Kreatives Chaos - wie damit umgehen?

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von sarosina1977 26.01.11 - 11:52 Uhr

Hallo Runde.

Ich habe eine Frage an Euch, und zwar zum Thema "Zimmer aufräumen" und "Ordnung halten".

Meine Tochter ist 6, kommt im Herbst in die Schule und sie ist sehr kreativ. Wann immer sie die Möglichkeit hat, bastelt sie. Sie funktioniert bspw. einen Umzugskarton in eine Katzenhöhle um, schneidet Fenster rein, bastelt Vorhänge aus Papier. Kleine Holzstäbe hat sie zu einem Christbaum umfunktioniert und sie über und über mit Papierfetzelchen beklebt (Tannennadeln) die sie vorher grün anmalte. Wir basteln oft gemeinsam am großen Esstisch, aber meist will sie in ihrem Zimmer basteln. Geschenke für Oma, Opa, Mama, Papa, Fruendin usw. Wenn sie sonntags früh wach wird, fängt sie zu basteln an, weil sie uns noch schlafen lassen will. Im Schnitt schenkt sie mir oder anderen Familienmitgliedern jeden Tag 10-15 Bilder/Bastelarbeiten - und ich weiß einfach nicht mehr, wohin damit. Manches hänge ich auf. Manches stelle ich in der Wohnung auf. Wir haben Erinnerungskisten, da kommt der Rest rein. Und manchmal sortiere ich heimlich aus und fühle ich ganz mies dabei.

Zu dieser sehr ausgeprägten Kreativität kommt noch Chaos dazu. wir haben das Zimmer so eingerichtet, dass meine Tochter viel Stauraum und Schubladen hat, wo sie ihren ganzen Kram verstauen kann. Wir kauften extra ein neues Bett mit integrierten Schubkästen, um noch mehr Raum zu schaffen. Aber die Sachen landen trotzdem einfach auf dem Boden oder wild im Regal. Der Stiftekorb wird ausgeschüttet und zum Schlafkörchen für kleine Plastiktierchen umfunktioniert. Obwohl sie einen Schreibtisch hat, malt sie auf dem Boden und da bleiben dann die Stifte liegen.

Wenn wir gemeinsam aufräumen, macht sie das mit Begeisterung. Sie hilft, denkt mit und erledigt das gerne. Ein mal die Woche mache ich in ihrem Zimmer "Grundordnung" - aber wenn sie nur zwei Stunden in ihrem Zimmer werkelt, sieht es danach wieder aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Aber nur mit Bastelzeug veranstaltet sie diese Unordnung. Papierschnipsel, Stifte, Papier, Karton, Tesa - überall liegt das Zeug herum und sämtliche Puppen und Stofftiere haben irgendwelche gebastelten Hüte/Brillen auf.

Wenn sie mit einer Freundin ein Brettspiel spielt, räumt sie es zwar in die Schachtel, legt sie aber nicht in den Spieleschrank, sondern stopft sie in irgendein Bücherregal. Im Rest der Wohnung verteilt sie ihre Haarspangen, Haargummis, Minifigürchen und anderen Kleinkram, den sie über alles liebt. Hört sie CDs, dann werden die Scheiben nicht gleich wieder in ihre Hüllen gesteckt, sondern landen erst mal auf dem Boden. Ich habe ihr schon so oft erklärt, warum es besser ist, die CDs gleich aufzuräumen - ist ja auch nur ein Handgriff. Sie macht das dann eine Weile auch richtig, dann fängt das wieder von vorne an.

Wir sind von Haus aus normal ordentlich. Alles hat seinen Platz und wird da nach Gebrauch wieder hingelegt. Ich will nicht, dass es bei ihr im Zimmer wie im Möbelkatalog aussieht - aber wie kann ich ihr denn noch mehr verständlich machen, dass sie einfach ihre Gebrauchsgegenstände nach Nutzung wieder aufräumt? Ist doch weniger Arbeit als sich extra wieder hinzustellen und aufzuräumen. Die Stifte zurück in den Stiftekorb in der Schublade anstatt auf dem Boden rumfahren lassen...? Sie hat nicht übertrieben viel Spielzeug. Wir sortieren ein mal pro Jahr ihre Spielsachen gemeinsam aus und das, wovon sie sich von sich aus trennen will, geben wir in den Second-Hand-Laden und das Geld kriegt sie aufs Sparbuch. Ich kaufe sehr bewusst zu Festtagen Spielzeug ein - aber am meisten Freude macht man ihr mit Bastelsachen. Und weil das jeder weiß, wird sie damit auch kräftig bedient. Das ist ja auch okay. Wir machen viele Ausflüge, lesen, kochen, backen gemeinsam, ansonsten machen wir täglich Übungen aus Vorschulblöcken und unterschiedliche Gesellschaftsspiele - da sind wir gut sortiert. Wir räumen auch zusammen die Spiele wieder auf - funktioniert prima.

Welchen MIttelweg kann ich finden, dass ich nicht ihre Kreativität ausbremse, aber sie gleichzeitig einfach zu ein bisschen Ordnung anleite? Und dann weiß ich manchmal auch nicht, wie ich mit diesen Massen an Bastelarbeiten umgehen soll. Zur Zeit bastelt sie am liebsten Papiertaschen aus Papier und Tesa. In diese Taschen steckt sie dann winzige, ausgeschnittene Papierstücke, mit Glitzer bemalt. Wir haben nicht 1 oder 2 solcher Taschen, es sind jetzt an die 20. Und ich tue mir unheimlich schwer, ihre Begeisterung zu bremsen. Kann man einfach sagen: "Es reicht jetzt"? Hinzu kommen ja noch die Kunstwerke, die sie im Kindergarten anfertigt. Jeden zweiten Tag gehe ich mit einer ganzen Tüte voll mit Papierwerken nach Hause. Wie finde ich einfach einen guten Mittelweg???

Danke für konstruktive Antworten.

Beitrag von marion2 26.01.11 - 13:54 Uhr

Hallo,

sie ist 6 - was erwartest du? Ich wäre froh, wenn eins meiner Kinder so bastelverrückt wäre. ;-) Meine verbreiten ihr Chaos einfach "nur so" beim Spielen.

Beim Aufräumen muss man helfen, so lange es notwendig ist. Viele Kinder haben ihre eigene "Ordnung". Was genau spricht eigentlich dagegen ein Spiel in den Bücherschrank zu stellen? DEIN Ordnungssinn - nicht ihrer. Deswegen ist das auch so schwer für sie.

"Jedes natürliche System strebt den Zustand höchster Unordnung an" lernte ich als Merksatz in der Schule. Kinderzimmer scheinen zu den natürlichen Systemen zu gehören. ;-)

Gruß Marion

Beitrag von sarosina1977 26.01.11 - 14:47 Uhr

Hallo,

bitte nicht falsch verstehen. Ich möchte ihr einfach zu Systematik verhelfen, die ihr vielleicht in der Schule hilfreich sein könnte. Es wird ja ohnehin viel auf sie zukommen. Ein klein wenig Ordnung erleichtert ungemein.

Bislang habe ich ja nicht gemeckert, nicht gemotzt. Und ich werde auch weiterhin gemeinsam mit ihr aufräumen. Und noch mal: Ich erwarte keine klinisch reine Hygiene.

Aber dass man wenigstens die Kleider in den Schrank einräumen kann, ohne sich zu verletzen :-)

Und: Ein klein wenig Ordnung hilft ja, noch kreativer zu sein...wie oft erlebe ich sie suchend, weil sie einen bestimmten Stift verlegt hat und ihn einfach nicht mehr finden kann.

Beitrag von fbl772 26.01.11 - 15:13 Uhr

Hallo, warum vereinbart ihr nicht eine tägliche Aufräumrunde nach dem Abendessen oder so? Mein Kleiner (2,5 Jahre) räumt jeden Tag abends zusammen mit mir auf, natürlich nicht alles, aber so, dass er weiß, dass es notwendig ist und somit zur Routine wird.

Es klingt, als würde sie quasi im Kindergarten die ganze Zeit und zuhause auch "dasitzen" und basteln - sich also nicht bewegen. Ist das wirklich so? Das würde ich dann eher ändern wollen ....

LG
B

Beitrag von marion2 27.01.11 - 08:50 Uhr

Hallo,

du verlangst immer noch zu viel. ;-)

Das Kinderzimmer ist und bleibt eine Todeszone. Wart ab wie es dort aussieht, wenn sie in die Pubertät kommt.

Gruß Marion

Beitrag von lisa1408 27.01.11 - 10:15 Uhr

Meine Tochter ist auch so "bastelwütig"... wobei ich glaube, bei deiner ist das ausgeprägter als bei meiner :-D

Chaos im Kinderzimmer - kenne ich auch.

Lösung - hab ich keine #schein

Bei meiner Tochter kommt dazu, dass Stifte nicht wieder verschlossen werden, Glitterkleber offen liegen gelassen wird usw. Die Sachen sind dann einfach kaputt und nicht mehr zu gebrauchen.

Ich räum eben weiterhin mit ihr auf, verlange zwischendurch immer wieder, dass sie selbst aufräumt - aber da wird dann auch alles irgendwohin gesteckt. Ich hoffe einfach, dass das mit dem Alter besser wird.... oder zumindest wenn sie mal erwachsen ist :-D

Beitrag von sarosina1977 27.01.11 - 11:33 Uhr

Hallo, danke für Deine nette Antwort.

Ja, genau so ist es auch bei uns: Stifte bleiben offen liegen, man tappt in den Kleber rein.
Ich will nicht den Eindruck erwecken, dass ich ihre Bastelleidenschaft beschneiden will (was für ein Wortspiel), aber es geht halt schon viel Material drauf. Und das muss ja auch alles angeschafft werden. Ich wünsche mir einfach ein wenig mehr Bedacht. Durch meinen Beruf fällt viel Altpapier an. Das gebe ich ihr zum malen. Aber vorhandene Buntpapiere werden einfach wahllos zerschnippelt, Kleber trocknen aus, Glitzerstifte verschwinden, Reliefscheren sind weg...in diesem Chaos geht halt einfach viel Material verloren und dann soll es wieder angeschafft werden??

Ich erkläre ihr das alles ganz ruhig und sachlich, ich schreie nicht herum - aber reicht es nicht, ein Mobilee zu basteln? Müssen es 8 oder 9 sein? Bei Discountern gibt es ja immer wieder solche Bastelpackungen, die ich auch gerne kaufe. Aber ruckzuck sind sie leer. Und ich habe viel Zeug herumliegen, das nicht immer für mich einen Sinn ergibt. Ich würde ihr einfach gerne ein wenig Systematik vermitteln. Sie kommt ja in die Schule - da wird sie das gebrauchen können.

Aber ich lasse sie einfach wurschteln und räume Tag für Tag mit ihr die "Werkstatt" auf.

Beitrag von urmel09 27.01.11 - 22:15 Uhr

Eine richtige Idee habe ich nicht, aber sei froh das sie wenigstens freiwillig mit aufräumt - meine Beiden verwüsten ihre Zimmer und versuchen beim Thema aufräumen mit allen Mittel davon zu kommen.
Ich denke ab Herbst hat sie eine neue Aufgabe, dann kann sie Ihre Hausaufgaben besonders ordentlich machen. Kannst du ihre Bastelwut nicht ein bisschen lenken - Sachen die länger dauern und nicht ganz soviel "Müll" hinterlassen? Ich habe keine konkrete Idee vielleicht malen nach Zahlen oder was ähnliches. Meine Tochter bringt und produziert auch reichlich - ich sortiere dann genau wie du durch und nur die wirklich gelungenen Werke kommen mit Datum in eine Erinnerungskiste.

Beitrag von sarosina1977 28.01.11 - 06:36 Uhr

Danke für Deine konstruktive Antwort.

Eben vor dieser Frage stehe ich ja: Wie soll ich produktiv die Bastelwut lenken? Sie hat Kreativphasen, da darf ich das Zimmer nicht betreten, weil sie eine Überraschung bastelt. Natürlich ist das Zimmer mit einem selbstgebastelten "Betreten-verboten"-Schild versehen.

Und ich mache wirklich viel mit der Kleinen: Wir kochen und backen zusammen, wo auch Kreativität gefragt ist, wir machen Tischdekorationen und sie darf dann Namenskarten basteln, Malen nach Zahlen gibt es in unserem Haushalt auch, ebenso Malbücher aller Art, Vorschulblöcke, Puzzle und sie geht in den Sport. Aber ein Mal am Tag zieht sie sich ganz bewusst in ihr Zimmer zurück, klinkt sich aus und bastelt. Seit Kurzem haben wir eine immer wiederkehrende Diskussion: Sie will ihre angefertigten Bügelperlenbilder auf dem Hof in einer Art Straßenverkauf veräußern. Jetzt. Mitten im Winter. Bei Schneeregen. Sie ist ganz begeistert von der Idee, einen Stand zu haben und hat schon aus Pappe angefangen, einen Verkaufstisch zu basteln (der natürlich nicht funktioniert, aber das Gebilde steht jetzt halt im Zimmer rum). Und wehe, ich schmeiße was weg...Das nimmt sie mir echt übel.

Nun ja - es gibt schlimmere Probleme. Andere basteln gar nicht und wollen sich nicht kreativ beschäftigen.

Meine Frage war eben, wie man diesem ganzen Kreativschub einfach eine strukturierte Richtung gibt - in Hinblick auf die Einschulung.

VG!