Tolle Hausgeburt

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Forum: Geburtsberichte

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von schmetti78 30.01.11 - 10:05 Uhr

Nach einer sehr entspannten und (bis auf den kurzen Einblick in die Diabetologie) komplikationslosen Schwangerschaft rückte der 8.12., der errechnete Geburtstermin, immer näher.
Paul und ich hatten ja insgeheim abgesprochen, dass er erst nach meinem Geburtstag, dem 9.12., auf die Welt kommen sollte. Und so war es dann auch. Mein Geburtstag verstrich, auch der 10., 11., 12., und 13. Dezember...

Freunde und Verwandtschaft waren schon in Lauerstellung und ohne den täglichen Anruf bei meiner Mutter, ob denn noch alles ok ist, durfte ich nicht schlafen gehen ;-)
Langsam aber sicher war ich dann auch bereit und wartete darauf, dass es endlich losgeht.

Da der Schleimpfropf sich schon verabschiedet hatte, war ich guter Dinge als eine unserer Hebammen am 14. nochmal zur Vorsorge zu uns nach Hause kam. Beim Arzt war ich ja seit Mitte Oktober nicht mehr gewesen und somit beschlossen wir, dass sie an diesem Tag auch mal von unten schaut, ob sich schon was getan hatte. Sie tastete also nach Muttermund und Gebärmutterhals und meinte daraufhin, dass alles noch verschlossen und nicht geburtsreif sei. Es könnte noch eine Woche dauern... Von allen wehenfördernden oder anregenden Tricks riet sie mir ab, da noch kein Geburtsbeginn in Sicht sei.

Als sie dann aus der Tür war, hab ich erstmal geheult. Noch eine ganze Woche warten – den Gedanken fand ich zermürbend. Steffen hat daraufhin unsere Eltern informiert, damit von deren Seite nicht weiter "gedrängelt" wird.
Nach dem Heulanfall ging ich aufs Klo und fand eine einigermaßen große Menge Blut im Slip, die ich nicht wirklich zuordnen konnte... Steffen rief vor Schreck sofort Ines, unsere zweite Hebamme, an. Sie gab gleich Entwarnung, dass die Blutung wahrscheinlich durch die Untersuchung ausgelöst wurde. Nur wenn es wesentlich mehr werden würde, sollten wir ins Krankenhaus fahren. Wurde es Gott sei Dank nicht. Dafür kamen kurze Zeit später unregelmäßige Unterleibsschmerzen dazu.

Da es mittlerweile 18 Uhr war und wir nichts zu essen im Haus hatten, entschieden wir uns für einen Lahmacun. Steffen fuhr los. Ich telefonierte mit meiner Mutter und wir witzelten noch darüber, dass ihr ihr Arzt damals einen Tag vor meiner Geburt genau das gleiche erzählt hatte: Geburtsunreif, das dauert noch.

Steffen kam wieder – die Unterleibsschmerzen auch.
Mit dem Lahmacun in der Hand saß ich da: Sind das Wehen? Beiße ich da jetzt rein oder nicht? Das arme Kind, falls es jetzt kommt wird es gleich mit ner Knoblauch-Fahne empfangen ;-)
Ich biss hinein... die Hebamme hatte ja gesagt, es dauert noch.

Nach dem Essen bin ich in die heiße Wanne. Wenn das wirklich Wehen sind, soll es im Wasser ja angeblich eindeutiger werden. Steffen hatte ich meine Vermutung noch nicht mitgeteilt. Nicht, dass es nur falscher Alarm ist ;-) Er saß vor der Badewanne auf dem Boden und immer, wenn die "Unterleibsschmerzen" wieder kamen fragte ich ihn, wie spät es ist: 20.14 Uhr... 20.18 Uhr... 20.22 Uhr. Das war wohl eindeutig – und in dem Moment hat er es dann auch verstanden: "Oh mein Gott, Du hast Wehen?! "
Alle 4 Minuten, nicht schlecht für den Anfang.

Aus der Wanne heraus, sind wir dann ins Bett, wo ich versuchte, die Krämpfe zu ignorieren. Funktionierte aber nicht. Die Abstände wurden zwar größer, aber bei jeder Wehe musste ich aus dem Bett heraus und herumlaufen. Liegen und sitzen ging gar nicht. Um halb 10 rief ich dann Ines an, um ihr mitzuteilen, dass ich Wehen habe. Ihr Kommentar: "Hihi, das habe ich mir schon gedacht... wenn Du meinst, dass Du mich brauchst bzw. die Wehen schlimmer werden, ruf mich wieder an, dann fahre ich los." Eine Stunde später war es dann soweit. Ich war wieder in die Wanne gestiegen, dort war es für mich erträglich, und in dem Moment war ich mir sicher, dass es wirklich losgeht. Da sie zirka eine Stunde Fahrtzeit vor sich hatte, sollte sie sich auf den Weg machen.

Da die Geburt nun bevor stand, schickte ich Steffen nochmal los, um Getränke zu kaufen. Nicht, dass die Hebammen (oder ich) verdursten... Ich glaube, ab diesem Zeitpunkt hatten die körpereigenen Drogen schon gewirkt ;-)

Nachdem er mit Selter und Saft wieder zurück war, bin ich aus dem Wasser raus, da ich schon ganz schrumpelig war. Schnell in Steffens Nike Shirt ("Fight on") geschlüpft und ab ins Bett um eine Wehe nach der anderen abzuarbeiten. Eine Weile später hörte ich Steffens Freudenschrei: "Ines ist da!"

Sie untersuchte mich kurz und meinte, dass ich die Hälfte schon geschafft hätte! *Puh*
Dann schickte sie Steffen den Pool aufbauen. Nach dem sie mir noch erfolgreich einen Einlauf verpasst hatte (warum zur Hölle habe ich den Lahmacun gegessen...), bin ich dann wohl noch einige Zeit durch die Wohnung gewandert und konnte mit ihrer Hilfe am Kühlschrank hängend und das Becken vor- und zurückkippend die Wehen veratmen. Irgendwann stieg ich dann im Wohnzimmer in den Geburtspool, was wirklich angenehm war. Ich verbrachte die Zeit, inklusive der ersten Presswehen, knieend und (angeblich ;-)) ziemlich laut schreiend an Steffens Hals hängend... Ich kann mich nur an den unglaublichen Druck nach unten erinnern und dass Ines immer wieder sowas sagte wie: "Du musst drücken, dann kommt das Kind".

Eine Weile später sollte ich dann leider aus dem Pool raus, da es nicht wirklich weiter ging. Ich kniete mich auf eines unserer großen Kissen und klammerte mich weiter an Steffens Hals, während Lisa, unsere zweite Hebamme, die zwischenzeitlich auch angekommen war, mehr oder weniger erfolgreich versuchte, die Herztöne des Kindes abzuhören. Jetzt platzte auch endlich die Fruchtblase. Viel unspektakulärer, als ich es mir immer vorgestellt habe ;-) Zwischenzeitlich kam Ines noch mit warmen Kaffeekompressen, drückte die mir auf den Damm und fragte mich, ob das angenehm sei. War mir völlig egal, ich fand nur, dass es ganz lecker roch =)

Ich weiß nicht, ob ich sollte oder wollte, jedenfalls stand ich dann auf – und presste, was das Zeug hielt. Ich kann mich an ein kurzes Brennen erinnern und dann sagte jemand: "Das Köpfchen ist da!" Ganz ungläubig fasste ich mir zwischen die Beine und tatsächlich =) Der kleine Paul guckte schon aus mir heraus... Merkwürdiges Gefühl. Noch ein oder zwei (oder drei?) Presswehen und der kleine Mann rutschte in Ines' Arme. Sie gab ihn mir gleich hoch. Wow, das ist also mein Kind. Oh mein Gott, bloß nicht fallen lassen... Schnell warm einpacken und ab aufs Sofa.

Nachdem die Nabelschnur auspulsiert war, schnitt Steffen sie durch. Fehlte nur noch die Plazenta. Die kam dann nach einem kurzen leichten Ziehen an der Nabelschnur zirka eine Stunde nach der Geburt. Ines untersuchte mich noch: Damm intakt *juhu*, nur ein Labienriss, der nicht genäht werden musste. Währenddessen hatte Lisa den Kleinen schon angezogen und dem Papa zum Kuscheln gegeben. Ich verschwand schnell unter der Dusche und danach hatten wir genug Zeit, uns kennenzulernen... Und natürlich mit einem Glas Champagner auf das kleine Wunder anzustoßen!

Um 9 Uhr kamen die überraschten Großeltern zum gemeinsamen Geburtstagsfrühstück =)

Die Hausgeburt war trotz vieler ungläubiger und angstmachender Kommentare genau die richtige Entscheidung für uns. Ich habe in keinem Moment einen Arzt oder Schmerzmittel, geschweige denn ein Krankenhaus vermisst.

Paul • 15.12.2010 • 2.49 Uhr • 3440 g • 52 cm




Beitrag von elli81 30.01.11 - 11:42 Uhr

Ein schöner Bericht.
Und ich kann dir nur zustimmen. Eine Hausgeburt ist toll. Ich habe ja den Vergleich zur Klinikgeburt.
Und die Zuhause war einfach nur schön, friedlich und soooo entspannt. Ich hatte zusätzlich auch noch am allerwenigsten Schmerzen im Vergleich zu den Klinikgeburten der 2 Großen.

LG Elisabeth

Beitrag von only_love 30.01.11 - 11:55 Uhr

Ein sehr schöner Bericht :)

Hab im geburtsthaus entbunden, mußte mir auch viel anhören aber war froh über diese Entscheidung :)

Eine Hausgeburt würde mich auch reizen #verliebt.


Viel spaß mit deinem Zwerg :)


Lg Susanne und Melissa ( 4monate) #verliebt

Beitrag von angie1974 30.01.11 - 12:19 Uhr

Zuerst mal herzlichen Glückwunsch zum nachwuchs!! #herzlich#herzlich

ich zieh den Hut vor Dir und den Frauen, die die Babys zu Hause bekommen... ich bin leider in der Hinsicht ein Angsthase!

weiterhin alles gute...

LG
Angie

Beitrag von sandra7.12.75 30.01.11 - 13:06 Uhr

Hallo

Herzlichen Glückwunsch zum Baby und zur tollen Hausgeburt.

Jetzt weiß ich was wir noch vergessen haben #aha.Wir haben noch keinen Sekt kaltgestellt.

Ich bin nämlich in Lauerstellung zur Hausgeburt.

Viel Spaß mit dem Baby.

lg

Beitrag von schmetti78 30.01.11 - 19:23 Uhr

Na dann aber ab damit in den Kühlschrank... der war nämlich äußerst lecker!

Dir alles Gute und auch so ein schönes Erlebnis wie ich es hatte =)

Beitrag von chris1179 31.01.11 - 13:13 Uhr

Hallo,

ganz herzlichen Glückwunsch zu Eurem Sohn.

Dein Bericht liest sich sehr schön. Auch wir planen eine Hausgeburt und ich hoffe, ich kann dann ähnliches berichten.

Lg Christina + Krümelchen (24+5)

Beitrag von jumarie1982 01.02.11 - 15:01 Uhr

Ein ganz ganz tolle Bericht!!!

#verliebt

Beitrag von estherb 01.02.11 - 23:18 Uhr

Suuuper schön. Unser Baby kommt im Geburtshaus! Die Große ist auch dort geboren. Liebe Grüße, Esther