3 Sat- Kriegskinder

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Beitrag von lulu2003 20.01.11 - 20:50 Uhr

Hallo Zusammen,

ich schaue gerade auf 3 Sat eine Reportage über die Kriegskinder von 1944. Ich weiß nicht was ich sagen soll. Mir wird wieder mal bewußt was unsere Großeltern in der Kindheit/Jugend durchmachen mußten und wie gut es uns eigentlich geht.

LG
Sandra

Beitrag von babygirl2010 20.01.11 - 20:53 Uhr

Das stimmt.... wenn meine Oma (sie ist 91 Jahre alt) von dem Krieg erzählt... dann weint sie jedes Mal und länger als 2-3 Minuten davon erzählen kann sie nicht. Sie hat im Krieg 3 ihrer 8 Kinder verloren. :-(
Es ist wahnsinn was unsere Großeltern durchmachen mussten.

Lg Janine

Beitrag von kleinerlevin 20.01.11 - 21:51 Uhr

Mein Opa (im Februar 90) hat am Kopf eine tiefe Narbe, da erzählt er uns auch immer von den Granatensplittern. Vor ca 2 Jahren war er im Krankenhaus er hatte nach einer mehr oder weniger gut oder schlecht verlaufenen Beinop eine Blutvergiftung mit Organversagen, er wurde beatmet und konnte nicht sprechen, sie mussten ihn am Bett festbinden weil er allen Schwestern und Ärzten die vorbei kamen an den Kragen gehen wollte, er dachte (so erzählte er später) er sei wieder im Krieg und das war seine Strafe. Das war für mich sehr traurig zu wissen wie tief diese ganzen grausigen Erlebnisse noch in ihm stecken.
Gruß Annette

Beitrag von babygirl2010 20.01.11 - 22:28 Uhr

Oh Gott...#heul Wie schlimm sowas ist.:-(

Beitrag von lulu2003 20.01.11 - 22:09 Uhr

Hallo Janine,

an deiner Oma kann man mal sehen, dass sowas niemals vergessen werden kann. Wieviele haben ein Trauma davon getragen und konnten nie wieder richtig glücklich sein? Schlimm, dass deine Oma 3 Kinder verloren hat. Einfach nur traurig.

LG
Sandra

Beitrag von babygirl2010 20.01.11 - 22:27 Uhr

Ja... das is so wahnsinn. Und trotzdem hat meine Oma nie aufgegeben und ganz viele andere Menschen die das miterleben mussten auch nicht. Ich finde es so wahnsinnig was sie durchlebt haben und das sie das alles geschafft haben. Und deshalb tut es mir auch oft so verdammt weh wenn man sich nicht um ältere Menschen kümmert oder sie schlecht behandelt. :-( Man sollte immer im Hinterkopf behalten was diese Menschen geleistet haben.

Beitrag von la1973 20.01.11 - 21:03 Uhr

Mein Vater ist in einer der Bombennächte geboren - im Luftschutzkeller. Dreckig, dunkel, ne Menge Menschen auf engstem Raum und dann liegt man da in den Wehen....
Ich bewundere die Frauen, die soviel improvisieren mussten um irgendwie zu überleben. Ich glaube, wir könnten das nicht, wenn wir heute in diese Situation kämen, weil wir es garnicht gewohnt sind "hart" anzupacken.

Der beste Spruch meiner Omi war immer:
"Wenn Ihr von einem "schnellen Essen" sprecht, dann macht Ihr ne Tütensuppe auf. Für uns war ein schnelles Essen etwas, dass man nicht erst umbringen und ausnehmen musste!"

Beitrag von lulu2003 20.01.11 - 22:11 Uhr

Allein bei der Vorstellung läuft es mir eiskalt den Rücken runter. Ich ziehe heute noch den Hut vor den Frauen damals. Heute wird gejammert wenn die Waschmaschine kaputt ist.

Auwei, der Spruch deiner Oma ist ja hart. Aber leider wahr.

Beitrag von cherymuffin80 20.01.11 - 21:31 Uhr

Hallo,

kommt ja schon die ganze Woche lang diese Doku.
Mein Opa hatte mir immer vom Krieg erzählt als ich noch ein Kind war, kann man sich aber trotzdem nicht wirklich vorstellen.

Hab neulich im Einkaufszentrum einen älteren Herren gesehen der grad was einpackte, der hatte eine dieser typischen KZ Nummerntattoos auf dem Arm, hab auch sofort gedacht "Krass was der so erleben musste!"

Ja, wir können alle froh sein das wir sowas nicht mitmachen müssen.

LG

Beitrag von lulu2003 20.01.11 - 22:12 Uhr

Der arme Mann. Der tägliche Blick auf seinen Arm erinnert ihn dann immer an die wohl schlimmste Zeit seines Lebens. Bist du dir sicher dass es so eine Nummer war?

Beitrag von cherymuffin80 20.01.11 - 22:59 Uhr

Jap, war genau so eine KZ-Nr.

Wir hatten damals auch nen Geschichtslehrer der 3 solcher Überlebender eingeladen hatte als wir das Thema im Unterricht hatten (waren wohl aus seinem Familenumfeld), die waren auch alle "gebrandmarkt", find das furchtbar, man wird halt wirklich täglich drann erinnert, aber einer dieser Männer sagte damals zu uns das genau dieses Tattoo ihn auch mahnt das sowas niewieder passieren darf.

Beitrag von gingerbun 20.01.11 - 21:47 Uhr

Ja das dachte ich mir auch. Einfach unvorstellbar. Letztens kam eine Reportage über Mengele. Man weiss gar nicht was man dazu sagen soll. Er wird heute noch gedeckt. Unglaublich...

Beitrag von lulu2003 20.01.11 - 22:14 Uhr

Ja, das macht einen wirklich sprachlos. Allein der Psychoterror den die Menschen aushalten mußten. Gräben schaufeln ohne zu wissen für wen. Kinder die von ihren Müttern getrennt wurden und im nachhinein erfahren mußten dass die Mutter umgebracht wurde. Wird so ein Mensch jemals wieder glücklich?

Beitrag von gingerbun 20.01.11 - 22:25 Uhr

Kann mir nicht vorstellen dass man danach noch irgendwie normal weiterleben kann.. Glücklich.. kaum. Das wird man doch nie mehr los. Das ist so einschneidend. Es ist echt nicht vorstellbar und insgesamt unglaublich wozu Menschen eigentlich in der Lage sind. Ja auch heute noch. Leider.

Beitrag von sassi31 21.01.11 - 14:37 Uhr

Mengele und seine grausamen Versuche entsetzen mich auch immer wieder.

Beitrag von juleslorchen 20.01.11 - 22:01 Uhr

Hi,

leider habe ich es verpasst! Ich finde das auch wirklich erschütternd. Gerade das Schicksal der sogenannten "Wolfskinder": Kinder, die während der Fluchten von ihren Eltern getrennt wurden und alleine (!! Egal wie alt!) durchkommen mussten. Unvorstellbar!

Und natürlich auch das Schicksal von Frauen, die von ihren Männern getrennt waren, da er an der Front kämpfen musste. Und nach 5 Jahren kam vielleicht jemand die Straße runtergehumpelt und du siehst, dass es endlich dein Mann ist. Heftig.


Kommt das Morgen wieder?

#winke



Beitrag von lulu2003 20.01.11 - 22:07 Uhr

Ja, morgen kommt leider die letzte Folge. Ich hatte es die ganze Woche verpaßt.

Ich mußte am Ende echt weinen als ein alter Mann erzählte, wie er mit 15 Jahren seiner Mutter ade sagen mußte weil er an die Front sollte. Er erzählte weinend wie seine Mutter dort in der Küchenschürze stand......
Echt ergreifend. Manchmal frage ich mich ob deshalb einige ältere Leute so griesgrämig mit unserer heutigen Jugend umgehen. Weil diese als Kinder wirklich schlimme Dinge erleben mußten.

Beitrag von crushgirl 20.01.11 - 22:05 Uhr

Ich habs auch gesehen...:-( So traurig wie es ist, so sehr interessiert es mich aber auch. Meine Oma hat nie vom Krieg erzählt...

Beitrag von lulu2003 20.01.11 - 22:16 Uhr

Meine Oma und mein Opa sind leider schon verstorben. Uns wurde aber auch nie etwas erzählt.

Ich weiß nur dass mein Opa bei den Italienern in Gefangenschaft war und einen Tobsuchtsanfall bekam, als seine Tochter mit einem italienischen Jungen nach Hause kam. Irgendwie verständlich.

Beitrag von dornpunzel 20.01.11 - 22:12 Uhr

Ich habe die Dokumentation nicht gesehen, kann dich aber verstehen.

Eine Freundin von mir arbeitet im Moment an einem Erzählband, das die Erlebnisse älterer Menschen an den zweiten Weltkrieg beinhaltet.
Sie unterhält sich dafür mit den Leuten, die ihre Geschichte erzählen wollen. Besucht sie in Altenheimen, zu Hause, bei den Kindern. Ich kann ihr wirklich nur Respekt zollen, denn dieser emotionalen Belastung würde ich mich nicht aussetzen wollen. Sie arbeitet wie eine Irre, schreibt teilweise die Nächte durch, um dem Ganzen irgendwie gerecht werden zu wollen.
Da ich eine ihrer Testleserinnen bin, kenne ich einige Erzählungen und muss sagen, ich habe mir beim Lesen mehr als einmal die Tränen aus den Augen wischen müssen. Man kennt die ganzen Geschichten und Dokumentationen über Vertreibungen, über Bombenangriffe und so weiter.
Aber bislang hat mich nicht vieles so mitgenommen wie diese persönlichen Erlebnisse.

In solchen Situationen werde ich unglaublich wütend, wenn ich daran denke, wie viele 'das einfach vergessen' wollen und wie viele es ja nichts mehr angeht. Das ist einfach nur respektlos unseren Groß- und Urgroßeltern gegenüber.

Beitrag von lulu2003 20.01.11 - 22:22 Uhr

Wow, Respekt vor deiner Freundin. Denn ich konnte mir auch dass weinen nicht verkneifen. Sowas nimmt mich emotional so sehr mit, da ich dann auch immer an meine lieben, leider schon verstorbenen, Großeltern denken muß.

Ich hatte eine tolle Kindheit die ich größtenteils ihnen zu verdanken habe. Wenn ich mir dann vorstelle was sie schreckliches erleben mußten, macht es mich unendlich traurig.

In dieser Dokumentation sprachen ja auch Überlebende des Krieges. Ganz schlimm in die Augen der Menschen zu sehen. Nach so langer Zeit immer noch soviel Angst und Trauer zu sehen. Gestandene Männer die anfangen zu weinen wenn sie darüber reden. Man kann gar nicht viel dazu sagen.

Und ja, man wird wirklich wütend wenn man auch bedenkt, wie wenig die Jugend von heute darüber Bescheid weiß.

Beitrag von dornpunzel 20.01.11 - 22:34 Uhr

'In dieser Dokumentation sprachen ja auch Überlebende des Krieges. Ganz schlimm in die Augen der Menschen zu sehen. Nach so langer Zeit immer noch soviel Angst und Trauer zu sehen. Gestandene Männer die anfangen zu weinen wenn sie darüber reden. Man kann gar nicht viel dazu sagen. '


Das ist eben der springende Punkt. Ich weiß, dass sie so ein Gespräch immer sehr mitnimmt. Aber sie macht das aus Überzeugung und ich finde es auch eine ganz tolle Sache. Die Erinnerungen dieser Generation müssen bewahrt bleiben und ich kann mich nur wiederholen, dass ich jedem Hochachtung entgegen bringe, der sich dafür einsetzt.

Beitrag von brigantia 21.01.11 - 19:52 Uhr

#liebdrueck

Beitrag von tierbefreierin 21.01.11 - 00:42 Uhr

Ich habe den anfang in Internet gesehen. Es ist traurig, sehr traurig, aber ich denke immer: Hättet ihr uns damals nicht das angetan, es wäre nie soweit gekommen wie es kommen musste am Ende...Es ist sicher nicht fair von mir, meine Familie ist noch heute verletzt und traumatiziert

Meine eine Oma(Mamseite) hat überlebt, versteckt in Südfrankreich.

Mein Opa (mamaseite) hat überlebt mir gefälschten Pass, er hatte blonde Haare und blaue Augen wie ich, das hat ihn sicher gerettet.

Mein Opa (papaseite) hat auch versteckt wurde am Ende gefunden, und kam ins Lager, Gott sei Dank ganz zu Ende wo nicht mehr vergast wurde.

Mehr Traurig war es für meine Oma. Sie kam ins KZ und ihre beiden kleinen Kinder von erstem Ehemann wurden vergast. Sie hat noch lang gehofft nach dem Krieg, in den 50er wurden die kleinen für Tod declariert. Sie kam erst zusammen mit den Kindern und Schwiegermutter nach Mechelen (in Belgien) von Bruxelles, dann kam sie alleine(aber mit anderen belgischen und französischen) zur Zwangsarbeit in den Hamburger Hafen (sie war ihr Leben lang schockiert wie die SS-Männer anscheinend die jungen Zigeunermädchen mishandelten), danach in Bergen Belsen zum Schluss. Sie hat lange nicht gewusst wo ihre Kinder waren, immer gehofft weil sie nicht in den Listen nach Auschwitz waren. Erst Ende 40er Jahre fand sie die Namen, sie waren in einem der Transporten Belgien nach Sobibor. Die 2 Kinder hat sie nie im Leben vergessen.

Die Familien von den Elteren meines Manns, kam nach dem Holocaust nach America(ausser ein Opa kam als Kind, hat aber alle Angehörigen aus Europa verloren). Das sind Juden von Polen und Ukraine, und was die haben erlebt das ist so schrecklich, dass ich es nicht hier schreiben kann. Wo ich das gehört habe, war sogar ich schockiert!!

Beitrag von brigantia 21.01.11 - 19:51 Uhr

Hallo,

es tut mir sehr leid, was deinen Großeltern passiert ist. Es ist heute, für uns nachfolgende Generationen nicht mehr zu begreifen, wie das alles überhaupt geschehen konnte.

Wir sehen in die Gesichter unserer Großeltern, unserer Urgroßeltern, unserer Nachbarn und fragen uns, haben sie es gewußt? Gebilligt? Begrüßt? Haben sie weg geschaut und sich selbst die Lügen solange schön geredet, bis sie es selbst 'geglaubt' haben?
Auch jetzt, nachdem ich deinen Text gelesen habe, habe ich eine Gänsehaut und einen dicken Kloß im Hals.

Aber ich kenne die andere Seite auch sehr gut. Kurz vor Weihnachten habe ich mich mit einem Mann unterhalten. Er ist jetzt 87. Aufgewachsen ist er mit zwei jüdischen Nachbarskindern, ihr Vater hatte eine Metzgerei in der Straße, in der sie lebten.
Mit der Zeit ließ der Kontakt nach, die Väter hatten Streit wegen eines Grundstücks. Hat dieser Mann gewusst, was in Deutschland vor sich ging? Ja, das hat er. Er hat die Hassparolen an den Wänden gelesen. Er hat gesehen, dass die Synagoge brannte. Er hat gewußt, dass Freunde auf einmal nicht mehr in die Schule kamen. Er hat gesehen, dass das Geschäft des Mannes geschlossen wurde.

Hat er gewusst, was mit den 'verlegten' Juden geschah? Ich glaube nicht. Er ist mit 17 zur Marine gegangen, war bis Kriegsende irgendwo im Atlantik. Erst auf einem Kreuzer, später auf einem U-Boot.

Er kam nach der Kriegsgefangenschaft zurück und stand vor dem Nichts. Sein Vater und seine Schwester sind während der Bombenangriffe ums Leben gekommen. Aber in seinen Augen habe ich keine Wut gesehen, keinen Hass. Nur Trauer. So unglaublich tiefe Trauer, dass mir selbst dabei fast die Tränen gekommen sind. Er sagte wörtlich zu mir: "Was müssen wir für Tiere gewesen sein, dass wir so etwas zugelassen haben. Wofür haben wir gekämpft? Wofür sind meine Kameraden gestorben? Hätten wir das gewußt, wir hätten uns lieber damals selbst in den Kopf geschossen, als mit der Schande leben zu müssen, dass Deutsche so etwas getan haben."
Er legt seit seiner Rückkehr jede Woche Blumen an dem Stolperstein nieder, der der Familie seines Freundes gewidmet ist. Er hat geweint, als er mir erzählte, wie schlimm es für ihn ist zu sehen, dass die Menschen daran einfach vorbei laufen. Auf den Stein treten, als würde er nichts bedeuten.

Solche und ähnliche 'Berichte' habe ich in den letzten Monaten sehr häufig gehört. Eine Frau, heute 75, damals noch ein kleines Kind, sagte mir, dass sie die Schuld für das damalige Geschehen mit ins Grab nehmen wird, weil ein Leben nicht ausreicht, um sie zu verlieren und es nicht mehr viele gibt, die verzeihen können.

Ich möchte um Gottes Willen nicht den Eindruck erwecken, hier etwas schönreden zu wollen. Das möchte ich keinesfalls. Aber das Trauma des zweiten Weltkriegs ist auf beiden Seiten noch vorhanden. Bei den einen, weil ihnen unglaubliches Leid und Unrecht angetan wurde, bei den anderen, weil sie genau das zugelassen haben. Ich weiß nicht, womit man besser leben kann. Aber ich denke, beiden Seiten kann es nur besser gehen, wenn die Opfer den 'Tätern' (damit meine ich nicht die 'Vollstrecker', sondern jene, die weggesehen und zugelassen haben) verzeihen können und die 'Täter' sich selbst.


Gruß,
Brigantia

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