Ist das noch "normale" Vergesslichkeit?

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Beitrag von xyz09 31.01.11 - 19:54 Uhr

Meine Mutter, 65, wird immer vergesslicher. Ihr selbst bereitet das auch Sorgen und sie wollte sich von einem ihrer Ärzte (sie hat so allerlei Gebrechen, daher auch viele Ärzte) auf Alters-Demenz untersuchen lassen. Der hat aber gesagt, solange sie nicht anfängt, sich zu verlaufen o.ä. bräuchte sie sich keine Sorgen zu machen. So weit, so gut. Heute war aber wieder so eine Situation, wo ich im Nachhinein dachte, ob das noch so normal ist.
Gestern waren wir bei meiner Oma zum Geburtstagskaffee und -abendbrot. Beim Abendbrot ergab es sich, dass wir meine Mutter ein wenig foppten (gar nicht böse). Meine Mutter sagte dann irgendwann etwas wie "Nun hört aber mal auf, sonst geh ich nach oben" (total kindisch, auch nicht normal) Dann war sie "maulig". Ca. 10 Minuten später, in denen mein Mann und ich krampfhaft versuchten das Gespräch (ohne sie) am Laufen zu halten, ging meine Oma nach draußen, um den Nachtisch zu holen. Ich habe die Gelegenheit genutzt, um nachzufragen, was denn los ist und habe gesagt, dass ich sie (meine Mutter, die sonst Scherze dieser Art ganz gut abkann) nicht verletzen wollte und dass es mir leid tut, wenn es sie verletzt hat und dass ich mich entschuldige. Ihre einzige Reaktion "Du warst ja nicht die einzige." Der Rest des Abends war eher ein Krampf.

Heute bin ich nach meinem Delfi-Kurs noch (auf ihren Wunsch) kurz bei ihr rum gefahren (wohnt nur 3km von mir entfernt) und sie sprach das Ganze noch mal an. Kurzfassung: Sie konnte sich weder daran erinnern, dass ich mich entschuldigt habe, noch daran, dass sie gesagt hat, sie würde sonst "nach oben gehen". Ich habe anschließend erstmal meinen Mann angerufen, um zu fragen, ob ich mich falsch erinnere, aber der bestätigt meine "Version".

Davon mal ab, dass dieses Verhalten meiner Mutter für eine 65jährige sehr kindisch ist: ist das noch eine, für ihr Alter "normale" Vergesslichkeit, dass sie sich an diese beiden Sachen nicht mehr erinnern konnte?
Ich mache mir etwas Sorgen...

Danke für's Zuhören
xyz

Beitrag von haruka80 31.01.11 - 20:03 Uhr

hallo,

das hört sich schon sehr bedenklich an. Oft ist es ja so, dass die Leute angst haben zum Arzt zu gehen und sich testen zu lassen. Wenn ich meiner Mutter erzähle, dass ich zeitweise finde, dass sie ganz schön viel vergisst oder falsch auffasst seit sie nicht mehr arbeitet und keine Hobbies hat, kommt nur, ich solle mich um mein Leben kümmern, es wäre alles bestens.

Von meinem Mann weiß ich, dass in Altenheimen oft schon Demenzkranke mit anfang 60 sind, die es noch nicht schlimm haben, aber eben so, dass sie wichtiges vergessen und dann dort im betreuten Wohnen leben.

Ich weiß nicht, was ich dir raten soll, ein Problem bei Demenz-Erkrankten ist ja, dass sie sich lange nicht helfen lassen wollen, dass sie nicht einsehen, dass sie zum Arzt sollten. Dabei wäre es wichtig um sich medikamentös einstellen zu lassen und die Entwicklung damit zu verlangsamen. Demenz ist ja nicht heilbar.
Vielleicht sprichst du mal mit dem Hausarzt deiner Mutter, ob der einen Tipp hat?

L.G.

Haruka

Beitrag von xyz09 31.01.11 - 20:09 Uhr

Oh man, das macht mir schon Angst. Das Problem ist ja (s.o.), dass meine Mutter sich testen lassen _wollte_ und der Arzt gesagt hat, solange sie sich nicht verläuft o.ä., müsse sie sich keine Sorgen machen :-O
Du meisnt, ich soll sie noch einmal zu einem anderen Arzt schicken? Wohin geht man da?

Beitrag von newlife22 31.01.11 - 20:29 Uhr

Hallo
Ich arbeite in einem Heim (vorwiegend mit dementen)
Deine Beschreibung zu dem Vorfall wäre für mich schon ziemlich bedenklich (Will dir keine Angast machen) Aber ich will dir auch sagen, dass es von Vorteil ist diese Krankheit frühsgtmögl. zu diagnostizieren
(durch Medikamente kann das Vortschreiten länger zurück gehalten werden)
Ein Arzt kann durch ein kuren Test Anzeichen für eine Demenz feststellen.
Viele Erkrankte machen eine Wesensveränderung durch ("kindlich", "bockig"), die man vorher gar nicht an den Menschen kannte.
Ich persönlich würde versuchen mit ihr gemeinsam zum Arzt zu gehen ggf. den Arzt vorher schon informieren, warum du mit deiner Mutter kommst. Damit er sich drauf einstellen kann und gezielte Fragen stellt.

Auf keinen Fall würde ich mich von einem Arzt vertrösten lassen
("solange sie nicht anfängt, sich zu verlaufen o.ä. bräuchte sie sich keine Sorgen zu machen. ") -> Wenn das vorkommt, ist die Krankheit schon ziemlich weit. Je früher es erkannt wird, desto besser ist es zu therapieren.Jedoch nicht zu heilen
Ich hoffe ich konnte dir etwas helfen
Wünsche deiner Mama alles gute und hoffe das ihr eine Lösung finden werdet
Sandra

Beitrag von xyz09 31.01.11 - 20:35 Uhr

Danke für deinen Ratschlag. Zu welchem Arzt geht man denn da? Und warum soll ich mit meiner Mama zusammen hingehen? Sie hatte sich bei ihrem Neurologen in Lübeck (bei dem sie wegen ihrer Polyneuropathie in Behandlung ist) vorher angemeldet und hatte darum gebeten, dass ebendieser Test gemacht wird. Als sie dann kam, hatte man das vergessen, dafür dann keine Zeit und hat sie mit o.g. Worten vertröstet.

Mein Mann meinte gerade, dass er manchmal das Gefühl hat, sie sei durch ihre ganzen Medikamente etwas "high" (nimmt u.a. Opiate gegen die Schmerzen, da sie eine Schmerzmittelallergie hat). Kann das auch solche Auswirkungen haben?

Beitrag von newlife22 31.01.11 - 20:52 Uhr

Du kennst sie am besten und ich denke, dass es ganz gut wäre, wenn du ihre Antworten mitbekommst... und viell. ist es für sie ja auch etwas leichter, wenn sie eine Begleitung dahin hat. Wenn ich mir vorstelle, ich muss zu einem Arzt, der mir komische Fragen stellt um festzustellen ob ich dement bin, hätt ich schon gern jemanden an meiner Seite.
Ich glaube, selbst der Hausarzt kann diesen Test machen, bin mir aber nicht sicher. Ggf wird er dann ja überweisen
Das mit den Opiaten kann evt. auch der Gund sein. Ich bin nach 2 Tbl Ibuprophen auch nicht mehr ganz bei der Sache und wenn man Opiate bekommt, dann wirkt sich das schon aus...und dagegen ist Ibu ja ne Lachpille.
Alles Gute euch

Beitrag von pangea77 31.01.11 - 20:46 Uhr

Hallo!

Ob es sich bei deiner Beschreibung wirklich um Vergesslichkeit handelt oder um eine "Laune", an die sie sich vielleicht nicht mehr erinnern will, kann ich aus der Ferne schlecht beurteilen.
Auch ich halte das Verhalten für Besorgniserregend und würde es ärztlich abklären lassen. Ich würde zu einem Neurologen gehen. Vielleicht zu einem anderen, da der Jetzige nicht allzu viel Zeit zu haben scheint.
Ich arbeite in der Nuklearmedizin. Wir haben viele Patienten zur Alzheimerdiagnostik die eine Hirnszintigraphie bekommen. Den Patienten wird eine Radioaktivität gespritzt und wir können uns den Stoffwechsel des Hirns ansehen.
Mit Sicherheit gibt es aber noch andere Untersuchungen und Tests, die ich nicht kenne.

Drück dir die Daumen, dass alles ganz harmlos ist.

Viele Grüße
Pangea

Beitrag von xyz09 31.01.11 - 20:50 Uhr

Dass mit dem "nicht mehr erinnern will" schließe ich eigentlich aus. Sie klang ehrlich besorgt, als sie sagte "Das habe ich gesagt?" und "Du hast dich entschuldigt? Das ist an mir vorbei gegangen".
Ich werde noch mal mit ihr darüber reden.

Beitrag von salome25 31.01.11 - 23:38 Uhr

Hallo,

auch ich arbeite in einer Altenpflegeeinrichtung.
Mit was habt ihr sie denn gefoppt? Mit ihrer Vergesslichkeit?
Demenz hat viele Gesichter und beginnt bei jedem Patienten unterschiedlich. Persönlichkeitsveränderungen, wie es bei deiner Mutter der Fall zu sein scheint, treten recht zu Anfang auf, nämlich dann, wenn sie selbst mit ihrem Gefühlschaos nicht mehr zurecht kommen. Ich würde auch empfehlen, zu einem Arzt zu gehen, um eine Diagnose stellen zu lassen. Hinter solchen Symptomen braucht nicht direkt Demenz zu stecken. Es gibt vielerei Erkrankungen, die heilbar sind, die aber gleiche Symptomatik zeigen. Also, bitte keine Panik haben, noch ist es nicht diagnostiziert.

Ich wünsche euch alles Gute

salome

Beitrag von karna.dalilah 01.02.11 - 09:19 Uhr

Hallo,

es kann allerdings genauso sein, dass deine Mutter in der Situation deine Entschuldigung zwar am Rande mitbekommen hat, sie jedoch aus verschiedenen Gründen unter "unwichtig" abgelegt hat.
Vielleicht hat deine Mutter an diesem Tag und Abend etwas anderes auch viel intensiver beschäftigt, so dass das Abendessen nur Nebenschauplatz für sie war.

Damit können Situationen schon in den Hintergrund "in Vergessenheit" geraten.

Ich würde vielmehr zukünftig genauer hinschauen und versuchen mehr Zeit mit ihr zu verbringen, anstatt sie nun von Arzt zu Arzt zu schleppen.
Da deine Mutter ja nun schon 65 Jahre alt ist, sei ihr ein gewisser Grad von Vergesslichkeit zugestanden ;-)

Es gibt Menschen die sind ihr Leben lang viel tüdeliger :-o

Alles Liebe
Karna

Beitrag von xyz09 01.02.11 - 13:28 Uhr

Hallo Karna,

auch dir vielen Dank für deine Antwort.
Ich sehe meine Mutter mindestens zwei Mal in der Woche, telefoniere fast jeden Tag mit ihr. Ich schleppe sie garantiert nicht von Arzt zu Arzt, aber wenn deine Mutter von sich aus äußern würde, dass ihr das Sorgen bereitet und von sich aus einen Arzt versucht, darauf anzusprechen, dann würdest du sicher nicht weghören und sagen "du bist schon 65, da darfst du ruhig vergesslich sein", oder?

Liebe Grüße

Beitrag von karna.dalilah 01.02.11 - 17:34 Uhr

Entschuldige bitte, ich will eure Sorgen nicht herunterspielen.
Ich will lediglich mal einen anderen Blickwinkel gebenn.
Denn in unserer Gesellschaft ist eben vieles nur aufs fehlerfreie Funktionieren ausgerichtet und das natürliche Altern wird ausgeblendet.
Ich sehe da immer so ein bisschen Gefahr, die Selbstbestimmung des Lebens aus der Hand zur Verlieren bzw das das Leben sehr schnell aus Arztbesuchen, Medikamenten und dem Angagieren mit den Nebenwirkungen besteht.

Ich verstehe die Angst und will auch nicht die Notwendigkeit einer ärztlichen Untersuchung in Abrede stellen.
Die hattet ihr ja schon und der Arzt fand ja das Ganze noch nicht bedenklich.
Wenn euer Bauchgefühl sagt, dass ihr eine zweite Meinung braucht, dann holt euch die.
Meiner Erfahrung nach ist das Bauchgefühl, der beste Berater.

Alles Gute für euch
Karna

Beitrag von best2108 01.02.11 - 12:23 Uhr

Hi,

Du hast schon einige gute Ratschläge bekommen. Ich möchte aber noch einmal betonen, dass es sich nicht ausschließlich um eine Demenzerkrankung handeln kann sondern auch evtl. um passagere Minderdurchblutungen im Sinne einer TIA, also kurzfristiger Schlaganfall.

Würde gerne wissen welche Fachrichtung der Kollege betreibt, der gesagt hat, dass ein Demneztest erst bei Weglauftendenz Sinn macht. Sicherlich kein Neurologe. Bitte also Deine Mutter bei einem Neurologen vorstellen, es gibt Medikamente die eine Demenzentwicklung ggf. eindämmen können. Auch bitte an Gefäßprobleme (Carotisstenose ) denken, also auch CCT oder MRT Untersuchung mit Carotidendoppler.
Dafür brauchst Du einen guten Hausarzt bzw. Fachinternisten.

Grüße

Beitrag von xyz09 01.02.11 - 13:14 Uhr

"Würde gerne wissen welche Fachrichtung der Kollege betreibt, der gesagt hat, dass ein Demneztest erst bei Weglauftendenz Sinn macht. Sicherlich kein Neurologe"

Es war ihr Neurologe. Unfassbar, oder? Sie ist dort wegen ihrer Polyneuropathie (schreibt man das so?) in Behandlung.

Ihr Hausarzt taugt nix. Wo findet man einen guten Fachinternisten?

Viele Grüße
(wollte dir eine Nachricht schicken, ging aber nicht)

Beitrag von best2108 01.02.11 - 14:49 Uhr

Hi,

tja, das ist immer wieder eine gute Frage: Wo findet man gute Ärzte?? Ich selber als Arzt kann Dir das kaum sagen. Jedenfalls nicht über das Telefonbuch oder über irgendeine Nachbarin, die dir dann irgendeine Geschichte von ihrer Nichte der Tante (Du weißt wie ich das meine) erzählt.

Es kommt immer wieder auf die fachliche Kompentenz an und die kannst Du nur ansatzweise erahnen als Laie, wenn Du im Bekanntenkreis herumfragst und mehrer Leute triffst, die in unterschiedlichen Lebenslagen von einem Kollegen gut betreut worden sind (ich meine Langzeitbetreuung bei chronischen Erkrankungen, kurzfristige Betreuungen bei z.B. Erkältungserkrankungen, macht der Arzt Hausbesuche, muss er für alles überweisen oder macht er auch Untersuchungen selber?).

Zunächst musst Du Dich fragen warum Dein Hausarzt nichts taugt. Gibt es Probleme die geklärt werden können oder ist ein genereller Wechsel notwendig, dann wird der Hausarzt Dich bzw. Deine Mutter zu einem Fachinternisten für z. B. Carotidendoppler überweisen ( eigentlich immer ein Kollege des Vertrauens mit dem man schon seit Jahren zusammenarbeitet).
Dann solltest Du überlegen ob eine 2. Meinung eines anderern Neurologen angebracht wäre, auch ist evtl. eine stationäre Einweisung in eine Gerontopsychatrie zur Diagnosefindung ganz hilfreich. Sicherlich jetzt noch verfrüht bei Deiner Mutter, aber nur mal so für den Hinterkopf. Hört sich vielleicht sehr schlimm an das Wort Gerontopsychatrie, aber nicht so schwer werten bitte.

Alles Gute