Schreien, spucken und anderes: Refluxkrankheit

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Forum: Stillen & Ernährung

Muttermilch oder Flasche? Was schmeckt kleinen Kindern aufs Brot? Hier könnt ihr Fragen zur Säuglings- und Kleinkindernährung, aber auch zu eurer eigenen Ernährung während der Stillzeit stellen. 

Beitrag von ginni10 29.01.11 - 16:04 Uhr

Liebe Mütter und Väter,

ich möchte mit meinem Posting, das ich öfters und auch an anderen Stellen veröffentlichen werde, die Aufmerksamkeit auf etwas lenken, was soweit unbekannt ist bzw. als normal abgetan wird: die Refluxerkrankung, oder auch kurz ´Reflux´ genannt. Wir selber sind 4 Monate durch die Hölle gegangen, weil wir nicht wussten, was los war und als übersensibel abgetan wurden. Eine Freundin, dessen Sohn 3 Wochen jünger ist als unser, hat mich dann auf diese Erkrankung aufmerksam gemacht. Ich danke ihr unendlich.

Es ist normal, das Babys spucken, da ihr Magen noch klein ist und der Muskel zwischen Speiseröhre und Magen oft noch nicht stark genug ist. Dabei läuft die Nahrung, meistens Milch, zurück in die Speiseröhre und wird von mehr oder weniger Magensäure begleitet. Dies kennen wir grosse Menschen als Sodbrennen. Die Speiseröhre kann bei häufigem ´Sodbrennen´ irritiert und somit sehr schmerzlich reagieren.

Oft kommt es auch vor, dass Babys garnicht erst spucken, sondern die hochkommende Nahrung wieder in den Magen zurückfliesst. Wenn man gut beobachtet oder hinhört, nimmt man dies als ein Schlucken bis hin zum Gurgeln war.

Manchmal läuft die Nahrung samt Magensäure in die Atemwege. Dies ist der unangenehmste Fall von der Refluxerkrankung.
Reflux wird inzwischen auch in Verbindung mit dem plötzlichen Kindstod gebracht.

Folgende Symptome, meist eine Kombination von einigen oder allen, sollten auf jeden Fall mit einem kompetenten Kinderarzt besprochen werden, wenn das Baby deutlich drunter leidet (die folgenden Symptome sind aus eigener Recherche durch verschiedene Quellen bestätigt, aber sollen keine fachärztliche Diagnose ersetzen):

- übermässiges spucken, auch noch bis zu 3 Stunden nach einer Mahlzeit
- spucken in hohem Bogen (z.B. 90Grad Winkel, hauptsächlich nach einer Milchmahlzeit)
- hochkommende, aber nicht ausgespuckte Nahrung
- nicht zu enden scheinendes weinen und/ oder schreien
- beruhigen nur in gerader Position und durch viel bewegen
- weinen vor allem nach den Mahlzeiten, wenn das Baby oder Kleinkind flach liegt und nachts
- Koliken (!!!!!)
- Nahrungsverweigerung
- überstrecken des Rückens mit Kopf nach hinten
- Kopf hauptsächlich zu einer Seite (meistens links) gedreht; dieses Symptom hat scheinbar mit dem Nerv zu tun, der von den Nackenwirbel zum Magen runter laufen
- Schweisshändchen
- dunkles Dreieck um den Mund
- getrocknete Milch in der Nase und/ oder unter dem Schnuller, wenn das Baby dann einen gebraucht
- im schlimmsten Fall chronische Atemwegsinfekte, ohne zu speien (stiller Reflux)

Erste Schritte zur Linderung:
- Matratze erhöhen durch z.B. eine Decke unter´s Kopfende zu legen oder aber Bücher unter die vorderen Beine des Bettes (es wird bei schwerem Reflux ein Winkel von 40 Grad empfohlen, da kommt man mit einer Decke unter der Matratze nicht weit bzw. das ist auch nicht sehr bequem mehr für das Baby - es gibt auch spezielle Keilkissen, auf dem das Kind in eine Art Hüfthalter kommt, damit es nicht rutscht; aber:)
- schlafen auf der linken Seite; der Magen liegt dabei tiefer als der Eingang der Speiseröhre
- schlafen auf dem Bauch - der Magen ist nach unten abgesenkt und damit liegt die Nahrung tiefer (wird von einem amerikanischen Arzt empfohlen; man muss halt selber abwägen, wie sicher es einem ist; vor allem vor dem Hintergrund, dass Reflux evt. mit dem plötzlichen Kindstod zusammenhängen kann)
- Muttermilch ist die beste Nahrung, aber: es gibt spezielle Anti-Reflux Milch
- ich habe ab dem 4. Monat nach jedem Stillen ein paar Löffel Reisbrei hinterher gegeben (kann dick machen, also vorsichtig); Nestargel kann aber auch helfen, entweder in Milch oder mit Wasser andicken und mit Löffel geben
- nach dem Füttern 10 - 30 Minuten aufrecht halten; hier gehen die Meinungen auseinander, ob ein Wippstuhl oder MaxiCosi auch mal eingesetzt werden kann. Laut dem amerikanischen Arzt wird der Magen durch diese Lösungen ineinander gedrückt, was den Reflux verstärkt
- ich habe während der Stillzeit irgendwann aufgehört, Milchprodukte zu essen und zu trinken, weil ich eine Lactoseintoleranz bei meinem Sohn vermutete. Dies und der Verzicht auf Zucker half enorm (wissenschaftlich nicht 100% belegt)
- später: gib dem Kind erstmal keine Säurehaltigen Früchte wie Tomaten, Trauben, saures Obst wie Äpfel oder Südfrüchte (meiner konnte auch keine Banane vertragen)
- ansonsten entsprechende Medikamente

Hier noch ein Link zum ZDF, der am 27.01.2011 eine Sendung über Refluxkinder ausgestrahlt hat:
http://vollekanne.zdf.de/ZDFde/inhalt/19/0,1872,81...00.html

Ausserdem kann man sich an den Refluxkinder e.V. http://www.refluxkinder.de wenden oder den Club ´Refluxkinder´ hier bei Urbia beitreten.

Ich wünsche Euch alles Gute!
Ginni