Wann ist man HB

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Beitrag von schnuffieundschmusie 23.01.11 - 22:01 Uhr

Hallo
Ich habe eine 24 jährige Tochter und eine 9 Jährige Tochter,

Damals war HB kein Thema. Ich kannte diesen Ausdruck gar nicht. Meine "Große" war sehr gut in der Schule. Ich brauchte nie mit ihr zu lernen. Es hat einfach alles geklappt. In der Pubertät sind leider einige Dinge vorgefallen, so dass sie zum Psychologen mußte, der als meine Große 14 war dann einen Diagnostiktest (IQ) gemacht hat. Es ist der Wert 124 heraus gekommen. Wußte damals nichts damit anzufangen. Hatte ja noch kein Internet. Meine Große hat ein fotografisches Gedächtnis. Ok, alles schön.

Mit meiner Kleinen renne ich alle 2 Jahre zum Psychologen, weil immer wieder Schwierigkeiten in der Schule auftreten. Ich wohne in Berlin, also habe ich richtig viel Auswahl. Jedes Mal wurde ein IQ Test gemacht. Habe inzwischen schon 2 verschiedene Werte. 134 und 115. Auf den 3. Wert warte ich noch.
Ich muß auch zugeben, dass meine Kleine sehr verhaltensauffällig ist. Und ich reihe mich in den Trend ein.

Aber warum wird heutzutage immer von HB gesprochen?

Seltsam alles.Die Schule wird doch immer einfacher.
Neue deutsche Rechtschreibung.
Ich habe noch die alte gelernt und fand sie viel besser.
Wenn ein Kind in der Schule gut ist ist es gleich HB?
In der heutigen Schule wird doch alles bis zur Unendlichkeit durchgekaut.Jeder Normalbegabte langweilt sich irgendwann und dann ist er verhaltensauffällig und soll zum Psychater. Soetwas kannte ich vor 15 Jahren nicht.
Auch von meiner Schulzeit kenne ich das nicht.
Habe mal meine Gedanken zum Computer gebracht. Vielen Dank.
Gruß
Karola

Beitrag von 3wichtel 24.01.11 - 08:09 Uhr

Überdurchschnittlich intelligent ist man ab einem IQ von 130.

Wobei bei den meisten Test sowohl die mathematische als auch die sprachliche und die non-verbale Begabung getestet werden.
Und der Mittelwert ergibt den IQ.

Das bedeutet aber auch, dass ein Kind mit einem niedrigeren IQ z.B. im mathematischen Bereich Spitzenwerte erreichen kann, in anderen Bereichen aber weit hinter dem Durchschnitt liegt.
Menschen mit einer solchen "Inselbegabung" nennt man Savants.

Wenn ein Kind insgesamt einen richtig hohen IQ hat, dann könnte es z.B. ein Kandidat fürs Überspringen einer Klasse sein.

Und die klassische Hochbegabung, wo Kinder in allen Bereichen ihrem Alter weit voraus sind und nebenher noch mühelos Sprachen und/oder Instrumente lernen, sind eher selten.

Ich persönlich würde den IQ immer nur testen lassen, wenn das Kind Probleme hat/macht, also in der Schule nicht problemlos "mitschwimmt". Und dann auch nicht als isolierten Test, sondern in Einbettung in eine umfassende Diagnostik.

Mein Sohn hat z.B. Tourette und viele damit verbundene Verhaltensauffälligkeiten. Bei ihm war ein IQ-Test in der Diagnostik ganz sinnvoll, weil er in einigen Bereichen sehr "begriffsstutzig" war, in anderen Bereichen überraschend "schnell" im Denken.
Durch den Test konnten wir als Eltern einen guten Überblick über seine gesamten geistigen Fähigkeiten bekommen und uns beruhigt zurücklehnen, als klar war, dass er in Summe aller Tests "ganz normal" ist.

Ebenso konnten die Schwächen erkannt werden, so dass wir jetzt nicht mehr so verunsichert sind, wenn er in den Bereichen etwas verwirrter oder langsamer als Gleichaltrige wirkt. Wir wissen jetzt halt, dass ihm diese Bereiche nicht so sehr liegen und können ihn entspannt fördern, ohne ihn zu überfordern.

Eine gute Intelligenz schützt übrigens nicht vor Lebensuntüchtigkeit: Der Arzt unseres Sohnes hat es schön auf den Punkt gebracht, als er meinte: "Ihr Sohn ist ein gutes Beispiel dafür, dass Intelligenz alleine nicht lebensfähig macht".

Man kennt ja auch nicht umsonst die Figur des "zerstreuten Professors".

Und da muss ich schon ganz klar sagen: Wenn ich die Wahl habe zwischen einem "normal intelligenten", lebenstüchtigen Kind oder einem "angehenden Physiknobelpreisträger", der sich nicht mal die Schuhe selber binden kann, dann nehme ich lieber das "normale" Kind ;-)

Beitrag von manavgat 24.01.11 - 08:11 Uhr

Ab 130 spricht man von Hochbegabung. 100 ist der Durchschnitt aller (der Industrieländer).

Genies findest Du ab ca. 160.

Allerdings gibt es auch Inselbegabungen. D. h. ein fotografisches Gedächtnis, Zahlen/Mathematik, Sprachen etc.

Entscheidend ist, was man daraus macht.

Du kannst nicht falsch zu hoch testen, wohl aber falsch zu niedrig - bei einem wissenschaftlichen Test. Hat ein hochbegabter keine Lust oder passt sich sozial an, dann kommen zu niedrige Werte heraus.

Dein Sammelsurium an Kritik am Schulsystem würde ich getrennt von der eigentlichen Frage betrachten. Das ist für die Bewertung von Hochbegabung nicht relevant.

Gruß

Manavgat

Beitrag von ilva08 24.01.11 - 16:20 Uhr

"Jeder Normalbegabte langweilt sich irgendwann und dann ist er verhaltensauffällig und soll zum Psychater."

Wäre mir neu, dass alle Normalbegabten zum Psychiater gehen.

"So etwas kannte ich vor 15 Jahren nicht.
Auch von meiner Schulzeit kenne ich das nicht."

Das mag sein, aber das ist ein subjektiver Eindruck.

Über die Ursachen, warum Kinder heutzutage häufiger verhaltensauffällig sind, kann man stundenlang diskutieren. Deinen Erklärungsansatz finde ich extrem eindimensional.

Genauso eindimensional wie: "Erzieht ihr Kind nicht, sich zu benehmen und schiebt die Schuld der Schule in die Schuhe, die sei zu langweilig."

Ich finde solche Statements nicht sonderlich erkenntnisfördernd.