Motzkuhs Katze

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Forum: Schwangerschaft

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Beitrag von sarosina1977 26.01.11 - 10:00 Uhr

Bis zu meiner Schwangerschaft war unsere Katze "Motte" eigentlich die Motzkuh in unserem Haus. "Motte" ist von Haus aus sehr eigen. Könne man ihr einen Aufkleber auf den Hintern pappen, dann würde da drauf stehen: "Born to be wild" oder "Born to be free".

Solche allgemeinen Beschmusungs-Kosenamen für Katzen wie "Fellnase" oder "Samtpfote" wirken auf Motte bezogen wie eine Farce. Motte ist wild, Motte ist stur und irgendwie finde ich das ziemlich cool an ihr. Zu ihren Vorfahren muss der "gestiefelte Kater" gehört haben, denn "Motte" ist das ganze Jahr über tagelang, manchmal wochenlang, unterwegs. Weiß der Geier, wo sie steckt. Sie war mal neun Wochen am Stück verschwunden und tauchte dann plötzlich wieder auf: Sie erschrak mich fast zu Tode, als ich im Keller Wäsche aufhängte und sie wie ein Geist mit gelben Augen in tiefliegenden Höhlen durch die Scheibe starrte. Ich habe die ersten zwei Jahre ihres Lebens hunderte Kilometer mit dem Auto sämtliche Straßengräben der Region abgefahren, weil ich immer befürchtet hatte, dass sie überfahren worden war. Inzwischen mache ich mir keine Sorgen mehr um sie.

"Motte" ist so, seit wir sie haben. Wir haben sie als Katzenbaby von einer Familie geholt, die einen ganz Wurf hatte. Bei den Leuten hieß "Motto" mal "Seerobbe" - aber das fand ich doch arg albern. "Motte" passt sehr gut, weil sie nachtaktiv ist und ihr braun-schwarz getigertes Fell sieht aus wie die Zeichnung eines Nachtfalters. "Motte" ist immer mürrisch gewesen. "Lass' mich bloß in Ruhe" schien sie sagen zu wollen, wenn sie von ihren Trekkingtouren zurückkommt. Streicheln verboten. Sie knurrt sogar, wenn der Müllwagen durch die Straße rattert. Vielleicht ist Motte deshalb seit Jahren mürrisch, weil ich sie hab sterilisieren lassen, ohne dass sie jemals Mutterglück hat erfahren dürfen?! Aber ich gehöre ja zu den verantwortungsvollen Tierhaltern, die alles dafür tun, dass ihre Tiere nicht zum Straßenkatzenelend beitragen.


Jetzt bin ich schwanger. Und Motte ist total anders. Am Anfang dachte ich, dass ich mir das einbilde. Aber es ist in der Tat so. Motte verlässt das Haus nicht mehr. Während sie ansonsten bei Wind und Wetter, auch im Winter, mit angelegten Ohren geduckt durch die Welt streifte, liegt sie jetzt lieber auf dem Sofa. Ich habe mir Sorgen gemacht und Motte letzte Woche zum Tierarzt geschleppt. Das grenzte an eine "Mission impossible", denn sie fauchte und spuckte und kratzte und zeterte in ihrer Katzentransportbox. Eigentlich müsste ich einen Löwenkäfig anschaffen, denn sie hat sogar mal die Luke der Box aus ihrer Verankerung gedrückt und ist mit aufgestelltem Nackenhaar davongerast. Dieses Mal konnte ich sie bändigen und ich stellte die Box gleich in den Kofferraum, weil sie mir schon mal in der Wut durch die Käfigmaschen den Ledersitz im Auto zerkratzt hat, als ich sie im Beifahrer-Fußraum abgestellt hatte.
Der Tierarzt war mit ihrem Zustand sehr zufrieden. "Ein strammes Tier" urteilte er. Oh ja... Nochmal die Impfung auffrischen, eine Entwurmungstablette im Rachen versenken. Ist die Katze gesund, freut sich der Mensch.

Mich irritiert seit Wochen Mottes Anhänglichkeit. Ich bin das gar nicht gewöhnt. Ich kenne es nur, dass sie nach Tagen kommt, frisst und wieder abdampft. Aber jetzt räkelt sie sich zwischen meinen Füßen, schaut mir beim Duschen zu und beobachtet jeden Handgriff in der Küche. Anfangs war mir das unheimlich. Jeden meiner Schritte verfolgt sie aus ihren gelben Murmelaugen und setze ich mich irgendwo hin, dann hüpft sie auf meinen Schoß und lässt sich gurrend und schnurrend nieder. Tollwut ist ausgeschlossen, sagt der Tierarzt.

Und schon versetzt mich ein neuer Schreckgedanke in Unruhe: Schwanger+Katze=Toxoplasmose!!!!!

Oh mein Gott!!!

Was soll ich nur tun? Kann man Katzen gegen Toxoplamose impfen? Oder Schwangere? Gibt es Untersuchungen von Tierschutzorganisationen darüber, wie oft ausgesetzte Katzen aus schwangeren Haushalten stammen?

Ruhig Blut. Es ist nur eine Katze. Ich bin mit Katzen aufgewachsen. Ich habe schon ein Kind. Wir sind alle pumperlgesund.

Motte scheint von meinen Sorgen nichts zu ahnen. Sie hockt mit Begeisterung auf ihr nagelneues Katzenklo mit einer Haube, die mit Tribals verziert ist. Und drückt einen fetten Haufen nach dem anderen rein. Mit schwitzenden Händen mache ich Tag für Tag die Kiste sauber. Schwitzend nicht vor Angst...sondern weil meine Handhaut keine Luft in den Einmalhandschuhen kriegt. Ich musste noch nie ein Katzenklo von Mottes Absonderungen reinigen - sie ist zum Geschäfte machen immer raus gegangen.

Eine Katze zu haben, hat jetzt als Schwangere ganz neue Qualitäten. Diese spezielle Form der Aufmerksamkeit genieße ich auf eine bestimmte Art. Aber im gleichen Moment geht mir die Schmuserei wieder auf den Keks und die Motzkuh scheucht "Motte" mit einem genervten Brummen weg. Und die Schwangerschaft weckt plötzlich ganz neue Fantasien in Sachen Katze und deren Ernährung: Wie das wohl schmeckt, wenn man das in Form gepresste Katzenmenü aus dem viereckigen 100-Gramm-Schälchen in die Pfanne schmeißt, von beiden Seiten schön anbrät und...Hilfe!!!!

Ich bin schwanger und meine an sich so wilde Katze überfordert mich mit ihrer Anhänglichkeit. Bis vor acht Wochen wäre es undenkbar gewesen, dass wir mal als komplette Familie auf dem Sofa liegen: Mann, Kind, Frau (mit Zwerg im Bauch) UND Katze. Es hat immer eine gefehlt: Nämlich Motte. Seit acht Wochen ist das anders. Motte braucht am meisten Platz.

Aber irgendwie rührt mich ihre Wandlung. Meine Wandlung rührt mich auch. Neulich bin ich nachts aufgewacht. Und habe mal wie immer übel gefroren. Trotz einem Dreierpack Decken und dicken Wollsocken hatte ich eiskalte Füße. Als hätte sie es geahnt, tappte Motte ins Schlafzimmer und ich konnte ihre Umrisse im Dunkeln neben meinem Bett erkennen. Einen Augenblick später hüpfte sie zu mir ins Bett, blickte mich durch die Dunkelheit an und schien zu schnurren: "Lass mal gut sein. Ich mach das schon." Und rollte sich am Fußende auf meinen eiskalten Füßen zusammen. Ihre Wärme tat richtig gut. "Kein Wunder verwendet man Katzenfell für Rheumadecken" fiel mir in diesem Moment ein. Böses Frauchen!

Vor Toxoplasmose habe ich keine Angst mehr.

Beitrag von junibauchbewohner 26.01.11 - 10:03 Uhr

hallo einfach wieder nur genial

ich liebe deine postings suche immer sehnsüchtig ob ich auch keinen verpasse mach weiter so du versüsst meine#schwanger

LG Tascha#winke

Beitrag von tosse10 26.01.11 - 10:09 Uhr

Du solltest das alles sammeln und irgendwann veröffentlichen. Als Schwangerschaftsratgeber der anderen Art! Meine Laune ist gleich besser ;-)

Beitrag von sweetlilly70 26.01.11 - 10:11 Uhr

Super geschrieben!

Meine Katze zieht es leider nun seit Wochen trotz des Wetters immer wieder den ganzen Tag nach draussen...
Aber WENN sie denn abends drin ist, ist es für sie ein MUSS auf meinem Schoß zu liegen - und neulich sogar quer überm Bauch (mit runterbaumelnden Pfoten)...

Das ist nun alles auch untypisch für sie.

Tja, wer weiß, was in den "Fellpopos" so alles vorgeht in dieser Zeit....

LG
SweetLilly
(36. ssw)

Beitrag von sarosina1977 26.01.11 - 10:13 Uhr

Deine liegt auf Deinem Bauch??

Stell Dir vor: Motte tat das auch: Bin neulich nachts aufgewacht und dann lag sie AUF meinem Bauch (halt leider thematisch nicht in die Motzkuhstory gepasst). DAs hat sie noch nie gemacht!!!

Seltsam...aber ich hab schon mal darüber gelesen, dass Tiere in der Schwangerschaftschaft ihrer Menschen anders reagieren.

Bei uns trifft das echt zu.

LG

Beitrag von sweetlilly70 26.01.11 - 10:20 Uhr

Ich hatte die Beine "aufgestellt" (halt angewinkelt), um den Steißbereich zu entlasten - und da sie ja zwingend auf Frauchen liegen musste, blieb nur der Bauch...

Vorsichtig draufgekrabbelt und sich lang gemacht - um das Gewicht zu verteilen (unterstelle ich ihr mal ;-) ) und dann die Pfoten links und rechts runterhängen lassen.

Neee - sowas hat sie auch vorher nie gemacht.

Da ist sie maximal auf dem Sofa unter die Decke zu mir gekrabbelt - aber niemals AUF mich!

Hab noch einen Kater - aber der scheint nichts zu merken > allerdings ist er auch schon 17!

LG

Beitrag von eisblume84 26.01.11 - 10:12 Uhr

Also wenn ich deine Geschichten lese, bekomme ich gleich immer guter Laune.

Überleg dir nicht mal, ob du nicht ev. doch mal ein Buch schreibst.

LG und weiter so

Beitrag von mira24 26.01.11 - 10:17 Uhr

Das denke ich auch jedes Mal. Es macht richtig Spaß deine Beiträge zu lesen. Da du ja auch "erst" 8SSW bist hast du sicher noch ne Menge Motzkuh-Geschichten auf Lager.
Das würde sicher ein Bestseller im Buchladen werden.
Überlegs dir mal.
Und wie du liest gibt es hier schon ne Menge Leute, die deine Geschichten lieben#pro#pro#pro

LG Nadine

Beitrag von sarosina1977 26.01.11 - 10:21 Uhr

Liebe Nadine.

Ich freue mich über all Eure Lobs (Lobe oder Löbe?? *lach*) und ir entgehen Eure Aufforderungen, ein Buch zu machen, nicht.

Aber es gibt ein Aber: Wer soll sich schon für den schwangeren Alltag von sarosina interessieren? Es gibt doch schon solche Tagebücher. Frau Feldbusch brachte eines auf den Markt und es floppte.

Michael Mittermaier hat jetzt ein Buch auf den Markt gebracht, in dem er über seine ERlebnisse als Papa berichtet.

Ich glaube, dass sich Verlage nur für die SS-Sorgen von Stars interessieren. Und ich glaube auch, dass "Frisch gepresst" nur deshalb erfolgreich wurde, weil eine Fernsehfrau das Buch getextet hat.

Deshalb bleibe ich lieber auf dem Boden der Realität. Als Schriftstellerin werde ich wohl keine Chance haben. Ich freue mich, dass ich hier im Forum schreiben darf.

LG!

Beitrag von mira24 26.01.11 - 10:28 Uhr

Klar klingt schon realistisch, aber muss ja nicht komplett auf die SS bezogen sein.;-)
Auf jeden Fall freuen wir uns, wenn wir weiter Beiträge von dir lesen könne, das versüßt echt den Tag

LG Nadine

Beitrag von leeoo 26.01.11 - 10:13 Uhr

Schön ...

Mir kam auch die Idee, dass Du echt mal darüber nachdenken solltest, das Schreiben zu vertiefen und irgendwie diese Postings als SS-Tagebuch zu veröffentlichen, machtr echt Spaß zu lesen =)

LG

Beitrag von sarosina1977 26.01.11 - 10:15 Uhr

Hey und danke für Dein Kompliment.

Solche SS-Tagebücher gibt es doch schon.

Siehe: "Der kleine Feldbusch" und so.

Ich glaube nicht, dass es von Seiten der Verlage da Bedarf gibt.

Ich denke, dass es nur den Stars vorbehalten bleibt, über ihre SS zu berichten. Jetzt kam ja neulich ein Buch von Comedian Michael Mittermaier raus. Da berichtet er von seinem Leben als frischgebackener Papa.

Wen juckt es also, wie sarosina ihren SS-Alltag bewältigt? Ich sehe das einfach realistisch :-)

Beitrag von mira24 26.01.11 - 10:21 Uhr

Klar gibt es schon ne Menge ähnlicher Bücher, aber davon gibt es auch immer mehr, weil doch die Nachfrage da ist. Ich würde mich freuen
So a´la "Motzkuh´s Alltag und andere Katastrophen

Beitrag von ...sonnenblume... 26.01.11 - 10:17 Uhr

Einfach nur gut!!! #pro#pro#pro

Beitrag von curryfee 26.01.11 - 10:19 Uhr

mal unabhängig davon, dass du total großartig schreibst, sodass man alles nachfühlen kann, bin ich total froh, dass ich deinen Beitrag gelesen habe!

Mir fällt an meiner Hündin nämlich selbes Verhalten auf, habe ich zwar noch niemandem gesaht, weil ich dachte ich spinne, aber jetzt wo du sowas schreibst...
Ich bin inzwischen in der 14 SSW mit Zwillis und habe schon nen deutlichen Bauchansatz. Mein Hund liegt nu jeden Abend mit dem Kopf auf meinem Bauch...

Schon komisch... #verliebt

Beitrag von sorceres 26.01.11 - 12:54 Uhr

#pro#pro#pro#pro#pro#pro#pro#pro

Immer wieder toll wie du schreibst!!

ganz ehrlich, ich würde es trotzdem mal probieren, mit dem Buch! Was hat man denn zu verlieren?


Mach weiter so, freue mich schon auf deinen nächsten berich #huepf

#winke