Zugunglück/Lokführer

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Beitrag von marion0689 02.02.11 - 12:53 Uhr

Hallo!!

Ich war eben mit meinem SOhn draussen und hab dort eine Bekannte getroffen. Diese hatte eine Zeitung in der Hand, auf der ersten Seite ein Aritkel über das Zugunglück.

Wir haben uns darüber unterhalten und sie meinte: "Der Güterzugführer gehört doch weggesperrt"

Ich sehe das aber noch nicht mal so.

Er hat das sicherlich nicht mit Absicht gemacht. Wer weis, ob die Halteanlagen überhaupt funktioniert haben??
Mein Onkel ist Lokführer und er hat schon oft gesagt, dass diese Dinger bei zB strengem Frost und anderen Extrembedingunen oft ausfallen.
Dazu bekennt sich die Bahn natürlich nicht.

Man sagt ja, er was nicht auf seinem Posten. Wer weis denn, ob er den Personenzug nicht noch gesehn hat, und einfach nach hinten abgehauen ist?? Hätte ich vermutlich auch gemacht. Ob er noch einen Bremsversuch gestartet hat, weis man ja nicht.

Ich glaube, dieser Mann wird sowieso kein glückliches Leben mehr führen.
Er weis, wie viele Menschen wegen ihm gestorben sind. Sein Gewissen wird ihn nie mehr loslassen.

Wie seht ihr das?? Findet ihr, der Mann gehört hinter Gittern??

Liebe Grüße! und bitte keine Streitereien!

Beitrag von fiori_ 02.02.11 - 13:00 Uhr

Hallo,


ich sehe das genauso wie Du.

Aber.....Wenn man Ihm aber zweifelsfrei nachweisen kann, das er absichtlich die Haltesignale missachtet hat, dann hält sich mein Mitleid in Grenzen und ganz klar müsste er dann bestraft werden.

lg

Beitrag von parzifal 02.02.11 - 15:19 Uhr

Weshalb sollte er die Signale ABSICHTLICH überfahren haben?

Es geht doch ausschließlich um fahrlässiges Verhalten.

Ob das zutrifft ist eine Frage die man von hier nicht klären kann.

Beitrag von fiori_ 02.02.11 - 17:11 Uhr

Logisch, kann man das hier nicht klären und ich habe mir das nicht selber ausgedacht, das er evtl. die Haltesignale missachtet hat, sondern nur das wieder gegeben was ich bei N-Tv gesehen und gehört habe!

Und wie würdest Du es denn sonst nennen, außer fahrlässiges Verhalten, wenn er tatsächlich die Haltesignale missachtet hat, indem er nicht auf seinen Führerposten war?

Beitrag von parzifal 03.02.11 - 00:08 Uhr

"Missachten" sagt nichts darüber aus, ob das absichtlich, vorsätzlich oder fahrlässig erfolgte.

Wenn er nicht auf seinem Führerposten war erhöht das den Grad der Fahrlässigkeit (und eine diesbezügliche Strafe wegen fahrlässiger Tötung).

Es bleibt dann aber bei einer fahrlässigen Tötung.

Man kann aber schwerlich davon ausgehen, dass er absichtlich ein Haltesignal was Halt zeigt mißachten wollte. Dann wäre man mind. bei Totschlag.

Beitrag von connykati 02.02.11 - 13:12 Uhr

Hallo,

es ist sehr schlimm, was in Sachsen-Anhalt passiert ist #kerze
Aber zumindest ich würde einem Lokführer niemals die Schuld dafür geben. Auf genau dieser Strecke sind in den vergangenen Jahren gleich 3 Beinahe-Katastrophen passiert - eben genau deswegen, weil Haltesignale NICHT FUNKTIONIERT haben. Ein Lokführer ist auch nur ein Mensch und kein Hellseher. Alle drei Vorfälle wurden in letzter Sekunde durch Notbremsungen verhindert.

Echt traurig, dass der Großteil der Bahnstrecken in den neuen Bundesländern auch noch 20 Jahre nach der Wende auf dem Stand der Nachkriegsjahre sind - ohne diese Sicherheitstechniken, die im "Westen" bereits seit den 80er Jahren Standard sind. Die DB Netz spart dort definitiv zuviel des Guten - man sieht ja, wo das hinführt.

Traurige Grüße,
Conny

Beitrag von hinterwaeldlerin09 02.02.11 - 13:29 Uhr

Tja,

hinter Gitter oder nicht, diese Menschen sind tot.

Ich frage mich aber, ob man überhaupt das Schicksal von Menschen in die Hand eines (fehlbaren) Menschen legen sollte, wenn man doch technisch was machen könnte!

Es gibt längst diese automatischen Bremssysteme, die einen Zug anhalten, wenn er ein Haltesignal überfährt. Aber auf der besagten Strecke eben NICHT.

Ich habe jetzt in der Presse gelesen, dass Rüdiger Grube sich überlegt, dass jetzt auch auf den eingleisigen Strecken in Ostdeutschland einzubauen...!#augen

Bisher war kein Geld dafür da, hieß es. Es ist die Frage, ob wir uns diese Dinge nicht einfach Geld kosten lassen sollten.

Ob wir nicht mal umdenken müssten...was uns die Dinge wert sind. Hartmut Mehdorn hat 2009 rund 5 Millionen € als Abfindung erhalten. Unter anderem dafür, dass die Berliner S-Bahn restlos kaputt gespart wurde.

Die Leute regen sich über einen Hartz IV-Empfänger auf, der einen Fuffi oder zwei nebenbei verdient und machen eine Staatsaffaire draus, aber die wirklichen Mißstände, die wirklichen Schanden in diesem Land, lassen wir uns gefallen wie die Schafe!

Und wenn sie diesen Lokführer hinter Gitter bringen - was mit Sicherheit passiert - ist das nur ein Akt des Rachebedürfnisses und der Schuldgefühle dieser Gesellschaft. Einer muss schuld sein. Und die, die nichts tun...wollen das auf keinen Fall sein.

lg die hinterwäldlerin

Beitrag von marion0689 02.02.11 - 13:41 Uhr

Guter Beitrag, Danke!

Beitrag von bade_frau 02.02.11 - 14:09 Uhr


Toll geschrieben #pro#pro

Beitrag von similia.similibus 03.02.11 - 09:01 Uhr

#pro

Beitrag von xandria 02.02.11 - 13:30 Uhr

Hallo!

Wie viel Schuld den Güterlokführer trifft, kann ich nicht ermessen. Ich habe nur vor ein paar Tagen Beckmann gesehen, da ging es eben auch um das Thema (Grube, der von Pro Bahn und einige andere waren da). Dort wurde gesagt, dass er nicht NICHT auf seinem Posten sein konnte, weil Lokführer so einen Knopf drücken müssen, um ständig rückzumelden, dass es ihnen gut geht. Wegen dieses Sicherheitssystems gibt es auch keinen Co-Lokführer (sowie im Flugzeug mit dem Co-Piloten). Wenn der Lokführer sich nicht rückmeldet, stoppt der Zug. Und einer der Gäste sagte, dass die Lokführer die Anweisung haben, sobald sie nichts mehr tun können um einen Zusammenstoß zu verhindern, sich zurückziehen sollen, um sich selbst zu schützen. Also, ich denke, er war auf seinem Posten und er hat sich nach Vorschrift zurückgezogen. Warum er auf verschiedene Signale nicht reagiert hat, ob es die Signale nicht gab oder oder oder kann ich nicht beurteilen. Allerdings sehe ich es so, wenn man ihm nachweisen kann, dass er Fehler gemacht hat, muss er zur Rechenschaft gezogen werden. Auch wer fahrlässig einen Verkehrsunfall mit dem Auto verursacht, wird zur Rechenschaft gezogen.

LG, Kathrin

Beitrag von miau2 02.02.11 - 13:58 Uhr

Hi,

das Gewissen lässt auch (hoffentlich) Autofahrer nicht mehr los, die aus irgendwelchen Gründen - Gründe finden sie oder ihre Anwälte ja eigentlich meistens, oder? - andere totgefahren haben.

Und trotzdem gehören sie wenn sie teilweise oder ganz derartiges verschulden bestraft. "Wegsperren" trifft es in den allermeisten Fällen dabei allerdings nicht wirklich, Haftstrafen ohne Bewährung sind zumindest in Fällen, wo es um Verkehrsunfälle geht doch eher die Ausnahme.

Und ganz genau so gehört der Lokführer bestraft, wenn ihm eine Schuld nachgewiesen wird. Egal, ob er "den REst seines Lebens eh leidet oder nicht".

Es kann doch nicht Grund für die Aussetzung einer Strafverfolgung sein, wenn jemand das, was er falsch gemacht hat bereut. Wo willst du dann noch hinkommen? Jemand, der vielleicht weil er eine rote Ampel übersieht eine ganze Familie mit dem Auto auslöscht einfach ungestraft (durch die Behörden) lassen, weil (nach allem menschlichen ERmessen) das Schuldgefühl schon Strafe genug ist??? Wäre das ein soooo viel anderer Fall?

Seine Schuld muss ihm bewiesen werden. Wenn es wirklich wahrscheinlich ist, dass ZWEI Signalanlagen hintereinander ausgefallen sind wird er oder sein Anwalt sicher einen Gutachter finden, der das dem Gericht auch gut darlegen kann. Und der genügend Zweifel an der Schuld des Lokführers säen kann.

"Wegsperren" hat für mich etwas von stammtischparole. Aber wenn ihm eine Schuld nachgewiesen werden kann gehört er für mich genau so bestraft wie jeder andere mensch auch, der durch fahrlässiges Verhalten andere getötet hat.

Viele Grüße
Miau2

Beitrag von marion0689 02.02.11 - 14:05 Uhr

Das Problem hierbei ist dennoch, dass es mittlerweile an fast jeder eingleisigen Strecke im Westen diverse Sicherheitsmaßnahmen gibt zb die Bremsung bei überfahren eines Haltesignals.

Gäbe es das auch dort, wären wohl all diese Mrnschen noch am Leben.

Jemanden, der eine rote Ampel überfährt, kann man nicht abhalten.
Dieses System jedoch hätte den Zug anhalten können.

Trifft die Bahn also gar keine Schuld??

Beitrag von xandria 02.02.11 - 14:58 Uhr

Aber diese Systeme entbinden den verantwortlichen Menschen, und das ist in dem Fall der Lokführer, doch nicht von seiner Aufgabe und Verantwortung. Dann bräuchten wir ja gar keine Lokführer mehr. Natürlich wäre es ein großes Glück gewesen, wenn es das System auf der Strecke gegeben hätte, aber dass es dort noch nicht installiert ist, kann man jetzt nicht mehr ändern. Die Bahn hat in den vergangenen 15 Jahren in dieser Hinsicht große Fehler gemacht, die kann man aber jetzt nicht innerhalb von einem Jahr ausbessern.

Beitrag von miau2 02.02.11 - 17:10 Uhr

Ich habe nicht gesagt, dass die Bahn gar keine Schuld trifft. Aber es hätte wohl - wenn die Signale funktioniert haben - ganz einfach in der Hand des Zugführers gelegen, den Unfall zu verhindern.

Warum sollte es den Lokführer von seiner (eventuellen) Schuld entbinden, nur, weil es die technischen Möglichkeiten gegeben hätte?

Wenn es stimmt, dass ER zwei Haltesignale überfahren hat dann war DAS sein Fehler. Und diese eine Sache wäre dann seine Möglichkeit gewesen, das Unglück zu verhindern.

ER hatte die Verantwortung für den Zug. Und wenn die Vermutungen stimmen hat er schlicht und einfach einen gewaltigen Fehler gemacht, der den Tod von 10 Menschen ausgelöst hat. Und wenn das stimmt hat er genau so bestraft zu werden wie jeder andere, der den Tod anderer durch Fehler verursacht.

Dass es irgendwo anders eine technische Möglichkeit gegeben hätte das zu verhindern befreit ihn doch in keinster Weise von der Verantwortung, die er zu diesem Zeitpunkt auf genau DIESER Strecke hatte.




Beitrag von litalia 02.02.11 - 14:47 Uhr

am meissten erschüttert mich das schicksal des kleinen 10 jährigen? mädchens!

diese hat ihre eltern verloren, ihre schwester (oder bruder) und ihre großeltern. ihre familie ist ausgelöscht.
was muss dieses kind fühlen was nun schwer verletzt im krankenhaus liegt und keiner von ihren lieben kommt sie besuchen weil sie alle tot sind... einfach schrecklich!

Beitrag von mama-02062010 03.02.11 - 10:41 Uhr

Die Lichtsignale haben funktioniert.

Sein Problem war das er mit 2 Stunden verspätung losgefahren ist und sonst auf der Strecke freie fahrt hat und irgendwann muss er es vergessen haben und somit die Lichtsignale übersehen.

Das Gericht wird sich schon entscheiden.