Warum auch schrecklich klingende Geburten schön sein können

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Forum: Geburtsberichte

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von kaku55 15.01.11 - 23:01 Uhr

Hallo ihr lieben,

während meiner Schwangerschaft habe ich mir hier im Forum immer als stiller Leser Tipps geholt oder ihr habt durch eure Einträge meine Ängste und Befürchtungen gelindert.

Vielleicht kann ich der ein oder anderen durch meinen Geburtsbericht auch ein bißchen die Angst vor der Entbindung nehmen.

Hannes ist mittlerweile 13 Wochen alt, es war meine erste Geburt und ich denke wirklich immernoch gerne an den 18.10. zurück.

Der VET von Hannes war der 7.10. - bis zu diesem Tag hatte ich schon immer mal wieder leichte, aber auf dem CTG sichtbare Wehen, jedoch war der MuMu noch fest und zu.
Am 14.10. musste ich mich dann in der Klinik vorstellen um eine evenuelle Einleitung zu besprechen. Da aber die Klinik keine freien Betten hatte, CTG, Fruchtwasser und Plazenta in Ordnung waren, durfte ich nochmal zwei Tage nach Hause.

Am Samstag, 16.10. sind wir wieder in die Klinik. Nachdem ich dann schon 9 Tage über VET war, bin ich um die Einleitung nicht mehr herum gekommen.Gegen Mittag bekam ich also meine erste Tablette. Ab da war ich dann auch stationär aufgenommen und musste alle zwei Stunden zum CTG-Schreiben. Bis Abends hatte sich leider noch nichts getan, also habe ich eine zweite Tablette bekommen.

In der Nacht kamen dann zwar alle 10 min Wehen, aber nur relativ leichte (trotzdem haben sie ausgereicht, mich vom Schlafen abzuhalten). Am Sonntagmorgen hat mir die diensthabende Hebamme ein paar Globuli gegeben und einen Einlauf gesetzt (ist echt nicht schlimm!), in der Hoffnung, dass sich die Wehen verstärken. Auf Anraten bin ich mit meinem Mann nochmal spazieren gegangen, da das ja Wehen anregen soll - aber leider waren die dann zwei Stunden später komplett weg!!

Also gab es gegen Mittag das erste Zäpfchen - schon mit dem Hinweis, dass die daraus resultierenden Wehen heftig werden können. Aber bis zum Abend hat sich auch hier nichts getan. Gegen 17 Uhr hab ich dann ein zweites Zäpfchen bekommen. Nachdem bis 21 Uhr zwar wieder Wehen da waren, aber keine regelmäßigen und keine starken, habe ich meinen Mann heim geschickt - ich wusste ja schließlich, dass eine Einleitung ein paar Tage dauern kann. Um 22 Uhr musste ich noch einmal zum CTG-Schreibenin den Kreißsaal. Schon auf dem Weg vom 1.Stock ins Erdgeschoss musste ich zweimal stehenbleiben und die plötzlichen starken Wehen veratmen. Von jetzt auf gleich kamen alle 2-3 min dermaßen heftige Rückenwehen, dass die Hebamme mich gleich im KS behalten hat.

Um 2 Uhr war der Gebärmutterhals dann endlich verstrichen und der MuMu 1 cm geöffnet. Bis um 4 Uhr habe ich das ganze ausgehalten, dann hab ich eine PDA bekommen (echt, ich vergeb meinen persönlichen Medizinnobelpreis an den Entwickler der PDA).

Um 5 Uhr war dann der Muttermund doch endlich mal bei 9 cm und die Fruchtblase ist auch endlich geplatzt - und ab da wurden dann die Herztöne von Hannes leider bei jeder Wehe immer schlechter. Erst jetzt habe ich dann daran gedacht, meinen Mann wieder in die Klinik zu holen.

Bis um 7.30 Uhr oder so hat sich das der Oberarzt noch angeschaut, dann hat er mir die Wahl zwischen Zangengeburt und Kaiserschnitt gelassen, da sich die Nabelschnur um den Kleinen gewickelt hatte.
Im Nachhinein hat sich die Wahl der Zangengeburt als richtig erwiesen - nach den vielen Stunden Wehen waren die 3 Presswehen, die es gebraucht hat echt ein Klacks. Am 18.10. um 8.22 Uhr war Hannes dann endlich da.

Schade, dass heutzutage die meisten (vor allem jungen) Ärzte den Eltern nicht mal mehr die Möglichkeit einer Zangen- oder Saugglockengeburt anbieten.
Ich muss sagen, dass mein Mann und ich spontan auch eher einen Kaiserschnitt machen lassen wollten. Die Hebamme hat uns dann aber genau erklärt, welche Risiken es bei Zangengeburt und welche es bei Kaiserschnitt gibt und was genau bei der Zangengeburt gemacht wird.

Wie gesagt, ich bin froh, dass wir uns dann doch für die Zange entschieden haben. Ich musste zwar geschnitten werden, aber die Naht ist schnell verheilt und ich habe mich am Nachmittag schon wieder einigermaßen fit gefühlt.

Mein Geburtsbericht mag sich zwar schrecklich anhören (und es gibt bestimmt noch schlimmere Geburten), aber ich empfinde die Zeit im Nachhinein gar nicht mehr als schlimm.

Das kleine Etwas nach der Schufterei auf den Bauch gelegt zu bekommen, zu wissen, dass mit dem Baby alles in Ordnung ist, entschädigt wirklich für alles.

Wenn ich nochmal ein Kind bekommen sollte, würde ich mir natürlich auch eine schnellere komplikationsfreie Geburt wünschen - aber egal, wie es dann kommt, ich weiß jetzt zumindest, dass ich vor der Geburt keine Angst zu haben brauche und dass es sich für das "Ergebnis" lohnt!

Viele Grüße

Kaku

Beitrag von aubergine 16.01.11 - 07:45 Uhr

#pro

Beitrag von derhimmelmusswarten 16.01.11 - 09:09 Uhr

Also ich kann aber schon verstehen, dass sich einige Leute dann doch für den Kaiserschnitt entscheiden. Ich hatte auch eine Geburt mit Saugglocke und meine Kleine kam danach 10 Tage auf die Intensivstation. Sooo einfach ist sowas auch manchmal nicht. Und mir ging es danach wahrlich nicht gut. Ich verbrachte eine ganze Woche total zusammengeflickt im Krankenhaus und hatte wochenlang starke Schmerzen. Ich bin zwar im Nachhinein froh, dass ich keinen Kaiserschnitt hatte, da ich Angst davor habe, aber anpreisen würde ich eine Saugglockengeburt nun auch nicht...

Beitrag von strahleface 16.01.11 - 12:18 Uhr

#pro ja die Nabelschnur war uns auch ganz schön im Weg. Zum Glück resultierte bei mir "nur" ein Dammschnitt daraus.

LG Strahleface #verliebt

Beitrag von midike 17.01.11 - 13:34 Uhr

Schön geschriebener Bericht, und SO ein schönes Datum :-D (das teile ich mir mit dem kleinen Mann!)

LG Diana

Beitrag von schnatterinchen 18.01.11 - 09:11 Uhr

Ich habe einmal eine Saugglockengeburt und einen (Not-)KS erlebt. Die Saugglockenentbindung war meine erste Geburt. Ich war unerfahren und hatte Panik vor den Schmerzen. PDA hat mich nur lahmgelegt und die Erschöpfung und alles haben das Geburtserlebnis völlig umnebelt. Auch meine Tochter lag danach 3 Tage im PNZ... Die zweite war zunächst toll- Beleghebamme, keine Schmerzmittel, Wehen im Stehen veratmet (geflucht wie verrückt, aber in den Pausen war alles super!!!), dann die Diagnose: schlechte Herztöne, nix geht mehr Kaiserschnitt- zunächst sollte dieser unter Vollnarkose gemacht werden, dagegen habe ich mich aber erfolgreich gewehrt.

Trotz tollem Ergebnis nach beiden Geburten, kann ich nicht sagen, dass ich die Geburten schön fand. Ich sehne mich (trotz allergrößter Liebe zu meinen zwei Kindern) tief in meinem Herzen nach einem dritten Kind, bei dem endlich einmal alles gut läuft.

Schön, dass es bei euch im Kopf anders verankert ist!

Alles Liebe, schnatterinchen!