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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von gagromapf 27.01.11 - 12:02 Uhr

Hallo,
ich wollte mal hier mein Herz ausschütten und neutrale Meinungen einfordern.
Ich habe seit einem JAhr eine feste Beziehung mit einem Dozenten (sind beide in den 30ern). Rechtlich ist es unbedenklich und er prüft mich auch nicht.
Anfangs wollte wir die Sache geheim halten, was ich auch gut fand.
Aber inzwischen finde ich es irgendwie heuchlerisch von seiner Seite.
Klar würde es Geschwätz geben, aber inzwischen dürfte doch deutlich sein, dass es mehr als ein TechtelMechtel ist. Er sagte zwar, wenn einer fragt würde er es natürlich nicht leugnen, aber es fragt ja keiner.
Wir ziehen in zwei Monaten zusammen, privat ist alles super.

Aber es sind dann so Kleinigkeiten, die mir ein doofes Gefühl geben.
Gehen wir zusammen durch die Stadt zieht er die HAnd weg, wenn Studenten entgegen kommen, wobei ich davon ausgehe, dass sich die meisten schon ihren Teil denken.

Ich verzichte schon immer darauf mich auf Veranstaltungen des Fachbereichs blicken zu lassen, weil er sich dann lieber mit anderen umgibt, damit keiner was merkt.
Bei anderen Studentinnen ist das natürlich egal, ob die ihn mit Umarmung begrüßen, nach Veranstaltungen abends noch was trinken gehen, ihm den ganzen Tag auf der Pelle hängen und ihn gelegentlich in die Mensa begleiten.

Einerseits bin ich der Auffassung das es richtig ist, das Privatleben nicht mit an die Uni zu tragen. Ich will auch nich händchenhanltend und knutschen über den Campus gehen. Aber wenn ich vor allen versteckt werde komm ich mir total doof vor. Ich zweifel nicht an seinen Gefühlen.
An unserem Einjährigen nächste Woche ist auch wieder eine Veranstaltung an der wir beide teilnehmen müssen. Ich hab keine Lust dann an unserem Einjährigen so zu tun, als hätte ich nix mit ihm am Hut. Dann gibts danach noch nen Umtrunk, ich muss ohne Kuss nach Hause zu den Kids und er trinkt sich gemütlich mit den anderen Studis noch einen.

LG

Beitrag von lichtchen67 27.01.11 - 12:15 Uhr

Und was ist sein Grund?

würde mich auch stören ehrlich gesagt. Das man am Anfang einer Beziehung nicht rumrennt und das ganze quasi offiziell und öffentlich macht kann ich noch verstehen, so nach dem Motto, erstmal gucken, wie es sich entwickelt. aber ihr seid fast 1 Jahr zusammen und zieht auch zusammen - da würde ich einfach erwarten, dass mein Partner zu mir steht. Ich würde mir leicht verarscht, versteckt und verraten vorkommen.

Und verstehen würde ich es wohl auch nicht.

Lichtchen

Beitrag von gagromapf 27.01.11 - 12:24 Uhr

Sein Hauptargument ist, dass er mich vor dem Gerede der anderen Studenten schützen will und die Dozenten von mir als seine Freundin höhere fachliche Erwartungen an mich hätten. Mag sein, aber so ist es auch nicht leichter. Schließlich muss ich mir immer Argumente ausdenken, warum ich wieder mal nicht bei abendlichen Vorträgen und Feiern anwesen bin. Aber ich denke es geht mehr um sein Ansehen, dabei ist er ohnehin nur noch ein Semester an der Uni.
War mir immer unsicher, ob ich nicht vielleicht über empfindlich reagiere und wollte daher keinen Aufstand machen bzw ihn nicht bedrängen oder gar selbst die Beziehung bekannt geben, da ich finde, dass er derjenige ist, dessen Aufgaben das wäre.

Beitrag von lichtchen67 27.01.11 - 13:54 Uhr

Er muss Dich schützen? soso... bist Du noch minderjährig? Welpenschutz?

Halte ich für eine genehme Ausrede. Also man muss sicher keine Versammlung einberufen und der gesamten Uni offiziell mitteilen, wer nun die Freundin ist. aaaber.... das andere extrem, getrennt fahren, nie zusammen in die Mensa, niemals gemeinsam gesehen werden, damit bloß keine Gerüchte entstehen - das finde ich ebenfalls krank. Ich würde mich ernsthaft fragen, WARUM er das macht. Ich finde nicht, dass Du überempfindlich bist.

Und nur weil man mit nem Dozenten zusammen ist, wird man als Frau automatisch schlauer erwartet? Das ist mir auch neu ;-).

Lichtchen

Beitrag von nick71 27.01.11 - 23:02 Uhr

"Sein Hauptargument ist, dass er mich vor dem Gerede der anderen Studenten schützen will"

Das ist für mich ausgemachter Blödsinn.

Ihr werdet ja offensichtlich des öfteren zusammen gesehen...und das wird das Gerede erst richtig anheizen, so lange offiziell niemand von eurer Beziehung weiß.

Nebenbei: Wie stellt dein Freund sich das vor, wenn ihr zusammen wohnt?

Beitrag von aeternum 27.01.11 - 12:36 Uhr

Aloha!

Eine meiner besten Freundinnen ist seit Jahren mit einem Dozenten ihres Fachbereiches zusammen.. sie wohnen auch schon lang zusammen.

Rechtlich war es ebenfalls unbedenklich, er hat sie nicht geprüft o.ä., sie haben allerdings auch im selben Bereich gearbeitet. Sie war dort bereits als HiWi, dann hat sie ihre Doktorarbeit dort geschrieben. Nun ist sie weg von der Uni, er hat eine Juniorprofessur. Alles toll!

Anfangs haben sie auch nichts gesagt. An der Uni wird (ich kenne das von meiner) unheimlich viel geredet, grad unter den Angestellten #bla - ich konnte also die beiden und euch erstmal total verstehen und hätte es nicht anders gehalten. Erst weiß man nicht, ob es ernst wird als Paar, dann gibt man sich noch Karenz.

Ich weiß gar nicht, wann und wie die beiden dann "gelebt" haben, dass sie ein Paar sind. Sie sind auch (alles andere ist auch gruselig) nicht das Paar, das sich am Arbeitsplatz schöne Augen macht oder auf Unipartys egal welcher Art wild rumknutscht. Aber sie sind sehr aufmerksam und liebevoll miteinander. Man wird da auch schon vorher was geahnt haben, klar.

Jedenfalls kann ich mich erinnern, daß das zwischen beiden kein Streitpunkt war, irgendwann war der Zeitpunkt gekommen. Und das ist auch richtig so. Ich kann Deinen Freund verstehen, daß er es vielleicht nicht für so "glücklich" hält, mit einer Studentin zusammen zu sein. Andererseits ist es nun so und ihr wollt zusammen ziehen! Man muß ja kein Aufhebens drum machen, es genügt doch, wenn er seine Mitarbeiter in einem kleinen Gespräch informiert, daß er mit xy zusammen ist. Das kann man ja auch einzeln machen..

Für mich wäre klar, daß ich nur dann umziehe, wenn unsere Beziehung kein Geheimnis mehr ist. Und auch ohne ein Zusammenziehen würde ich das nach einem Jahr mehr als erwarten! Vor allem, daß er es von sich aus tut, ich bin ja kein fan von "das hast Du jetzt zu tun!", weil ich denke, daß jeder auf gewisse Dinge doch selbst kommen muß.

In Deinem Fall wär ich aber echt angefressen und würde das auch sagen (ein fan von Ultimaten bin ich auch nicht, aber ihr zieht halt zusammen..).

Eure Konstellation erinnert mich ein bißchen an eine Bekannte von mir, die sich seit x Wochen mit einem Typ trifft, den sie schon lang kennt. Er war vorher mit einer anderen Bekannten von ihr zusammen, die schon längst einen neuen Freund hat - wiederum einen Bekannten der beiden! Der Typ, mit dem sie sich trifft, will ihre Treffen aber geheim halten, weil er das seiner Ex schonend beibringen will - irgendwann #klatsch

Wer braucht sowas?! Man sollte zu dem stehen, was man macht.

Viele Grüße,

Ae

Beitrag von gagromapf 27.01.11 - 12:51 Uhr

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort.
Er erzählt ja bspw dass er ne Freundin hat und mit ihr zusammenzieht, aber NAchfragen à la "was macht denn deine Freundin so" weicht er geschickt aus. Was ja eine Gelegenheit gewesen wäre es zuzugeben.
Ich will auch kein Tamtam, also er muss es ja nich "verkünden", aber es wäre ja schonmal was, wenn man zusammen mittags in die Mensa geht, oder zusammen zu Veranstaltungen hinfährt und zusammen heim fährt.
Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto verratener fühle ich mich. Als ihn ne Arbeitskollegin besucht hat, hat er die Fotos von mir versteckt. Ich kann die Kinder nicht mit zur Uni nehmen, weil sie sonst petzen würden, also muss ihc hier bleiben wenn ich keine Betreuung habe etc. Wie gesagt die ersten Monate war es ok, aber inzwischen fühl ich mich ziemlich verleugnet.
Tja nur wie spreche ich das an ohne ihm das vorzuschreiben, dass er zu mir stehen soll.?

Beitrag von litalia 27.01.11 - 13:04 Uhr

ich würde es ihm einfach "vorschreiben"

entweder er steht zu dir, entweder du kannst dich frei neben ihm bewegen, entweder er macht kein dämliches geheimniss mehr draus oder er kann sich den zusamenzug und die "heimliche beziehung" an den hut schmieren.

wie ein schoßhündchen würde ich mich sicher nicht halten lassen.
nimm doch beim nächsten mal einfach deine kids mit zur schule und erfreue dich an seinem gesicht wenn deine kinder freudestrahlend erzählen wer der freund von mama ist :-)

hätte ich schon längst getan....!

Beitrag von aeternum 27.01.11 - 13:18 Uhr

Aloha,

das würde ich garantiert nicht tun.. die Kinder den Konflikt der Erwachsenen "lösen" lassen!

Das zeugt nur davon, daß man im Gespräch keine Lösung findet und den anderen zu etwas zwingt, das er nicht will (egal, wie peinlich sich der andere auch verhält mit seiner Geheimnistuerei). Davon hat man gar nichts, ich persönlich wäre extrem sauer, würde ich so überfahren werden. So gibt es sicher nicht mehr die Chance einer ernsthaften Auseinandersetzung.

Es sieht außerdem aus, als hätte man es extrem nötig, auf solche Mittel zurückzugreifen, weil der eigene Freund nicht zu einem steht. Er sollte schon die Chance haben, etwas einzusehen.

Falls nicht, wären auf Dauer Trennung und Ignoranz wesentlich eleganter als "ätsch-bätsch" über die Kinder.

Viele Grüße,

Ae

Beitrag von aeternum 27.01.11 - 13:11 Uhr

Das wird vermutlich heikel - Du willst etwas von ihm, das er (noch?) nicht tun will. Ich gehe davon aus, wenn er sowieso bald die Uni verlässt, dass er sich vorstellt, dies zu tun, ohne jemals etwas über euch gesagt zu haben. Bei einer neuen Arbeitsstelle wäre er ja nicht mehr "Dein" Dozent.

Du wirst aber an der Uni bleiben und mit ihm zusammenwohnen, das heißt, an der Uni wird man dann trotzdem hochwahrscheinlich wissen, was zwischen euch war und ist. Ihm kann das dann gleich sein (vor seinen Exkollegen allerdings nicht, falls man weiter privat Kontakt hat). Bei Dir sieht es vielleicht anders aus, Deine Kontakte an der Uni bestehen ja weiter und man lädt sich doch auch mal nach Haus ein?! Schon allein deswegen ist es geboten, eure Beziehung publik zu machen.

Ich bin da immer sehr spontan, ich würde vermutlich einfach das Gespräch beginnen und ihm sagen, daß es für mich nach einem Jahr Beziehung völlig unverständlich ist, daß er mich als seine Freundin versteckt, zumal er die Uni bald verlassen wird. Er muß rechtlich nichts befürchten, euch ist beiden klar, daß man über euch reden wird (das wird immer wieder passieren im Leben). Ob Du anders geprüft würdest als seine Freundin, sei dahingestellt. Das wisst ihr beide nicht.

Wenn ihr zusammen lebt, wird es sowieso "öffentlich" werden, dass ihr zusammen seid. Ich würde ihm sagen, daß ich darüber nun in meinem Freundes- und Bekanntenkreis (von der Uni) offen sprechen können möchte, und zwar bevor ich bei ihm wohne.

Ich würde ihn fragen, was genau ihm denn unangenehm ist?

Das Problem ist, würden mir seine Antworten nicht gefallen, wäre ich noch wütender als vorher und würde mich fragen, was das alles soll.. ich würde auch klar sagen, daß sein Verhalten inzwischen für mich verletzend ist (Photos wegstellen etc!).

Beitrag von gagromapf 27.01.11 - 13:18 Uhr

Danke für deine Antwort. Sehr hilfreich. Ja das ist auch das, was ich denke, ich würde es ohnehin eher "aubaden" müssen als er, zumal die Hemmschwelle für blöde Sprüche gegenüber einer Studentin geringer ist als gegenüber einem Dozenten.
Werde wohl keine andere Möglichkeit haben als es einzufordern, dann kann er noch dankbar sein, dass ich nicht längst in die Offensive gegangen bin.