Wie erklärt man einem Kind den Tod ohne Einfluss von Religion??

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Beitrag von justagirl22 20.01.11 - 22:50 Uhr

Hi,

die Frage steht ja schon oben. Ich bin ein Mensch, der gerne und viel über alle möglichen Sachen nachgrübelt. Irgendwie bin ich jetzt darauf gekommen und finde keine wirkliche Antwort. Habe das auch schon mit meinem Freund diskutiert, aber auch er weiß keine richtige Antwort.

Es geht darum, wie man einem Kind den Tod erklärt, zum Beispiel, wenn ein Haustier stirbt. Meist heißt es ja dann, das Tier kommt in den Himmel usw.
Mir wurde als Kind immer erzählt, meine Uroma ist jetzt mein Schutzengel und passt auf mich auf.

Ich glaube nicht an Gott und bin der Kirche und der ganzen Materie gänzlich abgeneigt...nun ist meine Überlegung, ob es überhaupt einen anderen Weg gibt, Kindern das Sterben und den Tod "kindgerecht" zu erklären ohne jedesmal wieder in die Richtung abzudriften...

LG

Beitrag von _nicki_ 20.01.11 - 23:06 Uhr

Hallo,

das wird schwer #kratz

Also ich glaube auch nicht an Gott und diesen ganzen Kram!
Aber wir erzählen Leonie trotzdem das Oma und Opa im Himmel sind und sie sehen kann und aufpassen...
Finde das hat auch nichts großartig mit Religion zu tun! ;-)
Es sind ja auch Sterne dort oben und man könnte sagen sie sind jetzt ein Stern, oder sind auf einen drauf und schauen runter...

Aber mal sehen was andere dazu berichten!

LG Nicki & Leonie Mai`07

Beitrag von parzifal 21.01.11 - 06:34 Uhr

Es gibt doch aber nur die zwei Möglichkeiten:

Mit religiösem Touch oder Naturwissenschaftlich.

Im letzteren Fall stirbt man um Platz für etwas Neues zu machen. Ohne Tod hätte es kaum Fortschritt und Entwicklung gegeben.

Beitrag von zeitblom 21.01.11 - 10:28 Uhr

"Im letzteren Fall stirbt man um Platz für etwas Neues zu machen"

Finde ich nicht besonders naturwissenschaftlich, allenfalls teleologisch....

Beitrag von parzifal 21.01.11 - 12:16 Uhr

Nach Darwin aber nicht.

Nur die neue Generation ist eventuell besser angepasst. Und wo wäre Platz für den Nachwuchs wenn die Erde ohne Tod der Eltern wäre? Soviel Nahrung gibt es doch gar nicht.

Beitrag von zeitblom 21.01.11 - 13:50 Uhr

Man koennte sich ja auch gegenseitig essen?.... Das Platz geschaffen werden soll, ist eine Interpretation, aber keine Erklaerung.

Beitrag von ayshe 21.01.11 - 13:59 Uhr

##
Man koennte sich ja auch gegenseitig essen?....
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Gammelfleisch?

Gut, okay, theoretisch möglich.


Die Natur hat einfach keine Körper geschaffen, die ewig halten und gegen alles resisitent sind.
Der Verfall beginnt schon früh irgendwann ist der Körper hin.
Das ist für mich die "natürliche" Erklärung.

Beitrag von zeitblom 21.01.11 - 14:20 Uhr

"Gammelfleisch?"

Nein, dann waere ja der Tod noch immer nicht erklaert. Aber wenn wir uns gegenseitig toeteten, um uns zu ernaehren, haetten wir immerhin eine Erklaerung....

"Die Natur hat einfach keine Körper geschaffen"

Wer ist "die Natur"? Hat sie auch die Zeit erschaffen? Und ist diese Erklaerung nicht auch religioes?

Beitrag von ayshe 21.01.11 - 14:33 Uhr

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"Gammelfleisch?"

Nein, dann waere ja der Tod noch immer nicht erklaert. Aber wenn wir uns gegenseitig toeteten, um uns zu ernaehren, haetten wir immerhin eine Erklaerung....

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Ach so, ich dachte an den natürlichen Tod, oftmals durch das Alter, aber nicht an Kannibalismus.


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"Die Natur hat einfach keine Körper geschaffen"

Wer ist "die Natur"? Hat sie auch die Zeit erschaffen? Und ist diese Erklaerung nicht auch religioes?
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So wörtlich hatte ich es nicht gemeint.
In der Natur eben, es gibt nichts an Lebewesen, was wirklich ewig leben kann, das schafft eben kein Körper wegen des Verfalls. So habe ich das gemeint bzw. meiner Tochter erklärt.

Beitrag von zeitblom 21.01.11 - 14:49 Uhr

solange sie sich mit dieser Erklaerung zufrieden gibt... ;-)

Beitrag von ayshe 21.01.11 - 15:17 Uhr

Naja, in unserem Fall war Krebs die Todesursache, aber das Thema Sterben kam natürlich insgesamt auch zur Sprache.
Und dann immer der Wunsch:"Ich will aber nicht, daß irgendjemand stirbt."
Und es ist aber ganz normal, daß jeder irgendwann stirbt, im besten Fall eben durch das Alter.

Beitrag von parzifal 21.01.11 - 14:17 Uhr

Nicht vergessen. Meine Erklärung um die es ging war etwas Neues zu schaffen.

Deshalb gibt es auch Männlein und Weiblein. Da geht das nämlich noch viel schneller als wenn man sich nur selbst teilt.

Beitrag von inovix 20.01.11 - 23:10 Uhr

Hallo,

bisher hatten wir noch keinen Todesfall in der Familie seit ich meine Kinder habe. Auch nicht bei Haustieren.
Ich gehe aber ab und zu mit meinem Großen zum Grab meines Opas und habe ihm erklärt wie es ist.

Wenn man stirbt wird man (wenn mans nicht schon ist) angezogen und hergerichtet. Die Haare werden gekämmt und das Gesicht gewaschen. Dann wird man von den Bestattern abgeholt und ein Sarg wird vorbereitet. Da wird man reingelegt und in einer Trauerfeier beerdigt.


Mein Sohn hat das gut verkraftet, nun kann es aber bei anderen Kindern wiederum ganz anders sein.

Viele liebe Grüße

Beitrag von frau-mietz 20.01.11 - 23:44 Uhr

Hallo!

Meine Freundin starb mit 27 Jahren.Sie hinterließ 2 kleine Kinder.
Als ich beim ausräumen ihrer Wohnung half, zupfte die Ältere an meinem Shirt und sagte meine Mama ist tot :(

Sie waren nicht religiös, ich auch nicht.
Ich sagte ihnen (Tränen zurückgehalten) das Mama tot ist, aber im Himmel ist.
Sie passt auf euch auf.Ihr seht sie nicht, aber sie wacht über euch.

Unabhängig vom Glauben...Ich finde, es sollte trotzdem sowas wie Engel oder Schutzengel geben.Das gibt Kindern Kraft.

LG

Beitrag von thetis 21.01.11 - 01:42 Uhr

Man kann den Kindern einfach die Wahrheit sagen.

Alternativ kann man schöne Vorstellungen nähren: schön wäre es doch für die Leute, die sterben müssen, wenn sie sich aussuchen könnten was nach dem Tod passiert.

Beitrag von ayshe 21.01.11 - 07:28 Uhr

Ich habe die Wahrheit gesagt, in etwa wie parzifal sagt "naturwissenschaftlich" so weit es mir bei einer damals 3,5-Jährigen möglich war.

Man sollte vllt das sagen, was man selber denkt und glaubt.

Also ein Körper, ein Mensch, Tier, auch Pflanzen sind nicht für die Ewigkeit gemacht und eines Tages sterben sie, weil der Körper verbraucht ist oder verletzt oder so krank, daß er nicht mehr funktionieren kann.

Glaubt man an sie Seele, irgendetwas an Energie, was noch bleibt, Energierhaltungssatz, dann kann zum Trost auch sagen, daß es eben etwas gibt, was sich vom Körper trennt, daß der Körper im Tod nicht mehr gebraucht wird.

Beitrag von curlysue2 21.01.11 - 07:49 Uhr

Hallo,

unser Sohn hat alleine in unserer Familie in den letzten 4 Jahren 4 Todesfälle erlebt. Wir wurden also schon früh damit konfrontriert es ihm kindgerecht erklären zu müssen.

Wichtig ist, dass Du authentisch bleibst, also auch in gewissen Maße hinter dem stehst was Du erzählst. Es bringt gar nichts, wenn Du erzählst die Verstorbenen sind im Himmel wenn Du persönlich gar nichts damit anfangen kannst. Und erklär auch nur soviel wie die Kinder wissen wollen. Wenn etwas nicht klar ist fragen sie nach.
Wir haben unserem Sohn erzählt, Oma, Opa usw. sind bei den Sternen. Ich selber kann mit der Kirche auch (nichtmehr) so viel anfangen, glaube aber trotzdem dass mit dem Tod nicht alles vorbei ist. Der Rest der Familie ist katholisch und erzählen auch immer vom Himmel. Also fand ich die Sterne einen guten Kompromiss, denn dort sind sowohl die Engel, die Sterne sind am Himmel und auch über den Wolken (alles Varianten die er von anderen Erwachsenen zu hören bekam, denn es hält leider keiner für nötig die Eltern anzusprechen wie es den Kindern erklärt wurde, ist aber auch ok so, denn jeder glaubt was anderes und so bekommen es die Kinder auch mit). Ich habe unserem Sohn auf Nachfragen aber auch immer erklärt (altersgerecht), dass ich nicht genau weiß was nach dem Tod wirklich ist, denn wenn wir sterben bleiben wir auch da und so glaubt jeder das was er am Besten findet (sinngemäß).
Auch dass der Körper im Sarg liegt hat unser Sohn erst Stückweise mitbekommen, demnach wie weit er gerade war/ist. Die allererste Variante war dass das Grab eine stelle ist, an der man Blumen hinstellen kann und Kerzen oder andere Geschenke und der Opa, wenn er von oben herunterschaut genau weiß die sind nur für ihn. inzwischen weiß er, dass der Sarg mit dem Körper in dem Grab liegt und irgendwann nur noch die Knochen übrig sind und die Seele zu den sternen geht.

Es gibt auch wunderschöne Bücher zu dem Thema in denen der Tod kindgerecht erklärt ist. Unsere Favoriten waren "leb wohl lieber Dachs", "Nie mehr Oma Linatag" und ergänzend dazu "Opa ich kann Hummeln zähmen". Es gibt sooo viele Varianten, dass ich meist empfehle in die Bücherei zu gehen und zu schauen welches Buch einem persönlich am meisten zusagt.
Von "Willi wills wissen" gibt es auch eine Reportage, wo er sehr einfühlsam und kindgerecht erklärt was passiert wenn jemand gestorben ist. Er begleitet ziemlich religionsneutral einen Bestatter, redet mit einem Sterbenden, einem Seelsorger, Angehörigen nach einer Bestattung und auch Kindern.

Ich bin schon der Meinung dass man Kindern auch religionsneutral erklären kann wie das mit dem Tod ist, ohne dass man gleich mit Würmern, Verwesungsprozess usw. kommt. Es ist nur nicht immer einfach den für sich und seinen Kindern richtigen Weg zu finden, manchmal muss man auch kl. Umwege gehen. Wichtig ist, dieses Thema nicht zu tabuisieren und zu verschleiern. Tod gehört zum Leben ohne Leben kein Tod und ohne Tod kein Leben. Er ist etwas natürliches und sollte auch so behandelt werden. Und wir sollten unseren Kindern auch mal etwas mehr zutrauen und das nicht nur in Bezug auf z.B. Selbstständigkeit, Klettern auf dem Spielplatz und Durchsetzungsvermögen in Kindergarten und Schule. Sie gehen mit dem Thema Tod viel natürlicher um als wir Erwachsenen und verstehen mehr als wir vermuten.

LG

curlysue

Beitrag von marion2 21.01.11 - 09:40 Uhr

Hallo,

hier lag ein toter Vogel vor der Haustür.

Der ist gestorben.

Steht der wieder auf?

Nein, nie mehr.

Mehr wollen Kinder gar nicht wissen.

Gruß Marion

Beitrag von ayshe 21.01.11 - 09:49 Uhr

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Mehr wollen Kinder gar nicht wissen.
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Naja, das kommt aber sehr auf das Alter an.

Meine Tochter hat mit 3,5 1000 Fragen gestellt, da lassen sie sich nicht mehr so einfahc abspeisen.

Beitrag von marion2 21.01.11 - 10:22 Uhr

Manche Fragen ergeben sich auch aus den Erklärungen.

Beitrag von ayshe 21.01.11 - 10:25 Uhr

Das sehe ich nicht so.

Um deinen Dialog zu nennen,

Steht er wieder auf?
Nein.


Warum nicht?
Schläft er?
Wer gibt ihm zu essen?
Was passiert mit ihm?

....

....


Die Fragen kommen aus den Gedankengängen der Kinder.

Beitrag von marion2 21.01.11 - 10:44 Uhr

Ich sehe das so, weil es so war.

;-)

Dass der Vogel keinen Hunger hatte, war klar zu erkennen.

Beitrag von ayshe 21.01.11 - 10:51 Uhr

Wahrscheinlich ist ein toter Vogel einfach sehr unwichtig im Vergleich zu einem toten Verwandten.

Beitrag von marion2 21.01.11 - 12:28 Uhr

Sie haben selbst Parallelen zwischen dem toten Vogel und dem toten Uropa gezogen (den kannten sie allerdings nie persönlich). Das kam später und ohne direkten Zusammenhang zu irgendeiner Situation.

Ich musste auf die Feststellungen dann nur "Ja" und "Ja" sagen.

Beitrag von ayshe 21.01.11 - 12:29 Uhr

Naja, wenn sie ihn nicht kannten, war ihr Bezug zu ihm ja noch geringer als zu dem Vogel.
Sie vermissen ja nichts und nichts ändert sich in ihrem Leben.

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