Mein Kind mag nicht mehr in die Schule ... lang

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Forum: Kids & Schule

Kleine Kinder, kleine Sorgen - große Kinder, große Sorgen? Schulschwierigkeiten oder anstrengender Streit ums Aufräumen: Lest und diskutiert mit. Und da die Vorbereitung der Einschulung ansteht: Hier begleitet urbia-TV Vater und Tochter beim Schulranzenkauf.

Beitrag von barbarelle 02.02.11 - 08:28 Uhr

Seit sie in der dritten Klasse ist und einen neuen Lehrer hat, geht mein Kind nicht mehr gerne zur Schule. Allerdings hat sie uns das immer verheimlicht und gab vor das fröhliche Kind zu sein.

Erst gestern kurz vor dem Schlafengehen ist es aus ihr regelrecht "herausgebrochen". Sie weinte, war kaum zu beruhigen, erzählte wie toll und spannend der Unterricht bei der alten Lehrerin war und der Lehrer sei einfach "zu streng und man könne ihm nichts recht machen".

Das stimmt allerdings. Er ist sehr pingelig, perfektionistisch, verlangt Dinge, die Kinder in der Altersstufe noch gar nicht leisten können und schreibt zeitweise Kommentare unter die Tests und Klassenarbeiten, bei denen sogar sein Kollegium den Kopf schüttelt.

Die Leistungen meiner Tochter sind gut bis sehr gut.Bis auf Mathe, da hat sie kleinere Schwierigkeiten welche sie aber mit üben gut im Griff hat.

Druck von uns kommt keiner. Uns ist auch egal welche Empfehlung sie bekommen wird eines Tages. Trotzdem ist sie sehr fertig und von anderen Kindern bekommt man das auch mit.

Alternativen gibt es kaum und sie hat viele Freunde in der Klasse. Die Klassengemeinschaft ist gut - trotzdem kommen derzeit Bemerkungen von ihr wie: Ich will sterben ... mich braucht doch kein Mensch ...

Mich hat das gestern sehr fertig gemacht. Sie ist noch sehr verspielt (was ja nicht verwerflich ist für ein Kind von fast 9 Jahren) und ihr fehlt wohl das "spielerische" das in der 1. und 2. Klasse noch praktiziert wurde. Der krasse Schnitt macht ihr zu schaffen. Wie können wir Eltern ihr helfen?

Habt ihr Tipps? Ist das eine Phase die viele Kinder durchmachen und muss sie da einfach durch?

Viele Grüße und schonmal Danke für hilfreiche Antworten.

Barbarelle

Beitrag von maischnuppe 02.02.11 - 08:45 Uhr

Wahnsinn, genauso erging es uns auch! Original!
Ich habe meine Tochter immer zum "durchhalten" annimiert und es lange nicht bemerkt, wie gekonnt meine Tochter mir ihre Sorgen und Ängste verheimlicht hat. der Zusammenbruch kam kurz vor der Klassenfahrt. Der Gedanke, jetzt Tag und Nacht mit der ungeliebten Lehrerin zusammen zu sein, fand sie schrecklich, aber sie wollte trotzdem gerne mit (am besten ohne Lehrerin) Ich hatte dann mit der Lehrerin ein seeeeehr intensives Gespräch und im Anschluss daran meine Tochter dann auch noch. Seitdem ist das Verhältnis etwas entspannter- aber lieben wird sie die Lehrerin nie, neverever. Sie freut sich jetzt schon auf den Schulwechsel und betet dieses Mantra regelmässig runter.

Lehrerwechel ist etwas ganz spezielles und kann die Kids enorm mitnehmen. Die ersten 2 Schuljahre hatten wir ein Vernellgeschleudertes Exemplar und dann kam der Wechsel zu 3. Klasse und die neue Lehrerin ist SOWAS von Gegenteilig. Da müssen die Zwerge erst einmal mit zurecht kommen. Nicht immer ist es "meckern" wenn sie ermahnt oder erinnert werden (oft hausgemacht)

Euer Lehrer scheint ja ein ganz spezieller Fall zu sein, wenn sogar seine Kollegen den Kopf schütteln. Bevor sie durch das ganze Kopfschütteln ein Schleudertrauma bekommen, sollte man sich mal mit dem Kollegen zusammen setzen, evtl. mit Schulleitung und diese destruktive Arbeistweise mal angehen.
Viel Erfolg und lasst euch nicht entmutigen!

LG
Schnuppi

Beitrag von barbarelle 02.02.11 - 09:31 Uhr

Danke Schnuppi,

erstaunlich wie viele Parallelen es gibt. Die erste Lehrerin konnte auch streng sein aber sie begeisterte die Kinder für alles. Sie hat die Kinder geliebt und die Kinder sie. Aber gut - das ist vorbei.

Ich werde nochmal das Gespräch mit meinem Kind führen WAS genau ihre Ängste und Gefühle sind und um einen Termin beim Lehrer bitten, bevor ich die Schulleitung etc. einschalte. Zumal vermutlich dazu nicht mal ein grosser Anlass besteht.

Die Klasse die er davor hatte, fingen irgendwann mal an ihn zu vergöttern. Also kann er sooooo schrecklich nicht sein. Entweder ist es der krasse Schnitt von 2 zu 3 und sie kämpft noch mit der Umstellung. Er jedoch könnte in ein paar Dingen sich ein wenig zurücknehmen, zumal es ja nicht nur mein Kind betrifft.

LG
Barbarelle

Beitrag von aquila-et-arbor 02.02.11 - 09:56 Uhr

Hallo, Barbarelle,

ganz allgemein wird in der Schule ab der 3. Klasse mächtig "angezogen". Auch mein Sohn hatte dann noch dazu einen für seine Strenge bekannten Lehrer und war darüber nicht besonders glücklich. Ich habe ihm zwar darin zugestimmt, dass er nun mal nicht das pädagogische Highligt der Schule erwischt hat, habe aber immer versucht von zu Hause aus zu relativieren. Ich habe ihm klar gemacht, dass er da eben durch muss und dass ihm das hilft, jetzt schon ein dickes Fell zu kriegen, das er später noch brauchen wird, weil er in seiner weiteren Schullaufbahn noch mehrere "gewöhnungsbedürftige" Lehrer bekommen wird. Ich habe mir das Klagen meines Sohnes zwar immer angehört, ihn aber nie bedauert (zumindest nicht so, dass er es gemerkt hätte).

Nach einigen Wochen hatte mein Sohn (und viele wenn auch nicht alle in der Klasse) sich daran gewöhnt, dass dieser Lehrer halt immer nur negative Kommentare gibt und auch unter einer 1 zumindest "Schrift!!!!" steht. Wenn er wieder mal schreit werden die Ohren auf Durchzug gestellt.

Inzwischen ist er in der 4. Klasse, hat noch den gleichen Lehrer, geht nach wie vor gerne zur Schule und nennt besagten Pädagogen humorvoll sein "Berufsrisiko".

Deine Tochter wird das auch überstehen und wird danach umso stärker sein!

LG#winke

Beitrag von barbarelle 02.02.11 - 10:24 Uhr

Danke dir für deine Sichtweise. Ja, du hast recht. Daher meine Frage hier in die Runde.

Ein Gespräch muss ich trotzdem mit ihm führen und da werde ich das mit einfliessen lassen.

Wie gesagt entweder Methode: Da muss sie durch und sie halt stärken (nur wie? und da hast du ja schon hilfreiche Tipps gegeben) weil ein "Aufstand" wird absolut nichts bringen und evtl. nach hinten los gehen.

Ihre Leistungen stimmen. Ein gewaltiger "Einbruch" wie ihn manche drittklässler-Eltern erleben hatten wir nicht - im Gegenteil, wir staunen eher, dass sie so gut ist.

Vermutlich ist es auch ihr eigener Druck, weil sie es ihm recht machen will und so wenig "nettes" kommt. Das müssen Kinder aber auch lernen ...

Viele Grüße
Barbarelle

Beitrag von marion2 02.02.11 - 10:37 Uhr

Hallo,

meiner Meinung nach ist nicht der neue Lehrer das Problem, sondern der alte. Schule ist kein Kindergarten. "spielerisch" finde ich inzwischen total ätzend. Mit dem Übergang kommen die wenigsten Kinder zurecht.

Wahrscheinlich muss sie einfach nur mit der Umstellung fertig werden.

LG Marion

Beitrag von barbarelle 02.02.11 - 10:44 Uhr

Hallo Marion,

das ist ja genau das, was die meisten Eltern die ich kenne am System kritisieren. Diese krassen Schnitte.

Der Stoff macht den meisten Kindern nicht zu schaffen ... es ist einfach die andere Form des Unterrichts.

Nun gut. Es beruhigt mich zu lesen, dass sie sich daran gewöhnen wird und nunmal durch muss.

LG und Danke

Barbarelle

Beitrag von jarmina 02.02.11 - 11:57 Uhr

Hi,

solche Probleme gab es schon vor 30 Jahren. Ich hatte in der 1. und 2. Klasse eine sehr nette ältere Dame als Lehrerin (Marke Oma), die dann aber zur 3. Klasse und in Rente ging.

In der 3. Klasse bekamen wir dann eine junge Lehrerin, die unsere Klasse erstmal ein wenig Ruhe nahlegen musste. Sprich sie war deutlich strenger als unsere alte Klassenlehrerin. Ich bin mit dem Wechsel relativ gut parat gekommen, andere in der Klasse nicht und ja, auch ich habe mir bei ihr ein paar Strafarbeiten eingefangen wegen "Reden im Unterricht" und nicht gemachter Hausaufgaben.

Ich kann mich erinnern, dass die Mutter einer Klassenkameradin meine Mutter anrief, ob ich den auch so Probleme mit der neuen Lehrerin hätte, wie ihre Tochter. Diese Mutter hat Mitstreiter gesuch um die Lehrerin abzusägen, hat aber, aus meiner Sicht Gott sei Dank, nicht genug Leute gefunden.

Ich denke ein Gespräch mit dem Lehrer ist schon mal ein richtiger Weg. Auch solltest Du Deiner Tochter klar machen, dass sie noch mehr Menschen in ihrem späteren Leben treffen wird, mit denen sie umgehen muss, aber die sie nicht mag.

Seien wir mal ehrlich auf der weiterführenden Schule kann es noch krasser sein, da man dort ja häufig für jedes Fach einen anderen Lehrer hat und da gibt es da ja auch die Modelle: liebe Oma, Freund/in der Schüler, strenge Gouvernante usw. und damit muss man dann auch lernen umzugehen.

Liebe Grüße

Jarmina, die immer mit den strengen Varianten am Besten ausgekommen ist.

Beitrag von barbarelle 02.02.11 - 12:29 Uhr

Danke auch dir Jarmina für deine Sichtweise. Es ist schonmal gut zu wissen, dass es "normal" ist. Wir warteten ja ständig auf irgendeine Reaktion von ihr, nur sie war nach wie vor fröhlich etc.

Bis auf den Ausbruch eben gestern. Wie gesagt, da ich in einer anderen Angelegenheit sowieso mit dem Lehrer sprechen muss, werde ich das mal sachte einfliessen lassen.

Er ist kein Unmensch und hat auch sehr viele positive Seiten und vor allem kann man mit ihm reden.

LG
Barbarelle

Beitrag von anira 02.02.11 - 12:01 Uhr

Hallo,

bis zu einem gewissen grad ist das wirklich normal
WAS nicht normal ist das sie dir sagte sie will sterben usw
da musst du ganz massiv gegen steuern
das aus den mund des eigenen Kindes zu hören lässt das herz richtig verkrampfen
und ist nicht normal
und da würde ichs chon sehr genau hinschauen und das gespräch mit dem lehrer uchen
es kann doch net seind as das seine kolegen über ihn den kopf schütteln aber dann doch weg sehen!!!!!!
hier in hessen ist das so das die kinder die lehrer die ersten 4 jahre haben
sprich es ist nicht der harte einschnitt mehr und härterer stoff UND neuer Lehrer sondern nur das mit dem stoff
so haben die kidner zeit sich an die arten der lehrer zu gewöhnen
klar haben sie vermehrt danna uch fremdlehrer kontakt
aber das ist VIEL entspannter
deswegen bitte ich dich ihre hilfe schreien zu hören dir auch gegebenfals profi hilfe zu holen
damit sie den übergang gut schafft und nicht irgend wann total zerbricht!

sei für sie da hilf ihr bei den Hausaufgaben und gib ihr das was sie braucht

Beitrag von barbarelle 02.02.11 - 12:26 Uhr

Danke Anira,

wir sind schon bei einem Kinderpsychiater und da werde ich das Thema mal ansprechen. Das hat mich am meisten erschüttert.

Sie ist schon ein sensibelchen.

LG
Barbarelle

Beitrag von anja1968bonn 02.02.11 - 13:44 Uhr

Liebe Barbarelle,

auch mein Sohn (8, 3. Klasse) mag im Moment aus ähnlichen Gründen wie Deine Tochter nicht mehr so gern zur Schule.

Seine Lehrerin (Typ der alten Schule, kurz vor der Rente, humorlos, unsensibel, nur an Leistung interessiert) hat er in der 2. Klasse bekommen, sich aber - nach einigen Anfangsschwierigkeiten - eigentlich mit ihrer Art arrangiert. Mit Beginn des 3. Schuljahres fiel die Lehrerin für fast vier Monate krankheitsbedingt aus; eine junge Lehrerin, ebenfalls recht energisch, aber eben einfach auch freundlich und den Kindern zugewandt, übernahm die Klasse, zeitweise noch von einer "Reiselehrerin" unterstützt. Im Dezember 2010 kam dann die alte Lehrerin zurück, mein Sohn ist reizbar, lustlos, angespannt; andere Kinder haben sogar psychosomatische Beschwerden.

Nach Gesprächen, auch mit anderen Eltern und Kindern, stellten sich folgende Problempunkte heraus:
- Viele Kinder haben Angst zu fragen, wenn sie etwas nicht verstanden haben, weil die Frage mit der Antwort quittiert wird "Hättest Du besser zugehört, wüsstest du, wie das geht"
- Die Lehrerin verschafft sich in der zugebenermaßen unruhigen Klasse durch Schreien Respekt; viele der ruhigeren Kinder können sich in dieser Atmosphäre schwer konzentrieren. Die Rückfrage von Eltern ergab: "Manche Kinder brauchen das; die anderen (ruhigeren) wissen doch, dass sie nicht gemeint sind"
- Die letzte Mathearbeit ist recht schlecht ausgefallen, weil manche Aufgabenstellungen neu und auch unklar waren; mehrere Eltern haben heftige Streitgespräche dazu mit der Lehrerin geführt. Bei meinem Sohn hatte sie vergessen, eine Aufgabe zu korrigieren, die zwar an der Note nichts änderte, aber eben ja doch gemacht worden war - dazu hatte ich eine freundliche Bitte im Arbeitsheft formuliert. Antwort an meinen Sohn: "Deine Mutter hat das Bewertungssystem nicht verstanden" und ohne weiteren Kommentar Kreise um die Aufgaben, die bei der Benotung berücksichtigt wurden.

Wir Eltern werden uns Ende der Woche treffen, damit der Elternrat ein Gespräch mit der Lehrerin und auch der Schulleitung führen kann, in dem die Probleme benannt werden. Ich bin nicht sehr optimistisch, dass sich wirklich etwas ändert, aber versuchen wollen wir es.

Ich bin auch im Zwiespalt, was ich meinem Sohn zu dem Thema sage: Einerseits denke ich, dass er "da irgendwie durch muss", andererseits bedaure ich, dass die Freude an der Schule und am Lernen so auf der Strecke bleibt.

LG

Anja

Beitrag von barbarelle 02.02.11 - 15:05 Uhr

Hallo Anja,

das ist ja furchtbar. Ich wünsche Euch echt viel Erfolg bei der Sitzung und dem Gespräch. Das die Kinder dadurch demotiviert werden, find ich übel.

Ich habe ja den anderen geantwortet, dass ich das Gespräch mit dem Lehrer führen werde. Auf irgendeine Art mögen die Kinder ihn schon ... es ist einfach die Umstellung und meine ist auch so ein sensibelchen.

Auf der einen Seite zickig und aufmüpfig und dann wieder? Nun gut... mich würde es sehr interessieren was bei euch rauskommen wird.

Magst du es mir per PN mitteilen?

Viele Grüße und alles Gute
Barbarelle

Beitrag von frauke131 02.02.11 - 18:46 Uhr

Mein Kind ist auch 9 und in der 3. Klasse. Und sie ist stolz daraus, jetztt nict mehr "spielerisch" zu lernen, sondern eigenverantwortlich und selbständig ihre Aufgaben zu machen. Natürlich hat sie jetzt manchmal komische Phasen, sie ist 9!!! und ander Schwelle zur Pubertät. Das wird bei Deiner Tochter ähnlich sein.

Du musst sie bestärken, sie unterstützen in ihrem Weg zum eigenständigen Schüler und das erreichst Du nicht, wenn Du meisnt der Lehrer wäre zu streng. Die meisten Kinder brauchen Zeit, sich an die Anforderungen zu gewöhnen, und die finde ich beileibe in nicht unmöglich.Der Lehrer hat studiert, ist mit Lehrplänen und dem Lernstand der Kinder vertraut, ich denke, er wird wissen, was er erwarten kann.

Deine Tochter muss lernen, dass sie mehr und mehr allein verantwortlich ist und es keine Rolle spielt, ob sie den Lehrer mag oder nicht.

Beitrag von barbarelle 03.02.11 - 09:22 Uhr

Hi Frauke,

das wird sie lernen, da habe ich keine Bedenken. Wie gesagt, der Lehrer stellt seine Ansprüche und ich habe ihn ja nicht in allem schlecht gemacht.

Ich war nunmal etwas erschrocken, nach dem Abend und wollte mir hier Meinungen holen.

Die Sichtweisen haben mir sehr geholfen, danke an alle.

LG
Barbarelle