Frauenquote

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Beitrag von nele27 02.02.11 - 18:34 Uhr

Hi Ihr Lieben,

wie steht Ihr zum Thema Frauenquote??

Ich dachte ja früher immer, dass das kompletter Blödsinn ist - wer will schon wegen der Quote eingestellt werden?

In letzter Zeit komm ich aber ins Grübeln, ob es nicht doch sinnvoll ist - sonst bewegt sich doch nie etwas in der Gesellschaft oder? Vll muss man Firmen erstmal zwingen, damit sie die Strukturen verändern?

Andererseits denke ich, wichtiger als die Quote an sich ist es, dass sich gerade im Bereich der gehobenen Posten die Arbeitskultur ändert. Solange erwartet wird, dass ein Mensch mit Verantwortung 60 Wochenstunden reißt und immer zur Verfügung steht, werden nicht viele Frauen mit Familie so einen Job haben wollen (ich selbst auch nicht, solange die Kinder klein sind).
Und mit den herrschenden Strukturen wird es weiter die Arbeitsteilung Mann bei der Arbeit, Frau zu Hause geben (oder gelegentlich umgekehrt, aber keine wirkliche Vereinbarkeit).

Tja, wie kann man dieses Problem lösen? Ist die Frauenquote ein guter Anfang? Oder Blödsinn? Wie kommen Frauen an gute Posten (immerhin machen mehr Mädchen als Jungen Abitur...)? Oder wollen sie gar nicht?

Was meint Ihr? Freu mich auf Antworten!

LG, Nele

Beitrag von ippilala 02.02.11 - 19:48 Uhr

Es kommt auf den Bereich an. In der freien Wirtschaft sollte es keinerlei Qutoen geben. Es ist vollkommen legitim, wenn ein Unternehmer bevorzugt Frauen, Männer, Schwarzhaarige oder Kleinwüchsige einstellt.
Wer mit dieser Auswahl ein Problem hat, wird einfach nicht Kunde oder Geschäftspartner oder gründet im besten Falle selbst ein Unternehmen, welches andere in eigenen Augen richtigere Kriterien zur Auswahl der Bewerber an den Tag legt.

Es gibt viele Bereiche in denen weitaus weniger Frauen überhaupt einen Weg in die Richtung eines Berufes einschlagen, in dem sehr viele Männer arbeiten. Zum Beispiel ein Ingenieurswissenschaftliches Studium. Hier wird nicht nach Geschlecht ausgewählt, wer studieren darf oder nicht. Trotzdem ist der Männeranteil weitaus größer - und demnach logischer Weise auch die Zahl der Männer, die in diesem Beruf arbeiten und hohe Positionen bekleiden.

Würde man in solchen Unternehmen also eine Frauenqoute einführen, würde die Qualität sinken. Da es nunmal mehr Männer gibt, die diese Arbeit überhaupt verrichten können, da es mehr Männer gibt, die sich für eine solche Laufbahn entscheiden.

Frauen machen zwar öfter das Abitur, wählen aber anschließend öfter eine Ausbildung an Stelle eines Studiums oder legen nach der Ausbildung weniger oft ein Srudium nach.
Und wenn sie ein Studium beginnen, dann öfter in einem Bereich, in dem die Bezahlung in den Bereichen, in denenn sie später einmal arbeiten können, niedriger ist, als bei anderen Studiengängen.
Zum Beispiel Soziale Arbeit oder Erziehungswissenschaften oder Kulturwissenschaften usw.

In dem Fall wäre eine Männerquote Blödsinn, da es einfach im Vergleich zu den Frauen viel weniger Männer gibt, die diese Berufe ausführen können und wollen.

Im öffentlichen Bereich sollte zwar auch kein Zwang herrschen, aber mehr Wert auf Aufklärung gesetzt werden, denn hier hat der Kunde ja oft keine Wahlmöglichkeit. Hier sollte also der Fokus allein auf den Qualifikationen beruhen.




Beitrag von marion2 02.02.11 - 20:25 Uhr

Hallo,

so lange Frauen REAL schlechter bezahlt werden als Männer, macht das keinen Sinn.

Gruß Marion

Beitrag von purpur100 02.02.11 - 20:54 Uhr

jepp#pro

Beitrag von nele27 02.02.11 - 21:31 Uhr

Naja, vielfach vor allem sich schlechter bezahlen LASSEN, weil sie keine ordentlichen Gehaltsverhandlungen führen...

Beitrag von purpur100 02.02.11 - 23:12 Uhr

nun, ich könnte mir vorstellen, daß viele Frauen(mit Kindern) deshalb keine "ordentlichen Gehaltsverhandlungen" führen, weil

und jetzt darf ich deinen Text kopieren

"erwartet wird, dass ein Mensch mit Verantwortung 60 Wochenstunden reißt und immer zur Verfügung steht,"

und sie realistisch genug sind (oder zu ehrlich?) und wissen, daß das eben bei ihnen nicht drin ist. Die offizielle Arbeitszeit ist ja eine andere. Und um den Job trotzdem zu bekommen und sich und anderen beweisen zu können, daß man die Arbeit ansich sehrwohl ausgezeichnet kann, fallen die Gehaltsverhandlungen anders aus.

Verstehst du, wie ich das meine?#schwitz

Beitrag von nele27 03.02.11 - 10:12 Uhr

Ja Purpi, aber genau das ist ja die typisch weibliche Sicht der Dinge, mit der man im Geschäftsleben wenig reißt.

Ein Mann würde niemals auf die Idee kommen, sich den Kopf für seinen Chef zu zerbrechen. Würde spätestens wenn er eingestellt ist, einfach mit seinen Leistungen rumpupen und mehr Gehalt fordern. Und wenn dann vom Chef Deine Argumente kommen und er sich ziert - ok, das ists eben Pech. Versucht er es halt später wieder.

Nur die Frauen machen sich ständig Gedanken, was sie alles nicht können und versuchen über Bescheidenheit lieb gehabt zu werden. Tja, das zahlt sich eben nicht aus.... kein Chef kommt von selbst an und bietet mehr Gehalt, weil die MA immer so fleißig war und nie aufgemuckt hat.

Und wenn der Chef dann traurig auf die Bilanzen guckt, bieten sie womöglich noch an, sich selbst den Lohn zu kürzen :-)

Beitrag von purpur100 03.02.11 - 10:21 Uhr

also typisch weibliches Verhalten. Müssen die Frauen von der Einstellung her nun wie Männer werden um annerkannt und ernst genommen zu werden?

Da würde sich aber einiges verändern. Sowas läßt sich dann nämlich nicht nur aufs Berufsleben begrenzen.

Da hilft nur eins: Die Wissenschaft muß es endlich hinkriegen, daß auch die Männer schwanger werden können. Und sich Männer von der Einstellung her wie Frauen verhalten. Wäre die bessere Variante, weil............. wärmer und nicht so kaltschnäuzig.
Ach ich weiß auch nicht.
Schon wieder etwas, wo ich mir stundenlang Gedanken drüber machen könnt#schwitz

Beitrag von nele27 03.02.11 - 10:33 Uhr

***Müssen die Frauen von der Einstellung her nun wie Männer werden um annerkannt und ernst genommen zu werden? ***

Das ist in der Tat eine Kernfrage des Themas. Ich denke, bei den jetzigen Verhältnissen lautet die Antwort JA.
Eine Freundin von mir hat Karriere im Speditionsbereich gemacht - nur Männer im Umfeld. Sie sieht zu allem Unglück auch noch sehr gut aus und musste sich echt durchbeißen. Mit dem Ergebnis, dass ihre Mutter die Hände überm Kopf zusammenschlug: "Nadine, Du bist wie ein Mann geworden" #gruebel

Ich persönlich fände es übrigens - wie weiter unten geschrieben - wesentlich besser, wenn die Arbeitskultur sich ein wenig Richtung Familienfreundlichkeit öffnen würde.
Könnte mir durchaus z.B. zwei Geschäftsführer einer Firma mit 30 Stunden vorstellen, statt einen, der sich tot arbeitet und in der Familie eher Übernachtungsgast als Ehemann und Vater ist.

Was soll daran schlechter sein? Vll sind die beiden mit 30 Stunden insgesamt leistungsfähiger, da sie auch noch ein Leben außerhalb der Firma haben.

Beitrag von purpur100 03.02.11 - 10:46 Uhr

Rechnung:
Geteilte Arbeit = geteilter Verdienst?

Oder wie? Dann bleibt Gehalt auf der Strecke. Oder wie soll sich das ne Firma leisten können, statt ein super Gehalt für eine Person dann zwei super Gehälter für zwei Personen zu zahlen.

Beitrag von nele27 03.02.11 - 11:04 Uhr

Nee, die Stelle von vornherein mit 30 Std. und dem reduzierten Gehalt doppelt besetzen.
Dann können sich alle bewerben, die nicht Vollzeit arbeiten wollen - und müssen trotz Teilzeitwunsch nicht auf eine niedrigere Stelle.

Beitrag von purpur100 03.02.11 - 11:11 Uhr

oh, dann wäre das ja ideal für Frauen und die Quote ;-) "Hohe" Stelle aber kein "hohes" Gehalt #cool

Beitrag von nele27 03.02.11 - 11:19 Uhr

Schon hohes Gehalt - entsprechend der Anzahl der Stunden!

In den jetzigen Verhältnissen ist ja gar keine Führungsposition zu bekommen, wenn man wegen Familie nicht voll im Einsatz sein will. Also wären solche Stellen ein Gewinn für alle Frauen und Männer, die Beruf und Familie vereinbaren wollen, aber trotzdem eine ordentliche Postion haben möchten. Bisher reduzierte man ja nicht nur die Stunden, sondern oft auch den Grips, wenn es zB nach Elternzeit eine Stufe runterging. Lies mal bei Finanzen und Beruf, viele verlieren ihre guten Stellen automatisch bei TZ-Wunsch.

Und auch für die Firma wären solche MA ein Gewinn, da die Work-Life-Balance dieser Personen stimmt...

Beitrag von purpur100 03.02.11 - 11:47 Uhr

sorry, hatte nen Denkfehler. Habe mit hohem Gehalt automatisch mehr Kohle in der Tasche vermutet#hicks

http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitsplatzteilung

Beitrag von 3wichtel 04.02.11 - 09:03 Uhr

Hohes Gehalt für viel Arbeit funktioniert aber leider auch nicht immer:

Mein Mann ist einer von den vielgerügten Beamten. Was viele Leute in unserem Umfeld nicht sehen, sind die Nachteile:
Mein Mann hat sich auf der Karriereleiter weit nach oben gekämpft. In der Wirtschaft würde das jetzt angemessen honoriert.
Im Beamtentum hat sich der Karrieresprung mit netto 200€ bemerkbar gemacht #rofl
Dafür wird aber erwartet, dass es keine Überstunden mehr gibt, sprich: 50-60 Stunden sind bitte normal!

Jetzt stand wieder die Möglichkeit eines Karrieresprungs an (mit einem Zugewinn von unter 100€!!). Da hat er dann dankend abgewunken.

Wenn man schon die Familie vernachlässigt, dann doch nur, wenn es finanziell auch so reizvoll ist, dass man davon den Lebensstandard deutlich erhöhen kann.

Beitrag von ayshe 03.02.11 - 11:22 Uhr

Warum kein hohes Gehalt?
Wenn sie eben nur 30 Stunden arbeiten, keine großatigen Überstunden machen müssen, die im gehalt inbegriffen sind, dann bekommen sie ien hohes Gehalt, aber anteilmäßig für einen TZ-Job.

Für Tz gibt es eben kein VZ-Gehalt.

Beitrag von purpur100 03.02.11 - 11:48 Uhr

ja, ich hab da nen Denkfehler.......... gehabt. Passiert #schwitz

Beitrag von ayshe 03.02.11 - 13:02 Uhr

Macht ja nichts ;-)

Beitrag von ayshe 03.02.11 - 11:16 Uhr

Sind pauschal alle Frauen im Wesen so anders, daß sie alles mit sich machen lassen?

Ich kann das gar nicht bestätigen, auch nicht daß Frauen angeblich viel weniger verdienen.

Beitrag von purpur100 03.02.11 - 11:19 Uhr

ach, ich denke, auch hier darf und kann man nicht pauschalisieren. Auch da gibts feine Abstufungen.

Beitrag von nele27 03.02.11 - 11:20 Uhr

Na, die Frauen, die sich vor allem um das Wohlergehen des armen Chefs sorgen und diesen nicht mit frechen Gehaltsforderungen belästigen wollen - sondern froh sind, dass ausgerechnet sie unfähige Wesen einen Job abbekommen haben, verdienen sicherlich weniger :-)

Beitrag von ayshe 03.02.11 - 11:32 Uhr

Mal ganz ehrlich, ich habe bisher in meinen 18 Jahren Berufsleben noch nie so eine Chef-Ersatzmutter getroffen.

Wo sitzen denn solche Mutter-Theresa-Frauen, die aus Mitleid arbeiten? #schock

Beitrag von nele27 03.02.11 - 11:47 Uhr

Lies doch mal in Forum Finanzen & Beruf genau...

Gerade vor zwei Tagen fragte eine TE ob Ihr Mann nach der Weiterbildung und mit einer neuen Position auch mehr Gehalt verlangen sollte - schon die Frage allein... aber naja.
Mehrere (weibliche!!!) User fanden das Ansinnen unverschämt #kratz

Bei meinem letzten AG waren sehr viele gut ausgebildete Frauen tätig, die sonst nicht auf die Klappe gefallen sind.
Aber wenn der Chef mit "Du weißt ja, uns gehts gerad nicht so gut" ankam, haben die ihn sogar noch sinnbildlich in den Arm genommen, wenn ihre Stelle unterm Hintern weggekürzt wurde (O-Ton "man muss ihn ja auch verstehen" und "es ist ja auch nicht leicht"...)

Oder lies Dir mal durch, wie Frauen Bewerbungen schreiben. Da leiten die selbstständig Projekte und zweifeln, ob sie "eigenständiges Arbeiten ist selbstverständlich für mich" oder dergleichen reinschreiben dürfen ("Aber so gut konnte ich das doch gar nicht" #augen)

Es ist manchmal zum Heulen.

Beitrag von ayshe 03.02.11 - 13:17 Uhr

Dann lese ich wohl zu wenig solcher Posts ;-)

Nullrunden, die eine ganze Firma fährt, sind ja okay, aber daß einzelne solche Tränendrüsen haben, habe ich bisher nicht erlebt und verstehen kann ich es schon gar nicht.


Was die Bewerbungen angeht, ja, das habe ich im Forum schon einmal gelesen.
Vllt sind Frauen immer noch so unterdrückt, daß sie an Wahrnehmungsstörungen leiden ;-)
Manche haben vllt Angst, weil sie gar nicht so gefordert werden woll und untertreiben lieber, weil sie dann ihre Ruhe haben. Keine Ahnung.
Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen.


Beitrag von purpur100 04.02.11 - 10:49 Uhr

ja, ich greif mir grad mal selbst an die Nase. Weißt, ich turne hier z. B. in Excel und Word rum, kriege alles mögliche auf die Reihe, wunderbar prima, was andere hier im Büro eben nicht so locker oder gleichmal garnicht hinbekommen und ich denke mir: Wieso soll ich das groß anpreisen, war doch nix dolles, ist mir sogar leicht gefallen.
Den Spruch: Klappern gehört zum Handwerk sollte ich mir mal an die Wand tackern und öfter draufschauen;-)


PS: Wenn ich das vorhin im Radio richtig mitbekommen habe, dann hat Harald Schmidt gestern abend gesagt, daß doch sehr viele Frauen sich in Chefetagen befinden; allerdings mit Putzlappen und Wischmop;-)