Ernste Frage zu uraltem Chor...

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Beitrag von sarosina1977 02.02.11 - 15:56 Uhr

Hallo Freizeitrunde.

Ich habe folgende Frage:

Wir sind umgezogen und weil ich gerne was für die "Integration" hier in diesem Dorf tun wollte und weil ich gerne singe, habe ich mich dem örtlichen Chor angeschlossen.

Oder zumindest versucht...

Ich singe da jetzt seit drei Monaten, von Haus aus bin ich begeisterte Sängerin, kann Noten lesen und bin auch chorerfahren.

Der Altersdruchschnitt in diesem Chor ist um die 70. Ich bin knapp Mitte 30 und die mit Abstand jüngste Teilnehmerin.

Das fand ich ja noch nicht mal so schlimm, weil ich schon glaube, dass zwischen Jung und Alt viel Synergie entstehen kann. Das Repertoire ist zwar altbacken und obwohl ich eher auf moderne Chorliteratur stehe, habe ich Spaß an den traditionellen Volksweisen, von denen man sonst nur mit ach und krach die zweite Strophe mitsummen kann...

Die Chorleiterin ist sehr nett und engagiert und sie ist froh, dass ich mitsinge, weil ich die Noten lesen kann und ohne große Schwierigkeiten neue Lieder lernen kann.

Jetzt kommt aber das "Aber": Ich kann tun und lassen, was ich will - ich fühle mich nicht wohl. INzwischen ist es mir zuwider, wenn ich zu den Probeabenden gehen soll, weil mich die Atmosphäre dort stört. Die alten Leute grüßen kaum bis gar nicht, schauen mich argwöhnisch an und tuscheln so laut über mich, dass ich das höre. Oder sie kritisieren und motzen an der Arbeit der Chorleiterin herum, giften sich an, stänkern lautstark während den Proben rum. Über den Tuscheleien stehe ich - ich habe schon ordentlich Kontra gegeben. Aber mich "turnt" die Gesamtsituation eben ab.

Entwicklungsmöglichkeiten gibt es keine mehr in dem Ensemble, das insgesamt aus 14 Leuten besteht. Vor zwei Jahren gründete man einen Kinderchor, in dem noch 4-5 Kinder singen. Davor stand der Gesamtchor vor dem Aus und wurde nur durch das Einspringen eines neuen Vorsitzenden gerettet.
Im Kindergarten hab ich eine Mutter kennen gelernt, die auch zugezogen ist und gerne singen würde. Aber bevor ich was sagen konnte, erzählte sie: "In den Chor hier im Ort gehe ich aber nicht - der hat einen ganz schlechten Ruf." Und über das Ensemble wird gesagt, dass es ja eh keinen Ton treffe.

Konzerte finden quasi keine mehr statt. Eher nur noch Auftritte auf Beerdigungen, wenn ein Mitglied gestorben ist. An Weihnachten sang man am 2. Feiertag 3 Lieder in der Kirche - das Programm schmiss man 5 mal um und kam auf eine Light-Version, weil alle anspruchsvolleren Stücke nicht klappten.

Ich fahre quasi mit angezogener Handbremse. Habe an Vereinsaktivitäten teilgenommen (Weihnachtsfeier, Geburtstagsfeier) - aber ich werde da einfach nicht warm. Es fehlen Gesprächesansätze von beiden Seiten.

Heute abend ist wieder Probe - und ich scheue mich, hinzugehen. Von Haus aus bin ich schon ein Vereinsmensch, ich finde die Chorleiterin nett und kompetent. Aber dieses Drumherum...Herausforderungen gibt es quasi keine, nur die, als Mitglied dort zu bleiben.

Am letzten Wochenende wurde ich angesprochen - ich sei DAS Gesprächsthema im Ort, weil sich wohl viele fragen, warum um alles in der Welt in diesem Chor bin. Ich muss vorausschicken, dass ich durch meinen Beruf hier in der Region nicht unbekannt bin, deshalb scheint das besonders interessant zu sein, was ich mache. Im Übrigen habe ich erfahren, dass vor mir auch schon jüngere Leute mal mitgesungen hätten - und nach 2, 3 Proben nicht mehr kamen. Der Chorvorsitzende erzähle quasi herum, dass ich das neue Zugpferd sei: Wenn ich als junge Frau da singe, dann würden sicher andere junge Leute dazu kommen. Hä??

Nun - ich hätte gerne mal eine neutrale Meinung. Ich bin kein Mensch, der immer gleich die Flinte ins Korn wirft. Aber unnötig quälen will ich mich auch nicht...Macht das Sinn, diesem Chor - der mich bislang nicht als Mitglied aufgenommen hat und mir nicht mal eine Mitgliedschaft angeboten hat - weiterhin treu zu bleiben? Ist es eine Herausforderung, als wesentlich jüngere, einzige Sängerin weiter mitzumachen???


Sicher kommt jetzt ein Kommentar im Stil von: "Mein Gott - Deine Probleme möchte ich haben..."

Der Chor ist kein Problem für mich - ich möchte einfach wissen, wie andere Leute über die Situation denken.

Beitrag von wasteline 02.02.11 - 16:20 Uhr

Dein Problem möchte ich wirklich haben.

So viel Text für so wenig Problem.

Es ist ein Hobby, Du fühlst dich dort nicht wohl = aussteigen.

Beitrag von sarosina1977 02.02.11 - 19:14 Uhr

Viel Text = Berufskrankheit.

Aber danke für den Hinweis. Ich denke, ich versuche mich an zu viel Faktischem zu orientieren (auch berufsbedingt), anstatt einfach mal meinem Gefühl zu folgen.

Weniger denken, dafür mehr fühlen - das wäre manchmal einfacher.

Danke, Du hast mir einen Anstoß gegeben.

Beitrag von leboat 02.02.11 - 16:26 Uhr

Hallo,
ich bin immer sehr bemüht darum, mich in meiner Freizeit wohlzufühlen,sprich mich nur mit Leuten zu umgeben, die mir gut tun.Im Arbeitsleben ja leider meist nicht so möglich.
Ich probiere auch gern neues aus,bin dann aber auch rigoros,wenn ich eben merke, dass es "nicht passt".Dann lass ich es lieber, dafür ist mir meine Freizeit zu schade und in dem Moment, wo man sich nicht wohl fühlt, tut einem die Sache auch nicht mehr gut.Es liegt eine negative Stimmung drüber, die beseitigt werden muss.Man ärgert sich ja doch,oder macht sich eben Gedanken..solchen "Ballast" halt ich mir fern...
Du scheinst in diesem Chor auch keinen richtigen Spass zu haben,geschweige denn mit den Anderen warm zu werden,also würde ich es lassen an deiner Stelle.
LG

Beitrag von francas6290 03.02.11 - 09:57 Uhr

huhu,

ich kann dich sehr gut verstehen. Ich singe auch und habe mir in den vergangenen Jahren, wenn ich in eine neue Stadt gezogen bin, immer als erstes einen Chor gesucht. Ich bin da auch sehr anspruchsvoll, habe aber bspw. im Ausland ein paar Abstriche gemacht, was die Sangesqualitäten anbelangt. Vorausgesetzt, dass die Leute sympathisch waren!!! Für mich war auch beides wichtig: zu singen UND nette Leute kennen zu lernen. Hier in Hamburg habe ich auch ein paar Chöre ausprobiert, bis ich bei einem Vokalensemble "gelandet" bin.

Die Situation, die du beschreibst, erscheint mir sehr kontra produktiv. Und dein Ziel der Integration scheinst du damit auch nicht zu erreichen... Hast du die Möglichkeit, woanders zu singen, vielleicht nicht zu weit weg? Oder dich einer anderen Aktivität anschließen? Viel Glück bei der Suche!!!

Beste Grüße,
Franca

Beitrag von sarosina1977 03.02.11 - 10:32 Uhr

Liebe Franca.

Danke für Deine netten Zeilen.

Ich habe heute morgen dem Chorleiter eine Mail geschrieben, in der ich mich verabschiedet habe. Ganz höflich. Die Antwort hat mich überrascht: Schade, dass ich so schnell das Handtuch schmeißen würde.

Schnell...dass ich nicht lache...


Irgendwie geht es mir jetzt besser. Ein großer Ballast ist von mir abgefallen.

Ich werde mich nach einem anderen, flotteren Ensemble umschauen. In aller Ruhe. Und ich werde gleich auf meinen Bauch hören und nicht aus Höflichkeit irgendwo verharren, wo es mir nicht gefällt.

Danke für Deinen Zuspruch.

LIebe Grüße.

Sarosina

Beitrag von ruebe74 04.02.11 - 14:02 Uhr

Hallo,

ich singe auch im Chor.

Wir hatten vor ca. 10 Jahren die Situation, dass sich viele junge Leute abgewandt haben, weil der Chorleiter, nun ja sagen wir mal manchmal etwas cholerisch wurde, insbesondere bei Störungen durch die Sänger während der Proben. Ich habe dem Chor die Stange gehalten, weil ich den Chorleiter und die verbliebenen Sänger mochte, und mich sicherlich auch irgendwie verpflichtet gefühlt habe.

Der Chorleiter hat sich extrem gewandelt, ist deutlich ruhiger geworden, und mittlerweile suchen wir absolut gleichberechtigt das Repertoire und unsere Auftrittstermine aus. Ich bin froh, dass ich dabei geblieben bin.

'Wenn ich mich aber nicht mehr wohl gefühlt hätte, wäre ich gegangen, daher kann ich Deine Entscheidung absolut verstehen. Vor allem als "Vorzeige-Durchhalter" hätte mir das auch gar nicht gefallen.

Ich wünsche Dir, dass Du bald eine neue musikalische Herausforderung findest.

LG
ruebe74