Medikamente in der Regelschule?Achten die Lehrer darauf?

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von luca2006 22.01.11 - 14:39 Uhr

Hallo :-)
Mache mir so meine Gedanken.
Bei uns hat es ja auch noch Zeit,aber wollte mich vorher schon mal erkundigen.
Mein Sohn ist schwer Herz und Lungenkrank.
Muss einige Medikamente am Tag nehmen,und das ein Leben lang.
Wie ist es denn in der Schule?Kann er auf einer Regelschule wenn er zur Schulzeit Medikamente nehmen muss?
Im KIGA ist es kein Problem,da geben die Erzieher die Medis zu seinen Uhrzeiten,hoffe ja in der Schule geht sowas auch.
GLG

Beitrag von fruehchenomi 22.01.11 - 15:02 Uhr

Das geht nur, wenn Du dem Klassenlehrer eindeutig klarmachst, dass Dein Sohn lebensnotwendig diese Medikamente zur bestimmten Zeit braucht. Auch der Direktor muss das wissen, falls mal ein Lehrertausch stattfindet.
Leider haben es die Lehrer des ADHS-Jungen einer Freundin abgelehnt, danach zu sehen, dass er die Tabletten nimmt, bei Klassenfahrten usw - weil sie solchen angeblichen "Modefirlefanz" nicht unterstützen wollten. Trotz ärztlichem Attest ! Deswegen ist eine klare Ansage in der Schule nötig. Ich glaube, ich würde mir das wie in Deinem Fall sogar schriftlich versichern lassen......
LG Moni

Beitrag von cocoskatze 22.01.11 - 19:32 Uhr

Da nützt dir leider auch keine schriftliche Versicherung etwas.

Lehrer dürfen keine Medikamente verabreichen. Selbst wie sie WOLLTEN, sie DÜRFEN es nicht!

Beitrag von sandra7.12.75 23.01.11 - 07:09 Uhr

Hallo

Unsere tochter hat Epilepsie und besucht eine Förderschule.In der Schulzeit braucht sie keine Medikamente da sie die am Morgen und am Abend nimmt.

Sie hat nur das Notfallmittel in der Schule und das habe ich mir vom Arzt schriftlich geben lassen.Bisher brauchten wir es noch nie #schwitz.

Ein Junge aus der Klasse hat ADHS und der bekommt Mittags die Dosis von der Lehrerin.

lg

Beitrag von pu-tschi 22.01.11 - 15:20 Uhr

Hier in Ba-Wü dürfen wir Lehrer keinerlei Medis geben.

Und: Diese Verantwortung würde ich auch immer ablehnen.

Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass jeder Schulleiter es ablehnen wird, dafür die Verantwortung zu übernehmen- muss ja nur mal nen Referendar o.ä. in der Klasse sein und schon isses passiert.

Anders ist das sicher bei Ausnahmen wie z.B. Asthmapatienten- da lass ich mir kurz zeigen, wie im Notfall das Spray funktioniert und dann ist das ok für mich. Ist halt nicht täglich. Trotzdem rufe ich bei jedem schweren Asthmaanfall schnellstmöglich den Krankenwagen- sicher ist sicher.

Aber: Vielleicht kannst Du selbst zu den nötigen Uhrzeiten kurz in der Schule zum Medisgeben vorbeikommen, dann sollte Unterricht in der Regelschule kein Problem sein.

Beitrag von fruehchenomi 22.01.11 - 18:17 Uhr

Und wie ist das dann, wenn sich ein Diabetikerkind spritzen muss ?
Ist das Kind dann alleine verantwortlich oder muss es allein deswegen
in eine besondere Schule ?
Berufstätige Mütter können schlecht in die Schule fahren zum Überwachen.
M.

Beitrag von cocoskatze 22.01.11 - 19:30 Uhr

Diabetikerkinder sollten bereits sehr früh zur Verantwortung erzogen werden!

Lehrer sind keine examinierten Pflegekräfte, und dürfen somit keinerlei Medikamente verabreichen!

Sie dürfen aber das Kind darauf aufmerksam machen, dass sie nun ihre Medikamente einzunehmen haben.

Die meisten Kinder, die Insulinpflichtige Diabetker sind, schaffen es recht früh, allein dafür zu sorgen. Heutzutage ist ja nun auch wirklich einfach ;-)

Beitrag von pu-tschi 22.01.11 - 20:30 Uhr

Genau. Entweder das Kind oder ein Schulbegleiter (Zivi o.ä.)- "normale" Lehrer dürfen das nicht.
Ich glaube aber, Sonderpädagogen dürften das- bin mir aber auch nicht ganz sicher.

Beitrag von cocoskatze 22.01.11 - 21:18 Uhr

Nein, auch die nicht.
Allerdings dürften es Heilerziehungspfleger.

LG
Simone

Beitrag von fruehchenomi 23.01.11 - 10:32 Uhr

Das wäre ja immerhin schon eine perfekte Hilfe, wenn der Lehrer das Kind an die Tabletten o.ä. erinnert - nehmen kann es die dann freilich alleine.
Nur das "daran denken" ist vielleicht bei den Kerlchen doch schwierig #schwitz

Beitrag von marion2 22.01.11 - 15:35 Uhr

Hallo,

da fragst du am besten in der betreffenden Schule nach.

LG Marion

Beitrag von anyca 22.01.11 - 17:06 Uhr

Den Lehrern wird man das kaum abverlangen können, die unterrichten ja in verschiedenen Klassen, vertreten sich gegenseitig mal etc. etc. Sie sollten natürlich wissen, was mit dem Kind ist und wann sie die Feuerwehr holen müssen.

Vielleicht gibt es ja in so einem Fall einen Einzelfallhelfer o.ä.?

Beitrag von peptamen 22.01.11 - 19:07 Uhr

Hallo,

Du machst Dir m.E. völlig zu Recht frühzeitig Gedanken darüber.

An einer Förderschule für körperbehinderte Kinder gibt es Krankenschwestern, die Medikamente geben.

An den Regelschulen gibt es sie nicht. In NW ist es auch so, daß das Ministerium den Lehrern verbietet, Medikamente zu geben.

Es gibt für chronisch kranke oder behinderte Kinder aber die Möglichkeit, daß ein Krankenpflegedienst die Medikamentengabe gibt. Also praktisch einen Hausbesuch in der Schule macht. Die Kranken- oder Pflegeversicherung (weiß ich jetzt nicht genau) muß die Kosten dafür tragen, wenn das Kind innerhalb der Schulzeiten die Medikamente nehmen muß.

Also ... m.E. kann man gar nicht früh genug an diese möglichen Probleme denken und eine Lösung angehen!!!

Alles Gute für Deinen Sohn und Dich,
Peptamen#sonne

Beitrag von pu-tschi 22.01.11 - 20:31 Uhr

Mir ist gerade eingefallen:

In jeder integrativen Schule gibt es Pflegepersonal.

Ergo: Integrative Schule (kann ja trotzdem Regelschule sein) - Problem gelöst.

Lg, Putschi

Beitrag von lena10 22.01.11 - 21:30 Uhr

Nein, nicht zwangsläufig!

In integrativen Grundschulen in RLP z.B. gibt es in der Regel kein Pflegepersonal!

lG Lena

Beitrag von pu-tschi 22.01.11 - 21:56 Uhr

Haben denn die Kinder keine Sonderpädagogen dabei, die spritzen, wickeln oder Katheter setzen können? Find ich ja krass!
Wie läuft das denn dann bei euch in RLP?
Das dürfen doch die "regulären" Ghs- Lehrer alles gar nicht?

Beitrag von lena10 22.01.11 - 22:52 Uhr

In der Schule, an der ich gearbeitet habe, gab es keine Kinder, die medizinische Betreuung brauchten - also auch kein Pflegepersonal.

Wenn solche Kinder aufgenommen würden, müsste es wohl einen entsprechenden Integrationshelfer geben, der das machen würde. Aber kein Pflegepersonal für die ganze Schule.

Sonderpädagogen sind Lehrer - auch die dürfen keine Medikamente verabreichen (meines Wissens nach).

LG

Beitrag von kati543 23.01.11 - 13:54 Uhr

I-Helfer haben keine pflegerische Ausbildung (im Normalfall) und dürfen das auch nicht.

Beitrag von lena10 23.01.11 - 18:34 Uhr

Kommt drauf an - im Normalfall nicht, das stimmt. Man dürfte in dem Fall halt keinen Zivi nehmen, sondern jemanden, der eine pflegerische Ausbildung hat.

Beitrag von kati543 23.01.11 - 19:25 Uhr

Und wer zahlt das dann? Der Staat hat so niedrige Sätze, da findet man schon kaum ungelernte Kräfte. Das ist ja das Problem an der Sache.

Beitrag von kati543 23.01.11 - 13:52 Uhr

Dass du dir über dieses Thema Sorgen machst, ist gut. Allerdings kann ich dir aus eigener Erfahrung sagen, dass es in der Schule nicht möglich ist, die Medikamenteneinnahme zuverlässig durchführen zu lassen. Es funktioniert einfach nicht. Der/die Klassenlehrer betreut die Klasse in vielleicht der Hälfte aller Fächer...und dann? Was ist wenn der Lehrer ausfällt? Das weißt du ja auch nicht vorher. Auf dieses System würde ich nie vertrauen. Selbst wenn die Klassenlehrerin die Verantwortung übernehmen würde. Du müsstest sie ja dann auch so weit bringen, dass sie sich bei dir persönlich krank meldet - damit du eine Vertretung organisieren kannst.
Die Alternative (so wird es auch in der Praxis gehandhabt - du hast ja nicht das einzigste medikamentenpflichtige Kind) ist, dass eine Krankenschwester vom mobilen Pflegedienst jeden Tag zu den vorgeschriebenen Zeiten in die Schule geht und die Medis deinem Kind gibt. Das zahlt dann die Versicherung. Ist ein riesen Aufwand, das zu organisieren - aber dann klappt es auch.

Beitrag von kebi76 23.01.11 - 19:51 Uhr

Hallo,

ich bin selbst Sonderschullehrerin an einer Grundschule in NRW (gemeinsamer Unterricht).
Ich habe es so geregelt, dass die Eltern mir eine schriftliche Erlaubnis geben, mit genauen Angaben zur Einnahmezeit, Medikament, Dosis etc., dem Kind das Medikament zu geben (Ich darf es sonst nicht).
In dem Schreiben sind weitere Lehrer und Schulleitung aufgeführt, die im Vertretungsfall das Medikament zuverlässig(!)geben.
Ich habe zudem die Erfahrung, dass die Kinder zu 99 Prozent selbst an die Einnahme denken.
Bei uns wird in Konferenzen ausführlich über die Kinder mit Behinderung gesprochen, alle wissen Bescheid, wie sie sich im Notfall verhalten müssen (auch die Sekretärin und der Hausmeister!).

Es ist also meiner Meinung nach eine Frage der guten Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Familie.
Gehe auf die Schule zu und rede mit den entsprechenden Lehrern.
Kommt für Dein Kind vielleicht auch eine integrative Beschulung in Frage? Bei uns in NRW gibt es zum Beispiel den Förderschwerpunkt "körperliche und motorische Entwicklung".
Oder kommt ein "Integrationshelfer" in Frage?

Den im Forum gegeben Tipp mit dem Pflegedienst finde ich ebenfalls sehr interessant. Ich habe zuvor noch nie davon gehört.


Alles Gute,
kebi76

Beitrag von franziska211 26.01.11 - 17:42 Uhr

Hallo,

vielleicht ginge es ja auch so, dass man dem Kind ein Handy mitgibt und es so einstellt, dass es immer zur einnahmezeit piepst.
Die Verantwortung es aufzuladen, läge bei euch.
Evtl ein Brustbeutel ;) mit Handy?
Das könnte man ja vorher auch schon üben "unter Aufsicht".

LG

Beitrag von coolkittycat 30.01.11 - 13:08 Uhr

ich hatte mal ein kind, dem hat die mutter jeden morgen ein handy mit vibrationsalarm gestellt. ich habe zwar versucht jeden tag mit an die medikamente zu denken, hatte aber noch 24 andere kinder. wenn da ein knie blutet oder sich eins übergibt muss man sich eben auch darum kümmern. und da war das handy eine gute unterstützung.

Beitrag von frechdachsie 31.01.11 - 15:19 Uhr

Bei uns dürfen die Lehrer eigendlich auch keine Medis geben, allerdings hat mein Großer in der Klasse ein Diabetikerkind was eine Insulinpumpe hat und regelmäßig messen muss. Da war in der 1. Klasse die ersten 2 Monate die Mutter oder ein Pfleger mit in der Klasse. Die Klassenlehrerin und die Horterzieherin wurden richtig geschult, ebenso die anderen Lehrer eingewiesen wie reagiert werden muß wenn was ist. Mittlerweile 2. Klasse macht der Junge soweit alles alleine, aber die KL hat ein Blick drüber.

Mein Sohn bekommt Medikinet und muß zur Mittagszeit nochmal "nachlegen" dies geschiet beim Mittagessen in der Schule. Die Tabletten verwahrt die Horterzieherin, reicht ihm die und er nimmt sie dann alleine. Ebenso hat die KL einen kleinen Vorrat davon. Wenn er 6 Stunden hat (alle 2 Wochen einmal) bekommt er die Mittagsdosis von der Lehrerin. Auch wenn wir doch mal die Tablette morgend vergessen haben, gibt sie ihm die nach telefonischer Absprache. Ich habe nur eine Vollmacht für die Lehrer geschrieben und gut war.

Viel hängt wirklich davon ab wie die Schule damit umgehen möchte. Mir wurde gesagt solange das Kind die alleine schluckt ist alles okay.

Liebe Grüße Frechdachsie