Wieso geht das Leben einfach so weiter???

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Forum: Frühes Ende

Manche Schwangerschaft geht leider vorzeitig zu Ende. Es kann helfen, sich hier mit anderen über das Erlebte auszutauschen; aber auch Fragen zu medizinischen Themen sind willkommen. Hilfreich können auch diese urbia-Artikel sein: Fehlgeburt und Sternenkinder.

Beitrag von josy1984 29.01.11 - 11:10 Uhr

Hi ihr Lieben,

heute ist der erste Tag nach meiner Not-OP am Sa. (ELSS, 6. SSW), wo ich hier alleine Zuhause sitze und sich die Welt um mich herum einfach weiter dreht. Der Alltag geht wieder los: mein Mann arbeitet wieder (er hatte sich die Woche frei genommen), die Anrufe/SMS werden weniger und jeder "erwartet" von mir, dass ich jetzt langsam wieder zur Normalität übergehe.
Ich kann gar nicht verstehen, wieso sich die Welt einfach so weiterdreht, als sei nichts passiert. Ja, ich war erst in der 6. SSW und wusste es nicht mal zwei Wochen und ja, ich habe den Krümel nicht einmal auf dem US-Bild gesehen (wie auch!?) und trotzdem war das Leben seit dem positiven Test am 10.01 (nach einem endlosen Jahr Hoffen und Bangen, ob es klappt) ein anderes: Pläne, Träume und direkt das Gefühl, "Mutter" zu sein...

Und schwupps, ist alles vorbei...

Vor einer Woche habe ich noch so sehr gehofft, dass es sich einfach nur gut versteckt hat und war voller Optimismus und Hoffnung und von eine auf die andere Minute ist alles zerstört, nur weil das Ei 3cm zu kurz "gewandert" ist...

Und nun dieses ewige Warten... ja, ich weiß, dass zwei Zyklen nicht lang sind, aber für mich ist es eine Ewigkeit ... und wer weiß, wann es dann wieder klappt?
Ich könnte heulen, so hilflos fühle ich mich...

LG und Danke für's "Zuhören"...

Beitrag von sanny18877 29.01.11 - 11:27 Uhr

Hallo Josy,

ach fühl Dich mal gedrückt.

Es tut mir so leid. Ich hatte zwar keine ELSS aber auch FG in der 5. SSW am 24.01. Genau eine Woche vorher hatte ich positiv getestet also war ich nur 1 Woche bewusst schwanger und das nach 8 Jahren üben. Es tut so weh. Ich hab auch Angst, dass es nicht gleich wieder klappt und ich ewig auf eine erneute Schwangerschaft warten muss.

Ich hab mein Krümel auch nicht einmal auf dem US gesehen weil noch nichts zu sehen war aber schwanger ist schwanger ob was zu sehen ist oder nicht. Man fühlt es einfach.

LG

Sandra mit #stern chen im #herzlich

Beitrag von josy1984 29.01.11 - 11:33 Uhr

Hi,

danke für deine Antwort.
Tut mir leid, dass du das auch erleben musstest. Am schimmsten fällt mir das jetzt mit dem Warten - ich würde am liebsten so schnell wie möglich weiter üben. Es kommt mir so falsch vor zu verhüten, wenn man sich doch so sehr ein Kind wünscht, auch wenn es für den Körper wahrscheinlich das Richtige ist...

LG

Beitrag von sanny18877 29.01.11 - 11:38 Uhr

Wie lange sollst Du denn warten? Was haben die Ärzte gesagt?
Du hattest ja ne NOT-OP. Also habe eigentlich 14 Tage "Sexverbot", warum hat sie nicht gesagt und dann kann ich wieder loslegen. Aber irgendwie kann ich nicht warten. Verhüten brauchen wir nicht. Bei Dir ist das vielleicht besser wegen Ansteckungsgefahr. Ich denke Du machst schon das Richtige. Dein Körper entscheidet.

Ach komm wie schaffen das. Es ist echt schwer das zu sagen aber wir schaffen das.

LG

Beitrag von josy1984 29.01.11 - 11:58 Uhr

Im Krankenhaus haben sie gesagt mindestens drei Monate... mein FA meinte mindestens 2 Zyklen. Also jetzt die Abbruchblutung und dann noch zwei richtige Perioden, damit alles einmal "durchgelaufen" ist.
Bei der ELSS ist es halt so, dass ja eine Narbe am Eileiter ist, wenn er erhalten wurde (so wie bei mir) und erst die wundheilung vollständig abgeschlossen sein soll. Anscheind ist sonst das Risiko, dass das Ei wieder stecken bleibt, wenn der ES wieder an dieser Seite ist, sehr hoch, da die Narbe ja nicht ziemlich "geschwollen" ist und so ein großes Hindernis für das Ei darstellt...

Beitrag von honeyfoot 29.01.11 - 11:30 Uhr

Hallo Josy

ja, ich weiß was du meinst...

Nach der Totgeburt unseres Sohnes Clemens im August (37 SSW) hatte ich genau das gleiche Gefühl... die Welt dreht sich einfach weiter obwohl ich doch gar keine Lust darauf hatte und es auch garnicht verstehen konnte...

Aber dann dachte ich mir: Es gab schon so viele Schicksale und Katastrophen und auch hier hat sich die Welt einfach weiter gedreht... es ist leider so und auf einmal kommt der Tag, da kommen wieder HOffnung und Optimismus (wenn auch begleitet von der Trauer um das verlorene Kind) und da bist du wieder froh, dass sich die Welt weiter dreht.

Denn sonst gäbe es auch nie eine Chance auf ein neues kleines Bauchwunder ;-)

lg

honeyfoot #liebdrueck

Beitrag von josy1984 29.01.11 - 11:35 Uhr

Hi,

danke für deine Worte. Ach man, wenn ich deine Geschichte höre, dann komme ich mir ein bisschen lächerlich vor. Wie schlimm muss es sein, sein Kind so kurz vor der Geburt zu verlieren, wenn an es schon so lange unter dem Herzen getragen hat ... Es tut schon so weh, obwohl ich erst in der 6. SSW war, da mag ich mir gar nicht vor stellen, wie es Dir geht...

Aber du hast recht, die Welt muss sich weiterdrehen, sonst würde man ja nie das Erlebte verarbeiten.

Habt ihr denn weitergeübt oder willst du erstmal nicht mehr ss werden?

LG

Beitrag von honeyfoot 29.01.11 - 14:33 Uhr

ich bin total überraschenderweise Weise Ende Nov wieder schwanger geworden.. leider konnte auch der Krümel nicht lange bei uns bleiben.
Beim US am 12.1. sah ich gleich, es war viel zu klein und es war kein Herzschlag zu sehen, kurz darauf bekam ich auch schon Blutungen...
Die Ausschabung war dann am 13.1.

Auch das hat mir sehr wehgetan, ist aber für mich nicht zu vergleichen mit Clemens Totgeburt... ich frag mich jetzt immer: Warum wieder wir?? Warum bekommen alle anderen ihre Kinder einfach so und bei uns ist es ein Drama nach dem anderen #schmoll
Aber es konnte kein Grund für die Fehlgeburt festgestellt werden...

Jetzt müssen wir eh erstmal warten bis ne Zeit vorbei ist... und irgendwann werden wir wohl nochmal versuchen für unsere zwei Jungs noch ein Geschwisterchen zu bekommen :-)

Ach und noch was: ich hab mal gelesen, dass es nicht erheblich ist, wie lange man schwanger war, sondern wie sehr man sich das Baby gewünscht hat. Also kann auch eine frühe Fehlgeburt sehr wehtun...
Eine Totgeburt ist einfach anders würd ich sagen, denn in Bezug auf Trauer sollte man nicht "mehr", "weniger", "besser" oder "schlechter" trennen...

Beitrag von singa07 29.01.11 - 12:01 Uhr

Liebe Josy,

#liebdrueck

ich weiß genau, wie du dich fühlst... ich sitze hier im Schlafanzug auf der Couch und will von der Welt nichts wissen.

Am 22.12. hatte ich positiv getestet, am 19.01. meinen ersten FA Termin - niederschmetternde Diagnose: Fruchthöhle leer.
Kontrolle nach einer Woche am 26.01. Bestätigung: auch bei 9+4 sieht man rein gar nichts.
Mein Arzt hat uns alle Zeit der Welt gelassen, aber wir hatten uns in dieser Woche sehr damit beschäftigt, dass es wohl nichts wird...
gestern war dann bei 9+6 die AS (da mein Körper sehr an dieser SS festgehalten hat, wäre ein natürlicher Abgang wohl erst in ein paar Wochen gewesen).
In der Klink waren alle sehr, sehr lieb, vor und auch nach dem Eingriff haben sie sich alle sehr um mich bemüht und auch alle ihr Bedauern ausgedrückt.

Im Gegensatz zu dir hatte ich wenigstens mehr als eine Woche zwischen Diagnose und AS - und diese Zeit war so wichtig für mich. Ich habe mit meinem Mann, unseren Eltern, Freundinnen (betroffene und nicht-betroffene) geredet, mich schlau gelesen und mit der Trauerarbeit angefangen. Das half mir.
Zwar hatte ich dann gestern im OP auch einen Nervenzusammenbruch und habe den Rest des Tages in so einem Halb-Dämmerzustand verbracht, aber dafür geht es mir heute schon etwas besser.

Von meiner Klinik hier habe ich eine Telefonnummer und einen Flyer bekommen - darin wird über die Sammelbestattung und den Trauergottesdienst informiert und die Telefonnummer gehört einer Nonne, die der Klinik angehört, früher die Kreißsaal-Leitung hatte und jetzt die Trauerarbeit für verwaiste Eltern betreut.
Hast du auch einen solchen Ansprechpartner genannt bekommen? Wenn nicht (was ich gelinde gesagt, sehr schade fände) - frag mal deinen FA oder falls du eine kennst, eine Hebamme.
Eigentlich werden alle FGs bestattet, bei uns findet drei Mal im Jahr eine Sammelbestattung statt. Und es gibt Ansprechpartner, Trauerbegleiter und Trauergruppen - aber es ist nicht immer so leicht, sie zu finden, da FGs immer noch ein Tabu-Thema sind.

Und dabei sind so viele betroffen.

Ich wünsch dir alles, alles Gute. Wenn du reden willst, kontaktiere mich doch über die PN!

GLG
Singa

Beitrag von haseundmaus 29.01.11 - 12:09 Uhr

Hallo!

Ja, ich verstehe was du meinst. Nach dem Tod meiner Kinder herrschte hier zwar erstmal Ausnahmezustand, überhaupt so um mich rum ging alles so weiter wie bisher. Klar, ist ja völlig normal, die anderen Leute leben ihre eigenen Leben, stehen morgens auf, gehen arbeiten oder sonstwas, gehen abends schlafen. Gehen feiern, lachen, treffen sich mit Freunden, machen Urlaub, genießen das Leben. Ich fühlte mich in meiner Trauer und meine Wut total gefangen und mir kam alles um mich herum fremd vor. Meine Kinder waren tot und alles war wie immer um mich rum. War eine sehr seltsame Situation. Das ging einige Monate so, begleitet von körperlichen Schmerzen, Übelkeit, Kreislaufproblemen. Es war einfach die Hölle. Und totzdem drehte die Erde sich weiter..

Es vergeht.. #liebdrueck
Aber es ist wirklich schwer, ich weiß. Man fühlt sich im Stich gelassen, als würde das eigene Schicksal niemanden sonst berühren. Ist ja nur das eigene Kind das nicht mehr lebt. Wieso sollte sich da wer drum scheren. So dachte ich immer. Aber so ist das, erstmal geht das Leben irgendwie ohne dich weiter, du meldest dich ab, bist für dich allein. Aber eines Tages steigst du wiedere ein und bist wieder ein aktiver Teil deiner Umwelt. Aber die Trauer wird immer da sein, sie verändert sich nur.

Alles Liebe!

Manja mit Lisa Marie #verliebt *18.09.2009 und Jana & Talina #herzlich#herzlich still geboren am 8.06.2007 in der 25. Woche

Beitrag von josy1984 29.01.11 - 12:58 Uhr

Hi,

danke, besser hätte ich meine momentanen Gefühle nicht ausdrücken können... Ich weiß ja, dass das Leben weitergehen muss und ich weiß, dass ich ungerecht bin, wenn ich sauer werde, weil mir alle blöde Mut-Mach-Sprüche wie "du bist noch so jung" oder "ach, das wird schon wieder" vor den Kopf hauen... ich würde wahrscheinlich ganz genauso reden, wenn ich sie wäre, was sollen sie auch anderes sagen?! Und doch würde ich am liebsten jedem ins Gesicht schreien, dass es nicht wieder gut wird - zumindest fällt es mir gerade schwer daran zu glauben...

Ich hoffe so sehr, dass es schnell besser wird. Dieses Gefühl der Hilflosigkeit bringt mich um den Verstand... und die Angst, dass es wieder passiert oder noch schlimmer, gar nicht mehr klappt mit dem ss werden...

LG

Beitrag von haseundmaus 29.01.11 - 17:01 Uhr

Ja, die gutgemeinten Sprüche. Ich habe sie mir auch zur Genüge anhören müssen, teilweise gingen sie echt unter die Gürtellinie. Aber so sind die Leute..

Ich kann deine Angst verstehen.. Ich drück dir die Daumen, dass es bald wieder klappt mit einer Schwangerschaft und dein Baby bei dir bleibt. Es wird aber ein einziges Auf und Ab der Gefühle werden, sicher wirst du viel Angst haben. Ich hatte lange gebraucht um die Schwangerschaft mit Lisa zu begreifen und richtig anzunehmen und stand ständig bei meiner FÄ auf der Matte. Aber es ging alles gut. Ich wünsche dir dasselbe!

Manja

Beitrag von marion2 29.01.11 - 13:57 Uhr

Hallo,

nach nur einem Jahr warten bist du schwanger geworden. Warum soll das nicht noch Mal funktionieren?

Das nächste Ei wird sicher dorthin wandern, wo es hingehört.

Gruß Marion

Beitrag von colle 29.01.11 - 15:18 Uhr

hallo

hab ich das richtig verstanden?
gestern hattest du eine not-op, wegen eileiterschwangerschaft und bist heute schon zu hause?

Beitrag von perona 29.01.11 - 18:06 Uhr

ich kann dich verstehen nach mir hat auch niemand gefragt alles wird so normalisiert ausser mein mann der ist echt lieb aber sonst keine anrufe oder sonstwas da merkt man was für freunde man hat als ich wusste das ich ss war half mir auch keiner habe pferde und die müssen versorgt werden interessierte niemand und nun seid der fg ist auch niemand da durfte ja auch nicht schwer heben mein mann macht alles zu seiner normalen 8 stunen arbeit aber so sind die menschen ich drück dich
lg perona

Beitrag von haseundmaus 29.01.11 - 19:07 Uhr

Den Satz im Ganzen lesen, sie schrieb es ist der erste Tag nach der OP an dem sie allein zuhause ist.

Manja

Beitrag von colle 29.01.11 - 20:55 Uhr

danke, den rest hatte ich verschluckt beim#hicks

Beitrag von josy1984 29.01.11 - 20:35 Uhr

Nein, die OP war letzten Samstag, am 22.01. Heute ist der erste Tag wo ich alleine bin.

Lg

Beitrag von colle 29.01.11 - 20:55 Uhr

sorry, hatte ich einfach verschluckt beim lesen#hicks

Beitrag von nurina 29.01.11 - 21:42 Uhr

#liebdrueck ich kann Dich auch sehr gut verstehen.
Meine OP ist heute auch schon wieder 7 Wochen her.... oft denke ich mir an solchen Tagen, dass ich nun wieder eine Woche weiter wäre, wenn, ja wenn.......
Mir fällt es auch schwer die Tatsache zu begreifen.
Ich hatte ja bereits geschrieben, dass mein FA sagte, dass wir nicht warten müssten. Wir hatten auch 14 Tage "Sexverbot" und wenn dann nur mit Kondom, wegen Infektionsgefahr.
Ich hoffe es geht Dir einigermaßen und Dein Mann ist schon wieder zuhause?

LG
Nurina

Beitrag von engale25 30.01.11 - 17:53 Uhr

Ich kann dich so gut verstehen.

Ich hatte eine FG in der 20 SSW und musste unseren Sohn Florian still gebären.

Er war auch ein lang ersehntes Wunschkind, die freude daher umso größer als endlich der test positiv war und dann in der 20 ssw stürzte unsere welt ein.

ich weiss auch nicht wie das leben jemals wieder so weiter gehen soll?

wie sollen wir jemals wieder normal anschließen? wie solls weitergehen?

das frage ich mich ständig - ich muss ständig an florian denke.

lg an alle sternenmamis

Beitrag von josy1984 30.01.11 - 18:13 Uhr

Oh man, wenn ich deine Geschichte höre, dann komme ich mir total lächerlich vor... 20 Wochen ist alles gut und dann auf einmal alles vorbei... ich kann und will mir nicht vorstellen wie es Dir geht...

Wann ist das passiert?

Ich weiß nicht, wie es weiter geht und wann bzw. ob man das jemals ganz verarbeitet. Vielleicht erst, wenn man ein gesundes Baby im Arm hält?!

Wir können nur darauf vertrauen, dass die Hoffnung irgendwann zurückkehrt...

LG