Mhhh, jetzt bin ich auch nicht schlauer....

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von danja1983 18.01.11 - 21:43 Uhr

Hallo,

wo fange ich denn jetzt an#kratz
Also, wir hatten schon immer Probleme mit unserer jetzt 5jährigen Tochter.
Wir haben im Februar einen Termin im SPZ zur Abklärung ADHS/ADS(Überweisung KiArzt).
Gleichzeitig nehmen wir an einem Projekt Teil bei dem unserer Tochter ein Betreuer(1 1/2 Std. in der Woche)an die Seite gestellt wird.
Ich hatte am Montag das Kennenlerngespräch mit ihr(Betreuerin), sie lernte auch unsere Tochter kennen und besprach sich nochmal mit der Erzieherin.
Nach dem Gespräch bin ich ratloser als vorher. Das Positive ist aber das sie glaubt ADHS liegt nicht vor, wir sollten es aber trotzdem Abklären lassen.
Unsere Tochter hat große Probleme mit ihrer Wut bzw. Gefühlen umzugehen. Hat Zeiten da flippt sie völlig aus, beschimpft, zerstört...und 2 Minuten später ist alles wieder o.k. Leider kann sie dann auch gar nicht verstehen warum wir dann noch sauer sind und hält uns dann noch für Unfair.
Ich habe immer gedacht sie kann Gefühle(ihre u. von anderen Menschen) einfach nicht einschätzen.
Ihre Betreuerin meinte aber das kann sie sehr wohl, kann jedes Gefühl bennenen und weiß auch wie man solche Gefühle beschreibt und wie sie zustande kommen könnten. Das schlimmste ist sie nutzt das auch noch aus um den Menschen weh zu tun(Sie sagte mal zu mir nach einem Streit:Ist schon gut das der Rex tot ist:-()
Bei den Vortest`s die gemacht wurden hat sie alle Fragen "richtig" beantwortet. Der Professor konnte es sich nur so erklären das sie die Fragen durchschaut hat und so geantwortet hat das die Erwachsenen zufrieden sind. Wir als Eltern und auch die Erzieherin bestätigten das, da wir alle sagte das sie in den realen Situationen nie so reagiert hätte.
Es kamen auch Dinge ans Licht die mir die Erzieherin nie so gesagt hat.
Z.B. Hätte unsere Tochter zur Praktikantin gesagt wenn du jetzt nicht mit mir spielst dann sage ich du hast mich gehauen#schock
Das hat sie übrigends auch bei uns schon gemacht("Ich sage, ihr gebt mir nix zu Essen").
Ich habe auch manchmal den Eindruck wir bekommen auch gar nicht immer so bescheid wenn etwas vorgefallen ist. Schulanfänger dürfen zum Mittagsschlaf aufbleiben und spielen gehen. Unsere Tochter bringt aber ziemlich oft Blätter mit die aus dem Drucker kommen. Kinder die nicht artig waren müssen mit ins BÜro, daher stammen aber auch die Blätter.
Wenn ich dann unsere Tochter frage was war sagt sie nur:" Die ....(Erzieherin) ist blöd". Mehr bekommt man aber auch nicht aus ihr raus.
Von der Erzieherin kommt dann meistens nur "Heute war es wieder schlimm..."
Von Regeln hält unsere Tochter generell nichts und ihr begreiflich zu machen das diese auch einen Sinn erfüllen ist ein Kraftakt.
Alltägliche Sachen boykottiert sie immer(selber anziehen, Zimmer aufräumen, Hände waschen nach dem Klo#augen). Gibt man ihr Aufgaben macht sie das was sie nicht machen soll.
z.B. soll sie ihr Zimmer aufräumen- sie schimpft, flucht ...macht sie nicht, 1 Std. später räumt sie das Zimmer ihrer Schwester auf od. das Wohnzimmer#kratz
Wir hatten sie zu Englisch angemeldet. Die ersten Stunden top, danach störte sie den Unterricht oder rannte einfach raus....
Komischerweise konnte sie immer alles aus dem Unterricht obwohl sie nicht mal dabei war.
Genauso ist es beim Sport. Sie begeistert sich kurz, danach sobald die Übungen wiederholt werden müssen flippt sie völlig aus und rennt in die Umkleidekabine.
Deshalb haben wir ehrlich gesagt aufgegeben sie irgendwo anzumelden:-(
Was hat den das Kind nur?
Nach all dem was die Betreuerin von uns gehört hat, von der Erzieherin...möchte sie sich lieber erst nochmal mit dem Professor besprechen.
Sie findet ihr Verhalten zu komplex als das sie das allein angehen könnte#kratz
Ich hatte mich auch schon an eine Erziehungsberatungstelle gewand, diese meinten aber unsere Ansätze sind so schon richtig und wir sollten ihr Verhalten nicht überbewerten.
Sie mehr loben und ihre positiven Eigenschaften hervorheben.
Aber wie wir mit den Problemen umgehen sollen konnte uns auch keiner sagen.
Sie hat auch keinerlei Angst vor Strafen.
Fernsehverbot, Spielzeug entfernen, Fahrrad wegschliessen....bringt alles nix. Sie findet sich damit ab und gut.
Ihrer Erzieherin ist das übrigens auch aufgefallen. Das sie keinerlei Ansatz hat wie sie sie "strafen" könnte. Ich hoffe ihr versteht wie ich das meine.
Sie kommt auch mit unglaublich wenig Schlaf aus und zeigt auch keinerlei Ermüdungserscheinungen(deshalb auch die Abklärung ADHS).
Sie kommt ja auch in die Schule dieses Jahr, wenn sich jetzt nicht bald etwas ändert sehe ich schwarz:-(
Fällt euch noch irgendetwas ein? Die Betreuerin meinte auch ich solle keine Wunder erwarten.
Weshalb ist sie nur so?

Ratlose Grüße
Dani

Beitrag von lucy15 18.01.11 - 22:37 Uhr

Was wurde getestet? Wurde auch ein IQ-Test gemacht?

Denn es steckt ein ganz gehöriges Maß an Intelligenz hinter dem, was dein Kind so bringt....

LG;
Lucy

Beitrag von danja1983 18.01.11 - 23:03 Uhr

#danke für deine Antwort.

Nein, so ein Test wurde noch nicht gemacht.
Unsere Erzieherin meinte auch das sie schlau ist, bezweifle ich auch nicht.
Die Betreuerin sagte das wir eine Hochbegabung bei dem ADHS Test ansprechen sollten.
Aber ehrlich gesagt habe ich das als Unfug abgetan.Sie interessiert sich weder für Buchstaben noch für Zahlen. Sie kann ihren Namen schreiben...mehr nicht.
Sie hat eine schnelle Auffassungsgabe, für alles was sie begeistert.
Sie ist auch die Beste bei Sachen die ihr Spaß machen(malen,Skikurs).
Dafür versteht sie andere Sachen überhaupt nicht.

Beitrag von danja1983 18.01.11 - 23:11 Uhr

Achso, der Test von der Betreuerin:
Es werden verschiedene Alltagssituationen dargestellt. Es war wie ein Spiel aufgebaut. Zu den Bildern wurden verschiedene Geschichten erzählt. Sie musste diese nacherzählen und Fragen beantworten.
Bsp. Sie baut eine Sandburg. Ein Anderer kommt gelaufen, stolpert und fällt in die Sandburg.
Fragen wie: Was ist passiert? Was denkst du jetzt? Denkst du der Andere hatte Schuld? Was tust du jetzt?.....
Sie hat alles vollkommen normal beantwortet....
So wie es sein müsste.
Naja, im realen wäre das anders ausgegangen.
Wahrscheinlich hätte sie dem Anderen den kompletten Sandeimer über den Kopf geschüttet und gewartet bis sie ihm etwas kaputt machen kann:-(

Beitrag von zahnweh 18.01.11 - 23:50 Uhr

Hallo,

auch spontan fällt mir dieses Buch ein:
http://www.amazon.de/mein-Kind-hochbegabt-Bettina-M%C3%A4hler/dp/349960499X/ref=sr_1_2?s=books&ie=UTF8&qid=1295389143&sr=1-2

es liest sich wie ein Krimi meiner Kindheit... und wäre Adhs damals schon bekannt gewesen, hätte man mich darauf sicher auch getestet.

Ich kenne einige Menschen, die hochbegabt sind.
wenig Schlaf und fit sein
alles können wollen, ohne zu üben (wozu auch, ist einem bisher sowieso alles zu geflogen - bsp. bei euch Englisch)
die Fragen, des Fragebogens durchschauen und entsprechend zu antworten
scheinbare Hyperaktivtät - zum einen um den Kopf frei zu bekommen, zum anderen durch chronische Unterforderung
Wutausbrüche aus chronischer Frustration... stell dir vor, du müsstest den ganzen Tag nur Wäsche waschen. Nur weiße mit immer dem selben Waschprogramm. Nie aufhängen. Immer nur dieselbe Wäsche waschen. So ungefähr kann sich chronische Unterforderung anfühlen.

Ok, ich könnte mich auch irren... aber das ist mir als erstes eingefallen und passt zu so einigen Lebensläufen der Menschen, die ich mit HB persönlich kenne.

Daher empfehle ich dir das Buch (gibt übrigens auch jede Menge Tipps darin). Wenn du sie darin wieder findest, hast du einen Ansatz.
Falls nicht, hast du dich informiert. Hast daher denke ich nichts zu verlieren.

Wenn du Fragen dazu hast, darfst mich jederzeit gerne anschreiben! Habe mich bereits näher damit beschäftigt.

Beitrag von marion2 19.01.11 - 09:26 Uhr

Hallo,

"Von Regeln hält unsere Tochter generell nichts und ihr begreiflich zu machen das diese auch einen Sinn erfüllen ist ein Kraftakt."

Wie genau reagiert ihr denn? Nur mit Verboten? Dann wird das nichts.

Wenn sie beim Sport in die Umkleidekabine rennt, würde ich sie wieder holen und darauf bestehen, dass sie die Übungen weiter mitmacht.

Wie gehst du damit um?

Gruß Marion

Beitrag von danja1983 20.01.11 - 07:20 Uhr

Guten Morgen,

"Wenn sie beim Sport in die Umkleidekabine rennt, würde ich sie wieder holen und darauf bestehen, dass sie die Übungen weiter mitmacht. "

Denkst du das habe ich nicht versucht? Klingt so als würde ich mich dann einfach hinsetzen und dem zuschauen.
Sicherlich nicht.
Ich habe ihr erklärt das die Übungen wiederholt werden müssen um sie besser zu bringen. Das der Trainer sich nicht immer nur nach ihr richten kann und das sie mit ihrem Wegrennen die ganze Gruppe stört. Sie noch länger warten muss bis die nächste Übung kommt.
Hat beim ersten Mal funktioniert.
Beim zweiten Mal habe ich ersteinmal nach wiederholen von s.o. abgewartet. Sie kam nicht.
Da sind wir dann heim.
Ich habe es ihr auch nochmal auf dem Heimweg erklärt.


Beitrag von danja1983 20.01.11 - 07:21 Uhr

LG
Dani

Beitrag von marion2 20.01.11 - 13:16 Uhr

"Da sind wir dann heim."

Ich glaube, dass genau das der Fehler ist.

Ich weiß, dass das nervt, aber steter Tropfen hölt den Stein.

LG Marion

Beitrag von senzill 19.01.11 - 22:06 Uhr

Lies doch bitte mal das Buch "Warum unsere Kinder Tyrannen werden" und dann bilde dir deine eigene Meinung, ob dein Kind ADHS hat, hochbegabt ist, oder einfach nur falsch erzogen.

Beitrag von danja1983 20.01.11 - 07:11 Uhr

Guten Morgen,

das Buch steht bei mir im Regal, gelesen habe ich es natürlich auch.
Wüsste jetzt aber nicht was es mit meiner Tochter zu tun haben soll.
Wir erziehen sie nicht als wäre sie eine Erwachsene oder unsere Freundin.
Sie ist unser Kind.
Wir haben gewisse Regeln die sie einhalten muß und ich vertrete auch nicht die "Laß sie nur machen" Theorie.
Den ADHS Verdacht müssen wir von der Ärztin abklären lassen. Diese Ergebnisse gebe ich aber auch an ihre Betreuerin weiter. Sobald da irgendwas rauskommen würde, würde ich mir sicherlich noch eine weitere Meinung einholen. Ich wäre die letzte die ihr irgendwelche Medikamente einflössen würde.

LG
Dani

Beitrag von senzill 20.01.11 - 13:12 Uhr

Gut dann hast du dir ja deine Meinung schon gebildet, aber ein normal erzogenes Kind zeigt nicht so ein Verhalten...auch wenn es hochbegabt ist (ist halt meine Meinung muss ja aber nicht richtig sein). Wenn ihr das abgeklärt habt dann wird man ja sehen ob sie was hat, aber du selber hast ja auch Zweifel an der Hochbegabung (so wie ich das rauslesen kann) und daher ist es wohl wahrscheinlicher dass es einen anderen Grund gibt und der liegt ja evtl doch im Erziehungsstil, da man sich selber ja kaum selbstkritisch bewertet und Fehler die man macht meist selber nicht erkennt. Alles Gute für euch.

Beitrag von engelshexle 20.01.11 - 10:27 Uhr

Hallo Dani,

beim durchlesen deines Berichtes kamen mir spontan zwei kleine Kinder aus meinem Kindergarten in den Sinn..Die Eltern und wir Erzieher waren echt kurz vorm Verzweifeln, weil weder " Loben" noch " strafen" eine Änderung im Verhalten brachte....

Nach einer Odysee durch verschiedene Hilfeeinrichtungen wurden bei Beiden eine Hochbegabung erkannt ,danach ging es besser, weil wir Erwachsenen gelernt haben damit umzugehen !!

Es ist immer noch nicht einfach, da beide schwer einschätzbar sind/ waren und oft genau anderst als erwartet reagieren...

Lies dir mal unter www.familienhandbuch de die Artikel zur Hochbegabung durch, such dir gute Bücher bzw den Austausch mit anderen betroffenen Familien ( Betroffene Familien hört sich echt doof an, gelle #kratz) und lass eine Hochbegabung abklären....

Der eine Junge kam auch mit seeeeehr wenig Schlaf aus, hatte nach außen hin kein Mitleid oder konnte sich in andere Personen hineinversetzen ( bei ihm stellte sich im Laufe der Zeit aber heraus, daß er auch Probleme mit seiner Selbstwahrnehmung hatte )...Dinge, die er gerne hatte fielen ihm total leicht, an anderen Sachen konnte er verweifeln und ließ seine Verzweiflung durch Wutausbrüche / Zerstörung raus...

Ich kann hier keine " Diagnose" stellen, sondern dir nur von meinen Erfahrungen berichten.... Und dein Bericht erinnert mich stark an das Verhalten dieser Kinder....

Ich wünsch euch viel Kraft und daß ihr alle lernen könnt, wie euer Zusammenleben entspannter werden kann...

Grüßle vom engelshexle

Beitrag von parzifal 20.01.11 - 11:30 Uhr

Am schlimmsten finde ich die Erpressungsversuche und das fehlende Verständnis für die Gefühlswelt anderer.

Mit so etwas isoliert man sich total.

Und solche, ich nenne sie mal ohne abschließende Bewertung, Charakterschwächen erklären sich auch nicht allein mit Hochbegabung. Diese Erklärung für falsches unangemessenes Verhalten wird m.E. ohnehin übersprapaziert. Die meisten Hochbegabten sind m.E. doch angepasst. Man bekommt mittlerweile fast den Eindruck auffälliges Verhalten gehört zur Hochbegabung dazu.

Mit der niedrigen Frustrationgrenze könnte ich als Betroffener noch umgehen. Mit den oben genannten Charakterschwächen hätte ich aber erhebliche Probleme.

Da muss dringend etwas passieren.

Zum Glück ist sie erst 5. Da kann man bestimmt noch etwas machen.

Und ihr seit ja bereits in dieser Richtung tätig.

Mit welchem Professor soll sich denn bespochen werden? Einem Hochschuldozenten aus dem medizinisch bzw. psychologischen Bereich?

Beitrag von paula74 20.01.11 - 14:11 Uhr

Hallo Dani

Viele Sachen klingen für mich gar nicht so untypisch... Zumindest finde ich es nicht unnormal, wenn sie mal bei einer 5-Jährigen auftreten.
- "Wenn..., dann..." Sätze
- Drücken vor unangenehmen Aufgaben
- Nicht-Erzählen-wollen (aus dem Kiga)
>>> kenne ich zur Genüge von unserer Tochter

Um auf das Sandburgbeispiel zurückzukommen: die meisten Kinder können die Gefühle wahrscheinlich richtig beschreiben, aber reagieren im konkreten Fall anders! Ich finde das ganz okay, denn zum Einen erkennt sie ja, wie es sein soll, ist aber wahrscheinlich noch nicht reif genug, wegen einer zerstörten Sandburg NICHT zu weinen/toben was auch immer...

Ich frage mich beim Lesen, ob Du auch positive Seiten an ihr siehst... Wie ist es dann? Was passiert, wenn Du sie verstärkst? Was sagen die Erzieherinnen? Versuch das doch mal für einen Tag! Und viele von den ach-so-negativen Beispielen, die Du im Text aufgeführt hast, kannst Du dann für einen Tag mal ignorieren. Wenn es klappt, vielleicht hilft es etwas in der gegenseitigen Wahrnehmung? Denn irgendwie habe ich das Gefühl beim Lesen Deines Texts, dass Deine Tochter momentan durch eine sehr negative Brille gesehen wird (nicht übel nehmen, bitte) und die positiven Seiten nicht wahrgenommen werden.

Alles Gute Euch, Paula