Was mach ich falsch?

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von lilly7686 19.01.11 - 08:18 Uhr

Guten Morgen!

Meine Tochter. Ich liebe sie über alles. Aber zur Zeit könnte ich sie zum Mond und noch viel weiter schießen.

Ich glaub, ich muss ein bisschen ausholen.
Angefangen hat das schon vor über einem Jahr. Als ich schwanger war mit ihrer Schwester.
Von Anfang an hab ich Leonie in alles mit einbezogen. Sie war mit beim Arzt, beim Ultraschall, wir haben sogar nen Geschwisterkurs besucht, wo sie anschließend ein Große-Schwester-Diplom bekommen hat.
Sie wurde immer schlimmer vom Verhalten. Respektlos, teilweise sogar gemein.

Nun, ich hab es auf die Schwangerschaft geschoben. Dass ich nicht mehr so beweglich war und nicht mehr alles mit ihr tun konnte.

Die Kleine wurde geboren.
Und Leonie wurde wieder halbwegs "normal" bzw. so, wie sie vorher war. Sie wurde weiter mit einbezogen, ich hab mich weiter viel mit ihr beschäftigt, hab ihr während ich die Kleine gestillt hab, Bücher vorgelesen usw.

Nach Schulstart (Einschulung) wurde es nochmal schlimmer. Gut, ich schob es auf den Schulstress, das neue Kapitel in ihrem Leben.
Leider wurde es diesmal nicht besser. Ich hab begonnen, sie oft zu schimpfen. Mir ist auch einmal die Hand ausgerutscht.
Da hab ich dann gesehen, dass es so nicht weiter gehen kann.
Anfang Dezember hab ich mich also entschieden, einen anderen Kurs zu fahren.

Und jetzt komm ich auf den Punkt ;-)

Ich war immer schon ein Chaot. Meine Wohnung war nie wirklich ordentlich. Einerseits hat es mich nicht gestört. Andererseits doch sehr, wenn Besuch kam. Aber von Leonie verlangte ich Ordnung in ihrem Zimmer.
Ich habe oft im "befehlston" mit ihr gesprochen.
Ich war zwar meist konsequent, aber eben nicht immer.
Wir haben wenig miteinander gespielt.

Das alles wollte ich ändern.
Und nach dem Motto "Versuchen Sie nicht, ihre Kinder zu erziehen, sie machen Ihnen sowieso alles nach" hab ich begonnen, an mir selbst zu arbeiten.

Ich halte meine Wohnung seither ordentlich. Ich bin selbst überrascht von mir! Es ist gar nicht so schwer, wie ich dachte ;-)
Ich bitte meine Tochter um Dinge. Ich "befehle" nicht mehr.
Ich bin immer Konsequent, aber nicht zu streng.
Ich verlange nur noch Dinge von ihr, die ich auch bereit bin zu tun bzw. auch tue.
Wir spielen täglich mind. ein Spiel (Brettspiel).
Ich setze mich zu ihr, bei den Hausaufgaben.
Ich helfe ihr, beim Klavier üben.
Ich zeige Geduld, wenn sie wieder mal zickig ist.

Aber trotzdem wird die Situation immer schlimmer.
Zu Beginn dachte ich noch, na, sie muss sich erst dran gewöhnen.
Aber irgendwie scheint es immer schlimmer zu werden!

Ihr Zimmer wird immer chaotischer. Ich hatte gestern tatsächlich Schwierigkeiten, zum Fenster zu gelangen, um zu lüften! So schlimm sah es bei mir nie aus!
Leonie ist nur noch zickig. Egal, worum es geht. Die Hausaufgaben? "Das kann ich nicht" "Ich will jetzt aber nicht"; Klavier üben? "Ich KANN DAS ABER NICHT!!!" (sie spielt eigentlich gerne, aber nur, wenn sie es schon kann, das Üben gefällt ihr nicht).
Wir bleiben eigentlich immer alle sitzen nach dem Essen, bis alle fertig sind. Auch mein Mann und ich bleiben sitzen, wenn Leonie mal länger braucht. Aber sie will unbedingt aufstehen. Sie zickt dann rum, tritt den Tisch und unsere Füße.
Sie lässt sich zur Zeit absolut nichts sagen.
Immer sind andere Schuld, wenn sie einen Fehler macht.

Heute früh wollte sie um 4:30 fernsehen. Ich sagte ihr, sie soll sich nochmal hinlegen.
Sie hat sich zu mir und ihrer Schwester ins Bett gekuschelt und ist sofort wieder eingeschlafen.
Um 6:45 weck ich sie dann und sag ihr, sie muss aufstehen. Da zickt sie rum und meint "Hättest du mich fernsehen lassen, dann wär ich jetzt nicht so müde!"


Ich versteh das alles nicht. Ich zeige Geduld und Verständnis, kuschel extra-viel mit ihr, Abends gibts immer eine gute-Nacht-Geschichte.
Ich bin konsequent (ein Nein bleibt ein Nein). Ich lebe ihr das vor, was ich von ihr verlange.
Aber dennoch hab ich das Gefühl, dass das alles nur immer schlimmer wird.


Soll ich einfach noch mehr Geduld haben mit ihr? Oder ist dieser Weg nun auch falsch?

Wie geht ihr mit solchen Situationen um?

Ich weiß, vermutlich ist sie immernoch ein bisschen auf ihre Schwester eifersüchtig. Versuche ich vielleicht einfach nur zu sehr, die beiden halbwegs gleich zu behandeln?

Ich meine, wenn Sophia mal eine weniger-Trinken-Phase hat, dann pumpe ich etwas MuMi ab, wenn die Brust spannt. Leonie liebt es, die dann zu trinken (bevor ich sie weg schütte, kann sie sie doch trinken oder?).
Wenn ich mit Sophia in die Badewanne gehe, dann kommt Leonie öfter mal dazu, wenn sie Lust hat.
Leonie darf jederzeit nachts zu uns ins Bett kuscheln kommen (tut sie aber selten).

Was mach ich falsch? Bin ich zu nett? Versuche ich etwa, ihr mehr Freundin als Mutter zu sein? Wäre das falsch?
Ach, ich bin etwas verzweifelt.

Habt ihr einen Rat?

Beitrag von simone_2403 19.01.11 - 09:00 Uhr

Hallo

Hab erst mal schaun müssen wie alt deine Leonie ist ;-)

Ich kenn das Verhalten und ob du es glaubst oder nicht,es ist normal.Es kommt dir vor als würde es immer schlimmer werden,wird es im Grunde aber nicht.Deine "Erwartungshaltung" gaukelt dir das vor weil du einen neuen,anderen Weg gehst und der scheint nicht zu funktionieren.

Ich les heraus,das du dir den Hintern aufreisst...vieleicht reisst du ihn dir etwas zu viel auf und Leonie kommt damit nicht so ganz klar,ist überfordert mit deinem Verhalten und wird noch unzufriedener.Verstehst du wie ich meine?Du sollst Leonie nichts entziehen aber es liest sich für mich so als würdest du ihr mit aller "Gewalt" zeigen wollen wie verständnisvoll und liebevoll du doch mit ihr umgehst.

Leist du ihr die Geschichten vor weil sie es möchte oder geht die Initiative von dir aus?Spielst du mit ihr weil sie es möchte oder geht wieder die Initiative von dir aus?Wie ist es mit dem Kuscheln,kommt sie freiwillig oder lädst du sie dazu ein?

lg

Beitrag von lilly7686 19.01.11 - 09:21 Uhr

Hallo!

Erst mal danke für deine Antwort!

Nein, du liest das falsch raus. Oder ich hab mich falsch ausgedrückt.

Leonie liebt Geschichten. Es ist bei uns so ein Ritual, schon seit Jahren, dass sie Abends ihre Gute-Nacht-Geschichte bekommt. Was ich jetzt verändert habe in der Richtung ist, dass ich nicht mehr genervt bin, sondern gern vorlese. Und ja, sie bittet mich jeden Abend um eine Geschichte und ist meist traurig, weil sie schon zu Ende ist.

Ich spiele mit ihr, weil sie es möchte. Sie würde am Liebsten den ganzen Tag mit mir spielen. Ich hab aber leider kaum Zeit dafür. Aber ich nehme mir jetzt die Zeit, wenigstens ein mal pro Tag ein Spiel mit ihr zu spielen (zur Zeit ist es täglich "Wer Wars?").

Kuscheln kommt fast immer sie. Manchmal nehm ich sie aber auch beim Fernsehen zu mir her und drück sie einfach mal.
Aber meist ist sie es, die ankommt und sagt "Mama, kuscheln".

Diese Dinge gehen alle von ihr selbst aus. Ich habe mich nur dazu entschieden, mir mehr Zeit dafür zu nehmen und zum Beispiel die Dinge mit ihr zu spielen, die sie möchte. Früher hab ich sie zu nem ganz kurzen Spiel überredet. Oder ihr nur eine sehr kurze Geschichte vorgelesen. Heute nehme ich mir die Zeit, diese Dinge länger zu tun und sie sogar zu genießen ;-)

Beitrag von simone_2403 19.01.11 - 09:38 Uhr

Vieleicht "verwirrt" sie genau das #kratz Erst zuwenig jetzt das volle Programm.....

Ich kann jetzt auch nicht so wirklich erkennen das du in deinem Tun irgendwie "Fehler" machst.Du bist Konsequent, aber vieleicht passt du dich doch etwas "zu sehr "an...ich weiß es nicht dazu müsste man sich kennen um darüber zu "urteilen" #schwitz#schein

Hast du schon mal versucht ihr Alternativen zu bieten zB wenn sie das jetzt spielen möchte,du ihr sagst "du hör mal,ich wär dafür wenn wir mal etwas anders versuchen" Wie reagiert sie denn da?Eventuell ist alles etwas "eingefahren" und es langweilt sie. Verstehst du wie ich mein?

Beitrag von lilly7686 19.01.11 - 09:43 Uhr

Hm, na ich werd mal weiter beobachten. Vielleicht bin ich ja wirklich zu nett... :-(

Weißt du, ich denk jetzt immer, was hätte ich als Kind gewollt?
Meine Mutter hat mich bei so einem Verhalten nämlich geschlagen. Das wollte ich nicht. Mach ich also auch bei meiner Tochter nicht.
Ich wollte Aufmerksamkeit. Die geb ich meiner Tochter.

Naja, mal sehen, wie es weiter geht.

Beitrag von simone_2403 19.01.11 - 09:51 Uhr

Das ist vieleicht der Fehler ;-) Dein Kind muss nicht zwangsläufig das wollen was du als Kind gerne hattest.Deine Tochter ist ein Individium genauso wie du auch.Das meinte ich mit eventuell zuviel "anpassen" ;-)

Beitrag von lilly7686 19.01.11 - 09:55 Uhr

Hm, da hast du vermutlich sogar recht...
Naja, ich will halt alles richtig und anders als meine Mutter machen.
Vielleicht sollte ich mich wirklich weniger anstrengen. Einfach so sein, wie ich bin und lernen, auf meine Tochter zu reagieren.

Danke dir!

Beitrag von simone_2403 19.01.11 - 10:10 Uhr

Genau das ist es.Versuch nicht zwanghaft die Fehler auszubügeln die DEINE Mutter bei DIR gemacht hat ;-)

Dein Kind ist dein Kind und du machst es anders,das reicht völlig zu ;-) Lass dich nicht von einem schlechten Gewissen leiten,damiit überforderst du dich und auch dein Kind.Lass es "laufen" ;-)

#winke

Beitrag von bine3002 19.01.11 - 10:43 Uhr

Ich finde, das klingt alles ganz gut, was Du so machst. Aber Du brauchst Geduld.

Beim Zimmer aufräumen, solltest Du dir klar sein, dass Kinder das nicht vollständig alleine können. Vielleicht könnt Ihr einen Deal machen, dass sie dir ab und zu mal in der Wohnung hilft und Du ihr dann in ihrem Zimmer. Das klappt bei uns prima. Ein Ordnungssystem wäre auch super. Bei uns hat jedes Spielzeug einen festen Platz und die Kisten haben ein Foto des Inhalts darauf. Passt ein neues Spielzeug nicht mehr rein, muss ein altes verschwinden.

Dann noch drei Dinge:

"Bin ich zu nett?"

Nett im Sinne von respektvoll und höflich ist NIE verkehrt. Nett im Sinne von "Ich will alles recht machen" führt dagegen auf einen falschen (falsch verstandenen) Weg. In deinem Posting kann ich allerdings nichts finden, was zu "nett" wäre. Das mit der Muttermilch würden zwar viele komisch finden, aber letztlich ist es nichts Schlimmes. Im Elternbett schlafen ist ebenfalls nicht falsch (immerhin schläft ein Großteil der Weltbevölkerung nachts mit den Eltern gemeinsam). Kuscheln kann man nie genug... ich finde, Du machst das super, vorausgesetzt es kommt von Herzen und ist nicht "aufgesetzt".


"Versuche ich etwa, ihr mehr Freundin als Mutter zu sein? Wäre das falsch?"

Das fände ich in der Tat falsch. Du bist die Mutter und solltest nie eine Freundin sein WOLLEN. Ein Mensch braucht Eltern, die ihn lieben UND Freunde, denen er vertrauen kann. Eltern können Freunde nicht ersetzen und umgekehrt.


"Als ich schwanger war mit ihrer Schwester.
Von Anfang an hab ich Leonie in alles mit einbezogen."

Einbeziehen ist prima, man sollte allerdings aufpassen, dass die Große damit nicht überfordert wird. Sie sollte also keine Verantwortung übertragen bekommen und alles, was sie für ihre Schwester leistet, sollte freiwillig sein.

Beitrag von nele27 19.01.11 - 11:19 Uhr

Hi,

nein, Du machst nichts falsch - weiter so! Der neue Kurs, den Du gerade fährst, ist genau der, den ich auch versuche, wenn ich mal in Befehlston und riesen Erwartungshaltung abdrifte bei meinem Sohn (habe mich in manchen Dingen, die Du von früher schreibst, durchaus wiedererkannt).

Das Problem könnte folgendes sein: Du hast nun eingesehen und kritisch reflektiert, dass Dein früherer Kurs nicht imer richtig war. Den neuen hältst Du für richtig (ist er nach heutigen Maßstäben ja auch :-)) Nun erwartest Du aber wieder, dass Deine Tochter irgendwann - auch wenn Du ihr Zeit lässt - genauso reagiert und wird, wie Du sie haben willst. Also wieder ein programmieren dabei, auch wenn Deine "Methode" nun wesentlich kindgerechter ist.
Ich kann Dir schlecht einen Rat geben, weil ich auch zu solchen Dingen neige.
Aber vll versuchst Du mal, die Dinge zu machen, weil Du da Bock zu hast bzw. Deine Tochter. Und nicht, um damit eines fernen Tages ein Kind mit den Eigenschaften xy zu "züchten".

Also nicht Spiel spielen, weil Du jetzt eine gute Mutter sein willst und Deine Tochter in zwei Jahren durch diese tolle pädagogische Maßnahme ein gefestigeter und glücklicher Mensch ist.
Sondern, weil einer von Euch - am besten beide - da gerade Bock zu haben.
Das wird Deine Tochter spüren.

Verstehst Du, wie ich es meine? Habe ich das Problem vll zumindest in Teilen getroffen?

Übrigens stelle ich mir spielen in dem Alter total lustig vor (meine Kinder sind kleiner...)

LG, Nele
arbeitet auch immer mal gegen Kasernenton und große Erwartungen...

Beitrag von lilly7686 19.01.11 - 12:02 Uhr

Hallo!

Hm, jap, du hast ins Schwarze getroffen.

Aber schön, dass nicht ich allein so bin :-)
Ich habe leider sehr viel von meiner Mutter mitbekommen, sehr viel Negatives. Und dagegen kämpfe ich tag für tag :-(

Es stimmt, Spiele können sehr lustig sein. Allerdings manchmal nicht, wenn Madame meint, immer gleich heulen zu müssen, wenn sie kurz davor ist, zu verlieren #augen ...
Aber auch das geht hoffentlich vorbei. Man muss auch verlieren erst mal lernen ;-)

Lieben Dank für deine Antwort! Ich bin froh, dass wir alle unsere kleinen Fehler haben :-)

Beitrag von nele27 19.01.11 - 12:30 Uhr

Ich hab auch viel Negatibev aus dem Elternhaus mitgebracht. Keine körperliche Gewalt, aber psychische - wir Kinder waren eigentlich nur im Weg.
Naja, ich hab mit geschworen, es anders zu machen - allerdings musste ich auch erst lernen, dass "anders" nicht immer gleich "richtig" ist :-)

Also: Fuß vom Gas und mehr Spaß in die Erziehung bringen...

Beitrag von senzill 19.01.11 - 21:47 Uhr

Also ich hab kein Kind in dem Alter, von daher will ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Für mich hört sich das allerdings ein wenig so an, dass du zu bemüht um deine Tochter bist und Sie evtl. auch überforderst, indem du sie in alles einbeziehst. Klar muss man das Kind auf Geschwister vorbereiten, aber zu viel ist dann auch wieder nicht gut...ein Geschwisterkurs???? wer braucht denn das? Sorry aber für sowas habe ich kein Verständnis. Gut aber die Zeit ist ja nun vorbei, wie aber ja auch schon geschrieben, hat man manchmal den Eindruck du erziehst dein Kind nicht intuitiv, sondern rein kopfmäßig....du scheinst viel darüber nachzudenken was denn nun richtig oder falsch ist an deinem Verhalten und wenn du dir nicht sicher bist, wie soll dann deine Tochter sich sicher fühlen? Zickig sein und frech sein ist oft ein Ausdruck von Überforderung und wenig Orientierung. Mich würde interessieren, wie du auf ihre ja doch freche Art (wie das mit dem Fernsehen) reagierst? Und bitte versuch nicht eine Freundin für dein Kind zu sein. Du bist ihre Mutter, du musst ihr zeigen wo es lang geht im Leben und das man nicht immer nur das machen kann, wozu man lust hat. In einer Freundschaftsstellung kannst du das sicher nicht vermittlen.