Beeinträchtigung im Leben

Archiv des urbia-Forums Leben mit Handicaps.

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von arme-sau 17.01.11 - 10:27 Uhr

Hallo. bin über 40 und leide seit vielen Jahren an Asthme, Neurodermitis, Hüftgelenkdysplasie, beide Schultern eingeschränkt und zei Bandscheibenvorfällen, einer OP und dei gesamte WS degenerativ verändert. Fast ständig Schmerzen.

Ich bin deshalb vom gesellschaftlichen und Berufsleben ausgeschlossen.
Alle Unternehmungen kann ich nicht mitmachen, weil die anderen ganz andere Unternehmungen planen und durchführen können, ich kann nicht mal lnge zu ner Feier, weil keiner verstehen kann, dass ich net lange sitzen kann, wegen Tabletten kein Alk trinke ..... Man sieht mir das Leid net an. und mich immer und jedes mall zu outen kotzt mich an!

Bin nicht verrentet...aber jder AG lehnt mich ab, wenn das Vorstellungsgespräch stattgefunden hat, meine Referenzen sin ausnahmslos gut. Sie brauchen Menschen, die voll funktionieren.

Wie schaffen das Andere??

Gehe bald in Psychosomatik.

Beitrag von kati543 17.01.11 - 11:14 Uhr

Manchmal hilft es einfach, wenn man sich mal "ausheulen" kann.

Meine Erfahrung ist eigentlich, dass man - selbst durch eine Behinderung - nicht vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen ist. Man muß sich nur seine Freunde besser aussuchen und eventuell mal mit einem ganz anderen Personenkreis Kontakt aufnehmen. Von ehemals (gefühlten) 1000 Freunden sind mir mittlerweile noch ganze 2 geblieben. Dazwischen liegen ein paar Ereignisse, die mein Leben entscheidend verändert haben (2 Kinder, meine Behinderung ist wieder aktiv geworden, die Diagnose, dass meine beiden Söhne schwerbehindert bzw. schwerst mehrfachbehindert sind und zahlreiche Umzüge). Das Problem bei der Kommunikation mit Menschen, die so etwas nicht erlebt haben, ist einfach, dass es keine interessanten gemeinsamen Gesprächsthemen und Hobbys gibt. Eine junge Mutter liebt es, über ihr Baby zu reden. Das kann sie stundenlang tun. Eine Nicht-Mutter fühlt sich davon nur gelangweilt. Genauso ist es bei Behinderung. Die beiden Freunde, die mir noch verblieben sind, sind wirklich sehr enge Freunde, die mir immer helfen würden. Wir telefonieren teilweise täglich miteinander. Und unser Kontakt ist immernoch sehr eng, obwohl wir mittlerweile 300 km zwischen uns haben. Wir verbringen Urlaube gemeinsam,... Aber eine solche Freundschaft ist eben selten. Den meisten Kontakt habe ich jetzt eben zu Müttern anderer behinderter Kinder. Wir können stundenlang miteinander reden. Aber wir reden eben auch (nicht ausschließlich!) über unsere Kinder, deren Fortschritte, Pflegestufe, Behindertenausweis,... Für uns ist das normal. Ich freue mich mit einer mama mit, wenn ihr Kind mit einer Cerebralparese mit 5 Jahren endlich krabbeln kann nach einer Botoxbehandlung. Zwischen Eltern gesunder Kinder gibt es normalerweise eine Art Kampf: Welches Kind ist das cleverste, schnellste, schönste, beste,... Das gibt es bei diesen Eltern einfach nicht. Ich meide mittlerweise Spielkreis/Krabbelgruppe,... von gesunden Kindern. Diese Machtkämpfe will ich mir nicht antun. Mein Jüngster ist mehrfach schwerstbehindert. Allerdings sieht man ihm das nicht unbedingt an. Er hat eine Schlafstörung eine Eßstörung eine Stoffwechselerkrankung und natürlich noch eine massive Entwicklungsverzögerung aufgrund einer geistigen Behinderung und außerdem noch verschiedene Fehlbildungen.
Für mich war der Schritt der wichtigste, die Krankheiten zu akzeptieren, Hilfen dafür zu beantragen (SBA, Pflegestufe, Betreuungsleistungen) und eben nach Menschen zu schauen, die das selbe durchmachen, wie ich. Ich konnte von meinen ehemaligen Freunden nicht verlangen, dass sie mich verstehen. Sie haben das nie mitgemacht. Sie werden es nicht verstehen.
Wegen deiner Arbeit...wieso lehnt ein AG dich nach dem Vorstellungsgespräch ab? Sagst du denn deine Behinderungen? Als was suchst du denn einen Job? Hast du schon mal überlegt für die Lebenshilfe oder solche Vereine zu arbeiten, die sich für Behinderte einsetzen? Gerade solche Vereine stellen auch gern Behinderte ein.

Beitrag von arme-sau 17.01.11 - 11:33 Uhr

Liebe Kati, du machst mir Mut. Deine Situation ist schlimmer, denn meine 4 Kinder u 2 Enkel sind sowar Gott helfe gesund.
Als Mutter zusehen zu müssen, ist wohl für mich eine unerträgliche Vorstellung, ich bekomme Gänsehaut, wenn ich deinen Artikel lese.
Mit den Freunden ist es ja so. Unser Freundeskreis hier nach meinem Umzug,besteht aus wenigen Menschen, die sind zum Glück gesund...aber meine besten Freundinnen auch gesund, weit weg,verstehen mich gut, wir tel. auch oft und innig.
Mir geht es hier um den Kontakt.
Kommst du mit Joggen??? nein, hab keine Zeit( ich kann es körp. nicht)
Kommst du mit Kino???nein, hab keine Zeit( kann nicht lange sitzen)
Kommst du radfahren???nein, hab keine Zeit( schaffe nur langsam u wenige KM) etc.etc, die leute fragen mich nicht mehr.
Familienwanderung.... ich kann nicht mit...Scheiße

Arbeit.bin gelernte Zahntechn. musste umschulen wegen dem Asthma un d Neurod. an den Händen zur Bürokauffrau..dort überwiedend sitzen, kann aber nur im Wechsel arbeiten wegen d Wirbels. Stehen sitzen gehen. Musste schon mehrere Stellen abbrechen, da AG kein verständnis hat. Ich bin im VDK bisher mit nix Erfolg gehabt.

Ich wünsche dir für deine Kiddies viel Stärke und die besten Gesundheitswünsche für die Zukunft....ich bewundere dich