Wie vermeide ich die "perfekte Mutter" Falle (v.a. im Beruf)

Archiv des urbia-Forums Kleinkind.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Kleinkind

Das Leben mit kleinen Kindern ist wunderschön, nie langweilig aber auch ziemlich anstrengend. Da können Tipps von anderen Müttern oder Vätern viel Erleichterung und Hilfe in den Alltag bringen. Viele Infos rund um Ihr Kleinkind  (z.B. Kinderkrankheiten) findet ihr auch in unserem Magazin.

Beitrag von bine.73 03.02.11 - 19:18 Uhr

Hallo zusammen,

unser Kleiner ist jetzt 1,5 Jahre alt und unser ein und alles.
Vor seiner Geburt war mir immer schon klar, dass ich wieder arbeiten gehen möchte, wenn er 1 Jahr alt ist.
Ich habe studiert und hatte einen super interessanten Job (international ausgerichtet, viele Reisen, viele viele Überstunden....), ich konnte mir absolut nicht vorstellen, nur mit Kind zu Hause zu bleiben.
Als er dann auf der Welt war, hat sich mein Bild etwas gewandelt, trotzdem habe ich mich immer nach der Herausforderung und der Abwechslung gesehnt. Ich habe also wieder angefangen zu arbeiten (Teilzeit), als er etwas über 1 Jahr alt war.
Habe ne neue Aufgabe, die mir nur bedingt Spaß macht.
Mein Problem ist aber nun, dass es mir unheimlich schwer fällt abzuschalten.
Mein Kind ist das wichtigste für mich, aber es erschreckt mich, wie wichtig mir auch mein Job ist. Alle um mich rum sagen immer: Mach Dienst nach Vorschrift, nimm die Arbeit nicht so ernst...Dein Kind ist das Wichtigste überhaupt.
Das sehe ich auch so, aber ich bin so unendlich pflichtbewusst, dass es mich schon selbst annervt und ich deshalb oft denke, ich bin eine schlechte Mutter, weil ich nicht sofort von Beruf auf Kind umschalten kann. Langsam habe ich Sorge, dass ich in diese klassische Falle der perfekten Mutter, Hausfrau und Angestellte tappe.
Wisst Ihr was ich meine? Warum nehme ich meinen Beruf immer noch so ernst, lasse mich da so stressen, kann nicht mal was liegen lassen, für meine Familie bzw. nur unter großer Anstrengung????
Warum hab ich nicht diese LmaA-Einstellung?
Und hat mir jemand einen guten Tip, wie ich da ein bisschen lockerer werde?
Sonst gehe ich mittelfristig drauf. :-(

Sorry, dass das jetzt alles so lang geworden ist, aber manchmal nervts mich so an...ich nerve mich an. Und ich weiss nicht, wie ich aus dieser Mühle rauskomme.
Meine Familie bedeutet mir ALLES. Aber ich bring es einfach nicht übers Herz, mal einen Anschiß zu kassieren, weil vielleicht nicht irgendwas perfekt war.
Menno....

Danke fürs Zuhören und für die eine oder andere Antworte, die vielleicht kommt.

Beitrag von schwarzesetwas 03.02.11 - 19:38 Uhr

Ich finde Dich gar nicht schlimm, zumindest das, was Du geschrieben hast!

Sehe das eher so: Manchen täte eine etwas weniger LmaA-Einstellung gut und etwas Ehrgeiz auch nicht schlecht.

Hausfrau- und Mutterdasein kann nun mal nicht jede Frau, zumindest nicht ihr ganzes Leben lang!
Dafür sind die Kinder wieder viel zu schnell aus dem Haus und man schaut in Bezug auf Rente u. ä. schnell in die Röhre.

Und: So lange Du Dein Kind nicht im KiGa bzw. Krippe vergisst, ist doch alles ok! ;-)

Lg,
SE

Beitrag von lexa8102 03.02.11 - 20:08 Uhr

Hallo,

ich finde es gar nicht schlimm, wenn du pflichtbewußt bist. Natürlich musst du zu 100% für den Job da sein und wenn etwas nicht liegen bleiben kann (und mit deinem Kind kein Notfall ist), dann kann es halt nicht liegen bleiben.

Bei mir ist es so, dass ich tatsächlich weniger Überstunden mache als früher - einfach weil ich bei meinem Kind sein will. Dann bleibt halt etwas liegen (aber nur das, was auch bis zum nächsten Tag warten kann).

Natürlich will man perfekt sein, aber man muss sich halt eingestehen, dass das nicht geht.

Deswegen liebst du dein Kind nicht weniger oder bist eine schlechtere Mutter. Du gibst deine Träume und Ideale nicht auf und stehst zu dem, was du willst.

Viele Grüße,
Lexa

Beitrag von chrilli 03.02.11 - 20:53 Uhr

Huhu!

Hmmm schwierig... Also erstmal finde ich es sehr positiv, was Du für eine EInstellung zu Deinem Job hast. Ich habe auch immer so eine Einstellung gehabt und mich beruflich sehr eingesetzt. Das tue ich auch immer noch aber kann nach Feierabend (arbeite seit mein Kind ein Jahr alt ist 30 Std./Woche) sehr gut abschalten. In meiner Firma wird mit den Mitarbeiten seit einiger Zeit nicht mehr sehr fein umgegangen und somit habe ich für mich beschlossen meine Arbeit zwar gut zu machen und immer mein Bestes zu geben, weil es MEIN Anspruch an mich selbst ist aber um 15 Uhr (in Ausnahmefällen später) ist für mich Feirabend und ich würde mich z.B. nicht mehr krank zur Arbeit schleppen oder solche Sachen... Ich habe gemerkt, dass mein Arbeitgeber nicht so viel für mich tut, wie ich für ihn gebe. Kürzlich erst haben sie bei uns eine Mama entlassen, die aus der Elternzeit kam. Sie hat sich auch immer sehr engagiert und das war der Dank. Es mussten aus wirtschaflichen Gründen Stellen abgebaut werden und kein Schwein interessierte es mehr, wieviele Überstunden sie früher immer gemacht hat...
Trotzdem bleibt auch bei mit immer dieser innere Konflikt allen alles Recht machen zu müssen. Aber ich glaube man MUß sich davon befreien.
Der Tag hat eben nur 24Std.
Vielleicht hilft es Dir, wenn Du daran denkst, dass Du ja beruflich immernoch mal durchstarten kannst wenn Dein Kind etwas älter ist?
Vielleicht tut Dir mehr Abwechslung gut. Unternimm doch was Schönes mit Deinem Kind nach Feierabend, damit Du abschalten kannst Mutter-Kind Turnen oder was auch immer - und gönn Dir selber auch mal ne Auszeit. Vielleicht mal nen Wellness-Tag oder shoppen mit ner Freundin oder mal Kino, wenn es sich organisieren lässt? Einfach um den Kopf frei zu bekommen...
Und sieh es mal so: Dein Kind ist ja auch ein "Job" den Du gut machen mußt, das ist dann eben Dein Job nach Feierabend.
Letztlich kannst nur Du selbst Dich von diesem Druck befreien!

LG und Alles Gute! #herzlich

Beitrag von kaki_luna 03.02.11 - 22:41 Uhr

Hallo,

mir geht es auch so, der Text hätte von mir sein können.
Ich arbeite 24 Stunden in der Woche (3 Tage voll), bin meist verkehrsbedingt 15 Min. früher da und mindestens 30 Minuen, manchmal auch 1,5 Stunden länger im Büro. Nach zwei Jahren Elternzeit musste ich mir ein neues Büro suchen, zwei Wochen später kam ein neuer junger junger Chef der viele Änderungen mit sich bringt... es ist mehr Arbeit zu erledigen als wir eigentlich schaffen können.

Donnerstag freue ich mich auf mein langes Familienwochenende, und Montag sehne ich den Arbeitsalltag herbei... Ich habe das große Glück dass mein Mann (selbstständig) unseren Sohn morgens zur Tagesmutter bringt und dort abholt, so dass ich nicht auf die Uhr sehen MUSS. Dadurch hat er auch eine andere Erkenntnis wie stressig es morgens sein kann (und 2 1/2 ist einfach ein Alter ... ich schreib es lieber nciht, sonst kommen irgendwoher Steine geflogen... #cool)

Fakt ist: ich LIEBE meine Familie, aber ich liebe auch meine Arbeit. Ohne Arbeit fehlt mir ein Stück Selbstvertrauen, Rauskommen, Austausch mit anderen und geistige Forderung. Auch wenn es manchmal hart ist, tut es uns allen gut wenn ich arbeite. Nicht nur finanziell, sondern weil ich auch anders ausgelastet bin.
Und ich habe gelernt die Verantwortung für unseren Sohn nicht alleine zu tragen sondern mit meinem Mann zuteilen.
Wenn ich arbeiten war, darf ich auch Mal abends angespannt, erschöpft oder genervt sein - solange es nicht zur Regel wird und ich es nicht am Mini auslasse.
Ich muss nicht jeden Abend das perfekte Essen zaubern, wenn ich k.o. bin. Dann gibt es halt Brot oder Pizza und Salat.

Ich weiß beide Teile meines Alltags (Büro und Mama) voll zu schätzen, beides ist toll aber auch anstrengend.

Ich weiß nicht ob dir das hilft, aber vielleicht noch ein paar Tipps:

Einmal in der Woche gehe ich mit einer Freundin abends zum Yoga. Das hat mehrer Vorteile: 1) rauskommen = was FÜR MICH tun 2) echte körperliche Aktivität 3) Anfangs- und Schlussmeditation hilft mir wunderbar beim Abschalten.
In der Zeit ist mein Mann zuhause, kann PC zocken wie es ihm beliebt und wir haben beide etwas davon.

Einmal im Monat treffen wir Mütter aus der (früheren) Spielgruppe uns zum Essen gehen. Hat den gleichen Erholungseffekt, nur weniger Bewegung und mehr Kalorien, dafür auch oft sehr lustig. #freu

Mit unserem Sohn gehe ich fast jede Woche am freien Tag in die Mediothek (Stadtbücherei) in die Kinderabteilung. Da fühlen wir uns beide wohl, schmökern und leihen etwas aus... das ist für uns ein toller Kompromiss, keinem ist langweilig. Das ist dann unsere gemeinsame Zeit unterwegs.

Und am anderen freien Vormittag gehen wir zum Kinderturnen, das macht uns auch Spaß.
(Schäm schäm... nur auf dem Spielplatzsitzen und stundenlang anschaukeln oder Förmchen bauen ist einfach nicht meine Welt, jedenfalls nicht im Winter.)

Mittlerweile habe ich es fest verinnerlicht: wenn es mir gut geht, geht es meiner Familie gut. Mein Mann unterstützt mich da, 1000 Dank an ihn.

Findet euren persönlichen Rhythmus, und lerne dich selbst wieder kennen. Du bist seit der Geburt auch eine andere, und euer Leben ist anders. Da ist es doch durchaus legitim sich erst einmal neu zu ordnen!
Setzt dir vielleicht einen oder zwei feste Tage an denen du pünktlich gehst, an den anderen kannst du etwas länger bleiben.
Du wirst das schon schaffen.

Ganz ganz liebe Grüße #liebdrueck
Kopf hoch und durchhalten,

Karen