Depression, suizidale Gedanken, Gemeinheit - wie damit umgehen???

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von kann nicht mehr 15.01.11 - 22:47 Uhr

Hallo,
ich habe schon länger ein großes Problem: Mein Mann hängt in einem Megatief fest und ich hab keine Chance ihm zu helfen, denn alles, was ich tue oder sage ist FALSCH, FALSCH, FALSCH...
Er äußert hemmungslos seine negativen Gedanken, macht sich selber schlecht und schmeißt mit Gemeinheiten um sich, wenn ich versuche, ihm mitzuteilen, daß er zu hart über sich selbst urteilt.
Wenn ich versuche, ihn aufzuheitern "bagatellisiere" ich, "lebe in meiner himmelblauen Traumwelt" oder "erkenne den Ernst der Lage nicht". Wenn ich mit ihm diskutiere, interpretiert er in jede Aussage das Gemeinste nur mögliche meinerseits rein und reagiert dementsprechend. Wenn ich ganz sachlich bleibe, fehlt ihm mein Bauchgefühl, wenn ich was Impulsives sage, lacht er entweder sarkastisch (weil ich ja alles viel zu naiv und blauäugig sehe) oder er flippt aus, weil ich ihm "eine verbale Ohrfeige" verpasst habe.
Ich soll ihn lieber aufheitern, indem ich ein positives Thema anschneide, was ihn ablenkt und ihm vielleicht einen Funken Freude vermittelt. Würde ich das wirklich machen, ohne groß auf seine Tiraden einzugehen, würde er mir allerdings mit 99%iger Sicherheit vorwerfen, daß ich einfach das ganze Problem ignoriere und beiseite schiebe (das tut er nämlich auch sonst gerne).
Ständig ist er am Jammern, daß er die Wurzel allen Übels ist und schlecht für mich und die Kinder, am Besten wäre es doch für alle, wenn er sich einfach nen Strick nähme usw.
Heute ist mir der Kragen geplatzt und ich habe ihm gesagt, daß Selbstmord oder Auszug (die Alternatividee) ganz genau einem was bringen würde, nämlich allein ihm und der Rest doch nur Schönrederei ist, weil es ihm zu anstrengend ist, was zu machen. Jetzt ist er natürlich mega beleidigt, aber ich konnte nicht mehr anders...
Er hat schon mal als Teenie ne Therapie gemacht und sagt, er glaubt nicht daran, daß ihm das was hilft, weil die Therapeuten doch eh alle ne Scheißegalhaltung haben, nur ihre Zeit absitzen und ihr Geld im Kopf haben. Andererseits hat er dann schonmal gesagt, er läßt sich bald freiwillig einweisen, obwohl er normalerweise auf dem Standpunkt steht: Eher Selbstmord als stationäre Therapie.
Er ist ein wandelnder Widerspruch und wirft mir täglich vor, daß ich mich nicht in seine Lage versetzen kann. Ja, wie denn auch #heul???
Und auch wenn das hier jetzt irgendwie so klingt, als ob ich ihn als Fiesling hinstellen wollte: So ist es nicht. Es gibt auch noch seine guten Seiten und ich liebe ihn, will ihm nur irgendwie helfen, Gutes tun, habe nie in Betracht gezogen, mich zu trennen oder sonstwas. Nur renne ich gerade gegen die Wand und es tut ganz schön weh, immer so gesehen zu werden, als wolle man Böses oder es wäre einem egal oder man wäre unsensibel etc.
Hat irgendwer ne Idee für mich oder ne Anlaufstelle, wo ich mich einfach mal aussprechen kann (ist im gemeinsamen Freundeskreis ja irgendwie auch ein No-Go)?
Danke und Gute Nacht!

Beitrag von anyca 16.01.11 - 00:03 Uhr

Wenn es soooo schlimm ist und er mehrfach Selbstmordgedanken geäußert hat, warum läßt Du ihn nicht einweisen? So geht es ja nicht weiter!

Beitrag von habt ihr? 16.01.11 - 00:20 Uhr

So leicht kann man niemanden einweisen lassen, wenn er nicht will.

Beitrag von fruehchenomi 16.01.11 - 11:05 Uhr

Doch, das geht ! Bitte geh zu Deinem Hausarzt, schilder ihm den Fall und erkläre, dass Du keinerlei Verantwortung für Deinen Mann übernehmen kannst, weil Du ihn nicht 24 Stunden überwachen willst und auch nicht kannst. Und dass Du seine Suizidandrohungen ernst nimmst, weil er ja schon mal in Therapie war.
Das soll schriftlich in den Unterlagen festgehalten werden, dass Du das gemeldet hast ! Dann kann Dir keiner einen Vorwurf machen.
Dann gehst Du heim und sagst zu ihm, ja du hast in allem recht, ich widerspreche dir nicht mehr - und im übrigen .....
entweder du machst endlich eine Therapie oder ich trenne mich.

Anders geht es nicht, Du machst Dich kaputt.
Mein erster Mann hatte das auch drauf - ich war mir nie sicher, meint er das ernst mit den Selbstmorddrohungen oder setzt er mich nur unter Druck. Er machte mich zum Sündenbock für seine Probleme, soff - und ich war an allem schuld.....
Dann ging ich zum Hausarzt.....als die Einweisung drohte, war er plötzlich anders. Die Ehe ging trotzdem kaputt, weil er weitersoff, zuschlug und nichts arbeitete.
Du bist weder der Therapeut Deines Mannes noch sein Putzlumpen.
Wenn er nichts macht, seh ich wirklich nur noch die Trennung - und wenns erst mal auf Zeit wäre.
LG Moni

Beitrag von anyca 16.01.11 - 14:03 Uhr

Bei Selbstgefährdung schon!

Beitrag von habt ihr? 16.01.11 - 00:18 Uhr

Ihr habt noch einen gemeinsamen Freundeskreis?
Das wundert mich.
Was sind das für Freunde, denen du dich nicht anvertrauen kannst?

Du kannst deinem Freund nicht helfen. Dass du ständig wie ein Putzlumpen behandelt wirst, kannst du nicht ewig mitmachen.
Was du geschrieben hast über deinen Mann, hört sich sehr krank an und ich denke nicht, dass du ihn nur schlechtmachen wolltest.
So kannst du nicht weiterleben.
Entweder Klinik oder du trennst dich, das ist doch kein Leben.

Beitrag von similia.similibus 16.01.11 - 10:26 Uhr

Hallo,
das, was du da mitmachen musst, ist ziemlich schlimm. Für dich, natürlich für deinen Mann aber auch für eure Kinder. Ihr braucht unbedingt Hilfe. Allein ist sowas nicht zu bewältigen.

Es gibt Anlaufstellen und Selbsthilfegruppen für Angehörige psychisch kranker Menschen. Ruf in einer psychiatrischen Arztpraxis in deiner Nähe an und frage danach.

Liest dein Mann gern? Dann hätte ich einen Lese-Tipp für ihn/euch. Aber: ich denke er muss unbedingt einen Arzt aufsuchen und sich behandeln lassen.

Alles Gute
simsim

P.S. du kannst mich auch gern per PN anschreiben. Als Kind einer depressiven Mutter weiß ich vermutlich ganz gut, was du empfindest.

Beitrag von reethi 16.01.11 - 10:45 Uhr

Hallo!

Meiner Meinung nach habt Ihr nur eine Chance, wenn Du Dich abnabelst und Dich nicht wie Dreck behandeln lässt.

Wenn er mit sich selber solche Probleme hat-Du wirst sie nicht lösen können. So sehr Du Dir das auch wünschen magst. Du wirst die Situation auch nicht besser machen können, indem Du alles runterschluckst und immer alles gut und schön machen willst-er wird Dir keine Chance geben.
Ich glaube nicht dass Dein Mann "schlecht" ist, versteh das nicht falsch. Aber wenn er sich und die Situation hätte ändern können, hätte er das schon getan.
Es liegt nicht an Dir-auch wenn er Dir das Gefühl gibt.

Also setzte ihm die Pistole auf die Brust-entweder er lässt sich helfen oder ihr trennt Euch. Es muss ja keine Trennung für immer sein-ihr könnt ja auch wieder zusammenfinden.
Aber die Situation ist wie bei einem Alkoholiker-die rappeln sich erst auf und ändern etwas wenn sie ganz unten liegen.
Es bringt Euch allen nichts, wenn Du Dich immer weiter fertig machst-denk an Eure Kinder...

Ich wünsche Dir alles Gute!
Neddie


Beitrag von mividaloca 16.01.11 - 11:12 Uhr

Hallo....

ich kann euch beide sehr gut verstehn, den bei uns ist es genau anders herum...

solche schlauen sätze wie "lass ihn einweisen" oder "trenn dich lass dich nicht wie den letzten dreck behandeln" sind absoluter blödsinn...
Bei uns kommt noch dazu das mein Freund nicht versteht das es Depressionen gibt... bei Ihm muss man schon einen gebrochenen arm haben um "krank" zu sein... du gibst dir ja große mühe deinen mann zu verstehn... was ihm auch hilft... aber wie du schon sagst... im großen und ganzen ist alles falsch und schlecht... liegt auch nicht an deiner person sondern einfach an seiner "krankheit" die er ja zu scheinen hat...
Mein Freund gibt sich auch große mühe mich zu verstehn aber in so einer "phase" wo alles doof is, redet er bei mir gegen eine wand und es ist einfach nur alles schlecht... und wenn er mir dann noch sagt das es mir eigentlich nicht shclecht gehn darf da wir alles haben... macht ers damit nur schlimmer da ich mir dem durchaus bewusst bin... und mich dann noch shclechter fühle weil ich weiß das es mir eigentlich gut geht und ich keinen grund habe das leben, mein leben scheiße zu finden... ich will nicht sagen das ich ein "männchen im kopf" habe das mir sagt "blödsinn dein Freund quatscht misst, du bist krank alles is doof, bring dich lieber um" aber die gedanken kommen nicht von irgendwo... und sterben will ich mit sicherheit nicht... aber in phasen (manchmal nur kurz, std, manchmal einen halben tag....) wo es schlimm ist, heult man einfach versingt in selbstmitleid und will einfach nur "weg sein"...

hast du ihn denn schonmal drauf angesprochen ZUSAMMEN mit jemand zu sprechen... einfach mal den Hausarzt drauf ansprechen... ja depressionen... momentan sehr verbreitet... und wohl leider eine "neuzeitkrankheit" aber es gibt hilfe dafür... ich will es nicht runterspielen... aber bei kopfschmerzen nimmst du doch auch tabletten... warum nicht gegen drepris...

ich hoffe ihr haltet mich jetzt nicht für den totalen psycho (der ich auch nicht bin.. aber eben manchmal traurig und einsam (was quatsch ist da ich viele freunde und familie habe) gehe zu keiner therapie aber mein hausarzt hat mir leichte Tabletten verschrieben... die ich nicht mein leben lang nehmen muss, aber die mir momentan helfen wieder positiv in die zukunft zu sehn... die einfach "nur" glückshormone in meinem körper bilden bzw. steuern. denn bei menschen mit depris is der serotoninspiegel sehr niedrich (also das glückshormon) was einen dann noch mehr schwarz sehn lässt....

grüße Vee

Beitrag von ASasAS 16.01.11 - 11:07 Uhr

Aussagen wie "er behandelt Dich wie Dreck" sind total daneben. Dein Mann ist psychisch krank und gehört in Behandlung. Ich würde Kontakt zu einer Klinik/einem Therapeuten/Therapeutin aufnehmen und dabei auch nach einer Anlaufstelle für Angehörige psychisch Kranker fragen bzw. danach googeln. Ich weiß ja nicht, wo Du wohnst, aber hier sind ein paar Links, die Dir evtl. weiterhelfen.

http://www.psychiatrie.de/familienselbsthilfe

http://www.groschenheft.de/index.php?option=com_content&view=article&id=175:angehoerige-psychisch-kranker&catid=40:selbsthilfe-im-psychosozialen-bereich&Itemid=102

http://www.hfpk.de/

http://lvbayern-apk.de/

Literatur: http://www.palverlag.de/Angehoerige-Hilfe.html

Beitrag von scrollan01 16.01.11 - 11:55 Uhr

Dein Mann ist schwer depressiv und kann nicht anders.

ABER das bedeutet nicht, dass du dir alles antun lassen musst!

Ihr habt genau 2 Möglichkeiten!

1.) er geht für eine längere Zeit in die Psychiatrie und beginnt endlich eine Tiefenpsychologische Therapie kombiniert mit Medikamenten und du machst unterstützend für dich eine Gesprächs - und Verhaltenstherapie ambulant mit

oder

2.) du trennst Dich von ihm weil er irgendwann auch dich mit herunter ziehen wird und du nicht mehr klarkommen wirst!

Eine andere Möglichkeit wird es auch nach weiterem Suchen NICHT geben - ich hábe viel zu lange mit depressiven Menschen gearbeitet und würde dir zu Ersterer Lösung raten - und wenn das alles nichts fruchtet dann eben zu Nr. 2.

Selbst WENN dein Mann eines Tages im Suizid den Ausweg sucht - DU kannst es nicht ändern.
Und du kannst es auch nicht verhindern - egal was du versuchen würdest!
Depressionen sind die Hölle - so ziemlich das Schlimmste an psych. Erkrankungen die es gibt!

Ich hoffe, ihr findet einen Weg!

LG

Beitrag von derselbemist 16.01.11 - 14:39 Uhr

Hallo,

also ich kann Dir sagen, dass ich das selbe Problem habe, wie Dein Partner und es ist verdammt schwer, wenn nicht sogar unmöglich da alleine raus zu kommen. Ich weiß gar nicht richtig was ich Dir raten kann..ich denke, Du könntest Dich mal bei irgendwelchen Selbsthilfegruppen oder so umhören was man da machen kann.
Das Problem ist, für jemanden, der selbst an so einem Mist leidet ist es nicht einfach zu sagen "Ich geh zum Psychologen und lasse mir helfen.." Die Kraft fehlt einfach und tief im Innern wahrscheinlich auch die Zuversicht, dass es etwas bringt. Ich weiß, dass mit mir etwas nicht stimmt..das wird Dein Partner auch wissen, aber ich KANN es einfach nicht ändern, nicht selbst in Angriff nehmen. Mir fehlt manchmal die Kraft um morgens aufzustehen, weil ich mich frage für was. Nimm es ihm also nicht übel, er kann nichts dafür. Es ist ein Hilfeschrei...Zwinge ihn zu handeln oder handel Du für ihn, denn er wird es nicht tun! Viel Glück!

Beitrag von jamey 17.01.11 - 10:31 Uhr

ich kann dir nur den tipp geben:

RETTE SICH WER KANN

geht er nicht in therapie....brauchst du bald eine.
wenn du willst, kontaktiere mich .... ich habe ähnliches erlebt, das ende vom lied ist, dass mein großer sohn halbwaise ist....

lg