schwanger, zurückstecken und die Männer...

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Forum: Schwangerschaft

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Beitrag von tschenni 24.01.11 - 12:53 Uhr

Hallo,

sagt mal, geht es einer von Euch ähnlich? Oder spinne ich?

Ich bin schwanger mit unserem Wunschkind und mein Partner und ich freuen uns riesig!

Ich liebe allerdings auch meinen Beruf sehr. Aufgrund von Komplikationen in der Schwangerschaft habe ich vor einigen Wochen ein BV erhalten und muss weitgehend zu Hause herumliegen und mich dauerschonen.
Manchmal packt mich schon der Frust: ich musste viele wichtige Dinge absagen, vermisse meine Kollegen und das tägliche Arbeitsleben...

Mein Partner ist beruflich ziemlich viel unterwegs und auch sehr erfolgreich. Er freut sich, wie gesagt, auch riesig auf das Baby. Trotzdem muss er natürlich beruflich im Moment überhaupt nicht zurückstecken, sondern kann fleissig an seiner Karriere basteln.
Gerade ist er für ein paar Tagen auf eine Schulung in eine andere Stadt abgereist. Dort arbeiten sie den ganzen Tag und abends gehört es einfach dazu, dass man mit den Kollegen feiern geht.

Ich gönne ihm das natürlich auf der einen Seite... aber auf der anderen Seite kriege ich innerlich manchmal einen Koller :(

Menno, ich will auch unterwegs sein (wie früher), die Anerkennung, den beruflichen Erfolg (den ich auch immer hatte), mal mit den Kollegen weggehen und mich dann auch wieder auf zu Hause freuen. Statt dessen darf ich nur im Bett und auf dem Sofa abhängen.

Ich weiss, es ist fies, wenn ich meinem Partner das jetzt "neide". Ich versuche auch, es nicht zu zeigen (klappt nicht immer). Aber wenn er dann heute Abend feiern geht und ich hänge wieder nur auf dem Sofa rum, kommen mir schon ein bisschen die Tränen.

Geht es jemanden ähnlich, dass ihr glückliche Schwangere seid aber trotzdem manchmal jetzt schon das alte Leben vermisst?

Ich bin gespannt auf Eure Antworten!
Tschenni 22 ssw

Beitrag von curlysue86 24.01.11 - 12:57 Uhr

mmmnhhhh....
Klar ist das alles eine Umstellung .... aber ganz ehrlich darüber sollte man sich schon früher oder besser vorher Gedanken machen!!!!
So ein Kind bringt schon große Veränderungen mit sich und ich finde wenn man sich für ein Kind entscheidet dann sollte man als Frau auch beruflich etwas zurück stecken !!!!!
Liebe Grüße!!!!!

Beitrag von -mell1982 24.01.11 - 13:02 Uhr

Hallo,
ich finde wenn es dann mal da ist kann der Mann auch zurück stecken.
Leben ja nicht mehr im 18 Jahrhundert.

Beitrag von supersand 24.01.11 - 13:08 Uhr

Ja, aber auch das sollte man vorher klären, wenn es einem wichtig ist, daß z.B. der Mann einen Teil der Elternzeit übernimmt...

Meiner hat´s gemacht, genau die Hälfte. Aber ich weiß, daß ich da wirklich Glück habe. Wir verdienen auch fast genau gleich viel.

Oft sind es aber finanzielle Faktoren. Wenn der Mann sehr viel mehr verdient als die Frau, dann ist es eine einfache Rechenaufgabe, auf wessen Gehalt (abgesehen vom Elterngeld) man monatelang verzichtet. Da leben wir leider oft noch im Mittelalter.

Beitrag von estherb 24.01.11 - 13:44 Uhr

Sehe ich genauso. Leider steckt kaum ein Mann so zurück wie seine Frau. Ich hab es praktisch noch nirgendwo gesehen, und genau darüber ärgert man sich als Frau. Weil es vorher vielleicht anders abgesprochen war. LG

Beitrag von supersand 24.01.11 - 13:04 Uhr

Hey, das verstehe ich. VORHER wär es mir auch so gegangen. Mann muss ja ganz plötzlich von 110% auf 0% runterfahren, das kann einen wahnsinnig machen.

Ich habe auch gerne gearbeitet und bin auch nach 7 Monaten Elternzeit wieder eingestiegen und arbeite wieder fast voll. Aber jetzt bin ich gar nicht mehr so richtig mit dem Herzen dabei. Ok, kann auch sein, daß der Job an sich nicht richtig zu mir passt und das vorher auch schon so war.

Aber ich kann mich da einfach nicht mehr so reinsteigern wie früher. Bin echt nicht so eine Über-Mutti, und arbeiten möchte ich auf jeden Fall immer, aber meine Prioritäten liegen jetzt halt anders. Ich möchte auf den Job nicht verzichten, aber würde ihn gerne mit Familie VEREINBAREN. Du glaubst nicht, wie schwer es einem manchmal gemacht wird.

Dieses ganze Gezerre um eine Stunden mehr oder weniger arbeiten pro Tag nervt mich total. Meine Bestätigung durch den Job ist mir nicht mehr so wichtig, für mich zählt Lebensqualität.

Warte doch einfach ab, was die Geburt/das Kind/das Muttersein mit Dir macht. Manche Sachen/Sehnsüchte erledigen sich dann von selbst. ;-) Man lernt sowieso zu akzeptieren, daß man ne ganze Weile sehr fremdbestimmt leben muss und keinen so geordneten Tagesablauf mehr hat wie im Job, wo man alles ganz strukturiert abarbeiten kann.

Hoffe, das hat irgendwie weitergeholfen?!

Liebe Grüße,

Sandra

Beitrag von tschenni 24.01.11 - 13:39 Uhr

Liebe Sandra, vielen Dank für die Antwort. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich, wenn das Baby erst einmal da ist, die Gewichtungen ändern. Es gibt dann einfach wichtigeres im Leben als den Job! Ich bin mal gespannt, wie das bei mir wird. Liebe Grüsse!

Beitrag von linzerschnitte 24.01.11 - 13:05 Uhr

Hallo Tschenni!

Das mit dem Couch-Bett-Koller kenne ich, ich bin seit der 13. SSW daheim und muss mich auch dauerschonen... Zu sehen wie andere unbeschwert rausgehen, Unternehmungen starten, usw. macht mich auch manchmal ein bisschen traurig. Aber man weiß ja für wen man es tut, oder?

Wegen der Karriere: klar fehlt mir irgendwie das Arbeitsleben, aber ich wusste von Anfang an dass ein Kind die Karriere erst mal aufs Eis legt, also machen mir die paar Wochen früher auch nicht so viel aus...

Versuche, dich ein bisschen abzulenken und zu verwöhnen, tu dir Gutes, lass dir ein Bad ein (wenn du darfst), fall mal über den Süßigkeitenvorrat her,...! ;-)

Lg und Kopf hoch!

Melli mit Noah (30. SSW)

Beitrag von himbeerstein 24.01.11 - 13:06 Uhr

Kann ich voll verstehn, geht mir genauso! Und mein Freund ist Opern und Musikal sänger.... Das bedeutet von nun an kann ich nicht mal mehr nach der Geburt meiner Karriere nachgehen, weil Gesangsverträge mal ein Jahr hier sind, ein Jahr dort, mal in Deutschland mal in der Schweiz und so weiter. Also eine von uns muss seinen Beruf sogar aufgeben und das werde ich sein #heul
Ich muss was neues finden, das ich machen kann wenn ich unterwegs bin. Schriftstellerin oder so.. #schwitz

Aber du bist doch noch mobil, warum gehst du nicht mit deinem Freund mit?? Du musst ja nicht mit in die Meetings, aber Abends feiern, da kannst du doch mit. #freu
Sag ihm er soll dich integrieren, mein Freund hat dafür auch Verständnis und sagte ich darf immer mit auf den roten Teppich #rofl

Beitrag von tschenni 24.01.11 - 13:40 Uhr

nee, bin ja leider nicht mobil, sondern muss ärztlich verordnet dauerliegen :(
Aber danke für Deine Antwort!

Beitrag von butter-blume 24.01.11 - 13:08 Uhr

Hallo,

mein Mann und ich haben beide den gleichen Beruf (Dipl-Ing.) und ich finde es auch manchmal zum heulen, dass er seine Karriere in den letzten Jahren so toll voran treiben konnte während ich mit dem Baby zu Hause sitze und froh sein kann, wenn ich 15 Std. in der Woche arbeiten kann!

Jetzt bin ich wieder SS und es wird wohl in den nächsten Jahren auch nicht besser werden mit der Karriere :-(

Aber was soll man machen? Er kann nun mal nicht die Kinder kriegen und er hat mittlerweile einen so guten Job, dass ein Rollentausch finanziell nicht in Frage kommt (er verdient das Doppelte von mir!). Ich kann nur versuchen so viel Zeit wie möglich für meinen Beruf "übrig" zu haben und darauf hoffen, dass es im Laufe der Jahre wieder mehr davon geben wird.

Aber ein Leben ohne Familie kann ich mir nun echt nicht vorstellen! Und manchmal, wenn Schatzi wieder ne 60 Std. Woche hatte und unseren Kleinen quasi gar nicht gesehen hat bin ich sogar sehr froh, dass ich den Streß und Frust nicht habe! Denn er vermisst unseren Kurzen schon sehr, die beiden haben eine sehr enge Beziehung!
Ich versuche mein Kind (bald Kinder) als meinen Job zu sehen und darin gut zu sein!

Lg Butter-blume

Beitrag von supersand 24.01.11 - 13:11 Uhr

Hey, das finde ich gut. Es kommen bestimmt auch wieder andere Zeiten.

Und theoretisch könntest Du die Kleinen immer betreuen lassen und 40h/Woche arbeiten. Das machen ja andere auch.

Man entscheidet sich schon selbst, ob man arbeitet oder nicht. Und wenn man eben bewusst zuhause bleibt, dann soll man auch dazu stehen und nicht rumjammern, daß die Karriere flöten geht.

LG,
Sandra

Beitrag von gsd77 24.01.11 - 13:11 Uhr

Hallo,
irgendwie verstehe ich Dich schon!
Haben 2 grosse Töchter von fast 13 und 14 Jahren, klar das man da schon wieder weggehen usw kann.
Haben 10 Jahre danach unseren Sohn bekommen, der jetzt 2 Jahre vorbei ist!
Und nun bin ich mit meiner 3. Tochter ss :-)

Ich vermisse gar nicht so sehr das Berufsleben, denn das habe ich ja vorher gewusst das dies nun hinten ansteht, aber ich vermisse einfach ein wenig die Zeit für mich alleine.

War seit der Geburt unseres Sohnes nicht mehr alleine weg, immer nur mit den Kids. Mein Mann hingegen geht, abgesehen von den Firmenfeiern, auch mal mit Freunden weg.

Aber die Zeit geht auch vorbei, denn die Kids werden älter :-)
Es ist nicht so das ich nicht gerne bei meinen Mäusen zu Hause bin, nein, ich mache es ja freiwillig, habe ja schon ein schlechtes Gewissen wenn ich schnell alleine einkaufen gehe :-)

Geniesse einfach die Zeit für Dich und danach mit Deinem Zwerg, es vergeht ja soooo schnell!!

Alles Liebe!

Beitrag von estherb 24.01.11 - 13:43 Uhr

Liebe Tschenni,


ohhhhh ja, und wie ich das kenne, ich liege seit der 25. SSW auf dem Sofa und bin jetzt in der 33. SSW. Mein Mann und ich haben zudem den gleichen Job und ich weiß sehr gut, was er täglich tut! Ich finde es ganz normal, dass du neidisch bist, und leider geht das auch so weiter. Denn selbst, wenn der Mann auch Elternzeit übernimmt - meiner war beim ersten Mal und nimmt auch diesmal Elternzeit - und man die Abmachung hat, dass man sich alles 50% teilt, läuft das in der Realität leider nie so.

Ich kenne keinen einzigen Mann, der so viel Familie übernimmt wie seine Frau, aber ich kenne viele Frauen, die so viel arbeiten wie ihre Männer. Fazit - wo ist die Arbeit hin? Genau...

Organisieren, Zusatzaktionen mit Kind(ern), Kindergeburtstage ausdenken, Freundebücher ausfüllen, Prinzessinnen- und Ritterburgkuchen zum Geburtstag backen, Kinderturnen ausfindig machen, zur Musikschule karren, Playmobil nach Themen sortieren, im-Kopf-haben-was-vor-der-Geburt-noch-alles-besorgt-werden-muss und den Mann daran erinnern, in-der-Kita-nachfragen-warum-Tochter-traurig-ist-weil-sie-gerade-nicht-in-die-Puppenecke-darf, schöne Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke aussuchen; sich darum sorgen, dass das Kind nicht nur Pudding ist, während man selbst auf Dienstreise ist. Über den inneren Schweinehund hinweg sehen und nach einem langen Arbeitstag oder einer stressigen Woche mit dem Kind ins Schwimmbad gehen. Was glaubst Du, wer das macht :-)

Mir fehlen gerade, auf dem Sofa liegend, meine Kollegen, mein Job, meine berufliche Anerkennung natürlich auch für meine eigene Wertschätzung. Und es tut so gut, wenn einer meiner Kollegen mich mal besuchen kommt und ich mit jemandem über berufliche Inhalte diskutieren kann. Allein zu Hause hab ich derzeit nämlich nach 9 Wochen auf dem Sofa kaum noch Lust, was beruflich relevantes zu tun. Mit meinem Mann bin ich mittlerweile durch Liegefrust, nichts machen dürfen, dem Chaos zuschauen müssen und dergleichen dauerknatschig.

Ich hatte vor dem ersten Kind mal die Illusion, dass es klappt mit dem 50% Teilen, wenn man vorher klare Absprachen hat. Klappt vielleicht mit wenigen Männern, aber vermutlich nie in allen Dingen, die einem wichtig sind... und wohl kaum mit einem beruflich ebenfalls engagierten und karriereorientierten Mann. Weil sich nämlich in der SS und mit der Geburt eine wesentliche Sache ändert: Als Frau fühlst du dich deinem Kind von Beginn an so verbunden, und es ist so abhängig von dir, dass du bereit bist, in vielen Punkten zurückzustecken. Beim Mann ist das anders. Und die Tatsache, dass man in der SS bereits merkt, dass man vieles nicht mehr machen kann, was der Partner noch tun kann, ist vermutlich die körperliche Vorbereitung auf den psychischen Frust, wenn man nach der Geburt fest stellt, dass auch die Umsetzung des Familienlebens etwas anders läuft, als man das mal geplant hatte.

Insofern ist der Neid irgendwie für mich ein ständiger Begleiter geworden... natürlich nicht auf das eine Glas Wein, das der Partner in der SS trinken kann und ich nicht. Soll er. Aber auf die Energie, die er noch hat, um auch, wenn ein Neugeborenes im Haus ist, noch abends mit Freunden auszugehen. Ich hab sie nicht mehr, weil ich nachts häufiger aufwache, stille, öfter wickele, weil ich eh schon wach bin und meinen Mann erst mit der Pauke aus dem Bett schmeißen müsste. Nicht mal, als wir beide wieder arbeiteten nach der Elternzeit, hatte ich die Energie - er schon, Bei mir ging so viel Kraft für anderes drauf. Neid darauf, dass er an eine Dienstreise ohne schlechtes Gewissen ein paar Tage Urlaub anhängt - was ich auch gerne täte, aber mit meinem Muttertier plötzlich nicht mehr vereinbart kriege, das denkt: Mein Kind hat schon vier Tage auf mich verzichtet. Ich fliege gleich heim. Neid auf das unbeschwerte Empfinden von Männern, an dem sich viel weniger geändert hat als an meinem eigenen. Und Neid darauf, dass es meinem Mann gelingt, an der Tür die Gedanken an Familie(norganisation etc.) hinter sich zu lassen, während all das bei mir den ganzen Tag im Kopf stecken bleibt. Ich würde diesen Neid gerne abstellen. Aber das ist äußerst schwierig, wenn man mit der SS und der Geburt eines Kindes plötzlich merkt, wie stark sich entgegen aller Pläne Rollen verändern, sich das Leben ändert, sich die eingespielten Teammuster in einer Beziehung verändern. Ich glaube aber auch wirklich, dass dieser Neid normal ist. Alle beruflich erfolgreichen Frauen mit Kind, die ich kenne, haben ihn (wenn auch ihn nicht jede so schnell zugeben würde :-)).

Liebe Grüße,

Esther