von uns Eltern geworden und ich musste heulen als der stole Papa erzählt hat wie die Maus gleiich bei ihrer Mama aufm Bauch war usw.
Es ist für mich ganz schlimm das ich sie nach der Geburt nicht bei mir hatte. Ich frage michh immer wieder ob meine Kleine diese Probleme nicht gehabt hätte wenn ich eingeleitet hätte. Es zumindest versucht hätte und sie wehen gespürt hätte.
Ich frage mich wie es für mein Baby war auf einmal aus dem Bauch gerissen, weg von mir in so nem Kasten. Dann die Schmerzen die sie hatte. Schlauch durch die Nase und so n dickes Ding in der Hand. Diese Gedanken zerreisen mir fast das Herz und ich könnte sofort losheulen.

Vielleicht denken jetzt manche von euch ich soll froh sein das es meiner Maus gut gehht und mich nicht mehr mit Vergangenem beschäftigen, aber ich muß so oft noch daran denken und frage mich wie ich das verarbeiten kann!?

LG

Beitrag von jessi_hh 15.01.11 - 00:16 Uhr

Hallo,

laß dich mal #liebdrueck! Ich kann Dich gut verstehen. Ich brauchte auch lange, um meine erste Geburt zu verarbeiten.

Aber ich kann Dir sagen, es bringt wirklich nichts, sich nach dem "was wäre wenn" zu fragen. Es gibt keine Antwort auf diese Frage und Du kannst das Geschehene nicht rückgängig machen. Was Du machen kannst ist, Deiner Kleinen JETZT eine gute Mama zu sein, ihr viel Liebe und Zuwendung zu geben.

Die erste Zeit mit dem Baby, das "Bonding" ist natürlich gut und wichtig, aber wenn sie nicht stattfindet bedeutet es nicht, dass das Mutter-Kind-Verhätnis getrübt ist oder das Kind bleibende Schäden erleidet. Früher wurden die Babys im Krankenhaus-Babyzimmer untergebracht und wurden den Müttern nur alle 3 oder 4 Stunden zum Stillen gebracht, auch wenn sie gebrüllt haben wie am Spieß. Ich liebe meine Mutter dennoch heiß und innig und hatte immer eine gute Bindung zu ihr. ;-)
Und meine Süße ist ein totales Mama-Kind, obwohl der Papa damals das Bonding übernommen hat!

Laß die Zeit für Dich arbeiten, dann wirst Du mit dem Geschehenen umgehen können. Du hast damals so gehandelt, wie Du es für richtig gehalten hast, die Folgen konntest Du nicht absehen! Das hätte bei der Einleitung genauso oder noch schlimmer sein können!

LG,
Jessi

Beitrag von mone-melone 15.01.11 - 12:58 Uhr

Vielen dank für die lieben Worte.
Ich denke auch das die Zeit die Wunden heilen wird. Und wahrscheinlich ist es momentan so aufgebrodelt weil einige in unserem Umfeld Eltern werden und ich es die ganze Zeit verdrängt habe.

LG

Beitrag von derhimmelmusswarten 15.01.11 - 08:48 Uhr

Ich kann dich vollkommen verstehen. Meine Tochter kam genau am ET und die Geburt verlief zunächst völlig normal. Leider blieb sie am Schluß stecken, die Herztöne wurden schlecht und 2 Hebammen und 3 Ärztinnen waren anschließend im Kreissaal und versuchten, sie aus mir raus zu bekommen. Letztlich holte die Oberärztin sie mit einer Saugglocke. Ihr ging es danach total schlecht. Sie hat Blut gespuckt, musste intubiert und künstlich ernährt werden, bekam eine Lungenentzündung und musste 10 Tage auf der Intensivstation liegen. Es war total schlimm, dass alle ihre Kinder bei sich hatten, nur ich nicht, obwohl ich doch ein ausgetragenes, eigentlich gesundes Kind hatte. Letztlich bin ich aber doch froh, dass ich in einem großen Krankenhaus war mit Kinderintensivstation, wo uns super geholfen wurde. Eine Geburt in einem Krankenkaus ohne Kinderintensiv hätte meine Tochter womöglich nicht überlebt. Das halte ich mir immer vor Augen.

Dass Kinder, die per Kaiserschnitt geholt werden, diese Anpassungsschwierigkeiten haben, ist ja leider auch keine Seltenheit. Letztlich zählt ja nur das Ergebnis. Dass man ein gesundes Kind hat. Auch wenn man sich immer fragt, warum Geburten bei anderen so komplikationslos verlaufen.

Beitrag von mone-melone 15.01.11 - 13:07 Uhr

Wenn ich lese wie es dir erging denke ich das ich ganz ruhig sein muß. Ich habe auch in den Tagen im Krankenhaus viel schlimmere Geschichten als die meine gehört. Einerseits denk ich mir dann das es uns doch nicht so schlimm getroffen hat und andererseits tut mir das alles im nachhinein noch sehr weh wenn ich darüber nachdenke. Für jeden ist das eigene Schicksal hart egal wie es von außen betrachtet wirklich ist.

Ich danke dir für deine lieben Worte!

Ich bin auch wirklich sehr froh das ich ein gesundes Kind habe und hoffe das ich mit der Zeit besser mit dem Erlebten umgehen kann.

LG

Beitrag von fain 15.01.11 - 10:26 Uhr


Es tut mir Leid dass ihr so einen schweren Start hattet.
Vielleicht kannst du die Zeit nach der Geburt ja nachspielen und sie nackt ausgezogen einfach auf deinen nackten Oberkörper legen, mit Decke drüber und einfach mit ihr daliegen und kuscheln. Das hilft vielen, die auch Probleme mit der Bindung haben.

Lg Fain

Beitrag von mone-melone 15.01.11 - 12:55 Uhr

Vielen dank! Das ist ein guter Tipp. Das Bedürfnis sie mir nackt auf den Bauch zu legen habe ich schon öfters gespürt aber... warum auch immer bin ich dem noch nie nachgegangen.

LG

Beitrag von svala 15.01.11 - 19:34 Uhr

Hallo,

wie lange ist die Geburt denn her? Ich hatte am Anfang an auch sehr große Bindungsprobleme. Ich hatte einen NotKS mit VN und mein Kleiner wurde direkt nach der Geburt in ein anderes Krankenhaus auf die dortige Kinderintensivstation verlegt. Da ich zu schwach war aufzustehen, konnte ich erstmal nicht zu ihm. Erst nach drei Tagen habe ich ihn daher zu ersten Mal gesehen, da er da zu mir zurück verlegt werden konnte. Und ganz ehrlich: Ich habe mich verantwortlich gefühlt und hätte ihn mit allem verteidigt, was ich hatte, aber diese überwältigenden Muttergefühle waren einfach nicht da :-(. Er roch fremd und war für mich einfach nur das Kind, das mich braucht und für das ich verantwortlich bin. Dann kamen extreme Stillprobleme dazu, da mein Kleiner natürlich die ersten drei Tage Flasche bekommen hatte und so meine Milchmenge sich ihm nicht angepasst hatte. Nach 10 Tagen war ich nur noch am Weinen #heul. Aber von da an ging es bergauf. Nach etwa 8 Wochen waren sie da, diese unendliche Mutterliebe #verliebt. Heute ist mein Kleiner über 2 Jahre alt und ja, ich denke manchmal noch mit Wehmut daran, dass ich ihn nicht gleich sehen konnte und wünsche mir sehr, dass ich das wenigstens beim nächsten Kind erleben darf. Aber ich bin mir auch sicher, dass es unserer Beziehung nicht geschadet hat. Mein Kleiner ist ein totales Mamakind - von Anfang an. Als wüsste er um meine Gefühle - zeigt er mir durch sein Verhalten jeden Tag, dass ich der wichtigste Mensch in seinem Leben bin. Alles was wir in den ersten drei Tagen versäumt haben, holen wir heute nach. Übrigens erst seit er etwa ein Jahr alt ist. Als Baby mochte mein kleiner Mann den engen Körperkontakt nämlich nicht :-(. Aber heute ist er ein echtes kleines Kuschelmonster.

Die Zeit wird Dir zeigen, dass diese ersten Tage im Leben eines Kindes vielleicht wichtig für die Mutter sind, nicht aber existenziell für eine wunderbare Mutter - Kind - Beziehung. Die besteht nämlich aus viel mehr als aus einem Bonding direkt nach der Geburt.

Viele ganz liebe Grüße
Svala