Depressive Ehefrau - wie verhalten?

Archiv des urbia-Forums Partnerschaft.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von **** 18.01.11 - 14:50 Uhr

Hi,

ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Ich muss es mir einfach mal von der Seele schreiben und hoffe auf ein paar Tipps von euch - aber bitte nur ernst gemeinte. Danke.

Wir sind seit über 10 Jahren ein paar. Seit 8 verheiratet und haben 3 Kinder im Alter von 8,5,3 1/2.

Es gab viele Höhen und Tiefen in unserer Beziehung, vor allem weil meine Ex-Frau uns das Leben zur Hölle gemacht hat. Mittlerweile ist alles so weit ok.

Vor knapp 3 Jahren kam dann der Zusammenbruch meiner Frau. Es ging nichts mehr bei ihr. Therapie, Kur und Medikamentöse Einstellung haben es "wieder hinbekommen".

Vor 2 Jahren sind wir berufsbedingt weit weg von unseren Familien gezogen. Am Anfang war alles so weit ok. Dachte ich zumindest. Mittlerweile ist sie wieder an diesem Punkt wie vor 3 Jahren.

Wir gehen beide Vollzeit arbeiten, die beiden Großen vormittags in Schule und Kindergarten und die Kleine ist leider noch zu Hause. Wir arbeiten beide so, dass immer einer von uns bei den Kindern zu Hause ist. Wenn nur einer arbeiten würde, würden wir das finanziell nicht schaffen. So geht es uns finanziell gut. Die Hausarbeit wird fair geteilt, weil ich nicht einsehe, dass sie alles alleine machen muss.

Seit etwa Oktober hat es bei meiner Frau wieder angefangen. Da es ihr gut ging, hat sie etwa 1 Jahr ohne Tabletten gelebt. Ich war so stolz auf sie. Aber ich habe gemerkt, dass sie wieder antriebsloser wird. Sie bekommt kaum noch etwas geschafft. Sie ist total überfordert. Und ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich ihr nicht noch mehr abnehmen kann als ich eh schon tu.

Ich habe sie darauf angesprochen. Sie will nicht zum Arzt gehen. Sie hat Angst. Ich muss dazu sagen, dass wir noch nicht wirklich einen guten Hausarzt hier gefunden haben. Leider.

Ich habe bewusst in ihrem Tagebuch gelesen und war sehr geschockt. Ich weiß, dass ich damit ihre Privatsphäre verletzt habe, aber ich weiß mir keinen anderen Rat mehr. Ich habe versucht heraus zu finden, wie ich ihr helfen kann. Leider stand da nicht wirklich etwas drinnen, was mir dabei helfen würde.

Das einzige, was ich gefunden habe war, dass sie sich scheinbar immer bewusster ihrer Lage wird und dass sie totale Panik hat davor.

Ich weiß nicht mehr weiter.

Es geht mir nicht darum, dass wir nur alle 3 - 4 Wochen Sex haben - ok, es wäre schöner, wenn wir öfters hätten, aber das steht hinten an. Ich will, dass es ihr wieder besser geht, dass sie wieder zu sich selbst findet und mit sich zufrieden ist.

Was meint ihr? Ich kann sie doch nicht einfach gegen ihren Willen zum Arzt schicken, vor allem nicht, wenn sie kein 100%iges Vertrauen zu ihm hat.

Vielen dank.

Beitrag von :) 18.01.11 - 15:01 Uhr

Oh weh,

das hört sich schlimm an!

Und es tut mir sehr leid für euch alle!

Vieleicht gibt es ja erst mal die möglichkeit das Du dich telefonisch schlau machst und dann noch mal mit deiner Frau sprichst und ihr sagst das Du was für sie gefunden hast was sie sich ja wenigstens mal ansehen könnte?

Mach ihr auch klar das dieser Zustand nicht nur für sie schwer ist, sondern auch für eure Kinder und dich!

Nichts tun und den Kopf in den Sand stecken hat noch nie wirklich auf Dauer geholfen...

Bestärke sie darin sie zu unterstützen und ihr im Falle das sie mit dem Arzt kein gutes Vertrauensverhältniss aufbauen kann hilfst einen anderen Arzt mit ihr zusammen zu finden!

Aber mach ihr auch klar das es so nicht weiter gehen kann und das auch Du, so sehr du sie auch lieben magst, nur begrenzt Kraft hast.

Vieleicht würde es dir auch helfen mal in so eine Gruppe für Angehörige zu gehen! Die können dein Leid nachfühlen und haben vieleicht auch gute Tips?

Von Herzen alles erdenklich Liebe und Gute

:)

Beitrag von Ich_habe_das_auch 18.01.11 - 15:31 Uhr

Hallo.
Also ich kann das aus Sicht der "depressiven Ehefrau" mal schildern: Ich hatte meinen ersten und auch schwersten Schub mit Mitte 20, da war ich noch Single u. hatte kein Kind. Seitdem bin ich in Behandlung, war bei verschiedenen Ärzten / Therapeuten. Mal ging es ein paar Jahre gut, dann kam wieder eine schlimme Phase.
Ich bin jetzt 3 Jahre verheiratet, seit 6 1/2 Jahren mit meinem Mann zusammen u. wir haben eine 2-jährige Tochter. Ich habe, auch während der Schwangerschaft, ein bestimmtes Antidepressivum genommen, das bei mir schon sehr lange gut anschlug. Etwa 1 1/2 Jahre nach der Geburt hatte ich allerdings wieder (trotz Medikation und Psychotherapie) eine ganz heftige depressive Episode. Mein Psychiater hat mir andere, sehr starke Medikamente verschrieben. Nach ca. 4 Monaten ging es besser, und seitdem pendle ich auf einem ganz guten Niveau.

Deine Frau muss zum Arzt und es gibt da keine Alternative. Bitte, hör dich um, lass dir jemanden empfehlen, wenn es sein muss im Kollegenkreis (musst ja nicht sagen um wen es sich handelt). Am besten gleich zu einem Psychiater. wenn da kein Termin zu kriegen ist, dann zur Ambulanz. Das ist ganz wichtig!! Deine Frau schämt sich und das ist normal!! Niemand möchte als verrückt abgestempelt werden. Aber eine schwere Depression ist eine lebensbedrohende Krankheit, weil irgendwann evt. der Suizid als einzig möglicher Ausweg gesehen wird. Das hat nichts mit mangelnder Liebe der Familie gegenüber zu tun, sondern mit der Überzeugung, nur noch zur Last zu fallen.

Mach deiner Frau auch klar, dass du sie auch brauchst, dass du irgendwann zusammenklappst, wenn sie sich nicht helfen lässt. Es kann ja nur besser werden!

Ihr tut mir wahnsinnig leid, weil ich weiß was das für eine Zerreißprobe ist. Aber in kleinen Schritten kriegt ihr das hin.

LG

Beitrag von daskenne 18.01.11 - 17:55 Uhr

Hallo,das kenne ich auch,ich habe 2 Selbstmordversuche hinter mir,habe dann Tabletten bekommen,sie aber dann abgesetzt,es ging gut.Wenn ich eine Schub bekomme,verhalte ich mich,wie ich es immer gemacht habe,ziehe mich zurück oder rede mit Leute,die mich wieder aufbauen.Damit komme ich sehr gut zurecht.

L.G

Beitrag von arme-sau 18.01.11 - 15:44 Uhr

Depression ist ja eine Krankheit. Keiner sucht sich diese Scheiße aus.

Dass du dich sorgst ist super.

Könntest du dir vorstellen, dass du als gesunder Mensch einen Psychologen aufsuchst und dein Hilferuf schilderst.??????

Die wissen am besten, wie man mit einem kranken Menschen umgeht.

Depresionen und die damit verbundenen Leiden für alle Betroffenen sollten auch mit allen Betroffenen Therapiert werden.

Ich bewundere dich für deien Offenheit und wünsche dir Stärke und gute Besserung für Deine Frau.

LG

Beitrag von sonnenscheinLaLeLu 18.01.11 - 19:17 Uhr

Hallo,

doch: bitte bleibe hartnäckig und versuche einen Arzt / Psychotherapeuten zu finden und organisiere ihr einen Termin. Begleite sie ggf. dorthin.

Eine Gesundung setzt die Auseinandersetzung mit den eigenen Verhaltensweisen, dem eigenen Ich voraus. Dabei können Medis helfen, bringen einen jedoch nur in einen behandlungsfähigen Zustand.

Depressionen sind ja oft ein Zeichen der Überforderung. Nicht nur in der Situation selbst (Kinder, Arbeit, Haushalt) - sondern eher auch eine Überforderung mit sich selbst, des Anspruchs, der eigenen Lebensgeschichte. Daran muss, wie auch immer, gearbeitet werden. Sonst wird man nicht gesund. Das dauert, das ist sehr problematisch.

Mir hat zusätzlich geholfen, damit ich wieder stabil werde:

* regelmäßiger Sport (2-3x/Woche je eine Stunde); möglichst mit jemanden, den man erstmal nicht so sehr betrügen kann....also einem "Zugpferd"
* viel Sonne
* bewusst Entspannung herbeiführen (Sauna, Wellness etc.)
* jeden Tag der Versuch, die kleinen Dinge wieder wahrzunehmen (den Gesang der Vögel, die schöne aufgehende Sonne)

Das alles geht natürlich nur, wenn man in einer relativ stabilen Phase ist.
Und es ist ein sehr langsamer Lernprozess.

Ich verstehe die Verweigerung zum Arzt zu gehen.
Da kommen hilflose Gedankenspiele:
* Wenn ich in die Klinik muss: wer kümmert sich um die Kinder, wie funktioniert der Alltag weiter?
* Was sagt das Jugendamt dazu?
* Was sagt der Arbeitgeber, sagen die Kollegen, die Kindergärtnerinnen, die Lehrer?
* Wir schaffen es doch jetzt schon nicht: wie soll das denn mit meinem Ausfall erst werden...

usw.

Alles Gute!

Sonnenschein

Beitrag von ich_auch 18.01.11 - 19:23 Uhr

sehr gute Hinweise und Tipps!! Das mit den Schuldgefühlen, wenn man nicht mehr "funktioniert", das ist wirklich eine große Hemmschwelle. Dass es für die Familie 100 x schlimmer ist, wenn sie sich nicht helfen lässt, das muss klar werden.

Viel Glück und viel Kraft...

und danke dir, Sonnenschein (schöner Nick)

Beitrag von sonnenscheinLaLeLu 18.01.11 - 19:41 Uhr

mir fiel noch ein:

je nachdem, was für ein "Typ" Mensch man ist:

Gute Anregungen zum Nachdenken über mich haben mir die Bücher von Josef Giger-Bütler gegeben.

Aber: es ist jeder anders und jeder muss den Weg für seine Gesundung selbst finden.


http://www.amazon.de/haben-doch-gemeint-Depression-Familie/dp/3407857888/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1295375711&sr=8-1

http://www.amazon.de/Endlich-frei-Schritte-aus-Depression/dp/3407857691/ref=sr_1_2?ie=UTF8&s=books&qid=1295375711&sr=8-2

http://www.amazon.de/%C2%BBJetzt-geht-mich%C2%AB-Depression-Selbsthilfe/dp/3407858892/ref=sr_1_3?ie=UTF8&s=books&qid=1295375711&sr=8-3

Beitrag von felidae01 18.01.11 - 21:18 Uhr

Hallöchen!

Ich finde es schön, dass Du Dich um Hilfe bemühst. Als selbst Depressive kann ich erahnen, wie es Deiner Frau, aber auch wie es Dir geht.

Deine Frau braucht Hilfe. Du kannst ja auch mal beim Sozialpsychiatrischen Dienst des Gesundheitsamtes nachfragen - die machen auch Krisenintervention und sind für Angehörige da. Gleichzeitig gibts über das Gesundheitsamt auch Adressen für Selbsthilfegruppen (auch für Angehörige)

Überforderung ist eines der Hauptmerkmale der Depression, oder besser der depressiven Persönlichkeit. Ich kann Dir da ein hervorragendes Buch empfehlen, welches mir sehr stark geholfen hat, mich selbst zu verstehen und meinem Mann die Situation zu erklären. Das Buch heißt: "Depression und Familie - sie haben es doch gut gemeint" Es ist ein Buch, wo man spürt, dass es für Laien geschrieben ist und dass auch der Autor wirklich ernsthaft bemüht war, die Menschen dahinter zu verstehen.

Du wirst an Deine Frau nur schwer herankommen, daher bitte, ruf Du beim sozialpsychiatrischen Dienst an und frag, wie Du Dich weiter verhalten sollst oder ob sie Dir behilflich sein könnten, einen Hausarzt oder Therapeuten aufzutun, eben weil ihr erst umgezogen seid und noch niemanden gefunden habt. Denn auch für Dich als Partner ist eine Depression sehr schwierig. Allein ist es sehr schwer und Hilfe allein reicht nicht. Denn je mehr Du ihr helfen möchtest, umso mehr könnte sie das Gefühl bekommen, versagt zu haben. Auch das gehört zur Depression...

Wenn Du weitere Fragen haben solltest, schreib mich doch einfach per PN an...

LG und ganz viel Kraft!!!
#katze

Beitrag von sanson 20.01.11 - 11:33 Uhr

Guten morgen,
als erstens möchte ich dir sagen wie bemerkenswert ich es finde wie du dich um deine Frau kümmerst.
Ich kenne das was deine Frau durchmacht aber Sie hat glück jemanden wie dich an Ihrer seite zu haben,mein mann hilft mir Überhaupt nicht im gegenteil er macht sich immer lustig um mich.
Naja,zurück zu Ihr.
Du musst versuchen so viel wie möglich mit Ihr zu reden das hilft ungemein.Vorallem muß sie kommen und zum arzt gehen wollen sonst hilft garnichts,dann geht alles in ein Ohr rein und das andere raus.
Aber wie gesagt reden,immer reden über alles,das bewerkt manchmal wunder.Ich hoffe das alles bald gut wird!
Das leben ist zu kurz um einen tag zu verschwenden.

Liebe Grüsse
Sanson